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Das Wirtschafts- und Finanzministerium im Stadtteil Castro Pretorio von Rom
Fassade des Palazzo
Innenhof des Palazzo

Der Palazzo delle Finanze (deutsch Finanzpalast) in Rom ist Sitz des italienischen Finanzministeriums. Der Palazzo ist auch heute noch eines der größten Regierungsgebäude in der italienischen Hauptstadt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Nachdem Rom 1871 Hauptstadt Italiens geworden war, beschloss die Regierung, auf dem Quirinal und dem Viminal und der östlich davon gelegenen Hochebene eine Reihe neuer Regierungsgebäude zu errichten. An der Via del Quirinale und der anschließenden Via XX Settembre[1] sollten zwischen dem Quirinalspalast und der Porta Pia mehrere große Ministerien angesiedelt werden. Der erste Neubau an dieser Verkehrsachse war der Palazzo delle Finanze, es folgten das Kriegsministerium und das Landwirtschaftsministerium.[2]

BauBearbeiten

Der Neubau wurde vom damaligen Finanzminister Quintino Sella angeregt. Unter der Leitung des Ingenieurs Raffaele Canevari entstand von 1872 bis 1877 das seinerzeit mit Abstand größte Regierungsgebäude in Rom. Dafür mussten die Reste der Porta Collina an der Servianischen Mauer abgetragen werden. Der Palazzo mit seinen drei rechteckigen repräsentativen Innenhöfen wurde im Stil der Neorenaissance errichtet. Das etwa 300 Meter lange und 120 Meter breite Gebäude diente zunächst nicht nur als Sitz des Finanzministeriums, sondern auch als Sitz der staatlichen Depositenkasse, des Rechnungshofes und als Tagungsort des Ministerrates.[3]

InneresBearbeiten

Herz des Palazzo delle Finanze ist die Sala della Maggioranza. Allegorische Figuren repräsentieren die Einigung Italiens. Dieser Saal diente anfangs auch als Sitzungsort des Ministerrates. In der Sala del Parlamentino, die die Höhe von zwei Stockwerken umfasst, fanden früher öffentliche Sitzungen des Rechnungshofes statt. Erwähnenswert sind die hölzernen Sitzungsbänke an drei Seiten des Saales und die Holzdecke mit florealen Motiven. Im Büro des Ministers befindet sich noch immer der originale Schreibtisch des Finanzministers Quintino Sella. Dieser Schreibtisch wurde bis dato von allen seinen Nachfolgern genutzt.

Seit 1961 befindet sich die Münzsammlung (museo numismatico) der staatlichen Münzprägeanstalt IPZS im Palazzo delle Finanze. Die Sammlung umfasst rund 20.000 Exponate.[4]

AnmerkungenBearbeiten

  1. Die Bezeichnung Via XX Settembre bezieht sich auf den 20. September 1870. An diesem Tag drangen italienische Truppen an der Porta Pia und über die heutige Via XX Settembre in Rom ein und besetzten die ehemalige Hauptstadt des Kirchenstaates. Die Straße hieß davor Strada Pia. Die Gegend war seinerzeit nur spärlich besiedelt. Rom hatte 1870 rund 200.000 Einwohner.
  2. Bei diesen drei Neubauten blieb es dann entgegen den ursprünglichen Planungen auch. Das Außenministerium kam bis 1922 im Palazzo della Consulta unter, der zusammen mit dem Quirinalspalast am Beginn (oder Ende) dieser Achse steht und für dieses Ministerium zu klein war. Gegenüber dem Quirinalspalast richtete sich im ehemaligen Jesuitenkonvent Sant’Andrea al Quirinale das Ministerium des königlichen Hauses ein. Das Ministerium für öffentliche Arbeiten wurde unmittelbar östlich der Porta Pia angesiedelt, das Innenministerium später auf dem Viminal. Die Gartenanlagen um die Kirche Sant’Andrea al Quirinale blieben somit erhalten.
  3. Damals gab es noch kein eigenes Amt für den Ministerpräsidenten, der sein Büro daher meist bei anderen Ministerien hatte, die auch als Tagungsort für den Ministerrat dienten. Neben dem Finanz- und dem Außenministerium übernahm diese Aufgabe im Lauf der Zeit vor allem das Innenministerium. Der Rechnungshof und die Depositenkasse wurden später ausgelagert. Im 20. Jahrhundert war das ehemalige Finanzministerium in der Regel aufgeteilt in ein Finanzministerium (Steuereinnahmen), in ein Schatzministerium (Vermögensverwaltung; vergleiche Bundesschatzministerium) und in ein Haushaltsministerium (Ausgaben). Diese Ministerien waren alle im Palazzo delle Finanze untergebracht, den man deswegen auch Palazzo dei Ministeri Finanziari oder „Palais der Finanzministerien“ nannte. Im Lauf der Zeit wurde die Finanzverwaltung (Agenzia delle Entrate und andere) in funktionalere und modernere Gebäude ausgelagert, so dass der Palazzo delle Finanze heute vorwiegend als repräsentativer Hauptsitz des Ministeriums dient, in dem eher politische Grundsatzentscheidungen getroffen werden.
  4. Das Museum war 2011/12 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

WeblinksBearbeiten