Ostbelgien

deutschsprachige Region um Eupen, Malmedy, St. Vith und Kelmis
(Weitergeleitet von Ostkantone)

Als Ostbelgien oder Ostkantone (in den 1920er-Jahren war der Begriff Neubelgien geläufig) werden heute – im engeren Sinn – die neun belgischen Gemeinden bezeichnet, in denen die Bevölkerung deutschsprachig ist und die zur Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (DG) gehören.[1][2][3]

Die drei belgischen Ostkantone: Eupen (gelber Bereich oben), St. Vith (gelber Bereich unten) und Malmedy (grüner Bereich)
Wilhelm von Humboldt (Nr. 19) und Karl August von Hardenberg (Nr. 21) – beide am rechten Bildrand – greifen beim Wiener Kongress für Preußen nach dem Westen – das heutige Ostbelgien eingeschlossen

In einem weiteren Sinn werden über diese neun Gemeinden hinaus auch Malmedy und Waimes/Weismes, deren Bevölkerungsmehrheit französischsprachig ist und die daher Teil der Französischsprachigen Gemeinschaft Belgiens sind, zu Ostbelgien gezählt. Sie haben mit den neun Gemeinden der DG gemein, dass sie von 1815 (Wiener Kongress) bis 1919 (Versailler Vertrag) zu Preußen und damit von 1871 an zum Deutschen Kaiserreich gehörten. Preußen fasste die Gemeinden in zwei Landkreisen zusammen, dem Kreis Eupen und dem Kreis Malmedy; hieraus erklärt sich die alte deutsche Bezeichnung der Region als Eupen-Malmedy.[4]

Von den Begriffen Ostbelgien/Ostkantone und insbesondere von dem Begriff Deutschsprachige Gemeinschaft ist die – allgemeinere – Bezeichnung deutschsprachige Belgier abzuheben, deren Siedlungsgebiet über die Gemeinden der Ostkantone hinausgeht und das Montzener Land einschließt, das bereits seit 1830 zu Belgien gehört. Wie ganz Ostbelgien zählen auch die Gemeinden des Montzener Landes zu den Fazilitäten-Gemeinden, in denen die sprachlichen Minderheiten Sonderrechte beanspruchen können.[5][6][7]

Der vorliegende Artikel behandelt Ostbelgien im Sinne der neun DG-Gemeinden und der beiden frankophon geprägten Gemeinden Malmedy und Weismes. Das Gebiet umfasst den 20 bis 50 km breiten Grenzstreifen zu Deutschland[8] mit einer Fläche von 1036 km², der am 1. Juli 1925 – nach einer fünfjährigen Übergangszeit als Gouvernement Eupen-Malmedy – in den belgischen Staatsverband eingegliedert wurde. Es handelt sich um folgende Kantone:

Geschichte OstbelgiensBearbeiten

Kelten, Römer und FrankenBearbeiten

Keltische BesiedelungBearbeiten

Die Besiedlung des ostbelgischen Gebietes ist seit fast 10.000 Jahren nachzuweisen, u. a. durch Feuerstein-Artefakte aus der Mittelsteinzeit und Waffenfunde der Jungsteinzeit. Auf eine keltische Besiedlung[9] ab etwa 200 v. Chr. deuten Orts- und Flussnamen wie Amel (als Siedlung bereits 57 v. u. Z. unter römischen Einfluss), Braunlauf, Warche, Our (dazu der Ortsname Ouren) und Rur.

Das heutige Belgien und angrenzende Gebiete als römische ProvinzenBearbeiten

 
Römische Provinzen unter Trajan (117 n. Chr.) – das Gebiet zwischen dem heutigen luxemburgisch-belgisch-deutschen sowie dem heutigen niederländisch-belgisch-deutschen Dreiländereck gehörte zur römischen Provinz Germania inferior; das Gebiet südlich davon zur Provinz Belgica.

Von seiner Grenzlage war die Geschichte des Gebietes schon vor der Zeitenwende geprägt. In der Römerzeit verlief die Grenze zwischen den Römerstädten Köln und Tongeren durch diese Region bzw. vielmehr etwas nördlich und östlich der Region. Seit der Spätantike festigte sich hier die Grenze zwischen dem germanischen und dem romanischen Sprachraum. Ab 300 verbreitete sich – unter römischem[10] und iroschottischem[11] Einfluss – das Christentum.

FrankenreichBearbeiten

 
Gallien im Jahr 481, im Norden das Frankenreich

Die fränkische Landnahme, die an Ortsnamen auf -ingen, -ier und -heim erkennbar ist, begann um 450. Für weitere Rodungen und Ortsgründungen zwischen 600 und 800 sind Endungen auf -weiler, -hausen, -dorf, -bach, -berg oder -born typisch. Der Einfluss der Franken wuchs weiter, als diese 534 die ebenfalls germanischen Burgunden im Süden unterwarfen.

 
Besiedlung im 7. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Staates Luxemburg und Umgebung.

Um 648 schenkte der fränkische König Sigibert III. Mönchen aus Aquitanien ein Waldgebiet der Ardennen als Basis für die Abteigründungen Malmedy und Stavelot (Stablo) an der Grenze zwischen romanischem und germanischem Sprachgebiet. Sie wurden den Bistümern Lüttich (Stablo) bzw. Köln (Malmedy) unterstellt (siehe zur weiteren Geschichte unten).

Im 8. Jahrhundert entstanden zahlreiche Siedlungen um die fränkischen Königshöfe Amel, Büllingen (erste urkundliche Erwähnung 850), Manderfeld (Ersterwähnung: 854), Neundorf (Ersterwähnung: 888), Thommen (Ersterwähnung: 816) und Walhorn (gegründet: 859), die zu Zentren im Bannkreis Aachens, der Karolinger-Hauptstadt, wurden. Deren Reich zerfiel um 900 – ein Vorgang, der von Plünderungen durch Normannen (881–891) und Ungarn beschleunigt wurde.

Bei der Teilung des bis dahin stark expandierten Frankenreiches gehörte das hier interessierende Gebiet zunächst zum Mittelreich Lotharingen, fiel dann aber durch die Verträge von Meersen und Ribemont an das ostfränkische Reich, aus dem sich später das Heilige Römische Reich entwickelte.

Von der Anfangszeit des Heiligen Römischen Reiches (ab 10. Jh.) bis zum Wiener Kongress (1815)Bearbeiten

 
Die Karte zeigt, um 1250, das Limburg (rosa), das Fürstbistum Lüttich und Reichsabtei Stablo-Malmedy in lila und die Grafschaft Luxemburg in orange.

Als sich aus dem Ostfrankenreich das Heilige Römische Reich entwickelte, zählte zu dessen Territorien auch das hier behandelte Gebiet, und zwar als Teil des Herzogtums Niederlothringen. Niederlothringen erstreckte sich überwiegend auf heute belgisches und südniederländisches Gebiet bis hin zum Niederrhein und nördlichen Mittelrhein (siehe Karte links). Zunächst nicht zu Niederlothringen zählten die Grafschaft Luxemburg, das Moselland von Trier bis Koblenz und die Südeifel um Prüm (zu Letzterem siehe Abtei Prüm). Später, wahrscheinlich im 12. Jahrhundert, wurden diese Gebiete von Ober- an Niederlothringen übertragen. Danach zerfiel das Herzogtum Niederlothringen in mehrere Herzogtümer, darunter das Herzogtum Brabant mit dem hier interessierenden Gebiet (siehe unten).

Die Herrschaft Luxemburgs, Triers und Limburgs sowie der Aufstieg Brabants ab 1288Bearbeiten

Parallel zur gerade beschriebenen Entwicklung bildeten sich

  • in etwa in der nördlichen Mitte des Herzogtums Niederlothringen ab 1020 die Grafschaft Limburg (siehe Karte rechts), die schließlich selbst zum Herzogtum aufstieg, wozu im äußersten Südosten Eupen gehörte;
  • westlich von Limburg – aber mit größerer Nord-Süd-Ausdehnung und später entstanden (14. Jahrhundert) – das Fürstbistum Lüttich, an dessen östlicher Grenze das Kloster Malmedy lag, das ab einem bestimmten Zeitpunkt – zusammen mit dem Kloster Stablo – als Reichsabtei Stablo-Malmedy selbständig in Erscheinung trat.[12][13];
  • die – zunächst Burg, dann Grafschaft – Luxemburg (ab 963/1083).

Die in der Region allmählich zunehmende Bevölkerung rodete und baute neue Dörfer; die Ortschaft Sankt Vith wurde erstmals 1130 erwähnt. Auch Krewinkel, Mackenbach, Neundorf, Ouren und Weweler wuchsen.

Reichsabtei Stablo-Malmedy als Teil des Niederländisch-Westfälischen Reichskreises ab 1500Bearbeiten

 
Luxemburg um 1350: Die Karte ist auf Niederländische beschriftet: „Aken“ = „Aachen“; „Keulen“ = „Köln“. Der Fluss, der durch die Stadt Luxemburg fließt, ist die Alzette, dessen östliche Verlängerung die Sauer, deren von Nord kommender Zufluss die Our. Die Gebiete südlich von Aachen gehörten damals – mit Ausnahme von Malmedy – zu Limburg bzw. Luxemburg.
 
Die Reichskreise um 1560: der Niederrheinisch-Westfälische Kreis in braun, der Burgundische Kreis in beige.

Die Vereinigung Malmedys und Stablos (zu einer Reichsabtei) sollte bis in die Neuzeit Bestand haben. Anno 1500 wurde das Gebiet dem Niederländisch-Westfälischen Reichskreis (später überwiegend Niederrheinisch-Westfälischer Reichskreis, schließlich nur noch Westfälischer Reichskreis genannt) zugeschlagen – das heißt: einem der zehn Reichskreise, in die der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I. das Heilige Römische Reich einteilte (siehe nebenstehende Karten). Nominell waren die Gebiete somit mit solchen Nordwestdeutschlands vereint.

Limburg und Luxemburg als Teile des Burgundischen ReichskreiseBearbeiten

Allein wegen der Zugehörigkeit von Malmedy zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis darf allerdings der Einfluss des in der Regel in Wien residierenden Kaisers auf die Region nicht überschätzt werden. So wurden die zu Limburg bzw. Luxemburg gehörenden Gebiete – und damit große Teile des heutigen Ostbelgiens – de facto von Brabant aus regiert, das als Teil des Burgundischen Reichskreises westlich an den niederländisch-westfälischen Kreis grenzte und stark vom nahen Frankreich und dessen Kultur geprägt war. Die gesellschaftlich führenden Gruppen dieser Gebiete waren großenteils dem Reich entfremdet; daher kam es 1548 auf dem Reichstag zu Augsburg zum Burgundischen Vertrag, wonach der Kreis der Oberherrschaft des Reichs weitgehend (etwa in Justizsachen) entzogen wurde, das Reich sich aber zu fortwährendem „Schutz und Schirm“ desselben verpflichtete, während der Burgundische Kreis im Gegenzug an Reichsumlagen so viel wie zwei und zu den Türkenkriegen so viel wie drei Kurfürsten zahlen sollte. Außerdem wurden weitere Gebiete, die bis dato dem Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis zugeordnet und inzwischen an die Habsburger gelangt waren, dem Kreis als Teil des Herzogtums Burgund angegliedert.

Französisch war die Sprache des brabantischen Hofes in Brüssel und der höheren Verwaltungsinstantanzen Brabants, ein Umstand, der nachhaltig und auf Dauer Kultur und Mentalität des südniederländischen Raumes prägen sollte.

Der Burgundische Kreis beteiligte sich nicht am – 1687 gebildeten – anti-französischen Bündnis der sogenannten Vorderen Reichskreise.

Einige kleinere GebieteBearbeiten

Der Übergang von Limburg und Luxemburg an die habsburgisch-spanische LinieBearbeiten

 
Limburg in Civitatis Orbis Terrarum (1575)

Brabant, Limburg und Luxemburg waren hingegen bereits 1430 an Philipp den Guten von Burgund und durch die Vermählung Marias von Burgund mit Erzherzog Maximilian von Österreich 1477 an die Habsburger gefallen (zusammen mit den übrigen niederländischen Provinzen). Nach der Abdankung von Maximilians Enkel Karl V. im Jahr 1556 gingen alle niederländischen Provinzen an die habsburgisch-spanische Linie, was sie mentalitätsgeschichtlich und letztlich auch politisch endgültig von den übrigen Teilen des römisch-deutschen Reiches entfernte und ihre spätere Eigenständigkeit vorbereitete.

Nach dem Abfall der protestantischen nördlichen Niederlande (unabhängige Republik ab 1581, bestätigt im Westfälischen Frieden 1648, heute Königreich der Niederlande) blieben die überwiegend katholischen südlichen Niederlande, aus denen sich später das Königreich Belgien entwickelte, zunächst unter Habsburgischer Herrschaft (Spanische Niederlande). 1706–1714 wurden im Spanischen Erbfolgekrieg weite Gebiete der Spanischen Niederlande von Truppen Englands und der niederländischen Republik besetzt.

Das heutige Ostbelgien als Teil der Österreichischen Niederlande ab 1713/14Bearbeiten

 
Die Österreichischen Niederlande (in Orange) haben bereits 1789 fast die Umrisse des künftigen Königreiches Belgien. Luxemburg gehört noch ganz dazu. Das Fürstbistum Lüttich liegt wie ein Keil zwischen Brabant und Ostbelgien-Luxemburg.
 
1789: Ostbelgien gehört überwiegend zu den Herzogtümern Limburg und Luxemburg, die selbst Teilstaaten der Österreichischen Niederlande sind.

Die Friedensschlüsse von Utrecht und Rastatt (1713/14) etablierten schließlich die österreichische Linie des Hauses Habsburg als Herrscherdynastie im Süden der Niederlande.

Die nunmehr Österreichischen Niederlande können als nahezu selbstständiges Staatsgebilde betrachtet werden, das durch Personalunion mit Österreich verbunden war und von einem habsburgischen Regenten in Brüssel regiert wurde. Weiterhin waren die französische Kultur und Sprache tonangebend, auch wenn in der Korrespondenz der mittleren und niederen Verwaltung der im Osten gelegenen Gebiete (Ostbelgien, Luxemburg) seit altersher auch das Deutsche verwendet wurde. Als die zentralistischen Reformen Kaiser Josefs II. die Autonomie der südlichen Niederlande ab 1780 einschränkten, erklärten sich 1790 die Vereinigten Belgischen Staaten für unabhängig, wurden aber zurückerobert und 1794 vorübergehend von Frankreich besetzt (siehe Frieden von Campo Formio 1797). 1814 wurde das Land im Laufe der Napoleonischen Kriege von der anti-napoleonischen Koalition erobert.

Vom Wiener Kongress (1815) bis zum Ende des II. Weltkriegs (1945)Bearbeiten

Vorgeschichte der preußischen Expansion nach OstbelgienBearbeiten

Erste brandenburgisch-preußische Erwerbungen im Westen des Heiligen Römischen Reiches sind zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu verzeichnen. Soweit sie linksrheinisch waren, betrafen sie zunächst den Norden des Rheinlands (Kleve); das Hauptgebiet Preußens lag weiterhin im Zentrum und Osten des Reiches und war noch überwiegend ost-elbisch. Bis zum Vorabend des Wiener Kongresses kam im Westen im Wesentlichen noch Geldern zum preußischen Territorium hinzu.[16]

Die preußisch-deutsche Herrschaft in Ostbelgien (1815 bis 1919)Bearbeiten

 
Im Jahr 1905. Die namensgebenden Hauptorte der Landkreise südlich von Aachen sind rot markiert: Eupen, Malmedy, Montjoie und Schleiden.

Mit Ausnahme von Neutral-Moresnet wurden die ostbelgischen Territorien aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses 1815 preußisches Staatsgebiet und gehörten damit auch

  • von 1815 bis 1866 zum Deutschen Bund, einem Staatenbund, auf den sich die „souveränen Fürsten und freien Städte Deutschlands“ unter Einschluss des Kaisers von Österreich und der Könige Preußens, Dänemarks (hinsichtlich Holsteins) und der Niederlande (hinsichtlich Luxemburgs) einigten. Dieser wies zwar bundesstaatliche Züge auf, da er rechtliche Bestimmungen ausbildete, die für alle Gliedstaaten galten, doch besaß er keine Staatsgewalt; diese lag weiterhin bei den Gliedstaaten. Der Bund hatte insbesondere die Aufgabe, die innere und äußere Sicherheit der Gliedstaaten zu gewährleisten; damit war der Bundeszweck deutlich begrenzter als der des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reiches.
  • von 1866 bis 1871 zum Norddeutschen Bund, der nach der Auflösung des Deutschen Bundes infolge des Deutschen Krieges vom Sommer 1866 von Preußen und seinen Verbündeten ohne Beteiligung des unterlegenen Österreichs und der süddeutschen Länder gegründet wurde.[17]
  • schließlich zum Deutschen Kaiserreich ab 1871, dem nun auch die süddeutschen Länder, nicht jedoch Österreich angehörten und in dem wie schon im Norddeutschen Bund Preußen als größter Gliedstaat eine dominierende Stellung einnahm.

Demgegenüber bildeten die anderen Territorien der südlichen und nördlichen Niederlande das Königreich der Vereinigten Niederlande, das 1830 in das Königreich Belgien und das Königreich der Niederlande zerfiel.

Die Herauslösung der ostbelgischen Gebiete aus dem brabantisch-südniederländischen Kulturkreis bedeutete eine wesentliche Zäsur und Neuausrichtung in der Geschichte Ostbelgiens, auch wenn das Französische als Verwaltungssprache in den wallonischsprachigen Gemeinden zunächst noch respektiert wurde. Heute noch erinnern die alten Belgisch-Preußischen Grenzsteine an den ehemaligen Verlauf der Grenze.

Preußen richtete in den 1815 erworbenen Gebieten südlich von Aachen fünf Landkreise ein: Malmedy und St. Vith (1821 wurden die Kreise St. Vith und Malmedy zusammengelegt), Eupen, Montjoie (später eingedeutscht: Monschau) und Kreis Gemünd; Letzterer wurde 1829 um den südöstlich gelegenen Kreis Blankenheim erweitert und in Kreis Schleiden umbenannt. Die fünf Landkreise gehörten[18] zum Regierungsbezirk Aachen, der seinerseits zur neugebildeten preußischen Provinz Niederrhein (später aufgegangen in der Rheinprovinz) gehörte. Die namensgebenden Städte Malmedy/Sankt Vith, Eupen, Montjoie (Monschau) und Gemünd bzw. Schleiden waren Sitz der jeweiligen Kreisverwaltung.

  • Für die ältere Geschichte der Gebiete der Kreise Malmedy/Sankt Vith und Eupen gilt das weiter oben Ausgeführte.
  • Schleiden hatte als Teil der Grafschaft Schleiden bis 1794/95 zum Herzogtum Luxemburg gehört und war danach auf französische Intervention hin vorübergehend zum Département Ourthe (Hauptort Lüttich) (siehe Schleiden#Luxemburg sowie obige Karte zu Schleiden) gekommen. Das etwas weiter östlich gelegene Gemünd, heute ein Ortsteil von Schleiden, hatte dagegen (auf der einen Uferseite der Urft als Teil der Grafschaft von Harff zu Dreiborn und auf der anderen Uferseite als Teil des Amts Heimbach) zum Herzogtum Jülich gehört (siehe Gemünd (Schleiden)#Jülich).
  • Die Burg im heutigen Monschau war vermutlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts von den Herzögen von Limburg errichtet worden; die Stadt war später ebenfalls an Jülich gefallen (siehe Monschau#Limburg).

In einer Statistik von 1820[19] sind folgende Angaben für die fraglichen fünf Landkreise enthalten:

Kreis Fläche
in Quadratmeilen
Öffentliche und private
Gebäude
Einwohner
gesamt
davon
Katholiken

Protestanten

Juden
Kreis Eupen 3,38 2.791 17.292 16.950 342 - Kreis Gemünd 15,03 8.143 29.424 27.939 1.345 140
Kreis Malmedy 14,89 2.672 13.158 13.155 3 - Kreis Montjoie 6,79 2.957 17.312 16.147 1.165
Kreis St. Vith 2.446 10.282 10.261 21
Regierungsbezirk Aachen insg. 73,93 67.139 312.566 301.809 9.098 1.659

Weckte der Anschluss an Preußen 1815 zunächst keinen Widerstand, so sorgte die nach der Reichseinigung (1871) einsetzende Germanisierungspolitik für Unruhe. Die französischsprachigen Bevölkerungsteile waren zur Assimilation nicht bereit. Nach den Ergebnissen der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 wies der Kreis Malmedy mit 28,7 % Wallonischsprechern eine nennenswerte Minderheit von Einwohnern auf, die eine andere Muttersprache als Deutsch sprachen. Der Anteil der Nicht-Deutschsprachigen im Kreis Eupen betrug hingegen kaum 5 %.[20]

Revision der preußischen Expansion: Volksbefragung (1920) und Angliederung an Belgien (1925)Bearbeiten

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden im Friedensvertrag von Versailles (1919) die Grenzen in Ostbelgien neu gezogen. Gemäß dem Versailler Vertrag waren sämtliche Gemeinden des Grenzstreifens von Eupen-Malmedy vom deutschen Reichsgebiet getrennt und provisorisch Belgien unterstellt worden. Die Volksbefragung von 1920, die als „petite farce belge“ in die Geschichte Belgiens einging, geriet auf Jahrzehnte zum Streitpunkt zwischen der belgischen Obrigkeit und Teilen der lokalen Bevölkerung sowie zwischen Belgien und dem Deutschen Reich. Ein großer Teil der Bevölkerung scheint die Befragung als Unrecht angesehen zu haben, da sie weder frei noch geheim noch unabhängig war. Die Bürger hatten lediglich die Möglichkeit, gegen die Angliederung an Belgien zu votieren, indem sie sich in öffentliche Listen in Malmedy oder Eupen eintrugen. Da die ersten, die dieses Recht wahrnahmen, großem Druck ausgesetzt wurden (Ausweisung, Ausschluss vom Geldumtausch und der Verteilung von Lebensmittelkarten, Entlassung aus dem Staatsdienst u. a.), entschlossen sich nur 271 der 33.726 Stimmberechtigten, ihre ablehnende Haltung gegenüber Belgien aktenkundig zu machen. Insgesamt wurde nur je eine Liste in Eupen und Malmedy ausgelegt. Unter fadenscheinigen Vorwänden und Androhung von Repressalien wurde den Eintragewilligen oft der Zugang erschwert oder ganz unmöglich gemacht.

Nach einer fünfjährigen Übergangszeit unter der Regierung des königlichen Hochkommissars General Herman Baltia wurde das Gebiet um Eupen, Malmedy, St. Vith und Neutral-Moresnet (Kelmis) 1925 in den belgischen Staatsverband eingegliedert. Von 1918 bis 1925 unterlagen die ostbelgischen Medien der Zensur. Die Stadt Eupen erhielt mit Hugo Zimmermann einen von der belgischen Regierung eingesetzten „Zwangsbürgermeister“.

Ein Kuriosum ist die Trasse der Eisenbahnlinie Aachen-Luxemburg (Vennbahn, heute stillgelegt). Durch die neue Grenzziehung hätte sie etliche Male die Staatsgrenze gekreuzt. Stattdessen wurde das Bahngelände zu belgischem Hoheitsgebiet erklärt.

Bemühungen der belgischen und deutschen Regierung um Rückgabe der GebieteBearbeiten

Seit 1925 verhandelten die deutsche und die belgische Regierung über eine Rückgabe des Gebietes gegen eine Ausgleichszahlung. Es wurden konkrete Pläne entwickelt, das Gebiet für 200 Millionen Goldmark von Belgien zurückzukaufen.[21] Dies scheiterte am politischen Widerstand und Druck Frankreichs auf Belgien.

Die Situation der katholischen KircheBearbeiten

Aus kirchlicher Sicht war die Situation in „Neubelgien“ nicht einfach, da sich ein Großteil des lokalen Klerus weiterhin dem Erzbistum Köln verbunden fühlte. Als die Situation eskalierte, rief der Primas von Belgien Kardinal Mercier Papst Benedikt XV. um Hilfe an. Dieser schuf durch die päpstliche Bulle Ecclesiae Universae vom 30. Juli 1920 das Bistum Eupen-Malmedy. Titularbischof wurde der Bischof von Lüttich, Monsignore Rutten, der am 13. Oktober feierlich eingesetzt wurde und die Pfarrkirche von Malmedy zur Kathedrale erhob. Eine erneute päpstliche Bulle vom 15. April 1925 hob diesen Zustand auf, und das Gebiet wurde dem Bistum Lüttich einverleibt.

„Heimattreue“ (anti-belgische) Belgier und deutsche Subversion[22]Bearbeiten

Schon ab 1919 Jahre entstanden prodeutsche politische Organisationen wie der Landwirtschaftliche Verband Eupen-Malmedy (1919), der Heimatbund Eupen-Malmedy-St. Vith (1926)[23] und die Christliche Volkspartei (1928/29)[24].

Nach der Ernennung von Adolf Hitler zum deutschen Reichskanzler bildete sich in Eupen um den reichsdeutschen Arzt Dr. Paul Dohmen ein lose gefügter Kreis von überzeugten Nationalsozialisten, der nach einem Jahr 150 Mitglieder vermeldete[25] und bis März 1939 auf 1.737 Mitglieder anwuchs:[26]

„Aus Gründen der Konspiration nannte man sich ‚Verein für Natur und Heimatkunde‘, dies um den belgischen Behörden keinen Grund zum Einschreiten zu geben. An der Spitze des Vereins stand einer der glühendsten Vertreter nationalsozialistischer Ideen in Eupen, der Gärtner Josef Kerres. Der Verein wurde schließlich nach Ankauf eines Segelflugzeuges in ‚Segelfliegerverein‘ umbenannt. Ähnliche Organisationen wurden als Ableger in Malmedy und St. Vith unter den Firmen[27] ‚Saalschutz‘ und ‚Bogenschützengesellschaft‘[28] gegründet.“

Herbert Ruland: Belgien: Zeitgeschichte und Erinnerung an 2 Weltkriege in einem komplizierten Land[29]

Aber schon vor 1933 wurde von Deutschland aus sogenannte „Volkstumspolitik“ betrieben. So hatte Franz Thedieck, nach dem II. Weltkrieg Staatssekretär im bundesdeutschen Ministerium für „gesamtdeutsche Fragen“, schon bevor er „1931 als ‚Beauftragter der preussischen Regierung für Eupen-Malmedy’ eingesetzt worden war, […] für die ‚preussische [geheimdienstlichen[30]] Abwehrstelle gegen den Separatismus im Rheinland’,[31] zu deren Betreuungsgebiet auch Eupen-Malmedy gehörte, gearbeitet.“[32]

Der deutsche Angriff auf Belgien 1940 und seine FolgenBearbeiten

 
Sprachengrenzen und politische Grenzen in Ostbelgien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Im Zweiten Weltkrieg, der am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen begann, wurde das Gebiet Eupen-Malmedy nach der Eroberung Belgiens durch die deutsche Wehrmacht am 18. Mai 1940 in das Deutsche Reich eingegliedert. Am 1. Juni 1940 annektierte das Deutsche Reich weitere überwiegend deutschsprachige Gemeinden „Altbelgiens“, die vor 1920 nicht zum Deutschen Reich gehört hatten:[33]

Weitergehende Annexionspläne des Gauleiters Josef Grohé, die eine größere Einbeziehung nicht deutschsprachiger Gebiete vorsahen, unter anderem um Vielsalm und Stavelot, setzten sich nicht durch.

Über 8000 Ostbelgier dienten ab Herbst 1941 in der deutschen Wehrmacht, auch an der Ostfront. Die starken Verluste führten zur Verbitterung vieler Ostbelgier, die zunehmend an der Annexion durch Deutschland zweifelten. Im Dezember 1944 wurden im Zuge der Ardennen-Offensive erst Malmedy, dann Sankt Vith durch Bombenangriffe der Westalliierten schwer getroffen; des Weiteren wurden während der deutschen Offensive im Winter 1944/45 viele Ortschaften verwüstet. Siehe auch:

Nach der Niederlage Deutschlands 1945 übergaben die Besatzungsmächte Eupen-Malmedy an Belgien.

Die Zeit seit dem Zweiten WeltkriegBearbeiten

 
Ergebnisse des belgisch-deutschen Grenzvertrages von 1956: Die Wiederherstellung der Grenze von 1920 wird von der Bundesrepublik Deutschland anerkannt; Fringshaus wird gegen den Wallerscheider Wald getauscht; fünf kleine Ortschaften, die Belgien am Ende des Zweiten Weltkriegs über die Wiederherstellung der Grenze von 1920 hinaus besetzt hatte, werden geräumt.

Nach belgischen Annexionsversuchen im Jahre 1949 fielen weitere Gebiete Deutschlands vorübergehend an Belgien. Am 24. September 1956 wurde der deutsch-belgische Grenzvertrag über eine Berichtigung und die Unverletzlichkeit der bestehenden Grenze unterschrieben. Die Korrektur der Grenze folgte am 28. August 1958 (BGBl. II S. 262). Ausgenommen von der Rückgabe blieben der Ort Losheimergraben und der westliche Teil der Ortschaft Leykaul sowie einige Forstgebiete. Damit wurde auch die Zugehörigkeit des Gebietes um Eupen-Malmedy-Sankt Vith zu Belgien anerkannt.

Nach Jahren der Säuberungspolitik, die alle belgischen Wehrmachtssoldaten einer strengen Überprüfung und zuweilen auch willkürlichen Strafen unterwarfen sowie der Bevölkerung eine massive Behinderung im Alltag bescherte (Verdacht der aktiven Kollaboration mit dem deutschen Besatzer im Weltkrieg; restriktive Vergabe von Passierscheinen für den Grenzübertritt nach Deutschland; Versuch einer staatlich verordneten Assimilation an die französische Kultur) wurde im Zuge der durch den wallonisch-flämischen Konflikt beförderten Regionalisierung Belgiens im Sprachengesetz von 1963 erstmals seit 1945 wieder offiziell ein deutsches Sprachgebiet anerkannt.

1973 wurde der Rat der deutschen Kulturgemeinschaft (RdK) eingesetzt, der seine Befugnisse und Finanzmittel in den folgenden Jahren ausbauen konnte. Heute verfügen die deutschsprachigen Belgier mittels der Befugnisse der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) mit einem eigenen Parlament und eigener Regierung über eine ausgedehnte Autonomie. Nicht eingeschlossen in dieses Gebiet sind die angrenzenden, teilweise deutschsprachigen Gemeinden Altbelgiens. Die Gebiete von Malmedy und Weismes, in denen seit altersher mehrheitlich Französisch bzw. wallonische Mundarten gesprochen werden, gehören hingegen zur Französischen Gemeinschaft Belgiens. In allen elf Gemeinden Ostbelgiens genießt die jeweilige sprachliche Minderheit Erleichterungen in Form von Sonderrechten; sie gehören zu den Fazilitäten-Gemeinden.

Seit der Entspannung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Belgien, die nicht zuletzt durch die Gründung der EG 1957 gefördert wurde, verstehen sich die deutschsprachigen Ostbelgier zunehmend als Bindeglied zwischen einem Staatsgrenzen übergreifenden deutschen und französischen Sprach- und Kulturraum. Auch die Erinnerung an die historischen – wenngleich nicht konfliktfreien – Beziehungen zu Österreich, Spanien und den Niederlanden mag bei diesem neuen Selbstverständnis eine gewisse Rolle spielen. Hauptsächlich engagiert sich die ostbelgische Politik neben lokalen und national-belgischen Belangen in der Entwicklung des Dreiländerecks, der Euregio Maas-Rhein rund um die regionalen Zentren Maastricht (NL), Lüttich (BE) und Aachen (DE).

Siehe auchBearbeiten

Portal: Deutschsprachige Gemeinschaft – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Deutschsprachige Gemeinschaft

LiteraturBearbeiten

AllgemeinesBearbeiten

19. JahrhundertBearbeiten

  • Sebastian Scharte: Preußisch – deutsch – belgisch. Nationale Erfahrung und Identität. Leben an der deutsch-belgischen Grenze im 19. Jahrhundert. Waxmann, Münster 2010, ISBN 978-3-8309-2406-7.

(insbesondere) 1919–1945Bearbeiten

  • H.-Dieter Arntz: Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischen Grenzgebiet. Kreisgebiet Schleiden, Euskirchen, Monschau, Aachen und Eupen/Malmedy. Kümpel, Euskirchen 1990, ISBN 3-9800787-6-0.
  • Luise Clemens, Andreas Fickers, Monika Röther: Vom preußischen Amtsblatt zum heimattreuen Sprachrohr. Die Malmedy-St.Vither „Volkszeitung“ in der Presselandschaft der Zwischenkriegszeit. In: Heinz Warny (Hrsg.): Zwei Jahrhunderte deutschsprachige Zeitung in Ostbelgien. Grenz-Echo-Verlag, Eupen 2007, ISBN 978-3-86712-016-6, S. 211–238.
  • Burkhard Dietz, Helmut Gabel, Ulrich Tiedau (Hrsg.): Der Griff nach dem Westen. Die „Westforschung“ der völkisch-nationalen Wissenschaften zum nordwesteuropäischen Raum 1919–1960. (= Studien zur Geschichte und Kultur Nordwesteuropas. 6). Waxmann, Münster [u. a.] 2003, ISBN 3-8309-1144-0.[34]
  • Bruno Kartheuser: Die 30er Jahre in Eupen-Malmedy. Einblick in das Netzwerk der reichsdeutschen Subversion (Band 1 von: ders., Walter Schmald: SD in Tulle. Krautgarten, St. Vith 2001 (Bibliotheksbestandsnachweise im Karlsruher Virtuellen Katalog; Buchprospekt (PDF); Auszüge aus französischen, niederländischen und deutschsprachigen Pressestimmen und anderen Stellungnahmen zum Buch)).
  • Peter M. Quadflieg: „Zwangssoldaten“ und „Ons Jongen“. Eupen-Malmedy und Luxemburg als Rekrutierungsgebiet der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. (= Aachener Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte. 5). Shaker Verlag, Aachen 2008, ISBN 978-3-8322-7078-0.
  • Martin R. Schärer: Deutsche Annexionspolitik im Westen. Die Wiedereingliederung Eupen-Malmedys im Zweiten Weltkrieg. (Reihe: Europäische Hochschulschriften, R. 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Band 38), Lang: Bern / Frankfurt am Main / Las Vegas, 1. Auflage: 1975. 2., verbesserte um eine Einleitung und ein Register vermehrte Auflage: 1978.

Nach 1945Bearbeiten

  • Christoph Brüll u. a. (Hrsg.): Grenzerfahrungen. Eine Geschichte der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Band 5: Säuberung, Wiederaufbau, Autonomiedisskussionen (1944–1973). Grenz-Echo Verlag, Eupen 2013, ISBN 978-3-86712-086-9.
  • Christoph Brüll (Hrsg.): Eine ostbelgische Stunde Null? Staatsarchiv, Brüssel 2013, ISBN 978-90-5746-585-7.
  • Gerd Kleu: Die Neuordnung der Ostkantone Belgiens 1945–1956. Klartext, Essen 2007, ISBN 978-3-89861-417-7.
  • Ulrike Schwieren-Höger, Jörn Sackermann: Ostbelgien und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens. Grenz-Echo-Verlag, Eupen 2006, ISBN 90-5433-214-X.

Enzyklopädie-ArtikelBearbeiten

  • Encyclopedia Americana. International Edition. Complete in Thirty Volumens, Scholastic Publishing, Danbury CT 2005 (zit. als Ency. Am. + Band [römische Ziffer] + Erscheinungsjahr + Seite + Lemma <s. v.>).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Auf der Karte rechts gelb unterlegt.
  2. „Ostbelgien“ anstelle von „DG“, Belgisches Rundfunk- und Fernsehzentrum der Deutschsprachigen Gemeinschaft (BRF), 20. September 2016.
  3. Die in Eupen und nördlich davon gesprochenen Mundarten sind niederfränkisch; siehe dazu auch Rhein-Maasländisch. Die Mundarten östlich und südlich von Eupen sind mittelfränkisch.
  4. Bevor Ostbelgien für rund hundert Jahre an Preußen fiel, hatte es seit dem Mittelalter überwiegend zu den Herzogtümern Luxemburg und Limburg gehört. Siehe „The canton of Eupen was part of the Duchy of Limburg until […] 1794.“ (Ency. Am. V [2005], 662, s. v. Eupen), sowie Eupen-et-Malmédy. In: Encyclopædia Britannica. (englisch).
  5. In den Begriff deutschsprachige Belgier wird die kleine Gruppe der Germanophonen des südlich gelegenen Areler Landes in der Provinz Luxemburg meist nicht einbezogen; ihre Mundart wird heute in der Regel dem Luxemburgischen zugeordnet. Die Gemeinden des Areler Landes zählen nicht zu den Fazilitäten-Gemeinden.
  6. Anders als in den neun überwiegend deutschsprachigen und den beiden überwiegend französischsprachigen Gemeinden der Ostkantone, in denen die Rechte der sprachlichen Minderheit konsequent angewandt werden, spricht man in Bezug auf das Montzener Land von ruhenden Fazilitäten, da dort Regelungen zugunsten der sprachlichen Minderheit zwar möglich, aber nicht systematisch (oder gar nicht) umgesetzt sind.
  7. Schließlich ist zu erwähnen, dass nicht alle Gebiete im deutsch-belgisch-luxemburgischen Grenzgebiet, die 1815 an Preußen fielen, im Jahr 1919 aus diesem wieder ausgegliedert wurden.
  8. Nur im Hohen Venn zwischen Eupen und Malmedy ist das Gebiet erheblich schmaler.
  9. Die gallische Variante des Keltischen wurde laut Caesar von verschiedenen Volksstämmen in Teilen des heutigen Frankreichs bis zur Seine und Marne (Fluss), und in der Schweiz am Oberrhein gesprochen (C. Iulius Caesar, Commentarii de Bello Gallico, Book 1, Chapter 1). Einige wenige beschriftete Gegenstände (instrumenta) befinden sich außerdem nördlich der Seine (bis ins heutige Belgien) und in Norditalien (Pierre-Yves Lambert, La langue gauloise, éditions errance 1994). Der keltische Sprachraum insgesamt war aber deutlich größer: siehe nebenstehende Karte.
     
    Keltische Sprachräume im Verlauf der Zeit oder die Verbreitung keltischer Völker und Sprachen:
  10. Gebiet der Hallstatt-Kultur im 6. Jahrhundert v. Chr.
  11. Größte keltische Ausdehnung, um 275 v. Chr.
  12. Lusitania (keltische Besiedlung unsicher)
  13. Die „sechs Keltischen Nationen“, in denen es bis in die Frühe Neuzeit eine signifikante Anzahl Sprecher keltischer Sprachen gab.
  14. Das heutige Verbreitungsgebiet keltischer Sprachen
  15. Karte erstellt nach: John Haywood, Atlas of the Celtic World, Thames & Hudson: London, 2001, S. 30–37 und anderen Quellen.
  16. Im Jahr 590 verließ zum ersten Mal ein irischer Mönch die Britischen Inseln, um auf dem Festland zu missionieren. Kolumban der Jüngere (* 540; † 615) war der erste, der im merowingischen (Merowinger: älteste Königsgeschlecht der Franken vom 5. bis 8. Jh.) Gebiet auftauchte. Er gründete im Frankenreich ein Kloster namens Annegray.
  17. Um 500 trat der Frankenkönig Chlodwig I. ( * 466; † 511 bei Paris) – wohl unter dem Einfluss seiner Frau Chrodechild (* um 474 in Lyon; † 544 in Tours) zum katholischen Christentum über. In Lyon war im Jahr 177 – zu römischer Zeit – die christliche Märtyrerin Blandina (* um 150) getötet worden.
  18. Kaiser Heinrich IV. stellte um 1080 Malmedy unter die Vorherrschaft des Klosters Stablo (Stavelot).
  19.  
    Das Hohen Venn erstreckt sich von Gebieten westlichen von Malmedy bis zu Gebieten östlich der heutigen deutschen Grenze (hier rot umrandet)

    Zum Territorium der Reichsabtei gehörten auch Teile des Hohen Venns, das sich allerdings ohnehin auch auf Gebiete westlich von Malmedy erstreckt, so dass dies also kein Argument gegen die These vom damals vorwiegend limburgischen und luxemburgischen (d. h. später: brabantischen) Einfluss in Ostbelgien ist.

  20. Andlermühle; nordöstlich davon: Manderfeld; südwestlich davon: Schönberg (alle drei: Verviers, Lüttich, Wallonien, Belgien). OpenStreetMap, abgerufen am 30. Januar 2019.
  21. J. H. Kaltenbach: Der Regierungsbezirk Aachen: Ein Wegweiser für Lehrer, Reisende u. Freunde der Heimathkunde, 1850, Seite 456: „[…]; 1374 übertrug […] Kaiser Karl IV. die Lehensherrlichkeit [für das Schloß Schöneberg] dem Erzbischof von Trier, […]. Bis zur französischen Besitznahme war Schönberg der Sitz eines churttrier’schen Amtes, welches in 3 Höfe: Amelscheid [heute: Belgien], Auw [heute: Deutschland] und Manderfeld [heute: Belgien], getheilt war.“ (Es folgt noch eine genauere Bescheidung des Umfanges der verschiedenen Höfe, aus der sich ergibt, dass Schönberg zu Amelscheid gehörte.)
  22.  
    Kleve – und südlich davon Geldern, bevor es preußisch wurde.

    Für eine Detail-Darstellung des Gebietes um Kleve und Geldern von 1614–1672 siehe rechtsstehende Karte. Der Teil der Spanischen Niederlande, der auf Karte an Kleve angrenzt, ging 1713 an Preußen über.

  23. Luxemburg war zwar noch am Deutschen Bund, aber nicht mehr am Norddeutschen Bund beteiligt: siehe Geschichte Luxemburgs#Großherzogtum Luxemburg innerhalb des Deutschen Bundes sowie die Karten bei den Artikeln zum Deutschen und Norddeutschen Bund.
  24. zusammen mit dem Stadt- und Landkreis Aachen sowie den Landkreisen Düren, Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg und Jülich
  25. Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungsbezirk Aachen. Aachen, 1820.
  26. Fremdsprachige Minderheiten im Deutschen Reich, Volkszählung vom 1. Dezember 1900 (Memento vom 14. April 2011 im Internet Archive).
  27. Zur Geschichte der Deutschsprachigen Gemeinschaft. (Nicht mehr online verfügbar.) Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien, archiviert vom Original am 6. Februar 2013; abgerufen am 22. Juli 2017.
  28. Zum Begriff der „Subversion“ im vorliegenden Zusammenhang siehe die beiden im Literaturverzeichnis und bei den Weblinks genannten Veröffentlichungen von Bruno Kartheuser.
  29. Schärer: Annexionspolitik. S. 32: „In Eupen-Malmedy kämpften verschiedene Organisationen für die Rückkehr zu Deutschland: Der vor allem auf kulturelle Bereiche ausgerichtete ‚Heimatbund Eupen-Malmedy-St. Vith‘ (1926); […]; der ‚Landwirtschaftliche Verband Eupen-Malmedy‘ (1919), dessen Aktivitäten die Eingliederung der Landwirtschaft 1940 erleicherte“ und andere Organisationen.
  30. Belgien: Zeitgeschichte und Erinnerung an 2 Weltkriege in einem komplizierten Land. Abgerufen am 31. Januar 2019., nach Fußnote 45: „1925 konnten die ‚Neubelgier‘ erstmals an Wahlen zur belgischen Kammer teilnehmen. Bereits im Vorfeld der Wahlen war die Frage aufgetaucht, ob in Anlehnung an die Zentrumspartei, die hier vor der Umwälzung der politischen Verhältnisse bei Reichstagswahlen fast monopolartig dominierte, eine neue Bewegung zu gründen wäre, oder ob sich die katholische Wählerschaft zu der diesbezüglichen belgischen Partei orientieren sollte. Schließlich wurde das Letztere realisiert. Bei den Wahlen am 5. April 1925 erhielt die Katholische Union im Gebiet von Eupen-Malmedy zwei Drittel der abgegebenen Wählerstimmen, aber auch die Sozialisten, die sich vorbehaltlos für das Selbstbestimmungsrecht auch im neubelgischen Gebiet einsetzten, kamen auf ein Viertel der Stimmen. Aus Enttäuschung über die Haltung der Katholischen Union in dieser Frage, kam es dann 1929 vor den Kammerwahlen doch noch zur Gründung einer ‚Christlichen Volkspartei‘ (CVP), die den revisionistischen Gedanken einer Rückgliederung des Gebiets an Deutschland in den Mittelpunkt ihrer Wahlagitation stellte. Während die Sozialisten ihren Wähleranteil in etwa halten konnten, erlebte die Katholische Union ihr Fiasko und sank unter knapp 20%; die neu gegründete CVP erhielt auf Anhieb 52 %.“
  31. Belgien: Zeitgeschichte und Erinnerung an 2 Weltkriege in einem komplizierten Land. Abgerufen am 31. Januar 2019., Abschnitt „Die Gründung der ‚Heimattreuen Front‘“
  32. Schärer: Annexionspolitik. S. 32 bei Fußnote 43.
  33. Eine ‚Firma‘ ist im speziellen ein Name, unter dem ein Geschäft betrieben wird (§ 17 Handelsgesetzbuch); im allgemeinen jeder Name oder – im Falle von Geheimdiensten und (anderen) konspirativer Organisationen: jede Legende –, unter dem oder der etwas passiert.
  34. Siehe zu diesen Strukturen auch Schärer: Annexionspolitik. S. 32: „aktivistische SS-ähnliche Tarnorganisationen der ‚Segelflieger‘ in Eupen […], des ‚Saalschutzes‘ in Malmedy und der ‚Bogenschützen in St. Mitte‘“ – alle Mitte der 1930er-Jahre gegründet.
  35. Belgien: Zeitgeschichte und Erinnerung an 2 Weltkriege in einem komplizierten Land. Abgerufen am 31. Januar 2019., Abschnitt „Die Gründung der ‚Heimattreuen Front‘“ (mit weiteren Nachweisen in Fußnote 46)
  36. Bruno Kartheuser: Subversion nazie et action secrète. (PDF) S. 28, abgerufen am 1. Februar 2019. „Bureau de contre-espionnage (Abwehr) pour combattre le séparatisme rhénan“ (Hervorhebung hinzugefügt).
    Vgl. zur Begrifflichkeit: Von 1920 bis 1944 wurde der deutsche militärischer Nachrichtendienst „Abwehr“ genannt; aber auch das Außenministerium (Auswärtige Amt) hatte eine „Abwehrabteilung“; auch der Verein für das Deutschtum im Ausland konkurrierte mit dem militärischen Nachrichtendienst um Kompetenzen (siehe Abwehr (Nachrichtendienst)#Abwehr AA).
    Bundeskanzler Konrad Adenauer soll „im Dezember 1949 […] in einem persönlichen Gespräch Thedieck das Angebot gemacht [haben], künftig die Führung des im Aufbau befindlichen Bundesamtes für Verfassungsschutz zu übernehmen“ (Stefan Creuzberger, Kampf für die Einheit. Das gesamtdeutsche Ministerium und die politische Kultur des Kalten Krieges 1949–1969, Droste: Düsseldorf, 2008 (Rezension bei Sehepunkte), S. 69 bei Fußnote 110) (siehe genauer dazu im Artikel Franz Thedieck (Politiker) #Verfassungsschutz) – dieses Angebot wäre vermutlich nicht ohne gemeindienstliche Vorerfahrungen Thediecks erfolgt.
  37. Dieses Amt hatte er von 1923 bis 1930 ausgeübt (siehe den Artikel Franz Thedieck (Politiker)#Leben und Beruf).
  38. Schärer: Annexionspolitik. S. 32 bei Fußnote 39 und 40.
  39. GR-Atlas: Aufzählung der Gemeinden im vierten Absatz (Memento vom 14. Juli 2012 im Webarchiv archive.today)
  40. 2 Bände; online durchsuchbar; u. a. über die Subversion der NS-Militär-Geheimdienstler Alfred Toepfer, Friedrich Carl Marwede, Friedrich Scheuermann, Hans Otto Wagner, Alfred Kehrl.