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Páramo bei Ambato, Ecuador
Páramo mit Kratersee auf dem Schichtvulkan Mojanda

Der Páramo (altspanisch: "schlechtes, baumfreies Land")[1] ist eine Vegetationsform der baumlosen, tropisch-äquatorialen Hochlandsteppen in den Höhenlagen der Gebirge, typisch für die nördlichen Anden Südamerikas. Er kommt oberhalb der Waldgrenze (Nebelwald) zwischen ca. 3800 und 4700 m Höhe in feuchtem Klima vor. Die größten Páramo-Gebiete reichen von Kolumbien über Ecuador bis in den Norden Perus.[1] Zudem gibt es Páramoregionen in Costa Rica, Panama und Venezuela. Doch auch in Äthiopien und Neu-Guinea gibt es auf ähnlichem Breitengrad und Höhenstufe páramoähnliche Vegetationsbereiche.

Charakteristische Elemente sind hohe Horstgräser sowie Schopfrosetten mit einer enormen Zahl von Blättern auf einem dicken, schwarzen Humus mit einem ph-Wert von 3,8 bis 4,0. Das Pflanzenwachstum vollzieht sich langsam, aber stetig und führt zu einem hohen Alter der Páramo-Pflanzen. Landwirtschaft ist nur noch in Form von Weidewirtschaft mit Lamas und Alpakas in Südamerika bzw. Schafen und Ziegen in Afrika möglich.[1]

Im Gegensatz zur südlich (ab etwa 15° südlicher Breite) anschließenden Puna-Gebirgssteppe ist der Páramo nicht durch jahreszeitliche Klimaschwankungen gekennzeichnet, sondern durch Tagesschwankungen: So schwanken die Temperaturen von rund 8 °C am Tag zu −3 °C in der Nacht über das ganze Jahr recht konstant und werden von einem schnellen Wetterwechsel begleitet. Mit durchschnittlich 1000 bis 2000 mm Jahresniederschlag und rund 75 % relativer Luftfeuchtigkeit handelt es sich um ein humides Feuchtklima. In den höchsten Lagen der Anden ist der Boden unterhalb von 20 cm Tiefe dauerhaft gefroren.[1]

Inhaltsverzeichnis

DifferenzierungBearbeiten

Einige Vegetationskundler unterscheiden zwischen dem Subpáramo, Páramo und Superpáramo.

 
Rosettenstauden im Páramo de Guerrero (Cogua, Kolumbien)
 
Blühende Espeletia im Páramo de Guerrero (Cogua, Kolumbien), in 3500 m Höhe
 
Páramo in Ecuador
 
Verbreitung des Páramo (gelb)

SubpáramoBearbeiten

Der Subpáramo bildet den Übergang zwischen montanen Wäldern und dem Páramo. Im Subpáramo gedeihen noch bis zu 3 m hohe Sträucher.

PáramoBearbeiten

Sträucher treten zurück, oder sind nur noch in Krüppelformen anzutreffen. Farne und mehrjährige Kräuter treten in den Vordergrund. Auffällig sind aber auch übermannshohe Pflanzen aus verschiedenen Familien wie den Korbblütlern (Asteraceae), den Glockenblumengewächsen (Campanulaceae) und den Bromeliengewächsen (Bromeliaceae). Die prägenden Lebensformen sind Schopfbäume und Schopfrosette (z. B. Espeletia, "frailejones").

SuperpáramoBearbeiten

Fast ausschließlicher Bewuchs durch Bodendecker verschiedener systematischer Zugehörigkeit kennzeichnet den Übergang vom Páramo zur Frostschuttzone, vor allem aber Flechten und Moose. Diese bodendeckenden Pflanzen haben die Fähigkeit, große Mengen von Wasser zu speichern.

FaunaBearbeiten

Die Tierwelt des Páramo ist relativ artenarm und nimmt mit zunehmender Höhe ab. Unter den Säugetieren sind vor allem der Brillenbär, die Lamas, das Opossum und der Hase bekannt; unter den Vögeln reicht die Spanne von verschiedenen Kolibriarten bis zum Kondor. Obwohl die Páramos relativ kalt sind, gibt es hier auch eine Reihe von kleinen Fröschen, die sich ohne ein im Wasser frei schwimmendes Larvenstadium direkt im Ei entwickeln, darunter Arten der Gattungen Bryophryne, Phrynopus, Noblella, Psychrophrynella und Lynchius.

Umweltpolitische BedeutungBearbeiten

Da die Vegetation des Páramos sehr viel Wasser aufnehmen und halten kann, stellt er ein wichtiges natürliches Wasserreservoir dar, das auch noch in langen Trockenzeiten Quellen speist. Aus diesem Grund ist der Páramo in vielen Gegenden unter Naturschutz gestellt. So bedroht das Vordringen von Landwirtschaft und Viehzucht sowie die Ausbeutung von Rohstoffen (Gold, Kohle, Erze) die Trinkwasserversorgung der naheliegenden Orte und Städte, eine Situation, die in allen Ländern in jüngster Zeit zu immer mehr Konflikten führt.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Werner Rauh: Tropische Hochgebirgspflanzen: Wuchs- und Lebensformen, Springer, Berlin, Heidelberg, New York, London, Paris, Tokyo 1988, ISBN 978-3-540-17388-5, S. 18–21.