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Palatinusgruft

Familiengruft der Habsburger im Königlichen Schloss von Buda

Die Palatinusgruft (ung. nádori kripta) auf der Burg zu Ofen ist die Begräbnisstätte des ungarischen Zweiges der Habsburger, der von Erzherzog Joseph von Österreich und Palatin von Ungarn gegründet wurde.

Grabstein vom Begründer der Dynastie Platin Jozsef vom Bildhauer György Zala

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Im Jahre 1769 wurde die den Heiligen Sigismund geweihte Schlosskirche auf der Ofener Burg fertiggestellt. In der sich unter dieser Kirche befindenden Gruft wurden anfangs Verstorbene der Mittelschicht bestattet. Als erstes Mitglied des Hauses Habsburg wurde hier die am 23. August 1820 verstorbene Elisabeth Karoline[1], die älteste Tochter von Erzherzog Josephs und dessen dritter Gemahlin Maria Dorothea bestattet. Im Jahre 1837 wurde hier – als zweites Mitglied der Familie Habsburg – der dreizehnjährige Sohn des Palatins, Alexander Leopold[2] beigesetzt.

Nach diesen beiden Bestattungen von Familienmitgliedern beschloss 1838 Erzherzog Joseph diese Gruft als Erbbegräbnis des ungarischen Zweiges der Habsburger auszubauen. Nachdem er von Kaiser Ferdinand die Erlaubnis dafür erhielt, beauftragte er den Architekten Franz Hüppmann mit der Realisierung des Bauvorhabens. Am 23. März 1838 wurde mit den Arbeiten begonnen. Die früher hier bestatteten fremden Verstorbenen wurden exhumiert. Im Revolutionsjahr 1849 wurde die Burg, samt Burgkirche schwer beschädigt. Die Gruft wurde auch in Mitleidenschaft gezogen. Danach wurde mit den weiteren Ausbau der Architekt August Pollack, ein Sohn von Michael Pollack beauftragt. Nach dem Tode von Maria Dorothea wurden im Auftrag von Erzherzog Joseph Karl die Arbeiten von den Architekten Nikolaus Ybl und später von Alois Hauszmann fortgeführt. Das Grabmal von Platin Joseph gestaltete der Bildhauer György Zala (1858–1937).

Das Burgschloss von Ofen wurde während des Zweiten Weltkrieges zerbombt, aber wieder aufgebaut. In den 1950er Jahren wurde die oberhalb der Gruft liegende Kirche abgerissen. Die Palatinuskrypta behielt als einzige im Burgareal ihre ursprüngliche Gestalt, war jedoch für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Im Jahre 1973 wurde in die Gruft eingebrochen, die Särge wurden mit brachialer Gewalt aufgebrochen, die Gebeine von Maria Dorothea und der anderen dort Ruhenden, auf der Suche nach Schmuck, in der ganzen Gruft zerstreut....ein Bild des Grauens... Daraufhin ließ der damalige Direktor der Ungarischen Nationalgalerie die Gruft zumauern. Den unermüdlichen Engagement des ungarischen Anthropologen István Kiszely ist es zu verdanken, dass die verstreuten Gebeine wieder zusammengefügt und würdevoll neu bestattet werden konnten. Am 3. Oktober 1987 wurde die Gruft in Anwesenheit von 14 Familienangehörigen der Familie Habsburg und zahlreichen Festgästen neu geweiht. Im Jahre 1992 wurden die sterblichen Überreste von neun Angehörigen der ungarischen Linie der Habsburger (die bisher außerhalb Ungarns bestattet waren) hierher überführt und neu beigesetzt. Gegenwärtig sind hier 24 Habsburger aus der Nachkommenschaft von Palatin Joseph bestattet.

Die Gruft kann heute nach Voranmeldung bei der Ungarischen Nationalgalerie besichtigt werden.

In der Gruft bestattete Persönlichkeiten (bis 1945)Bearbeiten

Nach 1945 wurde Ungarn zu einer von Kommunisten regierten Volksdemokratie. Die noch lebenden Habsburger verließen Ungarn und flohen in den Westen. Die meisten unter den geflohenen Habsburgern lebten (und starben) in Deutschland. Erst nach der Wende und Abkehr vom Kommunismus wurde es möglich Familienangehörige (die außerhalb Ungarns starben) des ungarischen Zweiges des Hauses Habsburg in der Palatinusgruft zu bestatten. So wurden die sterblichen Überreste von Joseph August von Österreich († 6. Juli 1962 in Straubing) sowie dessen Ehefrau Augusta Maria Luisa von Bayern (* 1875, † 1964) im Jahre 1992 in die Palatinusgruft überführt. (1992 wurden insgesamt 9 Verstorbene des Hauses Habsburg hierher überführt.) Heute ruhen insgesamt 24 Habsburger in der Gruft.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Elisabeth Karoline wurde nur 23 Tage alt.
  2. Alexander Leopold (* 1825, † 1837)
  3. Alexandra Pawlowna war russisch-orthodoxen Glaubens. Deshalb wurde beschlossen, ihr eine gesonderte russisch-orthodoxe Grabkapelle in der Ortschaft Üröm (in der Nähe von Budapest) zu errichten. Wegen der Angst vor französischen Truppen während des Napoleonischen Krieges wurde der Sarg (der bereits im Jahre 1802 in der unfertigen Kapelle beigesetzt wurde) wieder ausgelagert und erst 1814 wieder nach Üröm zurück gebracht. Die Grabkapelle überstand die beiden Weltkriege unversehrt. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde jedoch in die Kapelle eingebrochen, der Sarg auf der Suche nach Wertgegenständen gewaltsam geöffnet. Ein zweites Mal wurde am 26. April 1981 in die Grabkapelle eingebrochen diesmal waren die Verwüstungen jedoch dermaßen groß, dass der Sarg (mit den geschändeten sterblichen Überresten der Großfürstin) in die Palatinusgruft in die Burg von Ofen gebracht werden musste. Im Jahre 2003 wurde die Grabkapelle gründlich saniert so dass im Jahre 2004 eine Neubestattung möglich war.
  4. Hermine von Anhalt, die zweite Gemahlin von Erzherzog Joseph war evangelisch-reformierten Glaubens un d wurde ursprünglich in der Krypta der Reformierten Kirche am Calvinplatz in Pest bestattet. Nach dem verheerenden Hochwasser des Jahres 1838 wurde jedoch ihr Sarg in die Palatinusgruft überführt.
  5. Maria Dorothea war Lutheranerin und durfte nur mit einer Sondergenehmigung der röm.-katholischen Kirche in der Gruft bestattet werden.