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Pistenraupe

Kettenfahrzeug zur Präparierung von Skipisten und Loipen
Pistenraupe (Pistenfahrzeug)
Der Urvater der Pistenfahrzeuge, die Tucker SNO-CAT der Transantarktischen Expedition 1955–1958

Eine Pistenraupe, auch Pistenwalze, in der Schweiz Pistenfahrzeug, in Österreich auch Pistengerät, in Südtirol Schneekatze, dient zur Präparierung von Skipisten und Loipen sowie zum Transport von Personen und Material überwiegend in Skigebieten.

FunktionBearbeiten

Eine Pistenraupe ist ein Kettenfahrzeug und vorn mit einer Schaufel (Räumschild) sowie hinten einer Fräse (oder Walze) ausgerüstet. Es wird üblicherweise durch Dieselmotoren angetrieben. Fährt das Pistenfahrzeug über eine geschlossene Schneedecke, schiebt es Schnee vor sich her und gleicht damit Unebenheiten des Untergrundes aus. Gleichzeitig wird der Schnee durch das Gewicht des Fahrzeuges verdichtet und mit der Nachlauffräse „umgegraben“ und geebnet. Die Verdichtung ist die Voraussetzung für die rasche Sinterung des Schnees und damit eine über längere Zeit haltbare Skipiste.

Seilwinden-UnterstützungBearbeiten

 
Pistenbully 600 W SCR mit 4.5-Tonnen-Winde aktiv

Pistenraupen können durch ihren niedrigen Schwerpunkt und die große Aufstandsfläche zwar sehr große Steigungen bewältigen, werden dabei aber teilweise durch Seilwinden unterstützt. Solche Windenmaschinen werden mittlerweile nicht nur an extremen Steigungen eingesetzt, sondern auch zum untergrundschonenden Verschieben großer Schneemengen. Mit Seillängen bis zu 1.200 m und einer Zugkraft bis zu 4,8 t unterstützen Seilwinden die Schneekatzen an steilen Hängen (Seilpräparierung).[1] Gefahrenpotential birgt die Methode, bei der die langen Seile unter Belastung plötzlich auf- und querschnellen können, auch wenn man die Pistenraupe gar nicht sieht, im Kontext der Nachttouren von Skibergsteigern (Tourengehern) wie auch Schneeschuhwanderern.

Weitere ZusatzgeräteBearbeiten

 
Pistenbully 100 mit Loipenspurgerät

Neben Seilwinden gibt es viele weitere Spezialgeräte für Pistenfahrzeuge wie Kräne und Shaper, sowie auch Geräte zum Formen von Halfpipes, oder zum Spuren von Loipen.

UmweltbedingungenBearbeiten

Konstruktionsmaterial, Motor und Technik einer Pistenraupe sind für den Betrieb bei extrem niedrigen Temperaturen und widrigen Witterungsverhältnissen ausgelegt. Die Kabine ist speziell wärmegedämmt und durch besondere Beschichtungen, Windschilde und Heißluftgebläse gegen Vereisung geschützt.

Schneesportler-WarnungBearbeiten

Pistenraupen warnen Schneesportler durch ein oder mehrere orangefarbene Rundumlichter und akustische Signale vor lebensgefährlichen Kollisionen. In den meisten Skigebieten kommen Pistenraupen zudem nur außerhalb der Betriebszeiten zum Einsatz, also am späten Nachmittag und nachts. Es kommt gelegentlich zu Unfällen, oft mit schwerwiegenden Folgen, da sich Wintersportler zu knapp an Raupen heranwagen, der Lenker der Pistenraupe nur eingeschränkte Sicht auf die Umgebung hat, nur begrenzte Aufmerksamkeit aufbieten kann und die Raupenketten selbst vorstehende Stege aus Aluminiumblech aufweisen.

HerstellerBearbeiten

 
Kässbohrer PB 260 D

Inzwischen gibt es weltweit nur noch zwei Serienhersteller von Pistenraupen:[2]

  • Marktführer mit einem Marktanteil von etwa 55 % im Jahre 2016 ist die deutsche Firma Kässbohrer Geländefahrzeug AG. Das erste Pistenraupenfahrzeug von Kässbohrer war das Sonderfahrzeug K801, welches am 12. Dezember 1969 erstmals ausgeliefert wurde.[3] 2008 erwarb Kässbohrer den finnischen Produzenten Formatic.
  • Die Prinoth AG aus Sterzing (Italien) hatte 2016 einen Marktanteil von ca. 45 %.[2] 1962 fuhr der erste Prototyp eines Pistenraupfahrzeugs von Prinoth, die P60. 1964 stellte die Prinoth AG die ersten Serienfahrzeuge her.[4] Prinoth übernahm 2005 die Pistenraupen-Sparte des kanadischen Herstellers Bombardier (Camoplast).

NamenBearbeiten

In der Umgangssprache haben sich die Bezeichnungen PistenBully (Pistenraupe von Kässbohrer), Schneekatze und Ratrac (Händlername) eingebürgert. „Schneekatze“ ist dabei eine direkte Übersetzung der englischen Bezeichnung snowcat, die sich wiederum vom Namen des Herstellers Tucker Sno-Cat ableitet. „Cat“ ist in diesem Namen allerdings die Abkürzung für das englische caterpillar, deutsch: Raupe.

Weitere VerwendungBearbeiten

 
Skandinavische Pistenraupe mit Anhänger

Aufgrund ihrer Geländegängigkeit und der geringen Flächenbelastung (Aufstandsdruck) von typischerweise 0,040 bis 0,060 kg/cm² (entspricht etwa 4 bis 6 kN/m²) werden Pistenraupen auch abseits der Skipiste genutzt. Zum Einsatz kommen die Maschinen für landwirtschaftliche Zwecke, für Verschubarbeiten (Verschieben von Schüttgut) beim Torfabbau in Mooren oder bei Biogasanlagen zum Einbringen von Silage in Fahrsilos sowie dem Bewegen von Hackgut.[5]

Beim sogenannten Catskiing werden Pistenraupen außerdem dazu verwendet, Gelände-Skifahrer und -Snowboarder zu entlegenen, unbefahrenen Hängen zu transportieren. Dank der montierten Sitzgelegenheiten können somit auch große Gruppen zum Freeriden gebracht werden. Vor allem in Nordamerika ist Catskiing eine günstige und umweltfreundlichere Alternative zum Heliskiing.[6]

Mit ihrem Kettenantrieb kommt die Pistenraupe auf den feinen und losen Untergründen leicht vorwärts und bleibt nicht so rasch stecken wie ein vierrädriges Fahrzeug. Die hohe Schubkraft und die spezifische Gewichtsverteilung ermöglichen ein schnelles Bewegen von Material. Durch den breiten Schild können auch dünne Schichtstärken aufgetragen werden. Das Gewicht der Maschine sorgt für eine gute Verdichtung bei beispielsweise Maissilage, Grassilage, Hangbegrünungen oder im Teichbau. Schwere Verschubarbeiten unter Einsatz einer Winde sind ein weiteres Beispiel für den ganzjährigen Einsatz dieser Fahrzeuge.[7]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Pistenraupen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Beispielsweise: Neue Windentechnologie für steilste Hänge (Sherpa-Winde, Prinoth). In: ISR Internationale Seilbahn-Rundschau, 22. April 2011, abgerufen 5. September 2014.
  2. a b Kässbohrer gegen Prinoth: Kampf der Pistenraupen. In: Handelsblatt.com. 17. Januar 2016, abgerufen am 11. April 2019.
  3. Pistenraupen auf atfc.de
  4. Geschichte der Pistenraupe auf pistenraupen.de
  5. Pistenraupen zum Bewegen von Hackgut TEST Pistenfahrzeug Prinoth LH 500, Anwender: Thermo Wipptal AG, (Bilder vom 15. Juni 2011), abgerufen 5. September 2014
  6. Heliskiing vs. Catskiing: Der ultimative Vergleich. Abgerufen am 27. Mai 2018 (deutsch).
  7. Alternative Anwendungen von Pistenraupen Prinoth, abgerufen 5. September 2014