Parlamentswahlen in Pakistan 1970

Die Parlamentswahlen in Pakistan 1970 fanden am 7. Dezember 1970 statt. Es wurden die Mitglieder der Nationalversammlung und der Provinzregierungen gewählt. Die Parlamentswahlen 1970 waren die ersten Wahlen in der Geschichte Pakistans und die ersten und einzigen vor der Unabhängigkeit Bangladeschs.

HintergrundBearbeiten

Pakistan war bis 1956 ein Dominion des britischen Königreichs und rief sich, nach Beschlussfassung einer Verfassung, am 23. März 1956 zur weltweit ersten Islamischen Republik aus. Die ersten Wahlen in der Geschichte Pakistans waren für 1959 vorgesehen. Politische Instabilität führte jedoch dazu, dass Präsident Iskander Mirza das Kriegsrecht ausrief. Der Armeechef, Ayub Khan wurde durch den Präsidenten mit der Regierungsführung beauftragt. Ayub Khan wurde zum Präsidenten und beförderte sich zum Feldmarschall und ernannte Muhammad Musa Khan zum neuen Armeechef.

Im Februar 1960 ließ Ayub Khan eine Kommission, unter Vorsitz von Chief Justice Muhammad Shahabuddin, einrichten, die eine Verfassung ausarbeiten sollte. Der Bericht der Kommission war die die Grundlage für die zweite Verfassung Pakistans 1962. Die neue Verfassung machte Pakistan zu einer Republik und führte das Präsidentielles Regierungssystem ein, das das Parlamentarisches Regierungssystem der Verfassung 1956 ablöste. Die Verfassung 1962 führte außerdem das Electoral College als Wahlorgan ein. Die Präsidentschaftswahlen wurden 1965 abgehalten, die Ayub Khan gewann.

Der Unmut über Ayub Khan wuchs mit den Jahren vor allem in Ostpakistan. Shaikh Mujibur Rahman war die treibende Kraft hinter dem Widerstand gegen Ayub Khan. Rahman stellte 1966 ein Sechs-Punkte-Programm in Lahore vor, das auf die Unabhängigkeit Ostpakistan von Westpakistan abzielte.

Shaikh Mujibur Rahman wurde 1968 der Verschwörung und Volksverhetzung beschuldigt. Rahman wurde für die politische instabile Lage in Pakistan verantwortlich gemacht.[1] Verschwörung konnte ihm nicht nachgewiesen werden.[2] Es wurde aber bekannt, dass Rahman sich 1962 und 1965, nach dem Zweiten Indisch-Pakistanischen Krieg, unter Geheimhaltung mit der indischen Regierung getroffen hatte. Dieser Vorfall führte zu Unruhen in Ostpakistan. Zulfikar Ali Bhutto war unter der Regierung von Ayub Khan Außenminister Pakistans, reichte aber seinen Rücktritt ein. Er gründete 1967 die Pakistan Peoples Party und ging in die Opposition gegen Ayub Khan. Ayub Khan geriet innenpolitisch zunehmend unter Druck und übergab die Regierungsgewalt an Armeechef Yahya Khan.

Die Regierung von Yahya Khan rief abermals das Kriegsrecht aus und setzte die Verfassung 1962 außer Kraft. Yahya Khan verabschiedete ein Dekret, das die Rahmenbedingungen für die Parlamentswahlen 1970 enthielt. Westpakistan fürchtete die Autonomiebestrebungen von Ostpakistan.[3] Eine weitere Funktion des Dekrets war die Sicherstellung einer neuen Verfassung, die nach den Wahlen verabschiedet werden sollte. Die 1954 verabschiede Ein-Provinz-Politik wurde abgeschafft und Pakistan wurde in vier Provinzen aufgeteilt. Yahya Khan ging aber nicht davon aus, dass Rahman die Wahlen 1970 gewinnen werde.[4]

Parteien und KandidatenBearbeiten

Die Parlamentswahlen 1970 werden als die fairsten Wahlen angesehen, da 24 Parteien antragen. Die Wahlen begünstigten das Zweiparteiensystem, denn die Awami League trat gegen die einflussreiche PPP an. Die pakistanische Regierung unterstützte die pro-islamischen Parteien. Die Jamaat-e-Islami ging von abtrünnigen Absichten der Awami League aus.[5]

Wahlkampf in OstpakistanBearbeiten

Beide Parteien konnten im jeweiligen Landesteil auf sehr viel Unterstützung zurückgreifen. Die Awami League richtete ihren Wahlkampf nach dem Sechs-Punkte-Programm aus, das in Ostpakistan auf breite Zustimmung stieß. Die Awami League erhielt in Ostpakistan sehr viele Popular Votes. Die Awami League erhielt in beiden Landesteilen die meisten Stimmen und konnte sich die meisten Sitze im Parlament und im Senat sichern. Beide Parteien konnten im jeweiligen anderen Landesteil keine Sitze gewinnen. Dies gab Bhutto den Anlass gegen die Awami League zu spotten.[6] Die Politiker in Westpakistan waren von der Idee nicht begeistert, dass die Awami-League die Regierungsgewalt in beiden Landesteilen übernehmen würde.

Wahlkampf in WestpakistanBearbeiten

Die politische Situation in Westpakistan war eine ganz andere. Die pakistanische Bevölkerung war zwischen verschiedenen Parteien gespalten. Die Muttahida-Qaumi-Bewegung berief sich in ihrem Wahlkampf auf den politischen Islam und wollte die Schariagesetze wiedereinführen. Die Pakistan Muslim League berief sich auf die Vision von Muhammad Ali Jinnah und wollte Pakistan nach dessen Vorstellung regieren. Die einzelnen Parteien kritisierten sich jedoch gegenseitig. Es nahmen insgesamt 1.957 Kandidaten an den Wahlen teil.[7]

ErgebnisBearbeiten

Die Awami League unter der Führung von Sheikh Mujibur Rahman gewann 160 Sitze im Parlament. Die PPP um Zulfiqar Ali Bhutto konnte nur 81 Sitze auf sich vereinigen.[8]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ian Talbot: Pakistan: A Modern History. St. Martin's Press, 1998, ISBN 978-0-312-21606-1, S. 190.
  2. Ian Talbot: Pakistan: A Modern History. St. Martin's Press, 1998, ISBN 978-0-312-21606-1, S. 193: „The Agartala contacts however did not provide solid evidence of a Mujib-India secessionist conspiracy in East Pakistan“
  3. Ian Talbot: Pakistan: A Modern History. St. Martin's Press, 1998, ISBN 978-0-312-21606-1, S. 193: „When this duly arrived. the western wing's nightmare scenario materialised: either a constitutional deadlock, or the imposition in the whole of the country of the Bengalis' longstanding commitment to unfettered democracy and provincial autonomy.“
  4. Ian Talbot: Pakistan: A Modern History. St. Martin's Press, 1998, ISBN 978-0-312-21606-1, S. 193: „From November 1969 until the announcement of the national election results, he discounted the possibility of an Awami League landslide in East Pakistan.“
  5. Ian Talbot: Pakistan: A Modern History. St. Martin's Press, 1998, ISBN 978-0-312-21606-1, S. 196: „The JI itself warned that an Awami League victory would mean the disintegration of Pakistan.“
  6. Owen Bennett-Jones: Pakistan: Eye of the Storm. Yale University Press, 2003, ISBN 978-0-300-10147-8, S. 146–180.
  7. Elections of 1970 (englisch)
  8. Dieter Nohlen, Florian Grotz & Christof Hartmann (2001) Elections in Asia: A data handbook, Volume I, p. 686