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Peter Felser

deutscher Politiker (AfD), MdB

WerdegangBearbeiten

Felser stammt aus einer Großfamilie mit zehn weiteren Geschwistern. Sein Vater war Lehrer.

Peter Felser studierte an der Universität der Bundeswehr München. Er ist Diplom-Pädagoge und ehemaliger Offizier. In München wurde er Mitglied und zeitweise Sprecher der jugendbewegt-reformierten Hochschulgilde Heinrich der Löwe.[3] Später erwarb er an der University of Management and Communication (FH) in Potsdam ein Zertifikat zum PR-Berater.[4]

Nach eigenen Angaben war er zweimal als Bundeswehrsoldat im Auslandseinsatz. Gemeinsam mit dem neurechten Verleger Götz Kubitschek brachte Felser 2001 ein Buch mit Reportagen über den Bosnien-Kriegseinsatz der Bundeswehr heraus.[5] Er ist Mitinhaber und Geschäftsführer eines Medienverlags in Kempten (Allgäu). Er schreibt als Autor für die Wochenzeitung Junge Freiheit.[6] Mindestens seit den frühen 1990ern war er Mitglied der Partei Die Republikaner[7], nach eigenen Angaben bis 1992.[6]

Felser lebt zusammen mit seiner Familie auf einem umgebauten Bauernhof in einem Weiler im Landkreis Oberallgäu. Er ist katholisch, verheiratet und hat fünf Kinder[8].

Felser hielt Vorträge und Seminare an der Akademie der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und der CSU-nahen Hanns-Seidl-Stiftung. Er war Lehrbeauftragter an der Hochschule Kempten.

Felser ist Vorsitzender des AfD-Kreisverbands im Gebiet des Bundestagswahlkreises Oberallgäu mit Sitz in Lindenberg im Allgäu (Landkreis Lindau). Er wurde 2017 in den 19. Deutschen Bundestag gewählt. Am 5. Oktober 2017 wurde er zu einem von vier stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion gewählt.[9] Er ist Mitglied im Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft und stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss.

Die Zeit schrieb im September 2017 über Felser: „Die Positionen, die Felser auf seiner Website präsentiert, entsprechen weitestgehend dem Konsens innerhalb der AfD.“[5] Felser selbst betont, kein „Ultrarechter“ zu sein, er kämpfe für eine gemäßigte Linie der AfD. An dieser Selbsteinschätzung wurden aufgrund Felsers rechten Medienproduktionen allerdings Zweifel laut.[6]

Aktivitäten vor der Zeit als AbgeordneterBearbeiten

Werbespots für die Partei Die RepublikanerBearbeiten

Felser beteiligte sich laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) in den Jahren 2001 und 2003 als Mitinhaber eines Medienverlags an der Produktion von Fernsehspots, die von der damals vom Bundesamt für Verfassungsschutz noch als rechtsextrem bewerteten Partei Die Republikaner für Wahlkampfzwecke vorgesehen waren. Sowohl der Sender Freies Berlin wie der Hessische Rundfunk verweigerten jedoch die Ausstrahlung, da sie strafbewehrte Volksverhetzung durch Holocaustleugnung verwirklicht sahen. Im selben Video wurde der Zentralrat der Juden als geheim mitregierende Organisation verdächtigt und vor Michel Friedman gewarnt. Das Oberverwaltungsgericht Berlin bestätigte nicht nur den „eindeutig antisemitischen Charakter“ der Inhalte, sondern urteilte, dass der Film "nach dem Verständnis eines unvoreingenommenen und verständigen Publikums nur dahin verstanden werden kann, dass mit ihm der Holocaust gebilligt, geleugnet oder verharmlost werden soll".[7]

Felser ließ, als die Spots im November 2017 Thema in Medien wurden, über einen Sprecher mitteilen: „Denn in der Tat konnte man ihn als Leugnung des Holocausts missverstehen, weil kaum jemand bemerkte, dass das darin gezeigte provokative Plakat von der Initiatorin des Holocaust-Mahnmals Lea Rosh stammte, die die historische Tatsache der Shoah natürlich gerade nicht leugnen wollte. Es ist etwas anderes, ob Lea Rosh ein solches Plakat zeigt oder die Republikaner in einem Video.“[10] Er bereue den Spot.[11] 2003 gab es erneut ein Video der Republikaner bei Mitwirkung durch Felser. In dem Film wurde die Erhöhung der Staatsförderung des Zentralrates als Fehlentwicklung geschildert. Felser äußerte sich 2002 in einer Nachricht an die Parteileitung der Republikaner, dass diese Aussage als „unverfänglich“ gelte, aber allemal eine „Provokation“ darstelle.[12]

Produzent neurechter PublikationenBearbeiten

Mitte Dezember 2017 veröffentlichte die Allgäuer Zeitung recherchierte Informationen über die langjährigen Verbindungen Felsers zur rechten und rechtsextremen Szene. Unter anderem wurde bekannt, dass der ehemalige Neonazi Jirka Buder, der seit Frühjahr 2017 für die AfD in Thüringen arbeitet, von 2006 bis 2016 bei Felsers Medienagentur arbeitete. Felser produzierte Medien für rechte und rechtsradikale Verlage. Darunter DVDs mit Vorträgen der bekannten Geschichtsrevisionisten Gerd Schultze-Rhonhof, Walter Post und Stefan Scheil. Ebenfalls recherchierte die Allgäuer Zeitung, dass der aus drei Buchstaben bestehende Name der Medienagentur sich auf die drei Nachnamen der Gründer bezieht, darunter eine der zentralen Personen der Neuen Rechten, Götz Kubitschek. Dies hatte Felser zuerst bestritten, Kubitschek hatte aber gegenüber mehreren Zeitungen diese Information bestätigt. Kubitschek war vor längerer Zeit wieder als Gesellschafter bei Felsers Medienagentur ausgeschieden, vermittelte aber weiter Aufträge. Der dritte Firmengründer, Bernd Widmer, war nach Recherchen des Informationsportals über rechtsextreme Aktivitäten, Blick nach Rechts, in den 1990er Jahren in hoher Position beim neurechten Freibund aktiv. Im Netzwerk um Kubitschek, wozu auch die neurechte Denkfabrik Institut für Staatspolitik und die Zeitung Junge Freiheit gehört, spielte laut Allgäuer Zeitung die Medienagentur von Peter Felser eine „Rolle als Produzent, technischer Dienstleister und Umschlagplatz“.[6]

Felser selbst gab an, als Geschäftsführer zwar verantwortlich gewesen zu sein, von diversen Produktionen tatsächlich aber nur wenig mitbekommen zu haben, eine Darstellung, der ein ehemaliger Mitarbeiter der Agentur (die vier bis fünf Mitarbeiter hatte) widersprach: „Ein Witz, dass er das nicht gewusst haben will. Es gab keinen Text, der nicht über Felsers Tisch gelaufen ist.“ Unterschiedlich bewertet wird der Anteil rechter Produktionen gegenüber normalen Aufträgen. Während ein Ex-Mitarbeiter angab, dass 40 % der Geschäftstätigkeit rechte Publikationen gewesen seien, gibt Felser an, dass allenfalls „nebenbei etwas aus dieser Richtung lief“, ein eigenes Geschäftsfeld sei dies nie gewesen: „Auftragsarbeit ist Auftragsarbeit. Aber solchen Mist macht man ja nicht aus innerer Überzeugung.“[6]

VeröffentlichungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Homepage von Peter Felser. Peter Felser. 27. November 2017.
  2. AfD Homepage. Alternative für Deutschland (AfD). 27. November 2017.
  3. Sebastian Lipp: Die rechten Seilschaften des AfD-Vizes. ZEIT, 18. Mai 2018, abgerufen am 7. Januar 2019.
  4. Peter Felser Website. Abgerufen am 30. September 2017.
  5. a b Kai Biermann, Astrid Geisler, Christina Holzinger, Paul Middelhoff, Karsten Polke-Majewski und Tilman Steffen: AfD-Fraktion: Rechts bis extrem im Bundestag. Die Zeit, 21. September 2017, abgerufen am 28. November 2017.
  6. a b c d e Etienne le Maire: Unternehmen des Allgäuer Bundestagsabgeordneten Peter Felser (AfD): Propaganda-Material für Rechtsextremisten. Allgäuer Zeitung, 15. Dezember 2017, abgerufen am 19. Dezember 2017.
  7. a b AfD-Fraktionsvize an Herstellung antisemitischer Videos beteiligt.. In: zeit.de, 27. November 2017 (abgerufen am 28. November 2017)
  8. Deutscher Bundestag - Peter Felser. In: Deutscher Bundestag. (bundestag.de [abgerufen am 9. März 2018]).
  9. Simon Voigt: Leif-Erik Holm neuer Vize-Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion. Nordkurier, 5. Oktober 2017, abgerufen am 28. November 2017.
  10. AfD-Fraktionsvize Felser zu antisemitischer Wahlwerbung. (Memento vom 1. Dezember 2017 im Internet Archive) In: br.de, 28. November 2017
  11. Peter Felser: AfD-Fraktionsvize an Herstellung antisemitischer Videos beteiligt. In: Die Zeit. 27. November 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 9. März 2018]).
  12. Peter Felser: AfD-Politiker an antisemitischen Videos beteiligt. SPIEGEL ONLINE, abgerufen am 27. November 2017.