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Oberdieten

Ortsteil der Gemeinde Breidenbach

Geographische LageBearbeiten

Der Ort liegt etwa in der Mitte zwischen Biedenkopf und Dillenburg an der Bundesstraße 253, welche den Ort durchzieht. Bereits im Jahr 1843 wurde die jetzige Bundesstraße als Staatsstraße ausgebaut. Die von Achenbach kommende Landesstraße 3043 mündet in der Ortsmitte ein. Am südlichen Ortsende, Richtung Dillenburg, kann man über die Landesstraße 3331 die Nachbarorte Oberhörlen und Niederhörlen erreichen.

GeschichteBearbeiten

Oberdieten wurde erstmals um 1299 als Didinahe urkundlich erwähnt.[1]

Sichere Anhaltspunkte für die genaue Entstehung Oberdietens gibt es nicht. Vermutlich hat es aber wohl spätestens im 9. Jahrhundert bereits eine erste Besiedlung hier gegeben. Namensgeber des Ortes ist der Bach Diete.

Eine urkundliche Ersterwähnung einer Besiedlung des Dietetals stammt aus 1299. In dieser Urkunde wird ein Wiegand von Didenau erwähnt. Daher gilt dieses Jahr, ebenso wie im benachbarten Niederdieten, als offizielles Gründungsjahr.

Seit 1395 gehörte Oberdieten zum Gericht Melsbach, das um 1500 mit den Gericht Breidenbach und Wallau zusammengefasst war. Ab 1577 zählte Oberdieten zum Gericht (Amt) Breidenbacher Grund.

In weitere Urkunden wurde der Ort unter verschiedenen Namen erwähnt (Dydena (1395), Oberndiedena (1395), Obirdydin (1452), Obern Diden (1487), Uberndedennau (1492), über Oberndiedn (1677), Ober-Dieten).[1]

Im Mittelalter hatte die Zivilbevölkerung des damals kleinen Oberdieten (1577 gab es hier 10 Häuser) mit den für die damalige Zeit üblichen Schwierigkeiten und Ängsten zu kämpfen. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges hatte die Dorfbevölkerung neben den Kriegswirren auch extrem unter der Pest zu leiden. Fast jeder vierte Bewohner starb an dieser Seuche, ganze Familien wurden ausgerottet. Zwischen Ende 1635 und Ende 1636 starben allein in Oberdieten mindestens 34 Personen.

So folgte Schreckenszeit auf Schreckenszeit, kaum waren Kriegsschulden getilgt und die Gehöfte instand gesetzt, kamen neue Lasten und Kriege hinzu.

Vier Oberdietener junge Männer nahmen unter Napoleon an dessen Schlachten in Spanien und Russland teil und sind im Osten gefallen. Die größten Opfer forderten die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Im Ersten Weltkrieg fielen 20 Männer aus Oberdieten, zwei wurden vermisst; im Zweiten Weltkrieg starben 25 Soldaten aus Oberdieten, vermisst wurden 13 Männer. Des Weiteren starb eine Zivilperson, eine Frau ist im Konzentrationslager umgekommen.

Im Jahr 1817 kam es in Oberdieten zu einem Großbrand, bei dem zehn Häuser zerstört wurden, ein junger Mann starb dabei. Durch diesen Brand wurde auch das Haus des damaligen Bürgermeisters zerstört, und mit dem Haus auch sehr viele historische Unterlagen. Ein weiterer Großbrand richtete im Juni 1981 in einem Sägewerk einen Sachschaden von damals 3.000.000 DM an.

Erst 1920, und damit doch etwas später als die meisten benachbarten Orte, konnten die Bürger Oberdietens ihre Bedenken gegen elektrisches Licht überwinden – so erstrahlte erst am 17. September 1920 erstmals elektrisches Licht im Dorf.

Am 1. Juli 1974 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Oberdieten im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch Landesgesetz in die Gemeinde Breidenbach eingegliedert,[2][3] letzter Bürgermeister war Heinrich Weigel.

SteinbruchBearbeiten

In Oberdieten gab es einen inzwischen stillgelegten Diabas-Steinbruch. Die Nutzung dieses harten Gesteins geht bis in frühere Jahrhunderte zurück. Um das Jahr 1900 wurde mit dem gewerblichen Abbau des Steinmaterials begonnen, 1993 wurde der Betrieb geschlossen.

In dem Steinbruch entstanden durch Sprengungen zwei kleine Seen, darunter der Silbersee. Der andere, kleinere See wurde zugeschüttet.

SchuleBearbeiten

In der Nähe des alten Kirchengebäudes befand sich auch die erste erwähnte Oberdietener Schule. Seit wann genau in der Schule unterrichtet wurde, ist ungewiss, vermutlich jedoch bereits um mindestens 1750, eher bereits früher.

Ab 1828 hatte Oberdieten zusammen mit Achenbach eine „Doppelschule“. Vormittags wurde in dem einen, nachmittags in dem anderen Ort unterrichtet.

Im Jahre 1842 wurde das alte, baufällige Schulgebäude abgetragen und nach Biedenkopf verkauft. Im Jahre 1846 wurde ein neues Schulhaus fertiggestellt, in dem über 100 Jahre unterrichtet wurde und in dem auch die Lehrerwohnung untergebracht war.

Ab 1930 bemühte man sich um einen modernen Neubau. Steigende Kinderzahl, dadurch auch ein zu kleiner Schulhof, durch das Alter steigende Reparaturkosten, mangelnde hygienische Bedingungen und anderes mehr veranlassten zu der Überlegung eines Neubaus. Auch durch die Kriegswirren und mangelnde finanzielle Möglichkeiten dauerte es aber bis Ende 1953, bis die neue Schule eingeweiht werden konnte. Diese hatte neben den Klassenräumen auch einen Werkraum und eine Küche, in der sich bis 1960 die „Kochschule“ befand.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als zusätzlich die Kinder der Heimatvertriebenen die Schule besuchten, unterrichteten zeitweise drei Lehrer an der Schule.

Seit 1966 besuchen die Schüler ab der Jahrgangsstufe 5 die Mittelpunktschule Breidenbach oder andere, weiterführende Schulen. Nachdem die Grundschule im benachbarten Achenbach Ende 1969 komplett geschlossen wurde, besuchen seit 1970 auch die Achenbacher Kinder die Grundschule in Oberdieten. Seit 1993 befindet sich bei der Schule eine Kleinsporthalle, in den Jahren 1997/98 wurde die Schule grundlegend renoviert.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Oberdieten lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][4]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1577: 10 Hausgesesse
• 1630: 15 Hausgesesse (6 zweispännige, 7 einspännige Ackerleute, 2 Einläuftige).
• 1677: 21 Männer, 2 Witwen, 9 Jungmannschaften, 11 ledige Mannschaften.
• 1742: 28 Haushalte
Oberdieten: Einwohnerzahlen von 1791 bis 1967
Jahr  Einwohner
1791
  
205
1830
  
249
1834
  
275
1840
  
286
1846
  
309
1852
  
303
1858
  
304
1864
  
283
1871
  
265
1875
  
278
1885
  
292
1895
  
325
1905
  
363
1910
  
382
1925
  
426
1939
  
481
1946
  
664
1950
  
648
1956
  
603
1961
  
613
1967
  
649
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1791:[5]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1830: 249 evangelische Einwohner
• 1885: 292 evangelische Einwohner
• 1961: 491 evangelische, 66 römisch-katholische Einwohner

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1867: Erwerbspersonen: 131 Landwirtschaft, 1 Forstwirtschaft, 2 Bergbau und Hüttenwesen, 9 Gewerbe und Industrie, 8 Verkehr, 1 persönliche Dienstleistungen, 1 Erziehung und Unterricht.
• 1961: Erwerbspersonen: 156 Land- und Forstwirtschaft, 163 produzierendes Gewerbe, 15 Handel und Verkehr, 23 Dienstleistungen und sonstiges.

ReligionBearbeiten

Im 15. Jahrhundert stand der Ort unter dem Dekanat Breidenbach des Archidiakonats St. Stephan zu Mainz. Nach Einführung der Reformation in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gehörte Oberdieten zum Kirchspiel Breidenbach. Wegen der Größe des Kirchspiels (insgesamt neun Dörfer) entstand 1665 unter anderem die Evangelische Kirchengemeinde Oberdieten mit den Filialorten Achenbach und Niederdieten, die heute noch besteht.

 
Neue ev. Kirche

Über das alte Kirchengebäude ist sehr wenig bekannt, es befand sich an anderer Stelle als die heutige Kirche, „Am Rain“, am nördlichen Dorfrand gelegen. Diese war in den 1840er Jahren so baufällig, dass die Reparaturkosten in keinem Vergleich zu einem Neubau standen. Innerhalb der Gemeinde entstand ein Streit, ob ein geplanter Neubau an gleicher Stelle stattfinden soll oder eher mitten im Dorf, an der Hauptstraße. 1876 entschied man sich für letzteren Schritt, 1879 wurde der Neubau eingeweiht. Die Kirche entstand komplett, von den Außenmauern bis zur Dachkonstruktion, aus Diabasblöcken aus dem heimischen Steinbruch.

Die Einwohner mit römisch-katholischem Glauben, deren Anzahl nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich zugenommen hatte, gehören zur Kirchengemeinde „Maria Himmelfahrt“ in Breidenbach.

Außerdem gibt es im Ort eine Christliche Versammlung und Mitglieder der Freien evangelischen Gemeinde.

WappenBearbeiten

Grundlage für das am 14. Dezember 1959 vom Hessischen Minister des Inneren genehmigte Wappen ist eine im Ort überlieferte Sage über das sogenannte „Streitwasser“ des Dietebaches. Demnach soll dieser Bach zwischen den Einwohnern von Ober- und Niederdieten und den Einwohnern des benachbarten Simmersbach strittig gewesen sein. Die Einwohner von Simmersbach sollen versucht haben, die Diete für ihre Zwecke abzuleiten. Die Einwohner von Ober- und Niederdieten setzten sich aber gegen diesen gewaltsamen Eingriff ebenso gewaltsam zur Wehr und erzwangen so die Rückleitung der Diete in ihr altes Bett.[8]

Von diesem Sagenstoff geht das Wappen aus, indem es die Aufspaltung des Bachlaufes und den darüber geführten Streit durch das das gespaltene Bachbett symbolisch durchkreuzende Schwertpaar darstellt.

Blasonierung: In Gold ein gabelförmig gespaltener blauer Wellenbalken, rechts belegt, links unterlegt von der jeweiligen Klinge zweier gekreuzter roter Schwerter.

VereineBearbeiten

Oberdieten ist, obwohl es kein großes Dorf ist, ein Dorf mit vielen Vereinen. Es gibt den CVJM, eine DRK-Seniorengymnastikgruppe, den Evangelischen Frauenchor, einen Feuerwehrverein, die Freiwillige Feuerwehr, einen gemischten Chor der Evangelischen Kirchengemeinde, gemeinsam mit Niederdieten eine Gymnastikgruppe, den Jugendclub 09 Oberdieten, eine Jugendfeuerwehr, einen Männerchor des CVJM, eine Männergymnastikgruppe, den Kinder- und Jugendchor „Musikflöhe“, den Verein der Freunde und Förderer der Grundschule und den Verein der Freunde und Förderer Oberdietens.

Daneben gibt es weitere Vereine, die mit Vereinen aus der näheren Nachbarschaft fusionierten.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Ursprünglich war Oberdieten ein von Land- und Forstwirtschaft geprägtes Dorf. Beides spielt jetzt nur noch eine untergeordnete Rolle. Mit Beginn der Industrialisierung ab dem 20. Jahrhundert entwickelten sich auch in Oberdieten diverse Klein- und Mittelstandsbetriebe.

Ansässige UnternehmenBearbeiten

AGRO-Grebe (Holzwaren, gegründet 1872 als Wagnerei und Stellmacherei), Dilling Bauunternehmen (gegründet 1930), Dilling-Weigel Bauunternehmen (gegründet 1992), Fa. Schneider (Transport- und Lagerbehälter, gegründet 1963), Natursteinwerk Gebr. Müller (Steinmetz- und Bildhauerarbeiten, gegründet 1930), Natursteinwerk Rau (Steinmetzarbeiten, gegründet 1928), Autohaus Gebr. Reitz (seit 1985, ursprünglich als Schmiede bereits in 1878 gegründet) sowie Fa. Rein und Sänger (Zimmerei und Ingenieurholzbau, gegründet 1872). Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurden weitere Firmen im neuen, südwestlich Oberdietens gelegenen Industriegebiet gegründet, u. a. das Solarzentrum Mittelhessen (gegründet 2005) und die Fa. Heinz (Karussellbau). Daneben befinden sich noch einige Handwerksbetriebe (Metzgerei, Bäckerei, Lebensmittel) im Ort.

EnergieBearbeiten

 
Bau des dritten Windrades, rechts noch zwei der früheren Windräder

Auf dem Gelände des Steinbruchs Oberdieten wurden 1995 drei Windkraftanlagen errichtet. Zwei davon wurden 2011/2013 zurückgebaut und jeweils im Rahmen eines Repowering durch eine große 3-Megawatt-Anlage mit einer Nabenhöhe von 135 m ersetzt. Beide neuen Anlagen produzieren dabei jährlich geschätzte 14 Mio. kWh, womit ca. 3000 Haushalte versorgt werden können.[9] Sie sind vom Typ Enercon E-101. Die Anlagen werden von der Firma Strauch & Strauch betrieben.[10]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h Oberdieten, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 15 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 351.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 190, 276 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 7 (online bei Google Books).
  7. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 416 (online bei Google Books).
  8. Wappen Oberdieten (Memento vom 24. Juli 2012 im Webarchiv archive.today)
  9. Bis zu 50 Meter lange Rotorblätter. derWesten, 6. September 2011, abgerufen am 31. Mai 2015.
  10. Windpark Oberdieten. proplanta.de, abgerufen am 31. Mai 2015.