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Ostrowski bei seiner Vereidigung als Berliner Stadtverordneter (1946)

Otto Ostrowski (* 28. Januar 1883 in Spremberg; † 16. Juni 1963[1] in Knokke, Belgien) war ein deutscher Politiker.

Berliner Gedenktafel am Haus Westfälische Straße 64, in Berlin-Halensee

LebenBearbeiten

Ostrowski war der Sohn eines Tuchmachers. Nach seinem Studium der Romanistik und einer Promotion an der Berliner Universität war er einige Jahre Privatlehrer in Luckenwalde, Lyon und Sheffield, da ihm wegen seiner politischen Haltung die gewünschte Aufnahme in den preußischen Schuldienst verwehrt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg trat er in die SPD ein und wurde Bürgermeister der Gemeinde Lankwitz, die 1920 in Berlin eingemeindet wurde, später war er Bürgermeister von Finsterwalde in der Lausitz. 1926 wurde Ostrowski für zwölf Jahre zum Bürgermeister von Berlin-Prenzlauer Berg gewählt, aber 1933 von den Nazis wegen seiner jüdischen Frau entlassen. Ostrowski war Mitglied der linkssozialistischen Widerstandsgruppe Roter Stoßtrupp. Innerhalb der Gruppe soll er unter anderem eine Sabotagegruppe geleitet haben und Stellvertreter von Kurt Megelin gewesen sein, wenn dieser in Haft war. Ostrowski und andere Mitglieder der Widerstandsgruppe waren daran beteiligt Martin Deutschkron, dem Vater von Inge Deutschkron, 1938 zur Emigration zu verhelfen und 1943/44 seine Ehefrau und Tochter in Berlin zu verstecken und zu versorgen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Ostrowski kurze Zeit Bürgermeister von Berlin-Wilmersdorf.

Nach den Wahlen in Berlin am 20. Oktober 1946 wurde er wenige Wochen später am 5. Dezember zum Oberbürgermeister von Groß-Berlin gewählt. Ostrowski wandte sich zwar gegen die Zwangsvereinigung der Ost-SPD mit der KPD zur SED, war jedoch weiter zur Kooperation mit der SED bereit. Durch seine guten Kontakte zum sowjetischen Stadtkommandanten Kotikow erreichte er im Hungerwinter 1946/47 zusätzliche Holzeinschläge aus den Wäldern der sowjetischen Besatzungszone. Als Ostrowski sich weigerte, die SED-Funktionäre aus seinem Magistrat zu entlassen, stellte seine eigene Fraktion am 11. April 1947 einen Misstrauensantrag gegen ihn, der auch mit Mehrheit angenommen wurde.

Am 17. April 1947 trat Ostrowski zurück und zu seinem Nachfolger wurde am 24. Juni 1947 Ernst Reuter gewählt, der sein Amt jedoch wegen des sowjetischen Vetos in der Alliierten Kommandantur nicht antreten konnte. Im Magistrat Reuter I wurde daher Louise Schroeder amtierende Oberbürgermeisterin bis zur Wahl zur Stadtverordnetenversammlung im Dezember 1948. Ostrowski war von 1948 bis 1951 Präsident des neu geschaffenen Berliner Hauptprüfungsamtes. Von 1950 bis 1953 war er Vorsitzender des Freidenkerverbandes.

Ostrowski starb im Juni 1963 und wurde auf dem Friedhof Wilmersdorf beigesetzt.

LiteraturBearbeiten

  • Norbert Podewin: Dr. Otto Ostrowski, Bürgermeister in Finsterwalde. In: Der Speicher (Heft 11). Jahresschrift des Kreismuseums Finsterwalde und des Vereins der Freunde und Förderer des Kreismuseums Finsterwalde e. V., Finsterwalde 2008.
  • Norbert Podewin: Otto Ostrowski – der gelöschte Oberbürgermeister. Ein Schicksal im Berlin des Kalten Krieges. Edition Luisenstadt, Berlin 2004, ISBN 3-89542-143-X.
  • Dennis Egginger-Gonzalez: Der Rote Stoßtrupp. Eine frühe linkssozialistische Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus. Lukas Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3867322744 [zahlreiche Hinweise zum Widerstand von Otto Ostrowski und Kurzbiografie auf S. 477f.].
  • Werner Breunig, Siegfried Heimann, Andreas Herbst: Biografisches Handbuch der Berliner Stadtverordneten und Abgeordneten 1946–1963 (= Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin. Band 14). Landesarchiv Berlin, Berlin 2011, ISBN 978-3-9803303-4-3, S. 206 (331 Seiten).
  • Ditmar Staffelt: Der Wiederaufbau der Berliner Sozialdemokratie 1945/46 und die Einheitsfrage – ein Beitrag zur Nachkriegsgeschichte der unteren und mittleren Organisationsgliederungen der SPD. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main/Bern/New York 1986, ISBN 978-3-8204-9176-0, S. 433.
  • Willy Albrecht: Ostrowski, Otto. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 19, Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 629 f. (Digitalisat).
  • Kurzbiografie zu: Ostrowski, Otto. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zum Sterbedatum gibt es unterschiedliche Angaben, neben dem 16. Juni 1963 werden der 18. und 19. Juni 1963 angegeben, so lautet z. B. die Berliner Gedenktafel (s. Bild) auf den 19. Juni 1963.