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Offshore-Windpark Butendiek

deutscher Offshore-Windpark in der Nordsee

Butendiek (plattdeutsch: „außendeichs“, auf der Seeseite des Deichs) ist ein Offshore-Windpark in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee, ca. 35 km vor der Westküste des nördlichen Schleswig-Holsteins. Der Bau des Windparks mit 80 Windenergieanlagen (WEA) des Typs Siemens SWT-3.6-120 mit jeweils 3,6 MW Nennleistung begann im Frühjahr 2014 westlich der Insel Sylt.[1] Am 11. Juni 2015 wurde die 80. Windenergieanlage errichtet. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als die Hälfte alle Anlagen in Betrieb genommen. Die vollständige Inbetriebnahme fand im August 2015 statt.[2]

Windpark Butendiek
Butendiek von Sylt aus gesehen
Butendiek von Sylt aus gesehen
Lage
Offshore-Windpark Butendiek (Deutschland)
Offshore-Windpark Butendiek
Koordinaten 54° 54′ 0″ N, 7° 45′ 0″ OKoordinaten: 54° 54′ 0″ N, 7° 45′ 0″ O
Land Deutschland
Gewässer Nordsee
Daten
Typ Offshore-Windpark
Primärenergie Windenergie
Leistung 288 Megawatt
Eigentümer WPD Nordsee Offshore GmbH, Bremen
Betriebsaufnahme 2015
Gründung Monopile
Turbine 80 × Siemens SWT-3.6-120

GeschichteBearbeiten

Bereits am 18. Dezember 2002 wurde Butendiek als zweiter deutscher Offshore-Windpark, nach alpha ventus im Jahr zuvor, vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) genehmigt. Damals umfasste die Planung 80 WEA mit je 3 MW = 240 MW und ca. 400 Mio. Euro Gesamtinvestition.

Die Bürgerwindpark Butendiek GmbH OSB ging 2007 eine von ihr so bezeichnete „strategische Partnerschaft“ mit dem irischen Unternehmen Airtricity ein.[3] Im Jahr 2008 übernahm die Scottish and Southern Energy (SSE) Airtricity. Im April 2009 erhöhte die britische Regierung die Vergütung des Offshore-Stroms, indem zwei statt wie bislang ein Zertifikat pro erzeugter Megawattstunde erteilt wurde. Ein Zertifikat entspricht etwa 3 Cent pro kWh. Da dies eine interessantere Alternative für den Betreiber SSE für Windparks in Großbritannien darbot, zog sich SSE aus dem Projekt zurück.

Durch diesen Umstand verzögerte sich der Baubeginn erheblich. Ziel der Projektgesellschaft Butendiek Offshore Windpark GmbH & Co. KG mit Sitz in Husum war es ursprünglich, bis 2012 den Windpark fertigzustellen.

Aufgrund von Finanzierungsproblemen hat die Bürgerwindparkgesellschaft OSB Offshore-Bürger-Windpark Butendiek GmbH & Co. KG entschieden, das Projekt an die Bremer Gesellschaft WPD zu veräußern. WPD plante den Baubeginn für den Windpark für 2013.[4][5] Die Investitionssumme liegt bei 1,3 Mrd. Euro.[6]

Im Februar 2013 wurde die Gesamtfinanzierung abgeschlossen. Die Fertigung der Komponenten sollte 2013 starten. Siemens Energy wurde der Auftrag über die Lieferung von 80 Windenergieanlagen vom Typ SWT-3.6-120 (Nennleistung 3,6 MW) mit Fernüberwachung erteilt.[7] Die Fundamente lieferte die niederländische Firma Ballast Nedam.

 
Lage Butendieks mit den anderen Windparks in der Deutschen Bucht und deren Stromanbindung

Landanbindung über die HGÜ SylWin 1Bearbeiten

Die Weiterleitung des gewonnenen Stromes zum Land geschieht über die Gleichstrom-Kabelverbindung (HGÜ SylWin 1). Von der Umspannplattform des Windparks geht ein Drehstrom-Seekabel in westlicher Richtung zur Konverter-Plattform „SylWin alpha“ beim benachbarten OWP „DanTysk“. Hier erfolgt die Umwandlung in Gleichstrom und die Weiterleitung zum deutschen Verbundnetz über die HGÜ SylWin 1. Diese Kabel verlaufen im südöstlichen Bereich parallel zur HGÜ HelWin bis zur Stromrichterstation in Büttel. Der Bau und Betrieb dieser Anbindung liegt in der Verantwortung der Tennet Offshore GmbH.

BauverlaufBearbeiten

Damit der Bau im vorgesehenen Baufeld beginnen konnte, wurde zum 1. März 2014 eine Sicherheitszone mit 500 m Abstand um die vorgesehenen Standorte der äußeren Windenergieanlagen eingerichtet.[8][9] Die Monopile-Fundamente wurden bis zum Spätsommer 2014 eingebracht. 40 der Zwischenstücke zwischen Fundament und Windenergieanlage (Transition Pieces) wurden in Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) zusammengebaut und ab Juni 2014 von dort auf dem Wasserweg durch den Nord-Ostsee-Kanal zum dänischen Esbjerg geschleppt, das als Montage- und Ausrüstungshafen dient.[10] Bereits ab Herbst 2014 wurden die bis dahin aufgebauten Windenergieanlagen sukzessive in Betrieb genommen, die Fertigstellung des Windparks erfolgte im Sommer 2015.

Die in Antwerpen angefertigte Umspannplattform wurde im Sommer 2014 vom Schwimmkran Rambiz auf das zuvor errichtete Jacket-Fundament gestellt. Das in Italien von Prysmian Cables and Systems hergestellte Seekabel, das zur Stromabführung zum Land die Umspannplattform mit der Konverterplattform „SylWin alpha“ beim OWP „DanTysk“ verbinden sollte, versank im Juli 2014 beim Kentern einer Barge auf der Fahrt von Neapel zur Nordsee im Mittelmeer.[11]

Anfang Februar 2015 waren 24 der 80 Windenergieanlagen in Betrieb.[6] Am 11. Juni 2015 wurde die 80. WEA installiert.

KritikBearbeiten

Die Windkraftanlagen befinden sich im Vogelschutzgebiet Östliche Deutsche Bucht sowie im FFH-Gebiet Sylter Außenriff. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fürchtet negative Auswirkungen auf die Meeresumwelt und die dort lebenden Schweinswale, Seehunde und Kegelrobben. Gegen die Genehmigung der Windkraftanlagen auf Grundlage der Seeanlagenverordnung legte der NABU Klage ein. Die Klage wurde als unzulässig aufgrund fehlender Klagebefugnis abgewiesen.[12] Dieses Urteil wurde rechtskräftig.[13]

Die Klage der Gemeinde Sylt, die negative Auswirkungen auf den Tourismus und Verschmutzungen befürchtet, blieb erfolglos.[14] Auch die Klage von Betrieben der Hochseefischerei, die negative Auswirkungen auf den Schiffsverkehr befürchten, blieb ohne Erfolg.[15]

In einem anderen Verfahren begehrt der NABU vom BSH auf Grundlage des Umweltschadensgesetzes die Anordnung von Gefahrenabwehrmaßnahmen. Diese Klage hatte ebenfalls keinen Erfolg.[16] Die gegen das Urteil eingelegte Berufung wies das Hamburgische OVG zurück.[17]

Darüber hinaus begehrt der NABU in einem weiteren Verfahren vom Bundesamt für Naturschutz die Anordnung von Sanierungsmaßnahmen nach dem Umweltschadensgesetz mit der Begründung, dass durch die Windkraftanlagen ein nicht mehr umkehrbarer relevanter Lebensraumverlust für die Vogelarten Sterntaucher und Prachttaucher drohe. Die Klage wurde als unbegründet abgewiesen.[18]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Daten und Fakten im Internetauftritt des Projekts (butendiek.de)
  2. Offshore-Windpark Butendiek komplett in Betrieb. In: Focus, 4. August 2015, abgerufen am 4. August 2015
  3. Newsletter 1/2007 auf butendiek.de
  4. butendiek.de (Memento vom 26. Oktober 2012 im Internet Archive)
  5. wpd.de (Memento des Originals vom 21. Oktober 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wpd.de
  6. a b wpd offshore: Butendiek speist ersten Windstrom ein. In: IWR, 5. Februar 2015, abgerufen am 12. Februar 2015
  7. Siemens liefert 80 Anlagen für Windpark Butendiek. In: Hansa. Heft 4/2013, Sonderteil Wind & Maritim, S. 17
  8. NfS 08/14 vom 21. Februar 2014, Teil 4, Mitteilungen, S. 4.2
  9. Deckblatt vom 14. Februar 2014 zur Seekarte 103 (Memento des Originals vom 21. Januar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bsh.de
  10. Frank Binder, Peter Kleinort: SFK hilft bei Offshore-Überführungen. In: Täglicher Hafenbericht vom 11. Juni 2014, S. 1
  11. Barge sinkt vor Sardinien. In: Täglicher Hafenbericht vom 10. Juli 2014, S. 4
  12. VG Hamburg, Urteil vom 1. Dezember 2003, 19 K 2474/2003
  13. OVG Hamburg, Beschluss vom 3. Dezember 2004, 1 Bf 113/04
  14. BVerfG, Beschluss vom 12. November 2009, 2 BvR 2034/04
  15. BVerfG, Beschluss vom 26. April 2010, 2 BvR 2179/04
  16. VG Hamburg, Urteil vom 18. September 2015, 7 K 2983/14
  17. OVG Hamburg: Urteil vom 08.04.2019. 1 Bf 200/15.
  18. VG Köln, Urteil vom 29. November 2016, 2 K 6873/15