Hauptmenü öffnen

Die Plattform Industrie 4.0 ist das zentrale Netzwerk in Deutschland, um die digitale Transformation in der Produktion voranzubringen. Sie wurde 2013 als ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen Wirtschaftsverbände BITKOM, VDMA und ZVEI zur Weiterentwicklung und Umsetzung des Zukunftsprojekts Industrie 4.0 der Hightech-Strategie der Bundesregierung gegründet. 2015 wurde die Plattform erweitert und Akteure aus Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik einbezogen. Anfang 2019 wirken über 350 Akteure aus mehr als 150 Organisationen aktiv in der Plattform mit. Der Fokus der Arbeit der Plattform liegt darin die Expertise im Bezug auf Industrie 4.0 zu bündeln und deutschen Unternehmen, insbesondere dem Mittelstand zur Verfügung zu stellen.

Plattform Industrie 4.0
Logo der Plattform Industrie 4 0.png
Leitung der Plattform: Akteure aus Politik und Wirtschaft
Start: April 2013
Sitz: Berlin
Website: plattform-i40.de

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung der Plattform Industrie 4.0Bearbeiten

Industrie 4.0 ist als sogenanntes „Zukunftsprojekt“ der Bundesregierung im November 2011 im Aktionsplan zur Hightech-Strategie 2020 verabschiedet worden. Initiiert wurde das Zukunftsprojekt im Januar 2011 durch die Promotorengruppe KOMMUNIKATION der Forschungsunion Wirtschaft – Wissenschaft (FU). Erste Umsetzungsempfehlungen erarbeitete der Arbeitskreis Industrie 4.0 von Januar bis Oktober 2012 in Koordination durch acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften. Den Vorsitz übernahmen Dr. Siegfried Dais, Stellvertretender Geschäftsführer der Robert-Bosch GmbH, und Prof. Henning Kagermann, Präsident von acatech. Im Oktober 2012 hat der Arbeitskreis Industrie 4.0 die Handlungsempfehlungen an die Bundesregierung übergeben.[1] Im April 2013 beschlossen die Verbände BITKOM, VDMA und ZVEI in einer Kooperationsvereinbarung, ihr Wissen zu bündeln und gemeinsam über Verbandsgrenzen hinweg die Plattform Industrie 4.0 zu betreiben.[2]

Im April 2015 wurde die Plattform Industrie 4.0 ausgebaut – weitere Akteure aus Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik kamen hinzu.[3] Zudem griff die Plattform neue Trends und Themen auf: Nachdem digitale Anwendungen und Produkte bereits in die breite Umsetzung gekommen sind, wurden 2018 die Entwicklung und Nutzung datenbasierter Geschäftsmodelle und Künstlicher Intelligenz als Querschnittsthemen in der Arbeit der Plattform verankert.[4] Um die länderübergreifenden Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung gemeinsam anzugehen baute die Plattform 3 multinationale (G20, trilaterale Kooperation mit Frankreich und Italien, D-A-CH-Kooperation mit Österreich und der Schweiz) und 7 bilaterale (Australien, China, Japan, Niederlande, Mexiko, Tschechien, USA) Kooperationen auf.[5] Ende 2018 übernahm Dr. Frank Melzer, Vorstand Product and Technology Management, Festo AG & Co. KG die Leitung des Lenkungskreises der Plattform Industrie 4.0 von Bernd Leukert, Vorstand SAP SE.[6]

Auf der Hannover Messe 2019 präsentierten die Plattform Industrie 4.0 und ihre Partner das Leitbild 2030 für Industrie 4.0, das Souveränität, Interoperabilität und Nachhaltigkeit als zentrale Leitplanken für globale offene, digitale Ökosysteme hervorhebt.[7] Die Plattform Industrie 4.0 zeigt ihre aktuellen Arbeitsstände in jährlichen Fortschrittsberichten.[8]

StrukturBearbeiten

Die Plattform steht unter der Leitung folgender Akteure:[9]

Dieser Leitungsgruppe sind sechs Arbeitsgruppen untergeordnet.[10] Die Arbeitsgruppe Referenzarchitekturen, Standards und Normung entwickelt und verhandelt für Industrie 4.0 nötige Standards und Vereinheitlichungen. Die Arbeitsgruppe Forschung und Innovation ermittelt Forschungsbedarf im Handlungsfeld und schlägt den Akteuren Umsetzungsempfehlungen vor. Die Gruppe Sicherheit vernetzter Systeme erarbeitet Methoden und Konzepte um die Sicherheit im Internet of Things zu gewährleisten. Die Arbeitsgruppe Rechtliche Rahmenbedingungen hat sich zum Ziel gesetzt, zu ermitteln inwiefern das heutige Recht auf Industrie 4.0 anwendbar ist. Die Arbeitsgruppe, Arbeit, Aus- und Weiterbildung, befasst sich damit, wie Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine gestaltet werden kann. Der Fokus der sechsten Arbeitsgruppe Digitale Geschäftsmodelle in der Industrie 4.0 sind die grundlegenden Voraussetzungen und Wirkprinzipien digitaler Geschäftsmodelle in der Industrie 4.0.

Darüber hinaus gibt es einen Lenkungskreis, der sich aus Unternehmensvertretern zusammensetzt, um die Arbeit er Arbeitsgruppen zu koordinieren und die erarbeiteten Vorschläge umzusetzen.[9]

Das Transfer-Netzwerks Industrie 4.0 unterstützt vor allem den Mittelstand durch Vernetzung und Austausch bei der Digitalisierung der industriellen Wertschöpfung.[9]

Der Forschungsbeirat berät die Plattform Industrie 4.0 in allen wissenschaftlichen und programmatischen Forschungsfragen, im engen Austausch mit der Begleitforschung. Circa. 30 Vertreter aus der Wissenschaft und der Wirtschaft kommen im Beirat zusammen. Sie zeichnen sich mit ihren jeweiligen Institutionen durch Expertisen in verschiedenen Fachgebieten aus. Diese umfassen z. B. Produktion und Automatisierung, Informatik sowie Jura und Arbeitssoziologie. Der Sprecher des Beirats ist Mitglied im Lenkungskreis der Plattform. Der Beirat wird durch acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften koordiniert.[11]

Die administrativen und organisatorischen Aufgaben werden von der Geschäftsstelle übernommen.[9]

KritikBearbeiten

Die Plattform stand zunächst in der Kritik, dass es außer Maßnahmenempfehlungen und Gremienarbeit keine konkreten Ergebnisse gegeben habe. Auch an einem gemeinsamen Vorgehen deutscher und europäischer Unternehmen fehlte es – im Gegensatz zu den USA, wo sich mit dem Industrial Internet Consortium (IIC) große Firmen zusammengeschlossen haben, um gemeinsame Standards zu erarbeiten.[12][13] Mittlerweile ist die Plattform Industrie 4.0 aber zum weltweit größten Netzwerk zur digitalen Transformation in der Industrie geworden. Durch zahlreiche konkrete Ergebnisse der Plattform ist Industrie 4.0 als Marke etabliert und in der Umsetzung angekommen.[14]

DokumenteBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Umsetzungsforum Industrie 4.0: Deutschland bricht auf in ein neues Zeitalter der Produktion. In: www.forschungsunion.de. Abgerufen am 4. November 2016.
  2. Plattform Industrie 4.0 gestartet. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.maschinenbau-institut.de. Archiviert vom Original am 4. November 2016; abgerufen am 4. November 2016.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.maschinenbau-institut.de
  3. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Referat Öffentlichkeitsarbeit: Gemeinsame Plattform Industrie 4.0 startet. In: www.bmwi.de. Abgerufen am 4. November 2016.
  4. Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz verbinden. Abgerufen am 8. April 2019.
  5. Die Plattform Industrie 4.0 und ihre internationalen Kooperationen. Abgerufen am 8. April 2019.
  6. Wechsel im Lenkungskreis der Plattform. Abgerufen am 8. April 2019.
  7. Plattform Industrie 4.0 stellt Leitbild 2030 für die Gestaltung offener digitaler Ökosysteme vor Einleitung. Abgerufen am 8. April 2019.
  8. Fortschrittsbericht 2019. In: www.plattform-i40.de. Plattform Industrie 4.0, abgerufen am 8. April 2019.
  9. a b c d Plattform Industrie 4.0 - Hintergrund. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Referat Öffentlichkeitsarbeit, abgerufen am 16. September 2017.
  10. Plattform Industrie 4.0 - Arbeitsgruppen. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Referat Öffentlichkeitsarbeit, abgerufen am 16. September 2017.
  11. Wissenschaftlicher Beirat Industrie 4.0. Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e.V., abgerufen am 16. September 2017.
  12. Karin Zühlke: Plattform Industrie 4.0 steht vor dem Aus: »Deutschland hat die erste Halbzeit verloren«, auf: elektroniknet.de vom 10. Februar 2015, abgerufen am 10. Februar 2015.
  13. US-Hersteller organisieren sich für den Wachstumsmarkt Industrie 4.0, auf: computerwoche.de vom 28. März 2014, abgerufen am 10. Februar 2015.
  14. Gemeinsam mehr erreichen – die Ergebnisse der Plattform Industrie 4.0. Abgerufen am 8. April 2019.