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Oberaußem ist ein Stadtteil der Stadt Bergheim im Rhein-Erft-Kreis. Der Ort liegt im nördlichen Stadtbereich. Bis 1974 war Oberaußem-Fortuna eine eigenständige Gemeinde im Kreis Bergheim (Erft). Zu dieser Gemeinde gehörte auch der Ortsteil Fortuna, der einem Braunkohletagebau weichen musste und dessen Einwohner deshalb umgesiedelt wurden.

Oberaußem
Stadt Bergheim
Koordinaten: 50° 58′ 26″ N, 6° 40′ 40″ O
Höhe: 93 m
Fläche: 10,72 km²
Einwohner: 5417 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte: 505 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 50129
Vorwahl: 02271
Blick auf Oberaußem

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

AntikeBearbeiten

Schon in der Frühzeit sind Funde aus der näheren Umgebung belegt. So war bis ca. 1950 ein Grabhügel im Bethlehemer Wald erhalten. Eine Besiedelung der Region um Oberaußems liegt aus der Zeit der römischen Herrschaft des Rheinlandes ab ca. 50 v. Chr. vor. Dies lässt sich durch zahlreiche Funde belegen. Zum einen ist eine Wasserleitung nachgewiesen, die vom Oberaußemer Bohnenbach bis nach Niederaußem verlegt war, wo auf dem Gebiet der Brikettfabrik Fortuna-Nord Grabkisten aus dieser Zeit gefunden wurden. Zum anderen kann davon ausgegangen werden, dass eine römische Straße von Quadriburgum ausgehend bestand und mit der heutigen Reutergasse identisch ist. 1898 wurde auf einem benachbarten Feld ein halber Follis gefunden, der aus der Zeit um 527–565 n. Chr. stammt. Da jedoch 355 n. Chr. die Römer von den Franken aus dem heutigen Bergheimer Stadtgebiet vertrieben wurden, lässt sich mutmaßen, dass die von den Franken weitergenutzte Straße einen wichtigen Handelsweg darstellte. Spätestens in der Frankenzeit wurde Oberaußem besiedelt. Aus dieser Epoche stammen vermutlich auch einige, teilweise heute niedergelegte Oberaußemer Güter.

MittelalterBearbeiten

Oberaußem und Niederaußem wurden 962 unter dem gemeinsamen Namen Ouleshem erwähnt. Im Mittelalter unterhielt hier die Reichsabtei Kornelimünster einen Fronhof mit zahlreichen abhängigen Gütern sowie eine Mannkammer mit 31 Lehnsgütern, deren Lehensträger dem Abt zur Heeresfolge verpflichtet waren.

NeuzeitBearbeiten

In den Napoleonischen Kriegen wurde der Oberaußemer Fleurshof als Lazarett für verwundete französische Offiziere genutzt. Nach alten Oberaußemer Überlieferungen hat Napoleon bei seinem Aufenthalt in Bergheim auch seine Offiziere in Oberaußem besucht.

19./20. JahrhundertBearbeiten

Wie auch in Niederaußem vollzog sich der Wandel des Ortes durch die Braunkohle und die daraus resultierende Industrialisierung. Südlich des Dorfes wurden die Brikettfabrik Fortuna und das Kraftwerk Fortuna gebaut. Südlich des Industriegelände entstand Anfang des 20. Jahrhunderts die Bergarbeitersiedlung Fortuna; sie erstreckte sich bis zum Kloster Bethlehem.

Mit dem Aufschluss des Tagebaus Bergheim endete aber zu Beginn der 1980er Jahre die Geschichte Fortunas. Der Ort fiel dem Tagebau zum Opfer. 1988 schloss das Kraftwerk. Heute erinnern noch die Barbarakapelle, die Kirchturmspitze der Barbarakirche auf dem Vorplatz von St. Vinzentius und die Kraftwerksturbine auf dem Theodor-Bondü-Platz an die Siedlung und das Kraftwerk Fortuna.

Am 1. Januar 1975 wurde die Gemeinde Oberaußem-Fortuna in die Kreisstadt Bergheim eingegliedert.[1]

GegenwartBearbeiten

Der Braunkohlenbergbau brachte aber auch Naherholungsgebiete mit sich. Direkt hinter Oberaußem beginnt die Glessener Höhe, eine bepflanzte (rekultivierte) Abraumhalde mit zahlreichen Rad- und Wanderwegen.

Das 1980 entstandene Bürgerhaus und der nach einem langjährigen Schulleiter benannte Theodor-Bondü-Platz, an dem die beiden Geschäftsstraßen, die Büsdorfer und die Bergheimer Straße, zusammentreffen, bilden den heutigen Mittelpunkt des Ortes.

 
St. Vinzentius

Oberaußem verfügt über eine Grundschule, mehrere Kindergärten, eine Realschule und ein Schwimmbad an der Ortsgrenze zu Niederaußem, sowie ein privates Alten- und Pflegeheim am Sandberg. Der Ausländeranteil lag 2010 bei 8,3 Prozent (Stand 31. Dezember 2010).

Zahlreiche Veranstaltungen finden im 1980 errichteten Bürgerhaus statt. Interessierte Bürger haben sich zu einem Heimatverein zusammengeschlossen, der auch Publikationen über die Geschichte des Ortes herausgibt. Im Jahre 2008 wurde auf dem Vorplatz des Bürgerhauses ein Wappenbaum errichtet, der Wappen von Ortsvereinen und Gruppierungen trägt.

BauwerkeBearbeiten

Erwähnung in der „Blechtrommel“Bearbeiten

Oberaußem fand Eingang in die Weltliteratur. Im Roman „Die Blechtrommel“ schildert Literaturnobelpreisträger Günter Grass, der nach dem Zweiten Weltkrieg kurze Zeit im Ort wohnte, die Aussicht vom Alten Friedhof auf das Kraftwerk Fortuna. Anfang 2006 wurde an der Friedhofswand eine Bronzetafel mit Inschrift angebracht, die daran erinnert. Die Gedenktafel beruht auf einem Entwurf eines ehemaligen Studienkollegens von Grass an der Kunstakademie Düsseldorf, des Oberaußemer Bildhauers Heinz Klein-Arendt, der im Juli 2005 verstarb und die Tafel nicht mehr fertigstellen konnte.[2]

LiteraturBearbeiten

  • Josef Dürbaum: Heimatkunde der Gemeinde Oberaußem. 1912, Neuauflage 2000, Hans-Josef Weck, Hans-Joachim Mörs, Carsten Meyer
  • Christian Kämmerling: 100 Jahre Pfarrkirche St. Vinzentius. 1981

WeblinksBearbeiten

  Commons: Oberaußem – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 300.
  2. Erinnerung an Günter Grass (Memento des Originals vom 31. März 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stadtteilforum-oberaussem.de, Berichte auf der Website des Stadtteilforums Oberaußem vom 20. Dezember 2005 (Abgerufen am 17. Oktober 2009).