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Oberlauringen

Ortsteil des Marktes Stadtlauringen

Oberlauringen ist mit 680 Einwohnern ein Gemeindeteil des Marktes Stadtlauringen im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt.

Oberlauringen
Koordinaten: 50° 12′ 58″ N, 10° 22′ 44″ O
Höhe: 325 m ü. NN
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 97488
Vorwahl: 09724
Oberlauringen (Bayern)
Oberlauringen

Lage von Oberlauringen in Bayern

OrtslageBearbeiten

Oberlauringen liegt am Fuße des 504 m ü. NN hohen Laubhügels, am Trauf der Haßberge, ca. drei Kilometer nördlich von Stadtlauringen, 500 Meter nördlich entspringt die 33 Kilometer lange Lauer am Storchenbrünnle. Das Dorf liegt auf 325 m ü. NN. Durch Oberlauringen verläuft der Fränkische Marienweg.

GeschichteBearbeiten

Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde in den Markt Stadtlauringen eingegliedert.[1]

Seit 2011 ist Oberlauringen ein Friedrich-Rückert-Themendorf, in Erinnerung an den Dichter und Orientalisten Friedrich Rückert.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Rückertpforte

Schloss OberlauringenBearbeiten

Ein Schloss einer Seitenlinie der Reichsritterschaft derer von Truchseß zu Wetzhausen mit Schlossgarten und einem Portal aus dem 18. Jahrhundert steht am Ortseingang (von Mailes kommend). Nach dem Tode von Carl August Truchseß von Wetzhausen im Jahre 1811 kaufte Robert Karl Tunder (1832–1918), kaiserlich-russischer Rat in Helsingfors, das Schloss auf Abbruch und ließ 1858 ein neues Schloss im Stile einer Landvilla bauen.

1876 kaufte Georg Freiherr von Grunelius das Schloss und ließ es um ein Stockwerk erweitern. Durch den Frankfurter Gartenarchitekten Heinrich Siesmayer wurde ein Landschaftsgarten, der Schloßpark angelegt.

Heute gehört das Schloss zum Diakonieverein „Haus Gottesgüte e. V. Jugend- und Behindertenhilfe Oberlauringen“. Im Diakonieverein ist das Mutterhaus Friedenshort in Freudenberg, Siegen (Siegerland) weiterhin im Vorstand vertreten, denn 1946 fanden im Schloss evangelische Diakonissen der Schwesternschaft aus Miechowitz (Kattowitz, Oberschlesien), deren Begründerin Eva von Tiele-Winckler war, mit ihren Waisenkindern als Flüchtlinge eine neue Heimat. Der Diakonieverein Haus Gottesgüte unterhält auf dem Gelände des Schlosses ein Internat und eine Schule der Jugend- und Behindertenhilfe.

Die Rückert-PforteBearbeiten

In der Nachbarschaft des alten Rathauses mit reich gegliedertem fränkischen Fachwerk befindet sich die Rückert-Pforte, die darauf hinweist, dass Friedrich Rückert seine Jugend ab 1793 in Oberlauringen verbrachte. Diese Jugendzeit schildert er in seinen Erinnerungen aus den Kinderjahren eines Dorfamtmannsohns, erschienen 1829.

Die evangelische KircheBearbeiten

 
Heilig Geist-Kirche

Auf einer Anhöhe in der Ortsmitte steht die evangelische Wehrkirche Oberlauringens mit schützender Mauerfestung und zweiemporigem Kirchenschiff. 500 Meter westlich des Ortes befindet sich der Jüdische Friedhof (Eine aus den Überresten der Synagoge von Oberlauringen geborgene und vor den Nationalsozialisten versteckte Thora-Rolle wurde bei der Einweihung der neuen Würzburger Synagoge 1970 dem Vorsteher der Würzburger Israeltischen Kultusgemeinde David Schuster durch den Bischof Josef Stangl überreicht[2]).

Das Friedrich-Rückert-PoetikumBearbeiten

Im Mai 2017 wurde das Friedrich-Rückert-Poetikum[3] eröffnet. Es zeigt das Leben und Werk des Dichters und insbesondere die autobiografischen Erinnerungen des Dichters an seine Kinder- und Jugendzeit, die er von 1793 bis 1802 als Sohn der Dorfamtmanns Johann Adam Rückert in Oberlauringen verbrachte.

 
Friedrich-Rückert-Poetikum

InfrastrukturBearbeiten

Eines der Gewerbegebiete der Großgemeinde Stadtlauringen befindet sich in Oberlauringen. Dort gibt es auch einen Kindergarten, eine Grundschule und eine Förderschule für lern- und geistig behinderte Menschen.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Friedrich Rückert (1788–1866), Dichter und Orientalist
  • Jörg Geuder (1861–1935), Lehrer, Dichter, Schriftsteller und Sprachpfleger, lebte und arbeitete 22 Jahre in Oberlauringen.
  • Albrecht Eyring (1844–1920), Obstbaupionier, Genossenschafter, Gründer des Bayerischen Landesverbandes für Obst- und Gartenbau, Ehrenbürger von Herrnberchtheim, Initiator des Heimatmuseums Uffenheim, Heimatforscher, Pfarrer und Kirchenrat, wurde in Oberlauringen geboren.

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich Rückert: Erinnerungen aus den Kinderjahren eines Dorfamtmannssohns. 1829. Herausgegeben von Nora Zügel und Dagmar Stonus. Göttingen: Wallstein 2016, ISBN 978-3-8353-1793-2.
  • Norbert Bischoff: "Der heitere, weise Gartenonkel, schrieb ,selten schön, gut und reich’. Die lohnende Wiederentdeckung des Lehrers und Gartenschriftstellers Jörg Geuder". – Hans Michael Hensel (Hg.): Ein Hauch der Theaterwelt im alten Turm am Main. Hannes Fabig (1939–2008), Bühnenbildner, Schauspieler, Regisseur, Maler und Türmer von Segnitz ("Feuilleton", Heft 8). Segnitz: Zenos 2009, ISBN 3-931018-19-9, S. 31–35.
  • Heinrich Reister: Pflanz einen Baum. Bad Windsheim 1984. (Mit einer Lebensbeschreibung Albrecht Eyrings).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 753.
  2. Klaus Wittstadt: Kirche und Staat im 20. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 453–478 und 1304 f., hier: S. 470–475 (Erneuerung im Geiste des II. Vatikanischen Konzils – Bischof Josef Stangl). S. 470 f.
  3. Friedrich-Rückert-Poetikum