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BiografieBearbeiten

Rave, Sohn eines Apothekers, studierte nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg ab 1918 in Bonn Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Literaturgeschichte und wurde 1922 mit einer Arbeit über die Kirche St. Severus in Boppard und den romanischen Emporenbau promoviert. Auf Empfehlung seines Lehrers Paul Clemen kam er daraufhin an die Verwaltung der Nationalgalerie in Berlin, an der er bald zum Kustos ernannt wurde und das Schinkel-Museum leitete.

Rave arbeitete mit dem damaligen Direktor der Nationalgalerie Ludwig Justi beim Aufbau einer Sammlung für moderne Kunst der Nationalgalerie zusammen. Justi wurde 1933 von den Nationalsozialisten entlassen und durch Alois Schardt ersetzt. Nachdem auch dieser in Ungnade gefallen war und sich dessen Nachfolger Eberhard Hanfstaengl geweigert hatte, bei der Beschlagnahmung moderner Kunstwerke für die Ausstellung „Entartete Kunst“ durch die nationalsozialistischen Kunstpolitiker Adolf Ziegler und Wolfgang Willrich mitzuarbeiten, übernahm Rave 1937 kommissarisch die Leitung der Sammlung im Kronprinzenpalais und wurde Direktor der Nationalgalerie, deren Sammlungen der Moderne er in der NS-Zeit verteidigte.[1] Diese Position behielt er auch nach dem Krieg, trat aber 1950 zurück, als sich die Spaltung Berlins und damit auch der Nationalgalerie verfestigt hatte. Bis 1961 war er danach Leiter der Kunstbibliothek in Berlin.

Raves bevorzugtes Arbeitsfeld war die preußische Kunst der Jahrzehnte um 1800. Insbesondere widmete er sich der Schinkelforschung und wurde 1939 Herausgeber der Schriftenreihe Karl Friedrich Schinkel: Lebenswerk. 1949 erschien Raves Buch Kunstdiktatur im Dritten Reich, das sich kritisch mit der nationalsozialistischen Kunstpolitik, insbesondere der Aktion „Entartete Kunst“, auseinandersetzt.

 
Grabstätte von Paul Ortwin Rave auf dem Waldfriedhof Zehlendorf (hier noch als Ehrengrab gekennzeichnet)

Paul Ortwin Rave starb 1962 im Alter von 68 Jahren in Idar-Oberstein. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in Berlin.[2] Das Grab war von 1992 bis 2014 als Berliner Ehrengrab gewidmet.

Seit 1933 war Rave mit der Malerin Maria Theresia Rave-Faensen (1903–1987) verheiratet[3], ihre beiden Söhne Jan (1934–2004) und Rolf (* 1936) wurden beide Architekten. Der Denkmalpfleger Wilhelm Rave (1886–1958) war sein Bruder.

EhrungenBearbeiten

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Tempel Italiens. Verlag des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität, Frankfurt am Main 1924.
  • Die alten Gärten und ländlichen Parke in der Mark Brandenburg. In: Brandenburgische Jahrbücher. Nr. 14./15. Potsdam, Berlin 1939.
  • Das Antlitz der Romantik. Bildnisse und Selbstbildnisse deutscher Künstler. H. F. Günther, Stuttgart o. J. (1946?).
  • Die Geschichte der Nationalgalerie Berlin. Herausgegeben von der Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz. Berlin o. J. (1968?).
  • Schriften über Künstler und die Kunst. Ausgewählt, herausgegeben und eingeleitet von Stephan Waetzoldt. Gerd Hatje, Stuttgart 1994.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schriften über Künstler und die Kunst. Ausgewählt, herausgegeben und eingeleitet von Stephan Waetzoldt. Verlag Gerd Hatje. Stuttgart 1994. Klappentext
  2. Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 638.
  3. Indexeintrag zu Maria Theresia Rave auf deutsche-biographie.de.