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Offdilln ist ein Stadtteil von Haiger im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.

Offdilln
Stadt Haiger
Wappen von Offdilln
Koordinaten: 50° 49′ 35″ N, 8° 13′ 49″ O
Höhe: 389 (387–577) m
Fläche: 10,91 km²[1]
Einwohner: 657 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 35708
Vorwahl: 02774

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Der Ort liegt rund elf Kilometer nördlich von Haiger an der Quelle des Flusses Dill, der später in die Lahn mündet.

GeschichteBearbeiten

Offdilln wurde erstmals in einem Dokument vom 16. August 1355 urkundlich erwähnt. Der Name Offdilln leitet sich ab von off der Dill – das oberste Dorf an der Dill. Den Ursprung des Ortes stellt eine Köhlersiedlung dar. Später wurde hier vor allem Land- und Haubergswirtschaft betrieben.

Im Jahr 1820 wurde die alte Schule errichtet. Nach längerem Beanstanden dieser wurde 1950/52 eine neue gebaut. Die Schule aus 1952 ging in den 1980er Jahren in den Besitz der Evang. Kirchengemeinde über und wird seit dem als Gemeindehaus genutzt. 1925 wurden die ersten Wasserleitungen verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nach und nach alle Straßen saniert, mit einer Kanalisation und Wasserleitungen versehen und mit einer Asphaltdecke verschlossen. 1989 wurde der Friedhof erweitert und mit einer Friedhofshalle versehen.

2005 feierte das Dorf Offdilln seine 650-Jahr-Feier. Zu diesem Anlass wurden alte Traditionen wie Kohlenmeiler und historische Haubergswirtschaft wieder zum Leben erweckt, um so den nachfolgenden Generationen einen Eindruck des früheren Lebens auf dem Dorf zu geben.

GebietsreformBearbeiten

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Offdilln am 1. Januar 1977 durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen in die Stadt Haiger eingemeindet.[3] Ein Ortsbezirk wurde für Offdilln nicht errichtet.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Offdilln lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[4][5][6]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Offdilln: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2017
Jahr  Einwohner
1834
  
400
1840
  
442
1846
  
396
1852
  
402
1858
  
390
1864
  
386
1871
  
327
1875
  
339
1885
  
372
1895
  
366
1905
  
369
1910
  
356
1925
  
432
1939
  
460
1946
  
552
1950
  
585
1956
  
573
1961
  
597
1967
  
675
1970
  
709
1985
  
?
2005
  
781
2017
  
657
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [4][7]; nach 1970: Stadt Haiger

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[4]

• 1885: 371 evangelische (= 99,73 %), ein katholischer (= 0,27 %) Einwohner
• 1961: 549 evangelische (= 91,96 %) und 43 katholische (= 7,20 %) Einwohner
• 2005: 539 evangelische (= 69,01 %), 55 katholische (= 7,04 %) und 221 sonstige (= 28,30 %) Einwohner[7]

Ehemalige BergwerkeBearbeiten

Siehe Liste von Bergwerken in Haiger

Wappen und FlaggeBearbeiten

Das Wappen und die Flagge wurden am 25. Juni 1955 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.[8]

Blasonierung: „In Gold ein schräglinker blauer Wellenfluß, beseitet von einer blauen Hippe und einem blauen Lohschäler mit schwarzem Griff.“

Flaggenbeschreibung: „In einer blauen von zwei goldenen Streifen eingefaßten breiten Mittelbahn der goldene Schild mit blauem Querfluß, beseitet von blauer Hippe und blauem Lohschäler mit schwarzem Griffen.“

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

In Offdilln wird jährlich Hauberg gemacht. Wie auch in den anderen Dörfern des Oberen Dilltals und des Roßbachtals gibt es eine Haubergsgenossenschaft. Die rechtliche Grundlage der Haubergsarbeit geht auf die „Haubergordnung für den Dillkreis und den Oberwesterwaldkreis“ vom 4. Juni 1887 zurück. Darin heißt es: „Hauberge im Sinne dieses Gesetzes sind die Grundstücke in den Gemarkungen Dillbrecht, Fellerdilln, Ober- und Niederroßbach, Bergebersbach, Eibelshausen, Mandeln, Offdilln, Rittershausen, Steinbrücken, Straßebersbach, Weidelbach und Korb, welche gegenwärtig zu Haubergsverbänden gehören.“[9]

OrtsbildBearbeiten

Heute verfügt der Ort noch über viel alte Bausubstanz, die zum Teil aufwändig restauriert wurde. Jedoch hat ein Brand in der Mitte des 19. Jahrhunderts einiges der historischen Bausubstanz vernichtet. Daraus ist die heutige „Neue Straße“ entstanden.

Neben zwei noch erhaltenen Schmieden besitzt der Ort eine evangelische Kirche aus dem Jahr 1777 sowie ein renoviertes Gemeindebackhaus. Die auf der Gemarkung von Offdilln befindliche Dillquelle ist aufwändig gefasst. Weiterhin steht in der Gemarkung Offdilln die bekannte und weithin sichtbare Auerhahnhütte. Von dieser 1856 erbauten Hütte ging bereits der Herzog Adolf von Nassau zur Jagd. Unweit der Auerhahnhütte hatte der Herzog seinen letzten Auerhahn in der Gemarkung Offdilln erlegt. Seinerzeit war der Auerhahn rund um Offdilln heimisch und stellte eine begehrte Jagdtrophäe dar.

Historischer HaubergBearbeiten

Der „Heimat- und Geschichtsverein Offdilln“ hat oberhalb des Dorfs einen historischen Hauberg angelegt. Darin erfährt der Besucher Details zur Haubergswirtschaft. Es wird der Jahreszyklus im Hauberg dargestellt und gezeigt, wie sich der Wald nach der Rodung in den Folgejahren entwickelt, bis er wieder als Hauberg ausgewiesen wird. Daneben gibt es einen Rennofen, der an die Zeit erinnert, als vor 2000 Jahre die Kelten Eisenerz schmolzen und einen Meiler. Einmal im Jahr findet ein Meilerfest statt, bei dem ein Köhler Holzkohle herstellt.[10]

KulturdenkmälerBearbeiten

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Haiger-Offdilln

NaturdenkmälerBearbeiten

Siehe Liste der Naturdenkmäler in Haiger-Offdilln

InfrastrukturBearbeiten

Der Ort besitzt die Freiwillige Feuerwehr Offdilln, mit der SG Obere Dill einen Sportverein (zusammen mit dem Nachbarort Dillbrecht betrieben) sowie ein Hotel mit Restaurant. Außerdem gibt es die Evangelische Kirchengemeinde und die Freie Evangelische Gemeinde.

RothaarsteigBearbeiten

Am 1. Mai 2011 wurde ein Zugangsweg zum Rothaarsteig von Landrat Schuster eröffnet. Der Weg führt vom „Mühlenhof“ entlang der jungen Dill, dann durch die Ortschaft, durch den „Historischen Hauberg“, über den Bocksborn bis zum Rothaarsteig. Insgesamt müssen 240 Höhenmeter überwunden werden.[11]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fläche nach Stadtteilen. In: Internetauftritt. Stadt Haiger, archiviert vom Original am 25. März 2018; abgerufen im März 2018.
  2. Einwohnerstatistik. (PDF) In: Internetauftritt. Stadt Haiger, archiviert vom Original am 25. März 2018; abgerufen im März 2018.
  3. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen (GVBl. II 330–28) vom 13. Mai 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 17, S. 237 ff., § 25 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  4. a b c Offdilln, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. HHStAW Bestand 360/187: Zugehörigkeit von Haiger In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen).
  7. a b Einwohnerzahlen 2005. In: Webauftritt. Stadt Haiger, archiviert vom Original; abgerufen im Februar 2019.
  8. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Offdilln, Dillkreis, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 25. Juni 195. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1955 Nr. 28, S. 686, Punkt 736 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 322 kB]).
  9. Haubergsordnung
  10. Heimat & Geschichtsverein
  11. mittelhessen.de: Durch die Hauberge wandern. Stabd: 6. Mai 2011 (Memento vom 4. August 2012 im Webarchiv archive.is)