Orlová

Stadt in Tschechien

Orlová (deutsch Orlau, polnisch Orłowa) ist eine Stadt im Okres Karviná in Tschechien. Sie liegt in 215 m ü. M. im schlesischen Ballungsgebiet zwischen Ostrava, Karviná und Bohumín.

Orlová
Wappen von Orlová
Orlová (Tschechien)
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Region: Moravskoslezský kraj
Bezirk: Karviná
Fläche: 2467 ha
Geographische Lage: 49° 51′ N, 18° 26′ OKoordinaten: 49° 50′ 45″ N, 18° 25′ 51″ O
Höhe: 215 m n.m.
Einwohner: 28.330 (1. Jan. 2021)[1]
Postleitzahl: 735 11 – 735 14
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Tomáš Kuča (Stand: 2016)
Adresse: Osvobození 796
73514 Orlová 4 - Lutyně
Gemeindenummer: 599069
Website: www.mesto-orlova.cz

GeschichteBearbeiten

 
Marktplatz
 
Evangelische Kirche vor 1937

Die erste urkundlich nachgewiesene Erwähnung stammt aus dem Jahr 1223 im Verzeichnis des Breslauer Bischofs Lorenz. Die Gemeinde gehörte damals zur Abtei Tyniec bei Krakau. Die Benediktiner siedelten sich im Jahr 1268 an und ein Kloster wurde erbaut, durch den sich die Entwicklung des Ortes vor allem im kulturellen und im Bildungsbereich beschleunigte. Die Benediktiner gründeten auch alle heutige Stadtteile: Lazy, [Horní] Lutyně ([Polnisch] Leuten) und Poruba (Poremba) mit Hilfe von Siedlern aus Oberschlesien und Kleinpolen. Im 17. Jahrhundert wurde dann der Sitz des Klosters wieder nach Tyniec bei Krakau verlegt, und der Ort blieb eine kleine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde. Erst im 19. Jahrhundert, als Steinkohlevorkommen entdeckt wurden, wuchs der Ort rasant. 1922 war sie bereits eine Stadt mit einer Straßenbahnverbindung, einem Krankenhaus, Museum und Schulen, in denen in mehreren Sprachen (tschechisch, polnisch und deutsch) unterrichtet wurde. Die Industrialisierung schritt voran, und Orlová wurde zu einem reichen Zentrum der Bildung.

Zwischen den WeltkriegenBearbeiten

Nachdem mit dem Ende des Ersten Weltkriegs die Österreichisch-Ungarische Monarchie zerfallen war, kam die Stadt zur neu gegründeten Tschechoslowakei. Die Nationalitätenverteilung war dabei: 54 % Polen, 27 % Tschechen und 18 % Deutsche. Mit der Eingliederung in die Tschechoslowakei waren die Polen nicht einverstanden und im Januar 1919 gab es deshalb einen zweiwöchigen Grenzkrieg. Das Gebiet nördlich des Flusses Olsa kam danach zu Polen, das südlicher gelegene Orlová blieb aber tschechisch.

Im Münchner Abkommen 1938 wurden die Stadt und ihre Umgebung Polen zugesprochen. Nachdem ein Jahr später Deutschland am 1. September 1939 Polen überfiel, wurde die Gegend in das Deutsche Reich eingegliedert.[2]

Nach 1945Bearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele deutsche Bewohner vertrieben. In den 1960er Jahren dachte die kommunistische Regierung zunächst darüber nach, die Stadt wegen der Kohleförderung zu liquidieren. Dazu kam es dann doch nicht. Jedoch wurden damals 2000 Gebäude dem Erdboden gleichgemacht, der Straßenbahn- und Eisenbahnverkehr wurde eingestellt, die Schulen in umliegende Städte Ostrava, Karviná und Havířov umgesiedelt. An Stelle der ursprünglichen Stadt wurde eine Siedlung für 30.000 Einwohner hochgezogen. Aus dem historischen Stadtkern blieb nur der Torso erhalten.

In Orlová lebte längere Zeit ein Begründer der tschechischen Legion in Italien Jan Čapek. 1910 besuchte Alois Jirásek öfters die Stadt. In Orlová ansässig ist das Atelier Slawinski, Hersteller von Geigen.

StadtgliederungBearbeiten

Zu Orlová gehören die Stadtteile Dombrovec (Dombrau), Lazy, Lutyně (Leuten) mit Horní Lutyně (Polnisch Leuten), Město und Poruba (Poremba).

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Orlová – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2021 (PDF; 349 kB)
  2. Virtuelle Rekonstruktion der Synagoge in Orlová. Diplomarbeit an der TU Wien von Margit Iwantscheff 19. Dezember 2016. Geschichte. Seiten 11, 12. Abgerufen am 16. Januar 2022.