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2010 in Frankfurt am Main
Autograph

Peter Zingler (* 5. Januar 1944 in Chemnitz) ist ein deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und ehemaliger professioneller Einbrecher.

LebenBearbeiten

Zingler kam direkt nach seiner Geburt ins Kinderheim und seine Mutter gab ihn zur Adoption frei. Zu seiner Zeugung kam es bei einem One-Night-Stand bei einem Fliegeralarm. Die Mutter verschwieg gegenüber der Familie seine Geburt. Wegen seines damals jüdischen Nachnamens und Staatenlosigkeit fanden sich keine Adoptions-Eltern. Als seine Großmutter eineinhalb Jahre später von Zinglers Geburt erfuhr, holte sie diesen aus dem Kinderheim nach Köln.[1] Während die Großmutter sich als seine Mutter ausgab, kümmerte sich die wahre Mutter nicht um ihn. Im Alter von zehn Jahren erfuhr er, dass seine vermeintliche Schwester seine wahre Mutter war.[2] Schon mit vier Jahren nahm seine Großmutter ihn 1948 mit zum Hamstern aufs Land. Er begann schon als Kind zu stehlen und half beim Schmuggeln über die belgische Grenze. 1959 – im Alter von 15 Jahren – wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt und kam erstmals ins Gefängnis.[2] Bei zahlreichen Einbrüchen stahl er in den folgenden 25 Jahren vor allem Luxusgüter. Reue empfand er niemals. „Ich war gerne Gangster im Milieu“, sagte er laut Der Spiegel noch 2015. Die Geschichte seiner Familie nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von der ARD im Februar 2015 im Film Die Himmelsleiter gezeigt.[1]

Zingler verbrachte insgesamt zwölf Jahre[2] als Berufseinbrecher in Gefängnissen mehrerer Länder. Während seiner letzten Haftzeit im offenen Vollzug in der JVA Dieburg begann er zu schreiben, zunächst für die Gefängnisliteratur typische erotische Geschichten; allerdings konnte er sie an Penthouse und Playboy verkaufen. 1985 gründete er mit der Cartoonistin Doris Lerche und dem Bordellbesitzer Dieter Engel die Romanfabrik, Frankfurts erste Literaturinitiative, die ihn mitten ins Schriftstellerleben brachte; 1989 wurde er mit dem Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene ausgezeichnet und erschien in der ersten Anthologie Risse im Fegefeuer.

Ab 1985 war er als Journalist für verschiedene Zeitschriften tätig. Inzwischen gehört er zu den erfolgreichsten Drehbuchautoren für Fernsehkrimis. 1993 bekam er (zusammen mit Oliver Hirschbiegel) den Adolf-Grimme-Preis mit Bronze für das Drehbuch zum ORF-TatortKinderspiel“. In dem sehr stark besetzten Film Alles nur Tarnung führte er 1996 auch Regie. Sein ZDF Film Tödliche Wende wurde mit dem Goldenen Löwen und das Drehbuch mit dem Goldenen Gong ausgezeichnet.

Er lebt in Frankfurt am Main und hat sechs Kinder von vier verschiedenen Frauen.[1]

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

Bibliografie (Auswahl)Bearbeiten

  • 1983: Notizen aus der Mülltonne. Gedanken, Gedichte, Geschichten zum Strafvollzug und dem Vorher – Nachher, Vorwort von Klaus Kordon
  • 1984: Tod in Kingston Roman
  • 1985: Rückkehr in den Regen, Erzählungen
  • 1987: Der Puff-Poet. Geschichten aus einem Edelbordell
  • 1988: Die Millionen des Dr. Erlemann oder die Kunst, Geld zu machen. Eine unglaubliche Karriere, mit Gabi Erlemann
  • 1989: Die Seuche, Roman
  • 1994: Die Gerichtsreporterin. Der Roman zur Fernseh-Serie der ARD
  • 2005: Dunkelziffer, Roman
  • 2011: Männer, die nach Liebe suchen. Erotische Geschichten
  • 2011: Der Puff-Poet
  • 2011: Der Vitaminstoss, Kurzgeschichten
  • 2011: Rotlicht im Kopf, über das berühmteste Bordell Deutschland, das Sudfass
  • 2015: Der Tod des Schamhaars, Kurzgeschichten
  • 2015: IM TUNNEL, biographischer Roman

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Katja Thimm: „Ich war gerne Gangster“. In: Der Spiegel. Nr. 9, 21. Februar 2015, S. 86–88 (spiegel.de [abgerufen am 22. Februar 2018]).
  2. a b c Sascha Chaimowicz: Verbrechen. In: Zeit-Magazin Mann. 1 (Herbst/Winter), 6. September 2016, S. 168 f.