Nikolaus Grass

österreichischer Volkskundler, Rechtshistoriker und Staatswissenschaftler

Nikolaus Grass (* 28. Juli 1913 in Hall in Tirol; † 5. Oktober 1999 in Innsbruck) war ein österreichischer Volkskundler, Wirtschafts- und Rechtshistoriker sowie Rechts- und Staatswissenschaftler.

LebenBearbeiten

Nikolaus Grass ist der Bruder des Innsbrucker Mediziners, Kirchenrechtlers und Rechtshistorikers Franz Grass und war zu seinen Lebzeiten einer der angesehensten Wissenschaftler Österreichs. 1959 wurde er ordentlicher Professor an der juristischen Fakultät der Universität Innsbruck. Seine Hauptinteressen lagen im Bereich der Kultur-, Rechts- und Wirtschaftsgeschichte. Er war, wie die Publikation von Gerhard Oberkofler zeigt, mit bedeutenden europäischen Gelehrten in brieflichem Austausch, so mit Louis Carlen, Guido Kisch, Hans Lentze, Alfons Maria Stickler und Leo Santifaller. Seine Studien über die Almbewirtschaftungen gehen auf jene gemeinschaftlich komplexen Problemlösungen (z. B. Schneefluchtrecht) ein, mit denen sich die mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Arbeiten von Elinor Ostrom befassen.

1966 gründete Grass die Schriftenreihe Forschungen zur Rechts- und Kulturgeschichte, seit 1978 gab er zusammen mit Wolfgang Brückner im Auftrag der Görres-Gesellschaft das Jahrbuch für Volkskunde heraus.

Ehrungen und AuszeichnungenBearbeiten

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

Bereits Mitte der 1980er Jahre umfasste Grass’ wissenschaftliches Werk etwa 400 Veröffentlichungen, darunter:

  • Beiträge der Rechtsgeschichte zur Alpwirtschaft. Vornehmlich nach Tiroler Quellen (= Schlern-Schriften. 56, ZDB-ID 503740-2). Wagner, Innsbruck u. a. 1948.
  • Reichskleinodien. Studien aus rechtshistorischer Sicht (= Österreichische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse. Sitzungsberichte. 248, 4, ISSN 0029-8832). Böhlau, Wien u. a. 1965.
  • Das Zungenrecht und verwandte Abgaben im mittelalterlichen Burgund, in Savoyen und in den Ostalpenländern. In: Gerd Kleinheyer, Paul Mikat (Hrsg.): Beiträge zur Rechtsgeschichte. Gedächtnisschrift für Hermann Conrad (= Rechts- und staatswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft. Neue Folge 34). Schoeningh, Paderborn u. a. 1979, ISBN 3-506-73334-6, S. 213–244.
  • Österreichs Kirchenrechtslehrer der Neuzeit. Besonders an den Universitäten Graz und Innsbruck (= Freiburger Veröffentlichungen aus dem Gebiete von Kirche und Staat. 27). Universitätstsverlag, Freiburg (Schweiz) 1988, ISBN 3-7278-0591-9.

Bibliographien der Schriften Grass’ sind enthalten in seinen Festschriften:

  • Louis Carlen, Fritz Steinegger (Hrsg.): Festschrift Nikolaus Grass. Zum 60. Geburtstag dargebracht von Fachgenossen, Freunden und Schülern. 2 Bände (Bd. 1: Abendländische und deutsche Rechtsgeschichte, Geschichte und Recht der Kirche, Geschichte und Recht Österreichs. Bd. 2: Aus Geschichte und Recht der Almen, Kultur- und Kunstgeschichte, Volkstum, Wissenschaftsgeschichte, aus der Sippen- und Familiengeschichte des Jubilars.). Wagner, Innsbruck u. a. 1974–1975, ISBN 3-7030-0010-4.
  • Kurt Ebert (Hrsg.): Festschrift Nikolaus Grass zum 70. Geburtstag dargebracht von Fachkollegen und Freunden. Wagner, Innsbruck 1986, ISBN 3-7030-0175-5.
  • Nikolaus Grass: Ausgewählte Aufsätze zum 80. Geburtstag. Herausgegeben von Louis Carlen und Hans Constantin Faussner. Weidmann, Hildesheim 1993, ISBN 3-615-00095-1.

LiteraturBearbeiten

  • Ansprache und Laudatio für Herrn Mag. DDDr. Dr. h.c. Nikolaus Grass, ordentlicher Universitätsprofessor an der Universität Innsbruck. Gehalten bei der Ehrenpromotion am 8. November 1979 in der Aula der Universität Graz (= Grazer Universitätsreden. 18). Kienreich, Graz 1982.
  • Wolfgang Brückner: Nikolaus Grass zum Gedenken. In: Jahrbuch für Volkskunde. Neue Folge Bd. 23, 2000, S. 7–10.
  • Gerhard Oberkofler: Nikolaus Grass. Einige wissenschaftshistorische Miniaturen aus Briefen und seine Korrespondenz mit dem Prager Juden Guido Kisch. StudienVerlag, Innsbruck u. a. 2008, ISBN 978-3-7065-4559-4.

WeblinksBearbeiten