Hauptmenü öffnen
Holz des Rio-Palisanders
Eingefärbte Tischplatte aus Sheeshamholz
Cocobolo, Palisander von Dalbergia retusa
Königsholz von Dalbergia cearensis

Palisander ist der Handelsname für diverse Holzarten von Bäumen der Gattung der Dalbergien (Dalbergia) aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler. Palisander ist seit Jahrhunderten ein hoch geschätztes Edelholz.

WortherkunftBearbeiten

Die Bezeichnung Palisander stammt wohl vom spanischen Ausdruck palo santo, was wörtlich übersetzt "heiliger Pfahl, heiliges Holz" bedeutet.[1] Im Französischen ist Palissandre, im Englischen rosewood und im Portugiesischen Jacarandá gebräuchlich.

Anstelle des Holznamens Palisander wird im Deutschen oft fälschlich der Begriff „Rosenholz“ ohne Unterscheidung für sämtliche Palisander-Arten verwendet. Dieser Fehler beruht auf der falschen Übersetzung des englischen Wortes Rosewood als Rosenholz ins Deutsche. Der Begriff Rosewood ist im englischen jedoch der Oberbegriff für alle Palisanderarten der Gattung (Dalbergia), zur Unterscheidung immer mit der Herkunftsbezeichnung konkretisiert, also z. B. Honduran Rosewood, Brazilian Rosewood, East Indian Rosewood.

Auch die Gattung Jacaranda, in der es überdies einen so genannten Palisanderholzbaum (blaublühender Jacaranda) gibt, ist von der Gattung Dalbergia verschieden und hat darum mit Palisander absolut nichts zu tun.

Einige Palisander-ArtenBearbeiten

  • Grenadill (Dalbergia melanoxylon) wächst im südlichen Ostafrika, die größten Vorkommen sind in Mosambik und Tansania zu finden. Das Holz ist graubraun bis fast schwarz, sehr hart und schwer und wird aufgrund seiner Unempfindlichkeit gegen Feuchtigkeit vorwiegend für Holzblasinstrumente verwendet.
  • Honduras-Palisander (Dalbergia stevensonii) wächst in Mittelamerika zu Bäumen großer Durchmesser heran und hat eine eher untypisch helle rosarote Farbe.
  • Königsholz (Dalbergia cearensis), auch Veilchenholz wegen seiner oft ins leicht violett gehende Kernholzfarbe genannt.
  • Rio-Palisander (Dalbergia nigra kommt ausschließlich in Brasilien vor und wird daher im englischen Sprachraum auch Brazilian Rosewood genannt.[2] In Brasilien besteht seit 1968 ein Ausfuhrverbot für Rundholz dieser Art. 1992 wurde Rio-Palisander im Washingtoner Artenschutzabkommen gelistet und unterliegt dort der höchsten Schutzstufe (Anhang I).[3]
  • Rosenholz, auch Bahia-Rosenholz genannt (Dalbergia decipularis ist eine Palisanderart, die im Süden Brasiliens heimisch ist und eine intensiv rötliche Farbe hat. Der Name Rosenholz ist wohl auf die rote Farbe und den rosenartig süßen Duft frisch aufgeschnittenen Holzes zurückzuführen.
  • Sheesham, Sissoo (Dalbergia sissoo ist eine ursprünglich in Indien heimische Art, die dort auch Thali genannt wird. Heute wird dieses Holz besonders in Pakistan und Bangladesh auf riesigen Plantagen angebaut, da die Nachfrage nach dem Holz nur durch Plantagen dieses schnellwüchsigen Baumes befriedigt werden kann. Diese gepflanzten Bäume werden selten älter als 20–30 Jahre, weshalb die aus diesem Plantagenholz gebauten und nach Europa exportierten Möbel meist nur zu etwa 30 % aus dem Kernholz dieses Holzes bestehen. Der größte Teil solcher Möbel besteht aus minderwertigem fahlgelbem Splintholz um einen kleinen Kernholzanteil, welchem nur durch Auftrag von stark pigmentierten Farbbeizen der Anschein von wertvollerem dunklem Kernholz verliehen wird.
  • Sonokeling oder Java-Palisander (Dalbergia latifolia wird im Handel das Holz von in Indonesien wachsenden Bäumen der ursprünglich nur in Ceylon beheimateten Gattung Ostindischer Palisander genannt.

Holländische Seefahrer brachten im Rahmen ihrer Handelstätigkeiten Setzlinge der Art im 16. Jahrhundert aus Ceylon nach Indonesien, heute ist dieser Baum dort weit verbreitet und wird zur Nutzholzgewinnung in Plantagen angepflanzt. Sein Holz unterscheidet sich wegen unterschiedlicher Wuchsbedingungen jedoch relativ deutlich von ostindischem Palisander.

Andere im Handel beschönigend als Palisander bezeichnete Holzarten, die aber nicht von Dalbergien stammen:

  • Santos-„Palisander“, auch Morado oder Pau ferro (Machaerium scleroxylon) kommt im tropischen Südamerika vor.[4] Da nicht zur Gattung Dalbergia gehörend, ist Santos-Palisander kein echtes Palisander, wird jedoch unter diesem aufwertenden Handelsnamen verkauft.
  • Rio-Grande oder Mexiko-„Palisander“; Bocote-Holz von verschiedenen Cordia-Arten.

VerwendungBearbeiten

Palisanderholz hat je nach Sorte meist eine hellbraun-schwarze bis fast ganz dunkelbraune (Rio-Palisander) oder dunkel violettbraune (Ostindischer Palisander) Färbung. Daher wird es vorzugsweise für Furniere, Messerhefte und bei der Drechslerei verwendet.

Eine große Bedeutung hat Palisander im Musikinstrumentenbau. Es wird wegen seiner Dichte, Härte und Klangeigenschaften für Marimbaphone und Xylophone verwendet. Im Gitarrenbau nutzt man diese Eigenschaften für Griffbretter, Zargen und Böden. Auch Blockflöten werden häufig aus Palisander gedreht. Zur Gestaltung von Spieltischen großer Pfeifenorgeln kommt es seit dem frühen 20. Jahrhundert ebenfalls zum Einsatz.

SchutzstatusBearbeiten

Seit Januar 2017 unterliegen alle Dalbergia-Arten dem Washingtoner Artenschutzabkommen und sind mit Ausnahme des in Anhang I gelisteten Rio-Palisanders im Anhang II aufgeführt.[3]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Rosewood – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Palisander – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Duden. Wortherkunft Palisander auf duden.de Abgerufen am 13. Mai 2017.
  2. Dalbergia nigra im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  3. a b Bundesamt für Naturschutz. Liste der in CITES geschützten Holzarten (Stand: 2. Januar 2017). Abgerufen am 13. Mai 2017.
  4. Machaerium scleroxylon im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.