Euterpocken des Rindes

Krankheit
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Die Euterpocken des Rindes (auch Pseudokuhpocken, falsche Kuhpocken) sind eine virusbedingte Hautinfektion der Rinder. Besondere Bedeutung besitzen sie als Zoonose, da sie beim Menschen die sogenannten Melkerknoten, ebenfalls eine Hautinfektion, verursachen. Die Euterpocken des Rindes sind daher in Deutschland eine meldepflichtige Tierseuche.

Ursache und EpidemiologieBearbeiten

Parapoxvirus bovis 2
Systematik
Klassifikation: Viren
Bereich: Divdnaviria[1][2]
Reich: Arrolladovira[1]
Phylum: „Nucleocytoplasmaviricota“[1] (NCLDV)
Klasse: Pokkesviricetes[1]
Ordnung: „Chitovirales“[1]
Familie: Poxviridae
Unterfamilie: Chordopoxvirinae
Gattung: Parapoxvirus
Art: Parapoxvirus bovis 2
Taxonomische Merkmale
Genom: dsDNA linear
Baltimore: Gruppe 1
Symmetrie: ovoid
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Pseudocowpox virus (engl.)
Kurzbezeichnung
PCPV
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Der Erreger der Euterpocken ist das Pseudocowpox virus (veraltet auch Paravaccinia virus, Milker’s nodule virus, Parapoxvirus bovis 2) aus der Gattung Parapoxvirus in der Unterfamilie Chordopoxvirinae der Pockenviren. Die Virusteilchjen (Virionen) sind ovoid, d. h. zylindrisch und mit konvexen Enden bei Abmessungen von 140 x&nsp;310 nm (Durchmesser x Länge). Sie gelangen meist durch einen Zukauf erkrankter Tiere in einen Bestand und werden beim Melkvorgang übertragen. Eine Übertragung durch stechende Stallfliegen ist ebenfalls möglich. Die Erkrankung breitet sich im Bestand langsam von Tier zu Tier aus.

SymptomeBearbeiten

Nach einer Inkubationszeit von sechs Tagen kommt es zu Ödem und Erythem an der Haut von Euter und Zitze. Innerhalb von 48 Stunden entwickeln sich dort unregelmäßige, gelbliche Papeln von unterschiedlicher Größe, welche bald unter Bildung von Schorf eintrocknen. Innerhalb von zwei bis vier Wochen erfolgt eine Heilung ohne Narbenbildung. Die Erkrankung verläuft mild und ohne Fieber.

DiagnoseBearbeiten

Das Virus lässt sich im Elektronenmikroskop und mittels ELISA identifizieren. Differentialdiagnostisch sind z. B. Maul- und Klauenseuche und echte Kuhpocken zu berücksichtigen.

TherapieBearbeiten

Eine spezifische Therapie ist nicht möglich. Die symptomatische Behandlung erfolgt durch gute Euterpflege sowie Hygienemaßnahmen. Die Verwendung antibiotikahaltiger Salben kann Sekundärinfektionen verhindern. Nach dem Melken jeder Kuh sind die Hände zu waschen und ebenso wie die Melkanlage zu desinfizieren. Die lokale zelluläre Immunität, welche nach der Genesung besteht, hält nur für kurze Zeit an. Spezifische Impfstoffe sind nicht vorhanden.

LiteraturBearbeiten

  • Eberhard Grunert: Buiatrik – Bd. 1: Euterkrankheiten, Geburtshilfe und Gynäkologie, Andrologie und Besamung, 5. Aufl., Verlag Schaper, Hannover 1996 ISBN 3-7944-0181-6
  • O.-R. Kaaden: Euterpocken. In: Anton Mayr (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. Enke-Verlag Stuttgart, 7. Auflage 2002, S. 173–174. ISBN 3-7773-1795-0

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Koonin EV, Dolja VV, Krupovic M, Varsani A, Wolf YI, Yutin N, Zerbini M, Kuhn JH: Create a megataxonomic framework for DNA viruses encoding vertical jelly roll-type major capsid proteins filling all principal taxonomic ranks. ICTV Proposal 2019.003G, April–Juli 2019
  2. Peter J. Walker: 2019.003G.Uc.v2.Divdnaviria (xlsx) Vorschlag an das ICTV, 16. August 2019