Hauptmenü öffnen

Obertaunuskreis

Ehemaliger Landkreis in Hessen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen vom Obertaunuskreis
Obertaunuskreis
Deutschlandkarte, Position vom Obertaunuskreis hervorgehoben
Koordinaten: 50° 14′ N, 8° 37′ O
Basisdaten (Stand 1972)
Bestandszeitraum: 1867–1972
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Verwaltungssitz: Bad Homburg vor der Höhe
Fläche: 160,37 km2
Einwohner: 139.300 (31. Dez. 1971)
Bevölkerungsdichte: 869 Einwohner je km2
Kfz-Kennzeichen: HG
Kreisschlüssel: 06 1 48
Kreisgliederung: 11 Gemeinden
Landrat: Werner Herr (SPD)

Der Obertaunuskreis war bis 1972 ein Landkreis im deutschen Bundesland Hessen mit dem Kreissitz Bad Homburg vor der Höhe. Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute überwiegend zum Hochtaunuskreis.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Der Landkreis grenzte Anfang 1972 im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Landkreise Usingen und Friedberg, an die kreisfreie Stadt Frankfurt am Main sowie an den Main-Taunus-Kreis und den Untertaunuskreis.

 
Obertaunuskreis, 1905

GeschichteBearbeiten

 
Siegelmarke K.Pr. Landrath des Ober-Taunus-Kreises

Der Kreis wurde durch eine Königliche Verordnung vom 22. Februar 1867 gegründet, nachdem das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Nassau und die Landgrafschaft Hessen-Homburg in das Königreich Preußen eingegliedert worden waren.

Der neue Kreis umfasste die ehemals nassauischen Ämter Königstein und Usingen sowie das den Kern der Landgrafschaft bildende Amt Homburg. Die Stadt Homburg (seit 1912 Bad Homburg vor der Höhe) wurde Sitz der Kreisverwaltung. Das Gebiet von 544,80 km² mit seinen 82 Gemeinden lag beiderseits des Taunuskammes und wurde dem Regierungsbezirk Wiesbaden in der neuen Provinz Hessen-Nassau zugeteilt.[1]

Gemäß der neuen Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 1. April 1886 wechselten 48 Gemeinden nördlich des Gebirgskammes in den neuen Kreis Usingen.[2] Im Obertaunuskreis verblieben 34 Gemeinden auf einer Fläche von 224,54 km².[3]

Schon drei Jahrzehnte später, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, führte die Besetzung des „Brückenkopfes Mainz“ durch die französischen Truppen zu einer Teilung der Verwaltung. Im Raum Königstein entstand der Kreis Königstein, der rund zwei Drittel des Obertaunuskreises umfasste. Nach dem Abzug der Besatzung wurde am 1. Oktober 1928 eine Neuordnung der Kreise im Rhein-Main-Gebiet durchgeführt. Von den 22 Gemeinden des aufgelösten Kreises Königstein verblieben neun Gemeinden im Obertaunuskreis, während dreizehn Gemeinden zum neuen Main-Taunus-Kreis kamen.[4]

Im Zuge einer preußischen Verwaltungsreform kehrte der Kreis Usingen am 1. Oktober 1932 vorübergehend für ein Jahr wieder zum Obertaunuskreis zurück. Auf Grund eines Wahlversprechens der NSDAP erhielt der Kreis Usingen am 1. Oktober 1933 seine Selbständigkeit nach der nationalsozialistischen Machtergreifung zurück.

Einen Gebietszuwachs für den Obertaunuskreis brachte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 die provisorische und am 1. April 1947 die endgültige Eingliederung der Gemeinde Steinbach (Taunus), die bis dahin eine Exklave des südhessischen Landkreises Offenbach war. Bis zum Beginn der hessischen Gebietsreform gehörten nunmehr 18 Gemeinden zum Obertaunuskreis, darunter die fünf Städte Bad Homburg, Friedrichsdorf, Königstein im Taunus, Kronberg im Taunus und Oberursel.[5][4]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde die Zahl der Gemeinden des Landkreises durch eine Reihe von Zusammenschlüssen bis zum Juli 1972 auf elf verringert.[4] Am 31. Dezember 1971 wurde der Obertaunuskreis durch die Eingliederung der Gemeinde Ober-Eschbach aus dem Landkreis Friedberg in die Stadt Bad Homburg vergrößert.

Am 1. August 1972 ging der Obertaunuskreis bis auf die Gemeinde Kalbach, die zur Stadt Frankfurt kam, im neuen Hochtaunuskreis auf. Zum Hochtaunuskreis kamen außerdem noch der größte Teil des Landkreises Usingen, die Gemeinden Ober-Erlenbach und Burgholzhausen vor der Höhe aus dem Landkreis Friedberg, die Gemeinden Glashütten und Reifenberg aus dem Main-Taunus-Kreis sowie die Gemeinde Hasselbach aus dem Landkreis Limburg.[6] Gleichzeitig wurden am 1. August 1972 auch noch weitere Gemeinden zusammengeschlossen.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner Quelle
1871 52.961 [7]
1900 44.349 [5]
1910 54.036 [5]
1925 61.237 [5]
1933 50.821 [5]
1939 53.021 [5]
1950 81.803 [5]
1960 101.700 [5]
1970 129.000 [8]
1971 139.300 [9]

PolitikBearbeiten

LandräteBearbeiten

Von Bis Name
1867 1868 Constantin von Briesen
1868 1876 Wilhelm von König
1876 1877 Constantin von Briesen
1877 1883 Leonhard von Massenbach
1883 1894 Bernhard von der Heydt
1894 1903 Wilhelm von Meister
1903 1904 Gustav Ebbinghaus
1904 1921 Ernst Ritter von Marx
1921 1933 Egon van Erckelens
1933 1945 Wolfgang von Hessen
1945 1946 Hermann Usinger
1946 1948 August Lüdge
1948 1960 Georg Eberlein
1960 1972 Werner Herr

Kreistag und KreisausschussBearbeiten

Kreisordnung 1867Bearbeiten

Teil der preußischen Kreisverfassung war die Einrichtung eines Kreistages. Dessen Zusammensetzung war in § 13 der „Verordnung, betreffend der Kreisverfassung im Gebiete des Regierungsbezirks Wiesbaden“ geregelt. Danach bestand der Kreistag aus je 6 Mitgliedern, die in den ehemaligen Ämtern gewählt wurden, dem Landrat und einem Vertreter des Domänenfiskus.

Der erste Kreistag trat am 1. September 1868 in Bad Homburg zusammen.

Amt Abgeordneter Ort
Homburg Geheimer Regierungsrat Heinrich Will Homburg
Homburg Beigeordneter Deininger Homburg
Homburg Gemeinderat G.E. Menges Homburg
Homburg Gemeinderat J.G. Schudt IV Homburg
Homburg Bürgermeister Raab Kirdorf
Homburg Bürgermeister Wolff Seulberg
Königstein Joseph Hildmann Oberhöchststadt
Königstein Johann Jung Kalbach
Königstein Bürgermeister Westenberger Kalbach
Königstein Bürgermeister Wilhelm Fischer Königstein
Königstein Konrad Sachs Eppstein
Königstein Jakob Aumüller Oberursel
Usingen Bürgermeister Becker Usingen
Usingen Johann Schmidt Hasselborn
Usingen Wilhelm Schmitt Rod an der Weil
Usingen Philipp Peter Müller Arnoldshain
Usingen Bürgermeister Johann Peter Jäger Wehrheim
Usingen Peter Veidt Cratzenbach
Vertreter des Domänenfiskus Rentmeister Thomae Usingen
Landrat von König als Vorsitzender Homburg

Kreisordnung 1886Bearbeiten

Mit der preußischen Kommunalordnung von 1886 wurde die Institution des Kreisausschusses ins Leben gerufen. Am 13. März 1886 wählt der Kreistag erstmals einen Kreisausschuss:

Abgeordneter Ort
Polizeidirektor Eugen Schaffner Homburg
Rentmeister Karl Müller Homburg
Baumeister Louis Jacobi Homburg
Bürgermeister Jakob Aumüller Oberursel
Gutsbesitzer Johann Jung Kalbach
Kaufmann Adam Sittig Königstein

Der Kreistag selbst bestand zunächst aus 20 Mitgliedern (Ende des Jahrhunderts stieg die Zahl auf 21, später auf 23). 10 davon wurden vom Wahlverband der Städte (davon entfielen allein 5 auf die Stadt Homburg), 6 aus dem Wahlverband der Landgemeinden und 4 aus dem Wahlverband der größeren Grundbesitzer und Gewerbetreibenden (diese mussten mindestens 180 Mark Grundsteuer oder 300 Mark Gewerbesteuer zahlen). Die Abgeordneten wurden auf 6 Jahre gewählt. Alle drei Jahre wurde die Hälfte der Abgeordneten neu gewählt.

Weimarer RepublikBearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Obertaunuskreis einen Parteihochburg der SPD. Während die CDU lediglich nach den Kommunalwahlen in Hessen 1946 mit 13 Mandaten stärkste Partei wurde, war die SPD bei allen folgenden Wahlen die stärkste Kraft im Kreis.[10]

Jahr SPD CDU FDP KPD GB/BHE DP
1946 11 13 5
1948 11 11 9 2
1952 13 9 6 3 3
1956 16 11 5 2 2
1960 16 14 5 2
1964 20 16 4

KommunallandtagBearbeiten

Von 1866 bis zur Verwaltungsreform 1885/86 waren jeweils 2 Vertreter des Kreises im Nassauischen Kommunallandtag vertreten. Danach wurde die Direktwahl eingeführt. Die vom Kreistag und später von der Bevölkerung gewählten Mitglieder waren:[11]

Amtszeit Abgeordneter
Karl Schweighöfer 1868–1875
Heinrich Will 1868–1873
Paul Baudevin 1875–1879
Joseph Kopp 1877–1880
Ludwig Stumpff 1878–1885
Georg Ernst Menges 1880–1882
Jakob Aumüller 1881–1890
Carl Müller 1884–1892
Georg Jamin 1891–1906
Bernhard von der Heydt 1879–1894
Wilhelm von Meister 1894–1895
Ernst Ritter von Marx 1903–1918
Oskar Zimmermann 1905–1916
Josef Füller 1907–1918

WappenBearbeiten

Im November 1950 wurde dem Obertaunuskreis durch das Hessische Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.[12]

GemeindenBearbeiten

Die folgende Liste enthält alle Gemeinden, die dem Obertaunuskreis nach 1886 angehörten, sowie die Daten aller Eingemeindungen und Kreiswechsel.[5][4]

Gemeinde eingemeindet
nach
Datum der
Eingemeindung
Altenhain zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Bad Homburg vor der Höhe, Stadt
Bommersheim Oberursel 1. Oktober 1929
Dillingen Friedrichsdorf 1. April 1916
Dornholzhausen Bad Homburg vor der Höhe 31. Dezember 1971
Ehlhalten zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Eppenhain zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Eppstein zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Falkenstein Königstein im Taunus 1. August 1972
Fischbach zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Friedrichsdorf, Stadt
Glashütten zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Gonzenheim Bad Homburg vor der Höhe 1. April 1937
Hornau zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Kalbach Frankfurt am Main 1. August 1972
Kelkheim zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Kirdorf Bad Homburg vor der Höhe 29. Juni 1901
Königstein im Taunus, Stadt
Köppern Friedrichsdorf 1. August 1972
Kronberg im Taunus, Stadt
Mammolshain Königstein im Taunus 1. August 1972
Neuenhain zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Niederhöchstadt zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Oberhöchstadt Kronberg im Taunus 1. April 1972
Oberstedten Oberursel 1. April 1972
Oberursel, Stadt
Ruppertshain zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Schloßborn zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Schneidhain Königstein im Taunus 1. April 1972
Schönberg Kronberg im Taunus 1. April 1972
Schwalbach am Taunus zum Main-Taunus-Kreis 1. Oktober 1928
Seulberg Friedrichsdorf 1. August 1972
Steinbach (Taunus) bis zum 1. April 1947 im Landkreis Offenbach
Stierstadt Oberursel 1. April 1972
Weißkirchen Oberursel 1. April 1972

Kfz-KennzeichenBearbeiten

Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen HG zugewiesen. Es leitet sich von der Kreisstadt Bad Homburg vor der Höhe ab. Es wird im Hochtaunuskreis durchgängig bis heute ausgegeben.

LiteraturBearbeiten

  • Verordnung, betreffend der Kreisverfassung im Gebiete des Regierungsbezirks Wiesbaden. Vom 29. September 1867. In: Gesetzsammlung für die Königlich-Preußischen Staaten. Nr. 105, 1867, S. 1653.
  • Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau. Vom 7. Juni 1885. In: Gesetzsammlung für die Königlich-Preußischen Staaten. Nr. 25, 1885, S. 193.
  • Kreisverwaltung des Obertaunuskreises (Hrsg.): Der Obertaunuskreis und seine Gemeinden. 1867–1927. Verlag für Architektur, Industrie- und Stadt-Werke, Düsseldorf 1927, S. 29–31.
  • Nassauische Parlamentarier. Teil 2: Barbara Burkardt, Manfred Pult: Der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wiesbaden 1868–1933 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau. 71 = Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen. 17). Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 2003, ISBN 3-930221-11-X.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung 1871: Obertaunuskreis
  2. Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau 1886 (Digitalisat)
  3. gemeindeverzeichnis.de: Regierungsbezirk Wiesbaden
  4. a b c d Hochtaunuskreis. Historisches Ortslexikon. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  5. a b c d e f g h i Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. obertaunus.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung des Obertaunuskreises und des Landkreises Usingen (GVBl. II Nr. 330-18) vom 11. Juli 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 227, § 13 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  7. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung 1871
  8. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972
  9. Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1973
  10. 60 Jahre Kreissparkasse des Obertaunuskreises. In: Kreisausschuss des Obertaunuskreises (Hrsg.): 100 Jahre Obertaunuskreis. Lohse, Frankfurt am Main 1967, (die Seiten des Buches sind nicht durchnummeriert).
  11. Barbara Burkardt, Manfred Pult: Der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wiesbaden. 2003, S. 397.
  12. Der Hessische Minister des Inneren: Verleihung des Rechts zur Führung eines Kreiswappens an den Obertaunuskreis, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 25. November 1950. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1950 Nr. 50, S. 521, Punkt 952 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,3 MB]).