Ohrenbach (Weilbach)

zum größeren Teil zum Markt Weilbach gehörender Weiler im unterfränkischen Landkreis Miltenberg

Ohrenbach,[1] Schreibweise historisch teilweise auch Ohrnbach,[1] ist ein zum größeren Teil zum Markt Weilbach gehörender Weiler im unterfränkischen Landkreis Miltenberg.

Markt Weilbach
Koordinaten: 49° 42′ 1″ N, 9° 7′ 40″ O
Höhe: 239 m ü. NHN
Eingemeindung: 1892
Eingemeindet nach: Weckbach
Postleitzahl: 63937
Vorwahl: 09373
Ausschnitt aus der Haas´schen Karte von etwa 1800 mit Ohrenbach

GeographieBearbeiten

Ohrenbach liegt im Odenwald im Tal des namensgebenden Ohrenbaches an der Kreisstraße MIL 6, zwischen Vielbrunn und Wiesenthal, direkt an der Grenze zum Odenwaldkreis (Hessen). Ein kleiner Teil des Weilers liegt auf hessischer Seite und gehört zu Michelstadt. Nordöstlich von Ohrenbach befindet sich der Ort Rüdenau.[2] Der Ort liegt fast am Ende des Tales, das sich danach steil zum Odenwaldhöhenzug nach Vielbrunn und Bremhof schließt.

GeschichteBearbeiten

Ursprünglich war Ohrenbach ein selbstständiges Dorf mit mehreren, heute zum Großteil nicht mehr bestehenden Höfen. Es wurde im Jahr 1266 als „Arenbach“ erstmals erwähnt.

Für 1724 wird ein Lehrer genannt. Der Unterricht fand in Bauernhäusern statt, 1857 befand sich das Schulhaus bei der 1776 errichteten und 1895 wieder abgebrochenen Kapelle, 1873 in einem anderen Bauernhaus, heute „Prinzenhaus“ genannt. Die Schule wurde 1882 aufgelöst. Nur von 1947 bis 1950 gab es nochmals kurz eine provisorische Schule im Försterhaus.

Ohrenbach hatte im Jahre 1803 152 Einwohner. Im Jahr 1831 war Ohrenbach ein Kirchdorf der katholischen Pfarrei Weilbach im Herrschaftsgericht Amorbach. Der Ort hatte 200 Einwohner in 17 Häusern und eine Mahl- und eine Schleifmühle. Er war Nebenzollstation zum Großherzogtum Hessen. Wegen der Eingemeindung von Wiesenthal im Jahr 1840 war der Gemeindename bis zur Umbenennung im Jahr 1870 Ohrenbach-Wiesenthal.[3] 1848 wird Ohrenbach als ein Kirchdorf in der Pfarrei Weilbach auf dem Gebiet des Herrschaftsgerichts Amorbach mit 19 Häusern und 217 Einwohnern, einer Mühle und Weihern erwähnt, das einen dreitägigen Jahrmarkt auf freiem Felde abhielt. Im Jahr 1861 hatte die Gemeinde Ohrenbach-Wiesenthal im Bezirksamt Miltenberg die vier Orte Berghof, Mangelhof, Ohrenbach und Wiesenthal.[4] Zwischen 1840 und 1885 sank die Einwohnerzahl von 232 auf 45.[5] 1892 wurde die Gemeinde Ohrenbach nach Weckbach eingemeindet,[6] das Gemeindeeigentum fiel an den Fürsten zu Leiningen. 1950 waren im Weiler nur noch vier Wohngebäude mit 30 Einwohnern.[7] Die Gemeinde Weckbach mit ihrem Gemeindeteil Ohrenbach[8] wurde 1977 nach Weilbach eingemeindet.

1997 wurde am Standort der ehemaligen Kapelle ein Denkmal errichtet. Heute befindet sich oberhalb des ehemaligen Ortes ein Golfplatz.[9] Vom unterhalb desselben gelegenen Gasthof[10] sind mehrere Rundwanderwege ausgezeichnet. Einer davon führt an einem vermutlich römischen Bauwerk, der Ohrenbacher Schanze, vorbei, von der nicht klar ist, in welcher Stellung es zum Odenwaldlimes oder zum später vorverlegten „nassen Limes“ am Main – dem Obergermanisch-Raetischen Limes – steht.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1831[11] 1840 1848 1852 1855 1861[4] 1867 1871[12] 1875[13] 1885[14] 1900[15] 1925[16] 1950[17] 1961[18] 1970[19] 1987[20]
Einwohner Gemeinde[5] 232 217 189 171 178 170 165 140 045
Einwohner Kirchdorf 200 161 122 101 28 12 24 30 31 8 17
Wohngebäude Dorf 17 19 13 4 4 4 4 4

WeblinksBearbeiten

Commons: Ohrnbach (Weilbach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Es finden sich seriöse Nachweise für beide Schreibvarianten des Ortsnamens.
    Ohrnbach: Ohrenbach:
    • BayernAtlas der Bayerischen Staatsregierung (Hinweise)
    • Ohrenbach auf bayerische-landesbibliothek-online.de
    • Uraufnahme (1808–1864)
    • Das Königreich Bayern (1830)
    • Bayerns acht Kreise - Untermainkreis (1836)
    • Topographischer Atlas vom Königreiche Baiern diesseits des Rheins, Blatt 25: Miltenberg (1850)
    • Das Königreich Bayern (1850)
    • Special- und Administrativ-Karte vom Königreiche Bayern (1860)
    • Karte des Königreiches Bayern (1860)
    • Königreich Bayern (1872)
    • Special-Karte vom Königreich Bayern (1874)
    • Specialkarte des Kreises Unterfranken und Aschaffenburg (1880)
    • Karte des Landgerichts Aschaffenburg (1885)
    • Specialkarte des Königreiches Bayern (1888)
    • Südwestdeutschland bis zu den Alpen (1903)
  2. BayernAtlas der Bayerischen Staatsregierung (Hinweise)
  3. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 210–211, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat – Landkreis Miltenberg; Fußnote 4).
  4. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1202, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  5. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 210, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  6. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 210–211, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat – Landkreis Miltenberg; Fußnote 5).
  7. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1230 (Digitalisat).
  8. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 191 (Digitalisat).
  9. Golfclub Geierstal e.V.
  10. Gasthof Ohrnbachtal
  11. Joseph Anton Eisenmann, Karl Friedrich Hohn: Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern. Zweiter Band, M–Z. Erlangen 1832, S. 237 (Digitalisat).
  12. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1354–1355, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  13. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 3. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1875), S. 115, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  14. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1289 (Digitalisat).
  15. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1372 (Digitalisat).
  16. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1406 (Digitalisat).
  17. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1230 (Digitalisat).
  18. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 896 (Digitalisat).
  19. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 191 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 373 (Digitalisat).