Patrik Müller

Schweizer Journalist

Patrik Müller (* 25. Februar 1975 in Baden; heimatberechtigt in Lengnau AG[1]) ist ein Schweizer Journalist und Chefredaktor des Zeitungsmantels az Nordwestschweiz sowie von deren seit dem 4. März 2017 neu herausgegebenen Wochenendausgabe Schweiz am Wochenende. Zuvor war er Chefredaktor der am 26. Februar 2017 eingestellten Schweiz am Sonntag.

LebenBearbeiten

Müller studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen (HSG) und schloss mit dem Lizenziat ab. Zudem erwarb er das Handelslehrerdiplom. An der Kantonsschule Zürcher Oberland unterrichtete er während sechs Jahren die Fächer Wirtschaft, Recht und Informatik[2], gleichzeitig zu seiner Arbeit im Journalismus.[3]

Müller arbeitete von 2000 bis 2003 als Wirtschaftsredaktor bei der Aargauer Zeitung[2], von 2003 bis 2004 als Reporter für Politik und Wirtschaft für die SonntagsZeitung und von 2004 bis 2007 als Nachrichtenchef/Blattmacher für den SonntagsBlick. Im September 2007 wurde er im Alter von 32 Jahren Chefredaktor der neu entstandenen Sonntagszeitung Der Sonntag (seit 2013 Schweiz am Sonntag) der AZ Medien, die er mit aufbaute.[3] Am 1. Januar 2017 übernahm Müller auch die Chefredaktion des Mantels az Nordwestschweiz[4] und von deren Wochenendausgabe Schweiz am Wochenende.

2006 schrieb Müller gemeinsam mit Christian Dorer eine Biografie über den damaligen SBB-Chef Benedikt Weibel.[5]

Müller ist Initiant des SwissMediaForum, einer jährlichen, zweitägigen Veranstaltung, wo Meinungsführer von Medien, Wirtschaft und Politik zusammenfinden mit dem Ziel des Meinungsaustausches und der gegenseitigen Inspiration.[6] Das Forum fand das erste Mal im Mai 2011 im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL Luzern) statt.[7] Müller ist Mitglied im Verwaltungsrat der gleichnamigen Aktiengesellschaft[1] und sass im Beirat des Forums.[8]

Müller hatte von 2009 bis 2012 eine Kolumne jeden Dienstagmorgen auf Radio 1 zu einem aktuellen Thema. Nach rund 180 Sendungen hatte er seine letzte Kolumne im Oktober 2012.[9] Er ist des Öfteren Gast in den Diskussionssendungen SonnTalk auf TeleZüri bei Moderator Markus Gilli und Club auf SRF 1, hier vor allem zu Medienthemen.[10]

Müller hat mit seiner Partnerin drei Kinder und lebt mit seiner Familie in Baden.[3][11]

KritikBearbeiten

Patrik Müller veröffentlichte in der Schweiz am Sonntag im August 2014 einen Artikel über den Badener Stadtpräsidenten und damaligen Nationalrat Geri Müller. Dieser hatte während mehrerer Monate einen Chat-Verkehr mit einer Frau gepflegt, wobei er ihr auch Nackt-Selfies verschickte, die Kommunikation erfolgte teilweise während der Arbeitszeit und an dessen Arbeitsort. Schliesslich kam es auch zu einem Polizeieinsatz bei der Frau. Deshalb formulierte Patrik Müller in seinem Artikel den Verdacht, Geri Müller habe als Stadtpräsident sein Amt missbraucht. Der Artikel löste eine mediale Jagd auf den Politiker aus. Darauf reichten 18 aktive und ehemalige National- und Ständeräte von sieben Parteien eine Beschwerde beim Schweizer Presserat gegen die Schweiz am Sonntag ein. Nach deren Ansicht drohe die ganze politische Kultur Schaden zu nehmen, wenn der Fall Geri Müller Schule mache. Der Presserat gab ihnen recht, er erkannte kein öffentliches Interesse an einem Bericht über die erotische Chat-Beziehung des Politikers. Auch die allfällige Möglichkeit des Amtsmissbrauchs hätte mit einer genügenden Recherche aus der Welt geschafft werden können. Der Presserat befand, dass die Schweiz am Sonntag die Privat- und Intimsphäre von Politiker Geri Müller auf schwere Weise verletzt habe. Peter Wanner, Verleger (AZ Medien) der Zeitung, verteidigte die Publikation, sexistische Handlungen von Politikern in Amtsräumen genössen nicht den Schutz der Privatsphäre.[12][13][14] Am 24. September 2017 wurde Geri Müller als Stadtammann von Baden abgewählt, ebenso als Mitglied des Stadtrates.[15] 2018 kam es zu einer aussergerichtlichen Einigung zwischen AZ Medien und Geri Müller. Die AZ Medien und Patrik Müller haben gegenüber Geri Müller «ihr Bedauern über die Unannehmlichkeiten ausgedrückt, die er dadurch erlebt hat». Zu den Einzelheiten der Einigung wurde Stillschweigen vereinbart. Das von Geri Müller gegen Patrik Müller angestrengte Strafverfahren wurde aufgrund des aussergerichtlichen Vergleiches von der Staatsanwaltschaft eingestellt.[16]

AuszeichnungenBearbeiten

WerkeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Patrik Müller. In: moneyhouse.ch, abgerufen am 22. Oktober 2017
  2. a b Patrik Müller. In: swissmediaforum.ch, abgerufen am 3. November 2011 (PDF-Datei, S. 10; 1,2 MB); (Archiv-Version) (Memento vom 3. November 2011 auf WebCite)
  3. a b c Patrik Müller. (Memento vom 21. Oktober 2011 auf WebCite) In: medienball.ch, abgerufen am 21. Oktober 2011; Archiv-Version
  4. Patrik Müller übernimmt Chefredaktion. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Oktober 2016
  5. Jahresbericht 2007. In: schweizermedien.ch, abgerufen am 21. Oktober 2011 (PDF-Datei, S. 115; 8,5 MB)
  6. Website SwissMediaForum
  7. Patrik Müller im Schuss. Interview in: persoenlich.com. 13. April 2011
  8. Advisory Board. In: SwissMediaForum, abgerufen am 20. Mai 2013 (nicht mehr online abrufbar)
  9. Patrik Müller mit letzter Morgenkolumne. In: persoenlich.com. 28. September 2012
  10. «Medienclub» – Sind Medien Terrorhelfer? In: SRF 1. 28. Mai 2013
  11. Patrik Müller zu Besuch. Interview in: Energy Zürich. 29. September 2011
  12. Rainer Stadler: Presserat zum Fall Geri Müller. «Schweiz am Sonntag» gerügt. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Juli 2016
  13. Presserat stellt sich hinter Geri Müller. In: Tages-Anzeiger. 22. Juli 2016
  14. Nr. 23/2016: Verletzung der Privatsphäre / Sachlich nicht gerechtfertigte Anschuldigungen. In: Website des Presserats. 11. Juli 2016
  15. Überraschung in Baden: Stadtammann Geri Müller wird abgewählt. In: Aargauer Zeitung. 24. September 2017, abgerufen am 24. September 2017.
  16. Ex-Stadtammann Geri Müller und AZ Medien einigen sich auf Vergleich. In: Neue Zürcher Zeitung, 11. Januar 2018.
  17. Barbara Lüthi ist «Journalistin des Jahres». In: Klein Report. 22. Dezember 2008