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Gedenktafel am Hotel Esplanade in Baden bei Wien

Die Philharmonia Hungarica (Ungarische Philharmonie) war ein Orchester aus Marl (Ruhrgebiet), das 1956 von vor der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands geflohenen Musikern im Hotel Esplanade in Baden bei Wien gegründet wurde. Gründungsmitglied und erster Chefdirigent des Orchesters war Zoltán Rozsnyai, ein ehemaliger Leiter des Ungarischen Nationalorchesters. Später verlegte das Orchester seinen Sitz nach Deutschland und wurde von der Bundesrepublik Deutschland subventioniert.

Durch das Engagement von Rozsnyai sowie des Ehrenpräsidenten Antal Doráti wurde die Philharmonia Hungarica bald zu einem bekannten Orchester in Deutschland, insbesondere durch die Einspielung sämtlicher 104 Sinfonien von Joseph Haydn für Decca unter Antal Doráti.[1] Im September 1975 zeichnete das Orchester Jon Lords Sarabande, ein Album der modernen Klassik, unter der Leitung von Eberhard Schoener auf.[2] Im Jahr 2001 würdige die Europäische Kulturstiftung das Orchester als Botschafter für die Völkerverständigung mit dem Europäischen Kulturpreis.[3]

Mit der politischen Wende war der ursprüngliche Daseinszweck erfüllt, die künstlerische Qualität ging nachweislich spürbar zurück und die Einstellung öffentlicher Förderung bedeutete das Aus für den Klangkörper mit ca. 100 Mitgliedern.[1] Letzte Konzerte fanden 2004 statt. Die Namensrechte des Orchesters werden mittlerweile anderweitig genutzt. Prominente Chefdirigenten waren Yehudi Menuhin und Justus Frantz. Am 23. Oktober 2006 gab in Marl die Neue Philharmonia Hungarica, die sich teilweise aus Musikern des ehemaligen Orchesters zusammensetzt, unter Leitung von Alois Springer ein Jubiläumskonzert zum 50. Jahrestag des Ungarnaufstandes und der Gründung des ehemaligen Orchesters.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Totentanz auf hohem Roß. In: Der Spiegel. Nr. 4, 1995 (online).
  2. Ralf Frank: Jon Lord. Marc Langels, 15. November 2010, abgerufen am 26. Oktober 2018.
  3. Philharmonia Hungarica als Botschafter für die Völkerverständigung. Der Standard, 23. März 2001, abgerufen am 26. Oktober 2018.