Nikolaus Poppe

russischer Linguist

Nikolaus Poppe (auch: Nicholas Poppe; russisch Николай Николаевич Поппе, Nikolai Nikolajewitsch Poppe; * 27. Juli 1897 in Yantai, China; † 8. August 1991 in Seattle, Washington) war ein vielseitiger Linguist, der auf das Mongolische und die hypothetische altaische Sprachfamilie spezialisiert war. Bis 1943 arbeitete Poppe in der Sowjetunion, danach in Deutschland und den USA.

BiografieBearbeiten

Poppes Vater stand als Konsulatsbeamter im diplomatischen Dienst Russlands und war zum Zeitpunkt von dessen Geburt in China stationiert.

1923 begann Poppe, an der Universität Leningrad zu lehren und betrieb Feldforschung in der Mongolei. 1931 wurde er Leiter der Abteilung für Mongolistik am Institut für Asienwissenschaften der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften. 1932 wurde er mit 34 Jahren zum korrespondierenden Mitglied der Akademie gewählt. 1946 wurde er aus der Akademie ausgeschlossen.[1]

1943 lief Poppe im Kaukasus zu den Nazis über, half den Deutschen, ein Quisling-Regime in der Region Karatschai zu installieren, das sofort sämtliche jüdische Vermögen beschlagnahmte und bald darauf die jüdische Bevölkerung ermordete. Poppe zog nach Berlin und arbeitete dort am SS-nahen Wannsee-Institut.

Nach der Niederlage Deutschlands wurde er von den sowjetischen Behörden wegen Kriegsverbrechen gesucht, arbeitete zunächst für den britischen und später für den US-Geheimdienst, gelangte 1949 in die USA. Dort lebte er zunächst unter falschem Namen, erstellte Studien für das Außenministerium und lehrte dann bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1968 an der University of Washington. Im selben Jahr erhielt er eine Ehrendoktorwürde von der Universität Bonn. Seit 1978 war er korrespondierendes Mitglied der British Academy.[2]

WerkeBearbeiten

  • А.И. Востриков, Н.Н. Поппе (A. I. Wostrikow, N.N. Poppe): Летопись баргузинских бурят: Тексты и исследования (Die Annalen der Bargusiner Burjaten: Texte und Studien); Moskau Leningrad 1935
  • Nicholas Poppe: Reminiscences. Hrsg. Henry Schwartz. Western Washington University Center for East Asian Studies, Bellingham, WA, 1983.

LiteraturBearbeiten

  • Walther Heissig und Klaus Sagaster: Gedanke und Wirkung. Festschrift zum 90. Geburtstag von Nikolaus Poppe. Asiatische Forschungen. Band 108, Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1989, ISSN 0571-320X.
  • Arista Maria Cirtautas: Nicholas Poppe. A bibliography of publications from 1924–1977. In: Parerga. Band 4, Institute for Comparative and Foreign Area Studies, University of Washington, Seattle 1977.
  • Christopher Simpson: Der Amerikanische Bumerang. NS-Kriegsverbrecher im Sold der USA. Carl Ueberreuter, Wien 1988.
  • N. S. Jachontowa: Николай Николаевич Поппе. Institut für Orientstudien der Russischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 11. Dezember 2021 (russisch, mit Publikationsverzeichnis).
  • Arista Maria Cirtautas: Nicholas Poppe: Bibliography 1977–1982. In: Central Asiatic Journal. Band 26, Nr. 3–4, 1982, S. 161–166.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Korrespondierende Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften seit 1724: Поппе, Николай Николаевич. Russische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 11. Dezember 2021 (russisch).
  2. Deceased Fellows. British Academy, abgerufen am 19. Juli 2020.