Obi (Baumarkt)

Bau- und Gartenmarkt-Kette (Franchise-System)

Die Obi Group Holding SE & Co. KGaA (Eigenschreibweise: OBI) ist eine europaweit tätige deutsche Baumarkt-Handelskette mit Sitz in Wermelskirchen.

OBI Group Holding SE & Co. KGaA[1]

Rechtsform Kommanditgesellschaft auf Aktien
Gründung 1970
Sitz Wermelskirchen, Deutschland Deutschland
Leitung Sergio Giroldi (Vorsitzender), Oliver Geiling[1]
Mitarbeiterzahl 34.476 (Konzern 2019; einschließlich Franchisepartnern: 47.550)[2]
Umsatz 5,78 Mrd. Euro (Konzern 2019; einschließlich Franchisepartnern: 6,86 Mrd. Euro)[2]
Branche Baustoffhandel
Website www.obi.de
Stand: 31. Dezember 2019

2014 eröffneter Obi-Baumarkt in Wien an der Triester Straße
Außenansicht eines Kölner Obi-Baumarktes
Luftbild eines Obi-Baumarktes in Bremerhaven (2012)
Obi in Finowfurt

GeschichteBearbeiten

Gegründet wurde Obi 1970 von Emil Lux, Manfred Maus und Klaus Birker mit der Eröffnung des ersten Obi-Marktes im Einkaufszentrum Alstertal in Hamburg-Poppenbüttel.[3][4] Den Firmennamen Obi kaufte Maus für 3.000 Francs (umgerechnet rund 460 €) von Geschäftsleuten, die in Frankreich einen Baumarkt mit diesem Namen betrieben; der Name geht auf die französische Aussprache des Wortes Hobby zurück.[5] Laut Kaufvertrag dürfen in Frankreich keine weiteren Obi-Märkte eröffnet werden.[6] Die in Frankreich bestehenden Obi-Märkte gehören zur französischen Leroy-Merlin-Baumarktgruppe.

1985 übernahm die Unternehmensgruppe Tengelmann die Mehrheit an Obi,[7] der Anteil wurde im Jahr 2007 durch Kauf der Anteile der Gründerfamilie Lux von 63 % auf 74 % erhöht.[8]

Ende der 1990er Jahre wurde die Kette IMO-Markt Baumarkt mit sechs Märkten erster Franchisepartner in Österreich. 2010 verkaufte IMO-Markt Baumarkt die Obi-Baumärkte an Obi. Die Immobilien blieben bei IMO-Markt Baumarkt.[9] Weiterhin betreiben acht Franchisepartner insgesamt 32 Märkte. Einer dieser Partner ist der seit 1894 bestehende Baustoffhändler A. Sochor, der 2006 selbst einen Umsatz von etwa 100 Millionen Euro erwirtschaftete.[10]

Die zehn Schweizer Märkte[11] werden seit der Kooperation mit der Migros als Franchisepartner betrieben, die bereits seit 2005 versucht, einen Obi-Baumarkt in Pratteln zu bauen.[12]

2015 übernahm Obi insgesamt 68 Filialen des österreichischen Konkurrenten Baumax in Österreich, Tschechien, der Slowakei und in Slowenien. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) erlaubte Obi im September 2015 (nach vierwöchiger Prüfung), 48 der 65 österreichischen Baumax-Filialen zu übernehmen. Obi hatte die Übernahme von 49 Filialen geplant. Alle Standorte in der Slowakei (14) und in Slowenien (2) wurden übernommen, ausgewählte 4 von 24 in Tschechien.[13]

KonzernstrukturBearbeiten

Im Jahr 2013 betrieb Obi Baumärkte in Deutschland (338),[14] Italien (52), Polen (44), Österreich (82), Tschechien (33), Ungarn (28), Russland (22), der Slowakei (14), der Schweiz (10), Slowenien (9). Ein zeitweiliges Engagement in China wurde wieder aufgegeben. Im April 2015 wurde ebenfalls das Engagement in Rumänien aufgegeben.[15] Die deutschen Märkte werden gesteuert von der Deutsche Heimwerkermarkt Holding GmbH (Wermelskirchen).

Viele Obi-Märkte werden von eigenständigen Unternehmern in Franchise betrieben; sie sind also nicht Teil des Obi-Konzerns.

Zu dem Unternehmen gehören mehrere Servicegesellschaften:

  • Obi Mietprofi (Werkzeug- und Maschinenverleih)
  • Obi MachbarMacher (Handwerkerservice)
  • Obi Smart Technologies ehemals GfD – Gesellschaft für Datenverarbeitung (IT-Dienstleistungen)
  • Obi E-Commerce GmbH (Verantwortung für Online-Shop)[16]

Neben Produkten für den Bau- und Heimwerkerbedarf bietet das Unternehmen auch Haushaltswaren und Gartenbedarfsartikel an. Zu Werbe- und Marketingzwecken nutzt das Unternehmen einen comicartig gestalteten Biber als Markensymbol. Mittlerweile steht die Baumarktbranche in einem starken Verdrängungs- und Konkurrenzkampf, so wurde auch die Werbeintensität deutlich erhöht, unter anderem auch als Co-Sponsor bei Sportsendungen und Sportveranstaltungen. Obi war beispielsweise das einzige Einzelhandelsunternehmen, das als offizieller Sponsor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 auftrat.

EigentümerstrukturBearbeiten

Obi Deutschland ist Teil der Obi Group Holding GmbH Wermelskirchen, die ihrerseits zu 100 % von der Olympics Baumarkt Holding GmbH Wermelskirchen gehalten wird.[17] An der Olympics Baumarkt Holding GmbH sind die Unternehmensgruppe Tengelmann mit 74,23 %[18] und die Lueg-Gruppe[19] beteiligt.

RankingBearbeiten

Obi Deutschland gehört zu den größten Baumarktunternehmen in Europa und führt die Top-Liste der Baumärkte in Deutschland an.[20] Baumärkte werden an 654 Standorten in 11 Ländern, davon 354 in Deutschland, unterhalten.[21] Im Geschäftsjahr 2015 erzielten die Obi-Märkte mit 46.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 6,7 Mrd. Euro.[21]

KooperationenBearbeiten

Obi kooperiert im Ausbauhaus-Geschäft mit der B.O.S. Haus GmbH, einer Vertriebstochter von Bien-Zenker.

Mit Obi@Otto war Obi eine Kooperation mit dem Otto in Hamburg eingegangen. Ziel war es, die Vorteile eines Onlineshops und einem hauseigenen Lieferservice, Hermes sowie mit Schenker für Großsendungen (wie z. B. Gartenhäuser), mit dem gängigen Obi-Sortiment zu verknüpfen. Otto führte seinen Markenauftritt jedoch zwischen Anfang 2007 und Mitte 2019 ohne die Obi-Baumarktgruppe unter dem Namen OTTO Baumarkt direkt, bis zur Auflösung des Joint-Ventures[22], in Zusammenarbeit mit der Hagebau in Soltau weiter.

KundenbindungsprogrammeBearbeiten

In Deutschland war Obi dem Kundenbindungsprogramm Payback bis zum 30. Juni 2007 angeschlossen. Danach hatte Obi in Deutschland ein eigenes Bonusprogramm für Kunden aufgebaut, die Top-Kunden-Karte, die je nach Jahresumsatz verschiedene Rückvergütungen anbietet, ab 1500 Euro 3 %, ab 2500 Euro 5 % und ab 5000 Euro 10 %.[23]

Eine Neuausgabe von Top-Kundenkarten wurde 2020 eingestellt.[24] In der Schweiz ist Obi an das Cumulus-Programm angeschlossen.

heyObi

Im Sommer 2020 wurde die heyObi App eingeführt. Diese ist für Apple iOS und Android Geräte verfügbar und kann im Apple App Store und im Google Play Store kostenlos heruntergeladen werden.[25]

Innerhalb der App werden als registrierter Nutzer Angebote, wie z. B. die digitale Beratung von Fachberatern, zielgerichtete Navigation in Obi Märkten und einen Sofortrabatt von 1 % bei jedem Einkauf in teilnehmenden Obi Märkten und Obi Online-Shop sowie individuelle Coupons und Aktionen angeboten.[25]

Kritik in DeutschlandBearbeiten

  • Der TÜV Rheinland warf Obi 2013 vor, seit 2009 die Kunden durch missbräuchlich verwendete Prüfsiegel bei sicherheitstechnisch heiklen Geräten getäuscht zu haben.[26]
  • Ende 2013 waren in München und Umgebung 8 von 18 Obi-Märkten zu Hagebau gewechselt, „weil sich Münchner Franchise-Nehmer dem Diktat der Unternehmensleitung [von Obi] nicht beugen“ wollten.[27]

WeblinksBearbeiten

Commons: Obi – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b OBI - Corporate Information. Abgerufen am 4. September 2020.
  2. a b Konzernabschluss zum Geschäftsjahr 2019 der OBI Group Holding SE & Co. KGaA. In: Bundesanzeiger, 16. September 2020, abgerufen im Unternehmensregister am 8. April 2021.
  3. OBI - KUNDENSERVICE. In: kundenservice.de
  4. Obi. Abgerufen am 2. September 2020.
  5. Historie (Memento vom 2. März 2018 im Internet Archive)
  6. OBI - Corporate Information. In: obi.com. Abgerufen am 2. September 2020.
  7. Unternehmensgeschichte - Tengelmann. 14. Januar 2020, abgerufen am 2. September 2020.
  8. Umbau: Tengelmann erhöht Anteil an Obi. In: manager-magazin.de. Abgerufen am 2. September 2020.
  9. Imo: Neun OBI-Märkte an Zentrale verkauft (Memento vom 26. März 2013 im Internet Archive) auf OBI vom 4. Juni 2010, abgerufen am 25. Juli 2012.
  10. Sochor A. & Co GmbH (Memento vom 12. November 2011 im Internet Archive) auf Staatswappenträger abgerufen am 1. Oktober 2010
  11. Stand September 2020: Markt Finder. In: obi.ch, abgerufen am 15. März 2020.
  12. Michel Ecklin: Velowege fehlen: Baumarkt kommt immer noch nicht In: basellandschaftlichezeitung.ch, 25. September 2018, abgerufen am 26. September 2018.
  13. Obi darf bauMax-Filialen übernehmen. In: orf.at, 30. September 2015.
  14. Anzahl Märkte, obi.de, abgerufen 12. Oktober 2013
  15. Archivierte Kopie (Memento vom 3. Dezember 2015 im Internet Archive)
  16. Impressum obi.de, OBI E-Commerce GmbH Verantwortlich und Vertragspartner für den Online-Shop
  17. eBundesanzeiger: Jahresabschluss zum 31. Dezember 2010 der Olympics Baumarkt Holding GmbH. 2010.
  18. eBundesanzeiger: Anteil laut Konzernabschluss zum 31. Dezember 2010 der Tengelmann Warenhandelsgesellschaft KG.
  19. Obi. In: wer-zu-wem.de
  20. Top 10 Baumärkte Deutschland 2012 (nach Umsatz in 2011). In: lebensmittelzeitung.net. Archiviert vom Original; abgerufen am 2. September 2020.
  21. a b Das Unternehmen. In: obi.com
  22. RM Handelsmedien GmbH & Co KG, Rudolf Müller Mediengruppe Köln: Hagebau und Otto Group gehen getrennte Wege. Abgerufen am 6. Januar 2022.
  23. OBI Top-Kunden-Karte - OBI. In: obi.de. Abgerufen am 2. September 2020.
  24. OBI Top-Kunden-Karte - OBI. In: obi.de. Abgerufen am 1. September 2020.
  25. a b heyOBI Karte. In: obi.de. Abgerufen am 1. September 2020.
  26. TÜV wirft Obi Täuschungsmanöver mit Gütesiegeln vor. In: spiegel.de. Abgerufen am 12. Oktober 2013.
  27. Baumärkte in München. Von Obi zu Hagebau. In: sueddeutsche.de, 24. Januar 2014.

Koordinaten: 51° 8′ 47,3″ N, 7° 14′ 54,2″ O