Normalisierung (Soziologie)

Ausrichtung menschlichen Lebens an Normalität
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Begründung: Quellenangaben unzureichend. --Zulu55 (Diskussion) 14:33, 7. Sep. 2012 (CEST)

Unter Normalisierung wird in Teilen der Sozialwissenschaften die Ausrichtung menschlichen Lebens an Normalität verstanden.[1] Zwang und Beeinflussung sind hierbei Bestandteile der Herstellung von Erwartbarkeiten durch Normalisierung.

Verkehrsschilder machen Vorgaben für normatives Verhalten

Im Wesentlichen lässt sich zwischen einer eher normativ und einer eher deskriptiv orientieren Normalisierung unterscheiden. Normalität kann durch Normen (z. B. Rechtsnormen) festgelegt werden. Dabei ist es möglich, dass diese normative Normalität stark von der tatsächlichen (deskriptiven) Normalität abweichen kann. Normalität kann jedoch auch auf der Grundlage empirischer Befunde festgestellt werden.

In der theoretischen (und tatsächlichen) Entwicklung der Normalisierung lassen sich verschiedene Phasen ausmachen. Foucault beschreibt in seinem Buch "Überwachen und Strafen" eine Normalisierung, die auf Disziplin und Strafe aufbaut. Mittels einer ubiquitären (allgegenwärtigen) Überwachung wird die Disziplin dabei internalisiert, sodass die Strafe schließlich durch die bloße Strafdrohung und die Überwachung durch die bloße Möglichkeit der Überwachung ersetzt wird. (siehe auch Bio-Macht)

Deleuze (1993) schlägt dagegen den Begriff der Kontrollgesellschaft vor, in der Normalisierung über Zugangskontrollen erreicht wird. Die Zugangskontrollen beschränken dabei den Zugang zu Ressourcen, sodass der Zwang zur Normalisierung in den Kontrollgesellschaften durch einen Wunsch nach Normalisierung ersetzt wird. Der späte Foucault betont die Bedeutung der Selbstführungstechniken. Nicht mehr ausdrückliche normative Ansprüche von außen leiten die Verhaltensanpassung an Normalität an, sondern die eigene Feststellung dessen, was in der Gesellschaft deskriptiv normal ist.

Link (1997) unterscheidet hier zwischen einem Protonormalismus, der sich stark an Normativität orientiert, enge Grenzen für Verhalten festlegt und auf Abweichungen mit Strafen oder Ausschluss reagiert, und einem flexiblen Normalismus, der eher mit statistischen Mitteln arbeitet, Abweichungen als Teil der Normalität versteht und verwalten will, anstatt zu unterdrücken.

LiteraturBearbeiten

  • Gilles Deleuze: Postskriptum über die Kontrollgesellschaften, in: Deleuze, Gilles: Unterhandlungen. 1972–1990. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1993. S. 254–262.
  • Krasmann, Susanne (2000): Gouvernementalität der Oberfläche. Aggressivität (ab-)trainieren beispielsweise. In: Bröckling, Krasmann & Lemke 2000, 194–226.
  • Link, Jürgen: Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1997
  • Link, Jürgen: Normale Krisen? Normalismus und die Krise der Gegenwart. Konstanz: University Press 2013
  • Herbert Mehrtens: Kontrolltechnik Normalisierung. Einführende Überlegungen, in: Werner Sohn/Herbert Mehrtens (Hg.): Normalität und Abweichung. Studien zur Theorie und Geschichte der Normalisierungsgesellschaft, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1999. S. 45–64.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bröckling 2000, Foucault 2004, Krasmann 2000, Mehrtens 1999, Singelnstein/Stolle 2006 u.A.