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Paul Ziemiak

deutscher Politiker und Generalsekretär (CDU)
Paul Ziemiak (2014)

Paul Ziemiak (* 6. September 1985 in Stettin, Polen als Paweł Ziemiak[1][2]) ist ein deutscher Politiker der CDU. Seit dem 8. Dezember 2018 ist er Generalsekretär seiner Partei. Zuvor war er von September 2014 bis März 2019 Bundesvorsitzender der Jungen Union. Seit der Bundestagswahl 2017 gehört Ziemiak dem Bundestag an.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und beruflicher WerdegangBearbeiten

Ziemiak wuchs die ersten Jahre seines Lebens in Polen auf; auf Polnisch wird sein Nachname [ˈʑɛmʲjak] ausgesprochen. 1988 zogen seine Eltern mit ihm und seinem älteren Bruder als Aussiedler nach Deutschland. Zunächst lebte die Familie im Aussiedlerlager in Unna-Massen und später in Iserlohn. Nach dem Abitur an einem Internat studierte Ziemiak zunächst Rechtswissenschaft an den Universitäten Osnabrück und Münster. Ziemiak bestand die Erste Juristische Staatsprüfung in zwei Anläufen nicht und blieb daher ohne Abschluss.[3] Danach begann er ein Studium der Unternehmenskommunikation an der Business and Information Technology School in Iserlohn, das er nicht abgeschlossen hat.[4] Bis zu seinem Einzug in den Bundestag arbeitete Ziemiak neben seinem Studium als Werkstudent in Düsseldorf für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers.[5]

Politischer WerdegangBearbeiten

Werdegang in der UnionBearbeiten

Ziemiak trat 1999 in die Junge Union (JU) und 2001 auch in die CDU ein. Von 1999 bis 2001 war er der erste Vorsitzende des neugegründeten Kinder- und Jugendparlaments der Stadt Iserlohn. Von 2009 bis 2012 war Ziemiak Bezirksvorsitzender der Jungen Union Südwestfalen und von 2012 bis 2014 Landesvorsitzender der Jungen Union NRW. Seit 2017 ist er Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstandes der CDU Nordrhein-Westfalen und Mitglied der Konrad-Adenauer-Stiftung. Von 2014 bis 2019 war er Mitglied im Rat der Stadt Iserlohn, dort bis 2017 stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Bundesweit bekannt wurde Paul Ziemiak als Vorsitzender der Jungen Union Deutschlands. Nach wochenlangem Wahlkampf kandidierte er im September 2014 auf dem Deutschlandtag für den Bundesvorsitz der Jungen Union gegen Benedict Pöttering und gewann mit 63 Prozent der Stimmen.[6] Ziemiak löste damit Philipp Mißfelder ab, der nicht erneut kandidierte. Es war die erste Kampfkandidatur um dieses Amt seit 1973.[7] Am 14. Oktober 2016 wurde Ziemiak auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Paderborn mit 85 Prozent der Stimmen erneut zum Bundesvorsitzenden gewählt. Im Oktober 2018 bestätigte die Junge Union Ziemiak mit 91,1 Prozent der abgegebenen Stimmen als Bundesvorsitzenden.[8]

Bundesversammlung und BundestagBearbeiten

Im Februar 2017 war Ziemiak Mitglied der 16. Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten, nachdem ihn der nordrhein-westfälische Landtag hierzu entsandt hatte.

Anfang Juli 2016 stellte ihn die Wahlkreisvertreterversammlung im Bundestagswahlkreis Herne – Bochum II[9] mit einer Zustimmung von 97 Prozent als Kandidaten zur Bundestagswahl 2017 auf.[10] Damit wurde er Nachfolger für die bisherige CDU-Wahlkreiskandidatin Ingrid Fischbach. Ebenso wie seine Vorgängerin gelangte Ziemiak über die Landesliste in den Bundestag, da der Wahlkreis jeweils von der SPD-Kandidatin Michelle Müntefering gewonnen wurde.

Im Bundestag ist Ziemiak Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und dort unter anderem Berichterstatter für internationalen Terrorismus.[11]

Generalsekretär der CDUBearbeiten

Annegret Kramp-Karrenbauer schlug Ziemiak nach ihrer Wahl zur CDU-Vorsitzenden am 8. Dezember 2018 auf dem 31. Parteitag zu ihrem Nachfolger als Generalsekretär der CDU vor. Er wurde daraufhin als einziger Kandidat mit 62,8 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt.[12][13] Er war damit das erste aktive Mitglied der Jungen Union, das direkt in diese Funktion bei der Bundespartei wechselte. Seit dem 11. Dezember 2018 ließ Ziemiak seine Aufgaben als Bundesvorsitzender ruhen.[14] Mit der Wahl seines Nachfolgers Tilman Kuban endete seine Zeit als Bundesvorsitzender der Jungen Union im März 2019 endgültig.[15]

Politische PositionenBearbeiten

Die politischen Schwerpunkte Ziemiaks sind unter anderem Generationengerechtigkeit, Bildung, Digitalisierung und die Energiepolitik. Ziemiak kritisierte die Einführung der Rente mit 63 durch die Große Koalition in mehreren Interviews.[16] Auf dem Deutschlandtag 2014 plädierte Ziemiak dafür, den Fokus in der Bildungspolitik stärker auf „Nicht-Akademiker“ zu legen. Er begründete dies mit der Erwägung, Deutschland müsse ein Land der Möglichkeiten für alle sein.[17] Zudem mahnte er die Bundesregierung bereits damals, mehr in Breitbandausbau und Digitalisierung zu investieren.[18]

Mit Blick auf die seit 2014 andauernde Ukraine-Krise plädiert Ziemiak für eine stärkere europäische Koordinierung der Energiepolitik.[19] Viel zitiert wurde ferner seine Forderung nach einem harten Durchgreifen gegen Extremisten und Islamisten in Deutschland: „Wer die Scharia mehr achtet als das Grundgesetz – da hilft kein Integrationskurs, da hilft nur Gefängnis.“[20]

Auf dem CDU-Bundesparteitag am 9. und 10. Dezember 2014 in Köln setzte sich Ziemiak zusammen mit den CDU-Vereinigungen MIT und CDA mit der Forderung durch, „Spielräume (zu) erarbeiten ... um noch in dieser Legislaturperiode Bürgerinnen und Bürger ... bei der kalten Progression zu entlasten“.[21]

Ziemiak befürwortet die Gleichstellung homosexueller mit heterosexuellen Partnerschaften und die Adoptionsmöglichkeit durch homosexuelle Paare.[22]

PersönlichesBearbeiten

Ziemiak ist verheiratet und hat einen Sohn.[23]

SchriftenBearbeiten

  • Leitsatz 18: Parlamentarismus. In: Christoph Klausing (Hrsg.): Die Kölner Leitsätze 1945 und heute. Eine Suche nach dem Markenkern der Christdemokratie. LIT, Münster 2018, ISBN 978-3-643-14103-3, S. 193–200.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Paul Ziemiak – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ein zweischneidiges Schwert faz.net vom 8. Dezember 2018, abgerufen am 7. Februar 2019
  2. Paul Ziemiak nowym sekretarzem generalnym CDU wpolityce.pl vom 8. Dezember 2018, abgerufen am 7. Februar 2019
  3. Fabian Leber: Zwei wollen Nachfolger von Philipp Mißfelder werden. In: Der Tagesspiegel. 19. September 2014.
  4. Philipp Kinne: Wie Paul Ziemiak zum Aufsteiger der Jungen Union wurde. In: Augsburger Allgemeine, 13. Februar 2018.
  5. Dietmar Palan: Wirtschaftsprüfer PwC hilft Nachwuchs-Star der CDU nach Kräften. In: Manager Magazin, 23. Juni 2014; Paul Ziemiak – Junger Konservativer mit Migrationshintergrund soll CDU versöhnen. In: Stern.de, 8. Dezember 2018; Vita beim Deutschen Bundestag.
  6. Paul Ziemiak ist neuer Vorsitzender. In: Handelsblatt. 19. September 2014, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  7. Merkel attackiert die AfD. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 19. September 2014, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  8. Ziemiak mit 91 Prozent wiedergewählt. In: Spiegel Online, 6. Oktober 2018.
  9. Hartmut Becker: Paul Ziemiak kandidiert für den Bundestag. In: ikz-online.de. 18. Mai 2016, abgerufen am 6. November 2018.
  10. CDU stellt Ziemiak mit 97 Prozent für Kreis Herne-Bochum auf. In: derwesten.de. 2. Juli 2016, abgerufen am 3. Dezember 2018.
  11. Deutscher Bundestag – Paul Ziemiak. In: Deutscher Bundestag. Abgerufen am 3. Dezember 2018.
  12. JU-Chef Ziemiak mit schwachem Ergebnis zum Generalsekretär gewählt. In: Welt Online, 8. Dezember 2018.
  13. Paul Ziemiak: Chef der Jungen Union zum neuen CDU-Generalsekretär gewählt. In: Spiegel Online, 8. Dezember 2018.
  14. Bundesvorsitzender der Jungen Union: Paul Ziemiak MdB lässt Amt ruhen. Junge Union. 11. Dezember 2018.
  15. Tilman Kuban ist neuer Vorsitzender der Jungen Union. In: Die Zeit. 16. März 2019.
  16. Gregor Mayntz: Junge Union will die Rente mit 63 abschaffen. In: Rheinische Post. 22. September 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  17. Paul Ziemiak ist neuer Chef der Jungen Union. In: Die Zeit. 20. September 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  18. Neuer JU-Chef ruft zu Geschlossenheit auf. In: Focus. 22. September 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  19. Andreas Herholz: Wir Jungen müssen für das Rentenpaket teuer bezahlen. In: Nordwest-Zeitung. 22. September 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  20. dpa: Paul Ziemiak - konstruktiv, nicht harmlos. In: Westdeutsche Zeitung. 21. September 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  21. Robin Alexander, Claudia Ehrenstein, Miriam Hollstein: "Steuerrebellen" setzen sich gegen Merkel durch. In: Die Welt. 8. Dezember 2014, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  22. Gaby Mayr: Gleichstellung in Parteien und Politik – Fortschritte und Tabubrüche. In: Deutschlandfunk – „Hintergrund“ vom 15. April 2017.
  23. Nach eigener Aussage am 3. April 2019 bei Markus Lanz, im ZDF