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Petra Schulte (* 1970 in Düsseldorf) ist eine deutsche Historikerin.

Petra Schulte studierte von 1989 bis 1995 die Fächer Mittlere Geschichte, Neuere Geschichte, Politikwissenschaft und Publizistik an den Universitäten Münster und Rom. 1995 folgte der Magister in Münster. Von 1996 bis 2000 war Schulte wissenschaftliche Hilfskraft und Mitarbeiterin beim Münsteraner Sonderforschungsbereich 231 „Träger, Felder und Formen pragmatischer Schriftlichkeit im Mittelalter“. Im Jahr 1997 hatte sie ein dreimonatiges Forschungsstipendium am Deutschen Historischen Institut in Rom. Von Januar bis April 2000 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Münsteraner Sonderforschungsbereich 496 „Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme“. Im Februar 2000 wurde sie in Münster mit einer von Hagen Keller betreuten Arbeit über das Vertrauen in Notariatsurkunden im kommunalen Italien des 12. und 13. Jahrhunderts promoviert. Von 2000 bis 2011 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Assistentin am Historischen Seminar der Universität zu Köln. Dort erfolgte 2011 ihre Habilitation über Die Idee der Gerechtigkeit im spätmittelalterlichen Herzogtum Burgund. Von 2011 bis 2012 hatte sie eine Vertretung des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Von 2012 bis 2013 war sie Gastdozentin am Deutschen Historischen Institut in Rom. Außerdem war sie als Heisenberg-Stipendiatin an der Universität Bielefeld tätig. Im Wintersemester 2013/14 übernahm sie die Lehrstuhlvertretung für Bernhard Jussen am Historischen Seminar der Goethe-Universität Frankfurt. Seit dem Wintersemester 2014/15 lehrt Schulte als Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Trier und trat damit die Nachfolge von Sigrid Schmitt an. Seit 2017 leitet sie zudem das Institut für Cusanus-Forschung an der Universität Trier.[1] Sie ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für die große Landesausstellung der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“, die im September 2020 eröffnet wird.

Ihre Hauptarbeitsgebiete sind die Sozial-, Kultur-, Politik- und Rechtsgeschichte des Hoch- und Spätmittelalters. Schulte hat über „Vertrauen“ und „Treue“ in einem epochenspezifischen Sinne als Motive für Herrschaftspraxis und Politik zahlreiche Studien veröffentlicht.[2] Dabei geht es Schulte beim Stellenwert von Treue in der Herrschaftspraxis um die Frage, „wie der Begriff der Treue in der Politik des 12. Jahrhunderts verwendet, wie Treue zur Schau gestellt und welche Bedeutung ihr für das Funktionieren der politischen Ordnung zugesprochen wurde“.[3] Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Kulturgeschichte des Reichtums im mittelalterlichen Europa und Christine de Pizan. Reichtum wurde als Thema in der mittelalterlichen Wirtschafts- und Sozialgeschichte bislang kaum berücksichtigt. Mit Peter Hesse veröffentlichte Schulte daher 2015 einen Sammelband, der 2010 aus einer am Deutschen Studienzentrum in Venedig abgehaltenen Tagung hervorgegangen ist.

SchriftenBearbeiten

Monographien

  • Scripturae publicae creditur. Das Vertrauen in Notariatsurkunden im kommunalen Italien des 12. und 13. Jahrhunderts (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. Band 101). Niemeyer, Tübingen 2003, ISBN 3-484-82101-9 (Zugleich: Münster, Westfalen, Universität, Dissertation).

Herausgeberschaften

  • mit Peter Hesse: Reichtum im späten Mittelalter. Politische Theorie, ethische Norm, soziale Akzeptanz (= Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Bd. 232). Steiner, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-515-10943-7.
  • mit Gabriele Annas und Michael Rothmann: Gerechtigkeit im gesellschaftlichen Diskurs des späteren Mittelalters (= Zeitschrift für Historische Forschung. Beiheft 47). Duncker & Humblot, Berlin 2012, ISBN 3-428-13706-X.
  • mit Marco Mostert und Irene van Renswoude: Strategies of writing. Studies on text and trust in the Middle Ages. Papers from „Trust in Writing in the Middle Ages“ (Utrecht, 28 – 29 November 2002) (= Utrecht studies in medieval literacy. Band 13). Brepols, Turnhout 2008, ISBN 2-503-51758-7.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Institut für Cusanus-Forschung, abgerufen am 15. Mai 2017.
  2. Petra Schulte: Scripturae publicae creditur. Das Vertrauen in Notariatsurkunden im kommunalen Italien des 12. und 13. Jahrhunderts. Tübingen 2003; Petra Schulte: Friedrich Barbarossa, die italienischen Kommunen und das politische Konzept der Treue. In: Frühmittelalterliche Studien 38 (2004), S. 153–172; Petra Schulte Treue und Vertrauen im Zeichen der Ermordung Ludwigs von Orléans durch Johann ohne Furcht (23. November 1407). In: Frühmittelalterliche Studien 39 (2005), S. 315–333.
  3. Petra Schulte: Friedrich Barbarossa, die italienischen Kommunen und das politische Konzept der Treue. In: Frühmittelalterliche Studien 38 (2004), S. 153–172, hier S. 155.