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Otterstadt

Gemeinde in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Otterstadt
Otterstadt
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Otterstadt hervorgehoben
Koordinaten: 49° 22′ N, 8° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Rhein-Pfalz-Kreis
Verbandsgemeinde: Rheinauen
Höhe: 99 m ü. NHN
Fläche: 15,57 km2
Einwohner: 3428 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 220 Einwohner je km2
Postleitzahl: 67166
Vorwahl: 06232
Kfz-Kennzeichen: RP
Gemeindeschlüssel: 07 3 38 021
Adresse der Verbandsverwaltung: Ludwigstraße 99
67165 Waldsee
Webpräsenz: www.otterstadt.de
Ortsbürgermeister: Bernd Zimmermann (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Otterstadt im Rhein-Pfalz-Kreis
Frankenthal (Pfalz)Kreis BergstraßeLandkreis Alzey-WormsLandkreis Bad DürkheimLandkreis GermersheimLandkreis KarlsruheNeustadt an der WeinstraßeLandkreis Südliche WeinstraßeLudwigshafen am RheinMannheimRhein-Neckar-KreisSpeyerWormsAltripBeindersheimBirkenheideBobenheim-RoxheimBöhl-IggelheimDannstadt-SchauernheimDudenhofenFußgönheimGroßniedesheimHanhofenHarthausenHeßheimHeuchelheim bei FrankenthalHochdorf-AssenheimKleinniedesheimLambsheimLimburgerhofMaxdorfMutterstadtNeuhofen (Pfalz)OtterstadtRödersheim-GronauRömerberg (Pfalz)SchifferstadtWaldsee (Pfalz)Karte
Über dieses Bild

Otterstadt ist eine Ortsgemeinde im Rhein-Pfalz-Kreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Rheinauen an.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Die zur Metropolregion Rhein-Neckar gehörende Gemeinde liegt direkt an einer alten Schleife des Rheins. Im Süden befindet sich der Stadtteil Speyer-Nord der Stadt Speyer, in der Rheinniederung das Binsfeld dessen nördlicher Teil noch zu Otterstadt gehört, im Westen Schifferstadt und im Norden Waldsee. Östlich, auf der rechtsrheinischen Seite, liegen die zu Baden-Württemberg gehörenden Gemeinden Brühl und Ketsch.

GeschichteBearbeiten

Ein Tongefäß der Rössener Kultur, das auf Otterstadter Gemarkung gefunden wurde, stammt aus dem 4. oder 3. Jahrtausend v. Chr.

Germanische Spuren in der Gemarkung aus der Zeit vor ständiger Besiedelung stellt der vorwiegend aus Küchengeräten bestehende Hortfund von Otterstadt dar, der römisches Beutegut aus dem 3. Jahrhundert beinhaltet und heute im Historischen Museum der Pfalz in Speyer aufbewahrt wird.

Otterstadt wurde erstmals am 7. April 1020 in einer Urkunde des Speyerer Bischofs Walther erwähnt, aber wahrscheinlich bereits im 7./8. Jahrhundert von den Franken gegründet.

Mit anderen Orten des Speyergaus wurde Otterstadt 974 von Kaiser Otto II. von der kaiserlichen Gerichtsbarkeit befreit und dem Bistum Speyer unterstellt. Der Bischof übernahm 1065 dann auch die Landeshoheit über Otterstadt. Von 1090 bis 1797 war Otterstadt im Besitz des Speyerer St. Guidostiftes unter der Oberhoheit des Hochstiftes Speyer.

Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Otterstadt geplündert und angezündet. Die Bevölkerungszahl ging von 1618 bis 1661 von 390 auf 150 zurück. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde der Ort 1689 erneut niedergebrannt.

Nach der Zugehörigkeit zum französischen Departement Donnersberg 1797–1813 wurde Otterstadt vom Bezirksamt Speyer im bayerischen Rheinkreis verwaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es mit dem Landkreis Speyer zum damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz. Die Gemeinde nahm mehr als 200 Vertriebene auf. 1969 wurde der Landkreis aufgelöst und Otterstadt wurde dem Landkreis Ludwigshafen, seit 2004 Rhein-Pfalz-Kreis, zugeschlagen. Seit 1972 ist der Ort Teil der neugebildeten Verbandsgemeinde Waldsee, seit 1. Januar 2016 Verbandsgemeinde Rheinauen.[2]

Zum 31. Dezember 2003 wurde Otterstadt schuldenfrei.[3][4] Auch heute (Stand 2018) ist die Gemeinde schuldenfrei.[5]

Einwohnerentwicklung 1618 1661 1802 1850 1941 1970 1987
Otterstadt 390 150 415 1466 1769 2458 3116
 
Katholische Kirche

ReligionenBearbeiten

Entsprechend der langen Zugehörigkeit zum Hochstift Speyer, war die überwiegende Mehrheit der Einwohner katholisch. 1850 waren von 1466 Otterstadtern 1352 katholisch, also mehr als 92 Prozent. Die erste jüdische Familie wurde 1684 erwähnt. In der Folgezeit bildete sich eine kleine Gemeinde, bis 1850 79 Juden in Otterstadt lebten. Seit 1823 bestand der jüdische Friedhof. Danach wanderten gemäß dem Trend in der Region, viele nach Amerika aus, während die verbliebenen in die größeren Städte zogen. 1933 gab es noch drei jüdische Familien in Otterstadt.

Am 31. Oktober 2014 waren 44,316 Prozent der Einwohner katholisch und 22,499 Prozent evangelisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[6]

PolitikBearbeiten

 
Rathaus

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat in Otterstadt besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[7]

Wahl SPD CDU FWG BIO Gesamt
2014 4 8 5 3 20 Sitze
2009 5 8 7 20 Sitze
2004 5 8 7 20 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Otterstadt e. V.
  • BIO = Bürger Initiative Otterstadt e. V.

BürgermeisterBearbeiten

Bernd Zimmermann (CDU) ist seit 2009 Ortsbürgermeister von Otterstadt.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Auf silbernem Grund ein blaues Gemarkungszeichen in Form eines Ringes, an den drei V-artige Winkel in gleichen Abständen, so angesetzt sind, dass deren Innenspitzen an den Außenrand des Ringes decken.“
Wappenbegründung: Es wurde 1951 genehmigt und verweist auf einen alten Gemarkungsstein. Zuvor war ein Wappen geführt worden, das den hl. Remigius zeigte und zurückging auf ein Gerichtssiegel aus dem 15. Jahrhundert.

Die Flagge, die 1980 verliehen wurde, ist Blau-Weiß-Blau im Verhältnis 1:5:1 gespalten und zeigt das Ortszeichen aus dem Wappen.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Stickelspitzer-Brunnen
 
Remigiushaus

BauwerkeBearbeiten

Uzname für die Einwohner der Rheingemeinde ist „Stickelspitzer“. Dieser Name geht auf eine Anekdote zurück, nach der die Otterstädter einem durchreisenden Betrüger auf den Leim gingen, der ihnen eine größere Vorabinvestition auf die zu bauende Eisenbahnlinie abverlangte, um damit Otterstadt angeblich zu einem Bahnhof zu verhelfen. In ihrer Vorfreude spitzten die Bürger bereits Stickel (Stöckchen), mit denen sie die versprochene Bahnlinie im Gelände abstecken wollten.[8] Diese Begebenheit ist am Stickelspitzerbrunnen, den Georg Günther Zeuner 1986 schuf, szenisch umgesetzt. Hier stiehlt sich gerade der Betrüger mit einem prallgefüllten Beutel davon, deutlich ist sein Pferdefuß zu erkennen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit der Gemeinde ist der Otterdritschen Brunnen, der 2004 von dem renommierten pfälzer Bildhauerehepaar Professor Gernot Rumpf und seiner Frau Barbara geschaffen wurde.

Das Remigiushaus wurde 1750 als Kirche als Ersatz für das alte und mittlerweile zu kleingeratene Kirchlein am See errichtet. Als auch sie zu klein wurde, baute die Gemeinde die neue Kirche Maria Himmelfahrt. Nachdem das Gebäude lange als Raiffeisenlager diente, kaufte es Otterstadt und richtete ein Gemeindezentrum ein.

Die Dorfkirche Maria Himmelfahrt stammt von 1891. Der Bau mit dem 50 Meter hohen Kirchturm wurde für 133.600 Mark vom damals wohlhabenden Otterstadt bezahlt, während die Inneneinrichtung zum größten Teil von Spendern finanziert wurde.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Otterstadt

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Im Süden verläuft die Bundesautobahn 61 und im Westen die Bundesstraße 9. Über den Rhein verkehrt die Kollerfähre nach Brühl.

Direkt südlich von Otterstadt verläuft in Ost-West-Richtung die Kreisstraße 2 bis zum Rhein und knickt dann nach Süden Richtung Speyer ab, wo sie bis zur A 61 auf dem Rheinhauptdeich verläuft, diese unterquert, um dann weiter entlang des Rheinhauptdeiches bis nach Speyer zu verlaufen.

Buslinien führen in die umliegenden Ortschaften, nach Speyer und Ludwigshafen am Rhein. In Speyer und Schifferstadt sind Haltepunkte der S-Bahn RheinNeckar. Otterstadt gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

In der Gemeinde gibt es drei Kindergärten und eine Grundschule. Daneben gibt es ein Jugendhaus, die Sommerfesthalle und das Remigiushaus.

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Jakob Müller (1922–1993), Politiker (SPD), Gewerkschafter und Landtagsabgeordneter

LiteraturBearbeiten

  • Lorenz Mayer: Heimatkunde. Ein Beitrag zur Geschichte der Dörfer Schifferstadt und Otterstadt und Umgebung oder: Ein Stücklein aus Frankens alten Tagen. Selbstverlag, Otterstadt, 1908. Online.
  • Prof. Fr. J. Hildenbrand: Otterstadt - Beiträge zu dessen Ortsgeschichte. 1923
  • Alfons Schreiner: Otterstadt. 1981
  • Speyerer Volksbank (Hg.): Otterstadt anno dazumal. 1981.
  • Horst Kuhn: Otterstadt meine Heimat. 1994
  • Irmtrud Dorweiler: Otterstadt – Portrait eines Dorfes / von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2004.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Otterstadt – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2017, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. Gesetzesbeschluss: Plenarprotokoll 16/107. Landtag Rheinland-Pfalz, 11. November 2015, S. 7092 f., abgerufen am 17. Januar 2016.
  3. Haushaltsplan der Ortsgemeinde Otterstadt für das Haushaltsjahr 2004 Seite 8.
  4. Schulden öffentlicher Haushalte in Rheinland-Pfalz zum 31. Dezember 2008, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (PDF, S. 39)
  5. Ortsgemeinde weiterhin schuldenfrei, rheinpfalz.de, 15. Dezember 2017
  6. Gemeindestatistik. In: KommWis. 31. Oktober 2014, abgerufen am 30. November 2014.
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  8. Speierer Zeitung vom 28. Dezember 1896. Archiviert vom Original am 25. August 2000; abgerufen am 30. November 2014.