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Peter Bogdanovich

US-amerikanischer Filmregisseur und Schauspieler

LebenBearbeiten

Peter Bogdanovich wurde als Sohn eines im Mai 1939 aus Europa emigrierten Ehepaares geboren. Sein Vater Bronislav Bogdanovich (1899–1970) war ein orthodoxer Christ und jugoslawischer Maler[1], seine Mutter Herma (1904–1978) entstammte einer wohlhabenden jüdischen Familie aus Österreich.[2] Mit 15 Jahren stand Bogdanovich erstmals als Schauspieler auf der Bühne[3] und absolvierte nach seinem Schulabschluss 1957 an der Stella Adler Theatre School in New York ein Schauspielstudium.

Bogdanovich als FilmkritikerBearbeiten

Peter Bogdanovich machte sich ab den frühen 1960er-Jahren zunächst Filmkritiker und Biograf einiger Hollywood-Regisseure einen Namen. Eine enge Freundschaft pflegte er insbesondere mit Orson Welles, der zeitweise sogar bei Bogdanovich im Haus lebte,[4] und über den er 1992 das Werk This is Orson Welles veröffentlichte. Er führte außerdem Interviews mit Filmgrößen wie Howard Hawks, John Ford, Fritz Lang, George Cukor, Leo McCarey und Alfred Hitchcock. Dem beinahe vergessenen Regisseur Allan Dwan verhalf er durch sein Buch The Last Pioneer über ihn zu einer Wiederentdeckung. Veröffentlicht wurden viele seiner Kritiken im Magazin Esquire. Im deutschsprachigen Raum erschienen Bogdanovichs Gespräche mit diesen und weiteren bekannten Regisseuren 2000 bei Hoffmans unter dem Titel Wer hat denn den gedreht?.

In seinem Schreiben als Filmkritiker war Bogdanovich insbesondere von dem französischen Filmmagazin Cahiers du cinéma und der dort geprägten Auteur-Theorie beeinflusst. Der US-Filmkritiker Jim Hemphill schrieb über Bogdanovich, dass „keiner eine größere Zahl an bedeutenden Interviews mit den Regisseuren und Schauspielern, die für die kreativste und fruchtbarste Zeit des Hollywood-Kinos verantwortlich waren, durchgeführt hat“.[5] Trotz seiner Karriere als Regisseur betätigt Bogdanovich sich bis heute als Filmhistoriker, er ist für Filmdokumentationen ein häufiger Gesprächspartner und sprach Audiokommentare zu zahlreichen DVD- und Bluray-Veröffentlichungen klassischer Filme ein.

FilmkarriereBearbeiten

Nachdem Bogdanovich erste Erfahrungen als Regieassistent des Horrorfilm-Regisseurs Roger Corman sammeln konnte, drehte er als sein Debüt den Thriller Bewegliche Ziele (Targets. 1968) mit dem Altstar des Horror-Genres, Boris Karloff. Der als Low-Budget-Produktion gedrehte Targets wurde als Überraschungserfolg gesehen und brachte Bogdanovich die Chance auf die Verwirklichung von weiteren Filmen.

Sein Meisterwerk lieferte er mit seinem dritten Film ab – Die letzte Vorstellung erhielt acht Oscar-Nominierungen. Der ehemalige Filmkritiker zeigte auch bei seinen weiteren Filmen, dass er gezielt historische Genres wiederzubeleben versuchte. Das gelang ihm etwa mit der Screwball-Komödie Is’ was, Doc? (1972) mit Barbra Streisand, eine Hommage an den Film Leoparden küßt man nicht von Howard Hawks. Ein weiterer Erfolg war 1973 die Vater-Tochter-Komödie Paper Moon (1973). Anschließend drehte Bogdanovich unter anderem das Musical At Long Last Love (1975) und die über die Stummfilmzeit handelnde Komödie Nickelodeon (1976), doch seine erfolgreichsten Filme als Regisseur hatte er schon hinter sich gebracht. Seine folgenden Filme, zuletzt die Screwball-Komödie Broadway Therapy im Jahr 2014, erhielten eine wechselhafte Rezeption.

Auch da Bogdanovich 1985 und nochmals 1997 Privatinsolvenz anmelden musste[6], tritt er häufiger als Schauspieler für andere Regisseure vor die Kamera. In vielen seiner und auch anderer Filme trat er in Cameos, gelegentlich auch in größeren Rollen auf. In der US-Fernsehserie Die Sopranos war er zwischen 2000 und 2007 in 15 Folgen als Psychiater Dr. Elliott Kupferberg zu sehen, bei einer Episode der Serie inszenierte er auch als Regisseur.

PrivatlebenBearbeiten

Von 1962 bis 1971 war Bogdanovich mit Polly Platt verheiratet, die als Production Designerin mit ihm zusammenarbeitete. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor, Antonia und Alexandra.[7]

1980 verliebte Bogdanovich sich während der Dreharbeiten zu seinem Film They all laughed in das Playboy-Playmate Dorothy Stratten, die sich gerade von ihrem Ehemann, dem Zuhälter und Promoter Paul Snider, getrennt hatte und, noch bevor der Film in die Kinos kam, von Snider ermordet wurde. 1988 heiratete Bogdanovich Dorothys jüngere Schwester Louise Stratten; sie trennten sich im Jahr 2001.

Filmografie (Auswahl)Bearbeiten

 
Peter Bogdanovich neben einem Gemälde seines Vaters auf dem Sedona International Film Festival 2012

Hinter der KameraBearbeiten

Als Schauspieler (Auswahl)Bearbeiten

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • John Ford. London 1967.
  • Fritz Lang in America. London 1968.
  • Allan Dwan. The last pioneer. London 1971.
  • Pieces of Time. Peter Bogdanovich on the Movies. New York 1973.
  • Picture Shows. Peter Bogdanovich on the Movies. London 1975.
  • The Killing of the Unicorn. Dorothy Stratten (1960–1980). New York 1984.
  • Pieces of Time. Peter Bogdanovich on the Movies, 1961–1985. New York 1985.
  • zusammen mit Orson Welles: This is Orson Welles. New York 1992 (dt. Hier spricht Orson Welles. 1994, ISBN 3-88679-228-5).
  • Peter Bogdanovich’s Movie of the Week. 52 Classic Forms for One Full Year. New York 1999.
  • Wer hat denn den gedreht? Gespräche mit Robert Aldrich ... Haffmans, Zürich 2000 ISBN 3-251-00463-8

AuszeichnungenBearbeiten

Die letzte Vorstellung

LiteraturBearbeiten

  • Andrew Yule: Picture Shows. The Life and Films of Peter Bogdanovich. Limelight Editions, New York 1992, ISBN 0-87910-153-9.
  • Thomas J. Harris: Bogdanovich’s Picture Shows. Scarecrow Press, Metuchen 1990, ISBN 0-8108-2365-9.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Biography. Abgerufen am 6. Oktober 2019 (amerikanisches Englisch).
  2. Peter Biskind: Easy Riders, Raging Bulls. Bloomsbury Publishing, 2016, ISBN 978-1-4088-8215-3 (google.de [abgerufen am 6. Oktober 2019]).
  3. Jim Hemphill: Playing All the Parts: Peter Bogdanovich on “She’s Funny That Way” | Interviews | Roger Ebert. Abgerufen am 6. Oktober 2019 (englisch).
  4. Peter Bogdanovich recalls frequent houseguest Orson Welles. In: Wellesnet | Orson Welles Web Resource. 10. Januar 2014, abgerufen am 6. September 2019 (amerikanisches Englisch).
  5. Todd Decker: The “Most Distinctive and Biggest Benefit that Broadway Has Ever Known”. In: Rethinking American Music. University of Illinois Press, 2019, ISBN 978-0-252-04232-4, S. 221–246 (doi.org [abgerufen am 6. Oktober 2019]).
  6. Rex Weiner, Rex Weiner: Bogdanovich’s new prod’n: bankruptcy. In: Variety. 9. Juni 1997, abgerufen am 6. Oktober 2019 (englisch).
  7. Ryan Gilbey: Polly Platt obituary. In: The Guardian. 7. August 2011. Abgerufen am 12. Januar 2013.