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Podgórz (deutsch Podgorz, 1942–1945 Amberg) ist ein Stadtteil der Stadt Toruń (Thorn) in der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern.

Inhaltsverzeichnis

Geografische LageBearbeiten

Podgórz liegt im Kulmerland in der historischen Region Westpreußen, südlich des Stadtkerns von Thorn, in der Nähe des gegenüberliegenden südlichen Ufers der Weichsel.

GeschichteBearbeiten

 
Pogorz im Kulmerland in Westpreußen, südlich von Thorn und südöstlich von Bromberg, auf einer Landkarte von 1908

Bei Podgórz handelt es sich um das alte Nessau, das um die Ordensburg Nessau, das spätere Schloss Dybow, gelegen hatte und, nachdem sich das Kulmerland zusammen mit dem Preußischen Bund freiwillig der Schutzmacht des Königreichs Polen unterstellt hatte, aufgrund eines von Kasimir IV. Andreas der Stadt Thorn gegebenen Versprechens abgebrochen und an einem weiter südlich gelegenen und etwas weiter von der Weichsel entfernten Ort, dem heutigen Nieszawa (Nessau), neu aufgebaut wurde. Der Verlegung von Nessau waren Beschwerden der Stadt Thorn wegen Handelsbeeinträchtigungen vorausgegangen. Die Stadt Podgórz gehörte danach zur Starostei Dybow.[1]

Im Rahmen der zweiten polnischen Teilung 1793 kam die Stadt an Preußen und gehörte zunächst zum Departement Bromberg. Während der Franzosenzeit 1807–1815 wurde sie dem Herzogtum Warschau angegliedert. Im Jahr 1813 wurde die Stadt von den Franzosen niedergebrannt, um die Verteidigung der Stadt Thorn zu erleichtern.

1815 kam Podgorz zum Landkreis Thorn in der Provinz Westpreußen, zu dem die Stadt bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gehörte. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Podgorz eine neue evangelische und eine katholische Kirche.[2]

Nach Ende des Ersten Weltkriegs musste Podgorz aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1920 zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden.

Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurde das Territorium des Polnischen Korridors als Reichsgebiet annektiert und Podgorz wurde zusammen mit dem Kreis Thorn dem Regierungsbezirk Bromberg im Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem die Stadt bis 1945 gehörte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Januar 1945 die Rote Armee die Region. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Podgorz vertrieben.

Die Ortschaft ist heute ein Stadtteil von Toruń (Thorn).

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Einwohnerentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1802 0348 [3]
1816 0275 davon acht Evangelische, 225 Katholiken und 42 Juden[3]
1821 0365 [3]
1831 0533 meist Katholiken[4]
1852 0627 [5]
1864 0872 davon 422 Evangelische und 389 Katholiken[6]
1871 0880 zur Hälfte Evangelische[7]
1890 2.489 [8]
1905 3.618 davon 1.200 Katholiken und 100 Juden[2]

LiteraturBearbeiten

  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 416, Nr. 31.
  • Georg Maximilian Franz von Steinmann: Der Kreis Thorn – Statistische Beschreibung. Lambeck, Thorn 1866, S. 261–262.
  • Hans Maercker: Geschichte der ländlichen Ortschaften und der drei kleineren Städte des Kreises Thorn in seiner früheren Ausdehnung vor der Abzweigung des Kreises Briesen im Jahre 1888. Bertling, Danzig 1899/1900, S. 151–153 (eingeschränkte Vorschau).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Podgórz (Toruń) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Georg Maximilian Franz von Steinmann: Der Kreis Thorn – Statistische Beschreibung. Lambeck, Thorn 1866, S. 261–262.
  2. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, 16. Band, Leipzig und Wien 1908, S. 58.
  3. a b c Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 354–355, Ziffer 541.
  4. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 416, Nr. 31.
  5. Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 453.
  6. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 212–213, Nr. 193..
  7. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 51–52, Ziffer 6.
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. dan_thorn.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).

Koordinaten: 52° 59′ N, 18° 35′ O