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Pilgersdorf
Wappen Österreichkarte
Wappen von Pilgersdorf
Pilgersdorf (Österreich)
Pilgersdorf
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Oberpullendorf
Kfz-Kennzeichen: OP
Fläche: 43,87 km²
Koordinaten: 47° 26′ N, 16° 21′ OKoordinaten: 47° 26′ 29″ N, 16° 21′ 0″ O
Höhe: 375 m ü. A.
Einwohner: 1.645 (1. Jän. 2019)
Bevölkerungsdichte: 37 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7441
Vorwahl: 02616
Gemeindekennziffer: 1 08 17
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchschlager Str. 2
7441 Pilgersdorf
Website: www.pilgersdorf.at
Politik
Bürgermeister: Ewald Bürger (ÖVP)
Gemeinderat: (2017)
(21 Mitglieder)
16
5
16 
Insgesamt 21 Sitze
Lage von Pilgersdorf im Bezirk Oberpullendorf
DeutschkreutzDraßmarktFrankenau-UnterpullendorfGroßwarasdorfHoritschonKaisersdorfKobersdorfLackenbachLackendorfLockenhausLutzmannsburgMannersdorf an der RabnitzMarkt Sankt MartinNeckenmarktNeutalNikitschOberloisdorfOberpullendorfPilgersdorfPiringsdorfRaidingRitzing (Burgenland)Steinberg-DörflStoobUnterfrauenhaidUnterrabnitz-SchwendgrabenWeingrabenWeppersdorfBurgenlandLage der Gemeinde Pilgersdorf im Bezirk Oberpullendorf (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Gemeindeamt Pilgersdorf
Gemeindeamt Pilgersdorf
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Pilgersdorf (ungarisch: Pergelin, kroatisch: Pilištrof) ist eine Großgemeinde mit 1645 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) im Burgenland im Bezirk Oberpullendorf in Österreich.

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Die Gemeinde liegt im Mittelburgenland am Zöbernbach zwischen Kirchschlag in der Buckligen Welt und Lockenhaus.

Ortschaften (und gleichzeitig Katastralgemeinden) der Großgemeinde sind (Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2019[1]):

GeschichteBearbeiten

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später unter den Römern lag das heutige Pilgersdorf dann in der Provinz Pannonia.

Burgenländische Archäologen fanden um 1980 im Bereich der alten Schule einen kleinen römischen Friedhof aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Der Ort wurde erstmals unter dem Namen „Brunnaron am Zöbernbach“ in einer Schenkungsurkunde König Ludwigs des Deutschen im Jahr 844 erwähnt. Darin vermachte der König seinem Kanzler Dominicus einen Gutshof bei Brunnaron an der Grenze zwischen den Grafschaften Ratpots und Rihheris.[2] 860 wurde die „Kirche des Minigo“ (= Dominicus) erwähnt. Im 10. Jahrhundert zerstörten die aus dem Osten vordringenden Magyaren Brunnaron. Aus dieser Zeit gibt es einige Funde, ein Bronzedrahtring mit einer Glasperle und Mauerreste einer romanischen Kirche. Im 12. Jahrhundert wurde von deutschen Kolonisten auf den Ruinen eine neue Siedlung gegründet und eine große Kirche (32 × 14 Meter) erbaut.

Aus dem Jahr 1225 stammt die erste urkundliche Nennung Pilgersdorfs unter dem Namen „Pylgrim“: „Via magna, quae de villa Pylgrim venit“ (deutsch: „Große Straße, die vom Ort Pylgrim kommt“). 1289 wurde der befestigte Ort in der Güssinger Fehde durch die Truppen des habsburgischen Herzogs Albrecht zerstört. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die heutige Pfarrkirche errichtet, die dem heiligen Ägidius geweiht ist. Die Pfarre wurde wahrscheinlich von den Lockenhauser Franziskanern betreut. 1390 fand die Amtseinführung der Kanizsay als Grundherren von Lockenhaus statt und „Pergelim mit seiner Maut“ wird als Ort genannt, der zur Herrschaft Lockenhaus gehörte.

Von 1447 bis 1488 war Pilgersdorf an die Pottendorfer, die Herren von Kirchschlag und Krumbach, verpfändet. Während die Türken Güns belagerten, wurde Pilgersdorf 1532 verwüstet.

 
Pilgersdorf (links) um 1880 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Von etwa 1570 bis 1645 waren die Grundherren und die Bevölkerung Protestanten. Zu dieser Zeit wurden die Toten rund um die Ruinen der alten Kirche bestattet. Der Richter von Pilgersdorf betreute auch die neuen Rodungssiedlungen Kogl, Lebenbrunn und Steinbach. 1597 wird bereits die herrschaftliche Mühle genannt.

Der Ort wurde 1605 von den Bocskay-Haiduken (Türken und Tataren) vollständig niedergebrannt, 1608 haben erst 18 von 29 Lehensleuten mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser begonnen. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts siedeln sich Kärntner und steirische Adelige in Pilgersdorf an (Speidl, Preinberger, Hohenwart, Globitzer, Mensdorff und Hoden), welche eine halbe oder ganze Session bewirtschafteten. Von 1640 bis 1661 verpfändete der Grundherr, Graf Franz von Nádasdy, Baron Speidl und seiner Familie den Ort und erlaubte ihm 1642 das „Große Haus“ zu erbauen (Baukosten rund 3000 Gulden). 1649 wurde die erste Schule bezeugt (Holzhaus). Weil die Lockenhauser Augustiner aber ab 1660 den Pfarrhof nicht benützten, verwendeten die Lehrer ihn als Schule.

Von 1660 bis 1800 betreuten die Augustiner-Eremiten die Pfarre und führten die Rekatholisierung durch, was ihnen bei den Adeligen nicht ganz gelang, denn 1780 gab es noch zehn Protestanten (Familie Preinberger und Hauspersonal). 1671 wird erstmals das herrschaftliche Gasthaus in der Ortsmitte und 1672 auch eine zweite Mühle genannt. Von 1703 bis 1711 wird der Ort mehrmals von aufständischen Kuruzen geplündert. 1750 fielen viele Menschen der Pest zum Opfer. Im Jahr 1783 wird die Kirche umgebaut und nach Osten erweitert. Nachdem 1789 die Pfarre in Kogl gegründet wird, verkleinert sich die Pilgersdorfer und in den Folgejahren wird die Pfarre von Weltpriestern betreut. Im Jahr 1804 ist Pilgersdorf abgebrannt.

Die heutige Großgemeinde entstand 1971 aus der Zusammenlegung der zuvor selbständigen Gemeinden Pilgersdorf, Bubendorf, Deutsch Gerisdorf, Lebenbrunn, Kogl, Salmannsdorf und Steinbach.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

 


Seit der ersten Volkszählung im Jahr 1869, bei der 2.333 Einwohner gezählt wurden, nahm die Bevölkerung stetig ab und erreichte per 1. Jänner 2010 mit 1.642 Bewohnern ihren absoluten Tiefststand. Im Vergleich zu 1869 hat Pilgersdorf 2010 nur mehr 70 % der damaligen Bevölkerung.[3] Die negative Bevölkerungsentwicklung ergibt sich nahezu ausschließlich durch den starken Geburtenrückgang.[4]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat hat 21 Mitglieder.

Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Anzahl der Wahlberechtigten insgesamt 21 Mitglieder.

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997
Partei 2017[5] 2012[6] 2007[7] 2002[8] 1997[8]
Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M.
ÖVP 967 74,56 16 790 64,86 14 886 68,74 15 905 71,04 16 839 70,45 14
SPÖ 330 25,44 5 380 31,20 7 403 31,26 6 329 25,82 5 310 26,03 5
FPÖ nicht kandidiert 48 3,94 0 nicht kandidiert 40 3,14 0 42 3,53 0
Wahlberechtigte 1566 1564 1568 1517 1444
Wahlbeteiligung 87,93 % 82,93 % 86,86 % 88,46 % 88,43 %

GemeindevorstandBearbeiten

Neben Bürgermeister Ewald Bürger (ÖVP) und dem Vizebürgermeister Josef Thurner (ÖVP) gehören weiters die geschäftsführenden Gemeinderäte Robert Bürger (ÖVP), Franz Kainz (ÖVP), Thomas Renner (ÖVP), Thomas Ruf (SPÖ) und Josef Weber (ÖVP) dem Gemeindevorstand an.[9]

Zum Gemeindekassier wurde Robert Bürger (ÖVP) und zum Umweltgemeinderat wurde Franz Kainz (ÖVP) gewählt.[9]

Zu Ortsvorstehern wurden Alexandra Heissenberger (ÖVP, für Kogl), Franz Kainz (ÖVP, für Salmannsdorf), Johann Stifter (ÖVP, für Bubendorf), Josef Thurner (ÖVP, für Deutsch Gerisdorf), Josef Weber (ÖVP, für Lebenbrunn) und Anton Wilfinger (ÖVP, für Steinbach) ernannt.[9]

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist Ewald Bürger (ÖVP). Er wurde bei der Bürgermeisterdirektwahl 2007 mit 72,98 % zum Nachfolger von Heinrich Harter (ÖVP) gewählt.[7] Nachdem Bürger bei der Wahl 2012 keinen Mitbewerber hatte, trat bei der Wahl am 1. Oktober 2017 Thomas Ruf für die SPÖ an. Dabei wurde Bürger mit 76,50 % als Bürgermeister wiedergewählt, während Ruf nur auf 23,50 % kam.[5]

Bei der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats wurde Josef Thurner (ÖVP) zum Vizebürgermeister gewählt.[9]

Amtsleiterin ist Marlene Zigling.[10]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Josef Schermann, römisch-katholischer Theologe, Liturgiewissenschaftler und Religionspädagoge

LiteraturBearbeiten

  • Josef Schermann: Ausstellung „Dokumente und Fotos zur Geschichte von Pilgersdorf“, in Burgenland Mitte Ausgabe Nr. 52 1982

WeblinksBearbeiten

  Commons: Pilgersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2019 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2019), (CSV)
  2. Uta von Freeden, Herwig Friesinger, Egon Wamers (Hrsg.): Glaube, Kult und Herrschaft. Phänomene des Religiösen. Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte. Band 12, Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-7749-3663-8, S. 400ff.
  3. Statistik Austria: Gemeinde Pilgersdorf – Bevölkerungsentwicklung 1869–2010 (PDF-Datei, 62 kB; abgerufen am 25. August 2010)
  4. Statistik Austria: Gemeinde Pilgersdorf – Komponenten der Bevölkerungsentwicklung (PDF-Datei, 9 kB; abgerufen am 25. August 2010)
  5. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Pilgersdorf 2017 (abgerufen am 1. Jänner 2018)
  6. Land Burgenland: Wahlergebnis Pilgersdorf 2012 (abgerufen am 1. Jänner 2018)
  7. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Pilgersdorf 2007 (abgerufen am 1. Jänner 2018)
  8. a b Land Burgenland: Wahlergebnis Pilgersdorf 2002 (abgerufen am 1. Jänner 2018)
  9. a b c d Gemeinde Pilgersdorf: [ Unsere Gemeinde, Ausgabe 1/2017] (pdf-Dokument; abgerufen am 1. Jänner 2018)
  10. Gemeinde Pilgersdorf: Mitarbeiter/innen (abgerufen am 1. Jänner 2018)