Hauptmenü öffnen

Operation Uranus

Bedeutende Schlacht im 2. Weltkrieg
Operation Uranus
Teil von: Zweiter Weltkrieg, Ostfront
Sowjetische Stoßrichtungen während der Operation Uranus
Sowjetische Stoßrichtungen während der Operation Uranus
Datum 19. November bis 23. November 1942
Ort Sowjetunion
Ausgang Sieg der Roten Armee
Folgen Einschließung von 330.000 Mann der Achsentruppen im Stalingrader Kessel
Konfliktparteien

Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion

Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Rumänien KonigreichRumänien Rumänien

Befehlshaber

Andrei Jeremenko
(Stalingrader Front)
Konstantin Rokossowski
(Donfront)
Nikolai Watutin
(Südwestfront)

Maximilian Freiherr von Weichs
(Heeresgruppe B)
Erich von Manstein
(Heeresgruppe Don)
Friedrich Paulus
(6. Armee)
Hermann Hoth
(4. Panzerarmee)

Petre Dumitrescu
(3. rumänische Armee)
Constantin Constantinescu-Claps
(4. rumänische Armee)

Truppenstärke
1.134.500 Soldaten
894 Panzer
13.451 Geschütze
1414 Flugzeuge
1.011.500 Soldaten
675 Panzer
10.290 Geschütze
732 (1216 ?) Flugzeuge
Verluste

unbekannt

unbekannt

Operation Uranus (russisch Операция «Уран») war die Bezeichnung des sowjetischen Oberkommandos für eine am 19. November 1942 begonnene militärische Gegenoffensive gegen die deutschen Truppen, die seit dem Sommer 1942 in schwerste Kämpfe gegen die Rote Armee in Stalingrad verwickelt waren, sowie gegen die rumänischen und italienischen Truppen, die die Flanken der deutschen 6. Armee und 4. Panzerarmee deckten. Sie führte zur Einschließung von 330.000 Soldaten der Achsenmächte im Kessel von Stalingrad und gilt als einer der Wendepunkte des Zweiten Weltkriegs.

ZieleBearbeiten

Ziele der sowjetischen Streitkräfte waren im Näheren die Einkesselung und Vernichtung der deutschen Truppen in und bei Stalingrad und der damit verbundene Entsatz der unter dem Kommando von Generalleutnant Wassili Tschuikow in Stalingrad am westlichen Wolga-Ufer kämpfenden Truppen der 62. Armee. Die Generäle Georgi Schukow, der spätere Sieger der Schlacht um Berlin, und Alexander Wassilewski, Chef des sowjetischen Generalstabs, hatten die Pläne hierzu seit dem September 1942 entwickelt. Dazu wurden zunächst umfangreiche Reserven hinter der Front zusammengezogen sowie an der Wolga im Norden und Süden von Stalingrad Brückenköpfe, die als Ausgangsbasis für die geplante Operation dienen sollten, gebildet und zäh verteidigt. Der eigentliche Operationsplan wurde unter Wassilewskis Leitung ausgearbeitet.

Ferner sahen die sowjetischen Pläne eine weitere Operation mit dem Codenamen Saturn vor, mit der die deutschen Heeresverbände im Kaukasus (vgl. Unternehmen Edelweiß) durch die Einnahme von Rostow am Don, kurz vor der Mündung des Flusses in das Asowsche Meer gelegen, abgeschnitten werden sollten. Von den Plänen betroffen waren nicht nur die deutsche 6. Armee unter Friedrich Paulus und die 4. Panzerarmee unter Hermann Hoth, von denen die Erstgenannte später in Stalingrad eingekesselt wurde, sondern auch die gesamte Heeresgruppe A.

Etwa zeitgleich fand die Operation Mars gegen die Heeresgruppe Mitte statt.

Beteiligte TruppenBearbeiten

Truppenverbände der SowjetunionBearbeiten

 
Gesamtlage am 18. November 1942

An der weiträumig angelegten Operation waren auf sowjetischer Seite die Südwestfront unter Nikolai Watutin, die Donfront unter Konstantin Rokossowski im Norden, sowie die von Andrei Jerjomenko geführte Stalingrader Front im Süden beteiligt. Den Hauptschlag führte die Südwestfront. Die Fronten wurden durch die 2., 8., 16. und 17. Luftarmee unterstützt. General Wassili Tschuikow, Kommandeur der in Stalingrad kämpfenden 62. Armee, wurde erst am Vorabend des Angriffs über den Angriff informiert, um die Kampfbereitschaft seiner Truppen nicht absinken zu lassen oder das Unternehmen zu gefährden.[1]

Für den Angriff wurden 115 Abteilungen mit Katjuscha-Raketenwerfern konzentriert, die mit 1250 Lafetten und Abschußvorrichtungen über ein Drittel der gesamten reaktiven Artillerie der Roten Armee verfügten.[2]

Für den Aufmarsch wurde extra eine 1000 Kilometer lange Bahnlinie Swijashsk-Saratow-Ilowlja in drei Monaten errichtet.[3]

Südwestfront (Generaloberst N. F. Watutin mit 398.000 Mann, 410 Panzer und 4.258 Geschütze)[4]

Don Front (Generalleutnant K. K. Rokossowski mit 307.500 Mann, 161 Panzer und 4.177 Geschütze)[5]

Stalingrader Front (Generaloberst A. I. Jeremenko mit 429.000 Mann, 323 Panzer und 5.016 Geschütze)[6]

  • 62. Armee, Generalleutnant W. I. Tschuikow (13., 37. und 39. Garde-Division, 45., 95., 112., 124., 138., 149., 193., 284. und 308. Schützen-Division)
  • 64. Armee, Generalmajor M. S. Schumilow (36. Garde-Division, 29., 38., 126., 157., 204., 208., 214., 229. Schützen- und 7. Kavallerie-Division)
  • 57. Armee, Generalmajor F. I. Tolbuchin (13. Panzerkorps, 143., 169., 177. und 422. Schützen-Division)
  • 51. Armee, Generalmajor N. I. Trufanow (4. mechanisches Korps, 4. Kavalleriekorps, 15. Garde-Division, 91., 76., 126., 302. Schützen-Division)
  • 28. Armee, Generalleutnant W. F. Gerasimenko (34. Garde-Division, 248. Schützen-Division)
  • 8. Luftarmee, Generalmajor T. T. Chrjukin

Truppenverbände der AchsenmächteBearbeiten

Auf deutscher Seite standen im Raum Stalingrad die 6. Armee und die 4. Panzerarmee, die rumänische 3. Armee sicherte den Don-Abschnitt nordwestlich von Stalingrad und die rumänische 4. Armee deckte den Raum südlich von Stalingrad bis in die Kalmückensteppe.

Diese verfügten über folgende Verbände:[7]

Rumänische 3. Armee Generalleutnant Petre Dumitrescu

  • I. Armeekorps, Generalmajor Teodor Ionescu (7. und 11. Infanterie-Division)
  • II. Armeekorps, Generalmajor Nicolae Dăscălescu (9., 14. Infanterie-Division und 7. Kavallerie-Division)
  • IV. Armeekorps, Generalmajor Constantin Sănătescu (13. und 15. Infanterie- und 1. Kavallerie-Division)
  • V. Armeekorps, Generalmajor Aurelian Sion (5. und 6. Infanterie-Division)

Reserve:

Deutsche 6. Armee Generaloberst Friedrich Paulus

Reserve:

  • Gruppe Lepper

Deutsche 4. Panzerarmee Generaloberst Hermann Hoth

Reserve:

Rumänische 4. Armee Generalleutnant Constantin Constantinescu

  • VI. Armeekorps (Generalleutnant Corneliu Dragalina) mit 1., 4., 2. und 18. Infanterie-Division
  • VII. Armeekorps mit 5. und 8. Kavallerie-Division

ÜberraschungsmomentBearbeiten

Für die sowjetische Führung waren das Überraschungsmoment und die gründliche Vorbereitung entscheidend für den Erfolg.[8] Die sowjetischen Vorbereitungen für die Offensive, die im offenen Steppengelände erfolgen mussten, wurden zwar von der deutschen Seite erkannt, aber das Ausmaß wurde unterschätzt.[9] Für Generalstabschef Franz Halder war die Sowjetunion „zu sehr geschwächt, um uns etwa so wie im letzten Winter gefährlich werden zu können“.[10] Der Stabschef der 6. Armee Arthur Schmidt schrieb in einem Brief:

„Ganz überraschend kam uns die Lage nicht, wenn auch plötzlicher, als wir dachten [...] Wir haben alle die Gefahr nicht in ihrer Größe erkannt, uns überschätzt und den Russen wiedermal unterschätzt“[11]

Ein Fernschreiben der Heeresgruppe B vom 27. November 1942 an die Heeresgruppe Don konstatierte der Roten Armee bei diesem Angriff: „Gute Tarnung aller Einzelheiten des Aufmarsches, insbesondere der Panzerverbände“, „Weitgehende gelungene Funkstille der Angriffsverbände“, „Fast nur nächtliche Marschbewegungen“, „unauffällige Stosstrupptaetigkeit“.[12] Die Masse der sowjetischen Panzerbrigaden konnte nicht aufgeklärt werden.[13]

Die Abteilung Fremde Heere meldete erstmals am 7. November Angriffsvorbereitungen im Brückenkopf Kletskaja und möglicherweise im Raum südlich der Choper-Mündung.[14] Ebenfalls am 7. November meldete der deutsche Verbindungsstab bei der 3. rumänischen Armee: „Erwarten 8.11. stärkeren Feindangriff mit Panzern Kletskaja - Raspopinskaja.“[15] Paulus meinte aber wegen der „paar Panzer bei Kletskaja“ solle man sich nicht beunruhigen.[16] Am 9. November wurde die Lage als ernster erachtet, und beschlossen das XXXXVIII. Panzerkorps heranzuführen, Der Ia Oberst i. G. Winter meinte damit seien alle Vorsichtsmaßregeln getroffen worden.[17] Am 12. November wurde beschlossen dem aus 2 Panzerdivisionen bestehenden XXXXVIII. Panzerkorps die 14. Panzerdivision zuzuführen.[18] Der Chef der im Raum Stalingrad operierenden Fliegerkräfte Wolfram von Richthofen notierte am 16. November 1942 in seinem Tagebuch:

„Die gedankliche Schwäche unserer derzeitigen Führung ergibt sich aus der Tatsache, daß wir mit 3 PD in Erwartung eines russischen Angriffs herumstehen, statt wie bisher selbstverständlich mit starken Kräftegruppen vorzubrechen und die Russen zu zerschlagen.“[19]

Am 12. Dezember 1942 unterhielten sich Hitler und der neue Generalstabschef Kurt Zeitzler darüber, dass in den ersten 24 Stunden keine Gegenmaßnahmen eingeleitet wurden, weil man den Angriff für einen der tagelang vorhergehenden „Kleckerangriffe“ hielt. Zeitzler äußerte: „Das hat die Russe von sich aus sehr geschickt gemacht, daß er ruhig so anfängt, einen in Sicherheit wiegt, daß man sagt, es sind nur kleine Sachen und auf einmal geht in diesem Raum eine große Sache los.“[20] Nach dem Krieg behauptete Zeitzler hingegen er habe unmittelbar von dem Artillerieschlag, der die Offensive einleitete, erfahren und gewusst dies sei die Offensive vor der seit langem Hitler gewarnt habe und er habe sofort mit Hitler telefoniert und ihm die Entscheidung das 48. Panzerkorps zum Gegenangriff einzusetzen, abgerungen.[21]

Der AngriffBearbeiten

Offensive der SüdwestfrontBearbeiten

Am 19. November 1942 um 07:30 Uhr (Moskauer Zeit) begann der Angriff der Südwestfront im Norden von Stalingrad mit einem 80-minütigen Artillerieschlag aus 3500 Rohren (70 Rohre pro Kilometer) auf die Stellungen der rumänischen 3. Armee (General Petre Dumitrescu). Um 08:50 Uhr trat aus dem Brückenkopf von Serafimowitsch die 5. Panzerarmee (General Romanenko) und aus dem Brückenkopf von Kletskaja die 21. Armee (General Tschistjakow) zum Durchbruch nach Süden an. Gegen Mittag brach der Widerstand des rumänischen II. und IV. Korps zusammen. Die 293. und 76. Schützen-Division konnten die gegnerische Linien auf 9 km Breite und einer Tiefe von 5 bis 7 km durchbrechen. Nach diesen Erfolg führte General Tschistjakow das in Reserve stehende 4. Panzerkorps (General Krawtschenko) und 3. Garde-Kavalleriekorps (Plijew) ein, um den Erfolg der ersten Staffel auszubauen. In der Mitte wurde das V. Korps durch die 293. und die 76. Schützen-Division im Raum der Dörfer Baschowski, Belonemuhin und Raspopinskaja vollständig eingekesselt. Die rumänischen Einheiten im Durchbruchs-Abschnitt wurden zerschlagen, lösten sich auf oder flüchteten in Panik. Um 9:45 Uhr (deutscher Zeit) entschloss sich General Ferdinand Heim ohne den Befehl der Heeresgruppe abzuwarten, zum Einsatz des in Reserve stehenden XXXXVIII. Panzerkorps nach Nordosten gegen die aus dem Raum Kletskaja angreifende Don Front. Um 11:50 Uhr erfolgte jedoch der Befehl der Heeresgruppe das Panzerkorps nach Nordwesten anzusetzen gegen die Südwestfront, die den Hauptschlag führte.[22] Zur Strategie der Roten Armee gehört es, zahlreiche gleichzeitige Angriffe auf breiter Front zu führen um die Richtung des Hauptschlages zu verschleiern.[23] Die 22. Panzerdivision versuchte am Kurtljak-Abschnitt den sowjetischen Vorstoß entgegenzutreten, wurde aber durch das sowjetische 1. und 26. Panzerkorps (General Rodin) bei Tschernyschewskaja über den Tschir zurückgedrängt.

Am Abend des Tages klaffte in der Mitte der rumänischen 3. Armee eine 70 km breite Lücke, der Rest war eingekesselt. Eingeschlossen waren die rumänische 1. Panzerdivision, die 5., 6. und 15. Infanterie-Division sowie große Teile der 13. und 14. Infanterie-Division. Der Kommandeur der 6. Infanteriedivision, Generalmajor Mihai Lascăr übernahm im Kessel das Oberkommando der "Gruppe Lascăr" (etwa 40.000 Mann). Die rumänische 1. Kavallerie-Division wurde durch das sowjetische 3. Garde-Kavallerie-Korps nach Osten gegen das deutsche XI. Armeekorps abgedrängt, das sich seinerseits durch starke Angriffe der sowjetischen 65. Armee mit der 44. und 384. Infanteriedivision nach Akimowski zurückkämpfen musste, wo das VIII. Armeekorps bis 20. November einen Brückenkopf offen hielt. Schlechtes Wetter machte den Einsatz der Luftwaffe auf beiden Seiten unmöglich.

Noch am 21. November versuchte die deutsche 22. Panzerdivision in Richtung Perelasowski vorzustoßen, um die Verbindung mit der rumänischen 1. Panzerdivision herzustellen und die "Gruppe Lascār" zu entsetzen, scheiterte jedoch und musste sich am nächsten Tag zum Tschir zurückkämpfen. Die rumänische 1. Panzerdivision (Generalmajor Radu) versuchte ihrerseits vergeblich über Bolschoje Donschynka auszubrechen, aber dieses Dorf befand sich bereits fest in sowjetischer Hand.

Am Nachmittag des 21. November musste das Armeeoberkommando der 6. Armee seinen Gefechtsstand vor dem heranrollenden sowjetischen 4. Panzerkorps räumen. Bei der Verlegung begegneten dem Stab deutsche und rumänische Soldaten in wilder Flucht, der 1. Ordonnanzoffizier des Stabes der 6. Armee Wilhelm Adam beschrieb dies mit den Worten:

„Von Angst vor den sowjetischen Panzern gepeitscht, jagten LKW, Befehlswagen, PKW, Kräder, Reiter und pferdebespannte Fahrzeuge nach Westen, prallten aufeinander, fuhren sich fest, stürzten um, versperrten den Weg. Zwischendurch stießen, drückten, schoben, wälzten sich Fußgänger. Wer stolperte und zu Boden fiel, kam nicht wieder auf die Beine. Er wurde zertreten, überfahren, platt gewalzt.“[24]

Am 22. November übermittelte die eingekreiste rumänische "Gruppe Lascār", deren weiterer Widerstand um jeden Preis angeordnet worden war, ihre letzte Botschaft. Nur ein Bataillon vom 15. Infanterie-Regiment (6. Infanteriedivision) gelang es vollständig zum Fluss Tschir zu entkommen. Diesem Bataillon unter Major Gheorghe Rasconescu war es am 26. November zudem gelungen, die sowjetische 8. Kavalleriedivision daran zu hindern, den wichtigen Flugplatz von Obliwskaja zu besetzen.

Offensive der Stalingrader FrontBearbeiten

Am 20. November um 09:30 Uhr begann der Angriff im Süden Stalingrads durch die 57. Armee (General Tolbuchin) der Stalingrader Front (Jeremenko). Das sowjetische 13. Panzerkorps (Generalmajor Tanaschishin) durchbrach bei Krasnoarmeisk den nördlichen Flügel der rumänischen 4. Armee. Die rumänische 20. Division unter General Tataranu wurde dabei nordwärts zum deutschen IV. Armeekorps nach Beketowka abgedrängt und später mit der 6. Armee eingekesselt. Der zweite Angriffskeil, das 4. mechanisierte Korps (Generalmajor Wolski) der 51. Armee (General Trufanow) durchbrach die Front des rumänischen VI. Korps (Generalleutnant Dragalina) bei der Bahnstation Tundutowo und konnte auch von der deutschen 29. mot. Infanteriedivision nicht gestoppt werden. Am südlichen Flügel des Angriffskeiles brach die 61. und 81. Kavallerie-Division des 4. Kavalleriekorps unter Generalleutnant T. T. Schapkin durch die Stellungen des rumänischen VII. Korps (General Mitrănescu) südlich der Eisenbahnlinie von Krasnoarmeisk über Abganerowo zum Aksai-Abschnitt in Richtung auf Kotelnikowo durch.

Erst am Nachmittag des 20. November erkannte Generaloberst Paulus die Absicht des Gegners, die 6. Armee vollständig einzukesseln. Er löste das Generalkommando XIV aus der nördlichen Front von Stalingrad heraus, um mit der 3. (mot.) Infanteriedivision den bedrohten Rückzugsweg bei Kalatsch am Don offen zu halten. General Hube übernahm in Golubinskaja die Verteidigung der Don-Übergänge und erhielt Teile der 14. und 16. Panzerdivision als Verstärkung.

Bereits am 23. November um 16 Uhr vereinigten sich die Stoßkeile des 4. Panzerkorps unter Krawtschenko von der Südwestfront mit dem 4. mechanisierten Korps der Stalingrader Front an der Bahnstation Sowjetski bei Kalatsch und schnitten östlich davon die deutschen Truppen zwischen Don und Wolga ab. Im Kessel von Stalingrad befanden sich neben der deutschen 6. Armee, Teile der 4. Panzerarmee sowie rumänische Einheiten mit insgesamt 22 Divisionen und 330.000 Soldaten.

FolgenBearbeiten

 
Geländegewinne der Roten Armee vom November 1942 bis März 1943. Gelbe Abschnitte zeigen die Erfolge der Operationen Uranus und Kolzo.

Unter der Führung des Generalfeldmarschall Erich von Manstein etablierte sich am 26. November 1942 in Nowotscherkask das Hauptquartier der neuen Heeresgruppe Don, welche auf Anweisung Hitlers vom Südwesten her, über Kotelnikowo den Versuch zum Entsatz der 6. Armee führen sollte. Wenige Tage zuvor hatte sich Manstein mit Generalfeldmarschall von Weichs im Hauptquartier der Heeresgruppe B in Starobelsk in die schwierige Lage der 6. Armee einweisen lassen. Neben der eingeschlossenen 6. Armee wurden der Heeresgruppe Don die 4. Panzerarmee, einschließlich der ihr unterstellten Reste der rumänischen 4. Armee zugewiesen. Dazu kamen die Kampfgruppen und Alarmeinheiten des XVII. Armeekorps am Tschir-Abschnitt, sowie die Reste der rumänischen 3. Armee. Nachdem die über Morowskaja zugeführte 7. Luftwaffen-Felddivision bei Nischne Tschirskaja bei sowjetischen Angriffen völlig zerschlagen wurde, übernahm die neu gebildete Armeeabteilung Hollidt die Verteidigung am Tschir.

In den Tagen nach dem Zusammentreffen des nördlichen und südlichen Zangenflügels wurde der Korridor, der die eingeschlossenen Verbände von der eigenen Front trennte, auf bis zu 150 Kilometer verbreitert. Rund 60 sowjetische Divisionen bildeten einen Einschließungsring, der auch durch das deutsche Unternehmen Wintergewitter im Dezember nicht durchbrochen werden konnte. Die von Luftwaffenchef Hermann Göring zugesagte Luftversorgung des Kessels mit 500 Tonnen pro Tag wurde zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd erreicht und die Lage der eingeschlossenen Truppen folglich von Tag zu Tag aussichtsloser. Am 31. Januar bzw. 2. Februar 1943 kapitulierten die deutschen Verbände in Stalingrad. 110.000 Soldaten der Wehrmacht und verbündeter Truppen kamen in Kriegsgefangenschaft.

Die Operation Uranus war der erste Erfolg einer großangelegten sowjetischen Umfassungs-Operation während des Krieges. Sie und die nachfolgende Niederlage und Kapitulation der in Stalingrad eingeschlossenen Verbände zerstörten den Mythos der Unbesiegbarkeit der deutschen Wehrmacht, den sie sich durch ihre Erfolge vom Kriegsbeginn an bis in die Anfangsphase des Kriegs gegen die Sowjetunion erworben hatte. Der Sieg der Roten Armee führte zu einem großen Schub für das Selbstbewusstsein der sowjetischen Truppen und Führung. Dieser Sieg gründete sich auf die Identifizierung der deutschen Schwachpunkte, hauptsächlich die schwächere Kampfkraft der mit Deutschland verbündeten Armeen und das unbedingte Festhalten Hitlers an der unter schweren Verlusten eroberten Stadt Stalingrad.

Der Verlust an Menschen und Material während der ganzen Schlacht von Stalingrad waren für das Deutsche Reich schwerer zu verkraften als für die Sowjetunion, die trotz erheblicher Verluste nach und nach den deutschen Truppen das Heft des Handelns aus der Hand nahm und immer häufiger in die Offensive ging.

SonstigesBearbeiten

Der Tag des Beginns der Gegenoffensive, der 19. November wurde am 21. Oktober 1944 zum Tag der Artillerie ernannt.

LiteraturBearbeiten

  • Manfred Kehrig: Stalingrad. Analyse und Dokumentation einer Schlacht. Stuttgart 1974.
  • David Jordan, Andrew Wiest: Atlas des Zweiten Weltkriegs. Vom Polenfeldzug bis zur Schlacht um Berlin. Tosa, Wien 2005, ISBN 3-85492-972-2.
  • Verlagsgruppe Weltbild (Hrsg.): Faksimile Edition Zweiter Weltkrieg – Stalingrad – Rußland IV.
  • Reader’s Digest (Hrsg.): Der Zweite Weltkrieg. Band 2: Von Pearl Harbor bis Stalingrad.
  • Autorenkollektiv unter Leitung von Wolfgang Schumann: Deutschland im zweiten Weltkrieg. Band 3. Berlin 1982.
  • David M. Glantz, Jonathan House: When Titans Clashed. How the Red Army Stopped Hitler. University Press of Kansas, 1995, ISBN 0-7006-0899-0.
  • Walter Kerr: Das Geheimnis Stalingrad– Hintergründe einer Entscheidungsschlacht, Econ-Verlag 1977

WeblinksBearbeiten

  Commons: Operation Uranus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Richard Overy: Russlands Krieg 1941–1945. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2003, S. 277.
  2. J.P. Petrow (Vors.): Geschichte des grossen Vaterländischen Krieges der Sowjetunion. Berlin 1964, S. 25.
  3. A.N. Lagowski: Strategie und Ökonomie. Berlin 1959, S. 63.
  4. Grigori Fedotowitsch Kriwoschejew: Grif Sekretnost sniat. Moskau 1993.
  5. G. F. Kriwoschejew, Grif sekretnosti snjat. Poteri Vooružennych Sil SSSR v vojnach, boevych dejstvijach i voennych konfliktach. Statističeskoe issledovanie. Voenno Izdat, Moskau 1993, ISBN 5-203-01400-0;
    Rokossowski, Welikaja pobeda na Wolga. Moskau 1965.
  6. Grigori Fedotowitsch Kriwoschejew: Grif Sekretnost sniat. Moskau 1993.
  7. Kehrig, S. 662 ff.
  8. Anatolij G. Chor'kov: Die sowjetische Gegenoffensive bei Stalingrad. In: Jürgen Förster: Stalingrad. Ereignis - Wirkung - Symbol. München 1992, S. 56.
  9. Kehrig, S. 118.
  10. Äußerung gegenüber Ernst von Weizsäcker (Notiz vom 30. September 1942). Leonidas E. Hill: Die Weizsäcker-Papiere 1933–1950. Frankfurt am Main, S. 303. Zit. n. MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 1990, Band 6, S. 1014 f.
  11. Brief an Nicolaus von Below vom 1. Dezember 1942. Als Faksimile gedruckt in: Schumann: Deutschland im zweiten Weltkrieg. Bd. 3, S. 30 f.
  12. Als Faksimile gedruckt in: Schumann: Deutschland im zweiten Weltkrieg. Bd. 3, S. 28.
  13. Kehrig, S. 111.
  14. Kehrig, S. 102.
  15. Kehrig, S. 102 f.
  16. Kehrig. S. 103.
  17. Kehrig, S. 105.
  18. Kehrig, S. 109.
  19. Zit. n. Kehrig, S. 110.
  20. Helmut Heiber: Hitlers Lagebesprechungen: Die Protokollfragmente seiner militärischen Konferenzen 1942 - 1945. Stuttgart 1962, S. 101.
  21. Kurt Zeitzler: Stalingrad. In: William Richardson, Seymor Freidlin: The Fatal Decisions. Barnsley 2012, S. 128.
  22. Kehrig, S. 132 f.
  23. Raymond L. Garthoff: Die Sowjetarmee. Wesen und Lehre. Köln 1955, S. 128.
  24. Zit. n. Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, S. 1021 f.