Nowy Sącz

Stadt in Polen

Nowy Sącz [ˈnɔvɘ̟ˈsɔ̃ʈ͡ʂ] (deutsch: Neu Sandez oder älter Neu Sandec; ungarisch: Újszandec) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Kleinpolen und hat etwa 84.000 Einwohner. Die Stadt liegt nördlich der Sandezer Beskiden (Beskid Sądecki) in einer Talweitung an der Mündung der Kamienica in den Dunajec auf 290 m Höhe über NN und ist ein regionales Industrie- und Dienstleistungszentrum.

Nowy Sącz
Wappen von Nowy Sącz
Nowy Sącz (Polen)
Nowy Sącz
Nowy Sącz
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kleinpolen
Powiat: Kreisfreie Stadt
Fläche: 57,00 km²
Geographische Lage: 49° 37′ N, 20° 42′ OKoordinaten: 49° 37′ 0″ N, 20° 42′ 0″ O
Höhe: 290 m n.p.m.
Einwohner: 83.813
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 33-300
Telefonvorwahl: (+48) 18
Kfz-Kennzeichen: KN
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 28 Rabka-ZdrójJasło
DK 75 BrzeskoMuszynka
DK 87 Nowy Sącz–Piwniczna-Zdrój
Schienenweg: Tarnów–Muszyna
Chabówka–Nowy Sącz
Nächster int. Flughafen: Krakau-Balice
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 57,00 km²
Einwohner: 83.813
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 1470 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1262011
Verwaltung (Stand: 2011)
Stadtpräsident: Ryszard Nowak
Adresse: Rynek 1
33-300 Nowy Sącz
Webpräsenz: www.nowysacz.pl



GeschichteBearbeiten

Der Ort wurde im Jahre 1292 von König Wenzel II. von Böhmen angelegt, das Stadtrecht erhielt er im 14. Jahrhundert von Władysław I. Ellenlang.[2] Nach Kurt Lück stellten im 15. Jahrhundert deutsche Bewohner ca. 3/4 der Stadtbevölkerung.[3] Erst im Jahr 1469 wurde ein polnischer Priester in der Pfarrkirche eingesetzt.[2]

Besondere Privilegien, die von Kasimir dem Großen gewährt wurden, bewirkten einen raschen Aufstieg der Stadt. Der verheerende Brand von 1611, Epidemien und Kriege verursachten dann den Niedergang.

Ab 1772 gehörte die Stadt zum österreichischen Kronland Galizien und wurde dort zu einem wichtigen Verwaltungszentrum, von 1774 bis 1782 kurzzeitig Sitz eines Bezirksamts, wurde dann bis 1876 in ein Kreisamt umgewandelt und war dann bis zum Ende der österreichischen Herrschaft in Galizien (fiel 1918 an Polen) Sitz einer Bezirkshauptmannschaft. Im Zuge der Josephinischen Kolonisation wurden 235 deutsche Familien in der Umgebung von Nowy Sącz angesiedelt.[4] In die Stadt kamen auch Beamte und Handwerker aus dem deutschsprachigen Raum. 1800 wurde eine protestantische Gemeinde in der Franziskanerkirche organisiert. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Ort zu einem bedeutenden Zentrum des Chassidismus, hier wirkte Chaim Halberstam ab 1830 als Rabbiner.

Im Ersten Weltkrieg befand sich für kurze Zeit das Hauptkommando eines Teiles der Ostfront (Przemyśl) der verbündeten Truppen von Österreich-Ungarn und des Deutschen Reiches in Neu Sandez. Vor dem Zweiten Weltkrieg wohnten in Nowy Sącz 10.000 Juden, das war ein Drittel der Bevölkerung.[5] Im Juli 1941 wurden die jüdischen Einwohner ghettoisiert, in dem Ghetto lebten im August 1942 ungefähr 20.000 Juden, bevor sie in das Vernichtungslager Belzec deportiert wurden.

Die Stadt und ihre östliche Umgebung (siehe das Lemkenland) hatten lange Zeit einen bedeutenden ruthenischen bzw. ukrainischen (1928 wurde offiziell die Bezeichnung von ruthenisch auf ukrainisch geändert[6]) Bevölkerungsanteil, davon viele Lemken,[7] die aber auch zum großen Teil separate Identität entwickelten.[8] Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wurden die meisten Lemken bzw. Ukrainer im Rahmen der Aktion Weichsel in die Sowjetunion deportiert, wo sie sich zumeist in der Ukrainischen SSR niederließen.

Von 1975 bis 1998 war Nowy Sącz die Hauptstadt der Woiwodschaft Nowy Sącz.

Politik und VerwaltungBearbeiten

StädtepartnerschaftenBearbeiten

 
Panorama mit Tatra im Hintergrund
 
St. Margarethe-Basilika
 
Freilichtmuseum

Nowy Sącz unterhält 12 Städtepartnerschaften:

Die Stadt Schwerte setze die Partnerschaft am IDAHOBIT 2020 aus, nachdem sich die polnischen Stadt als „LGBT-ideologiefreie“ Zone erklärt hatte.[9]

SehenswertesBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Sonstige mit der Stadt in Verbindung stehende PersönlichkeitenBearbeiten

  • Ernst Hein (1887–1950), Stadtkommissar 1939/40
  • Emanuel Ringelblum (1900–1944), polnisch-jüdischer Historiker, Politiker, Pädagoge und Publizist, verbrachte hier seine Jugend

LiteraturBearbeiten

  • Nowy Sącz, in: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Jerusalem : Yad Vashem, 2009 ISBN 978-965-308-345-5, S. 532–536

WeblinksBearbeiten

Commons: Nowy Sącz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. a b Bogdan Mościcki: Beskid Sądecki. Przewodnik. Oficyna Wydawnicza „Rewasz“, Pruszków 2007, ISBN 978-83-8918865-6, S. 204–209 (polnisch).
  3. Deutsche Besiedlung Kleinpolens und Rotreußens im 15. Jahrhundert. Bearbeitet u. gezeichnet von Kurt Lück, 1934.
  4. Kolonie Józefa (PDF) (polnisch)
  5. Geschichte der Juden in Nowy Sącz (polnisch)
  6. Witold Grzesik, Tomasz Traczyk, Bartłomiej Wadas: Beskid Niski od Komańczy do Wysowej. Sklep Podróżniczy, Warszawa 2012, ISBN 978-83-7136-087-9, S. 391 (polnisch).
  7. http://www.encyclopediaofukraine.com/display.asp?linkpath=pages%5CN%5CO%5CNowySJ8cz.htm
  8. Magdalena Palka: Das vergessene Volk der Lemken. Eine ethnische Minderheit auf der Suche nach ihrer Identität. Wien 2012 (Online [PDF]).
  9. Queer.de: Schwerte setzt Städtepartnerschaft mit Polen aus. 17. Mai 2020, abgerufen am 17. Mai 2020 (deutsch).
  10. Stephan Wendehorst (Hrsg.). (2015): Die Anatomie frühneuzeitlicher Imperien: Herrschaftsmanagement jenseits von Staat und Nation. Oldenburg, Walter de Gruyter.ISBN 978-3-486-57911-6.