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Niedernhausen (Fischbachtal)

Ortsteil von Fischbachtal im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen

Niedernhausen (mundartlich: Hause)[3] ist mit rund 1.300 Einwohnern (mundartlich: Haiser)[4][5] der größte Ortsteil der Gemeinde Fischbachtal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg und Sitz der Gemeindeverwaltung.

Niedernhausen
Gemeinde Fischbachtal
Wappen von Niedernhausen
Koordinaten: 49° 46′ 23″ N, 8° 49′ 0″ O
Höhe: 182 m ü. NHN
Fläche: 4,57 km²[1]
Einwohner: 1363 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 298 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64405
Vorwahl: 06166
Karte
Fischbachtal, Niedernhausen in Rot

Geographische LageBearbeiten

Niedernhausen liegt im Vorderen Odenwald beiderseits des Fischbachs, dessen Tal sich nach Nordosten zur Gersprenzniederung bei Groß-Bieberau öffnet. Im Westen des Ortskerns erhebt sich auf einem steilen bewaldeten Bergkegel Schloss Lichtenberg. Die Gemarkung umfasst 457 Hektar, davon 194 Hektar bewaldet (Stand: 1961). Die höchste Erhebung mit 347 Meter liegt im Süden auf dem Höhenrücken oberhalb des Walddistrikts Strieth an der Grenze zu Fränkisch-Crumbach.

Der mit Niedernhausen korrespondierende Ort Obernhausen liegt westlich davon in der Gemarkung Lichtenberg, in die er schon früh eingegliedert wurde. Übrig blieb Niedernhausen.

Die nächstgelegenen Ortschaften sind im Westen Lichtenberg, im Südwesten Billings, im Süden Nonrod, im Osten Wersau und im Norden Groß-Bieberau.

GeschichteBearbeiten

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf im Jahre 1256 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Himmelthal.[6] Im 14. und 15. Jahrhundert gehört das Dorf zum Besitz der Grafen von Katzenelnbogen und wechselt mit deren Aussterben in den Besitz der Landgrafschaft Hessen. Niedernhausen (früher Waldhausen) lag im Gerichtsbezirk der Cent Ober-Ramstadt. Die Cent war in sogenannte „Reiswagen“ eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Centgrafen unterstellt waren. Dieser Bezirk hatte einen Frachtwagen (Reiswagen) einschließlich Zugtiere und Knechten für Feldzüge bereitzustellen. Niedernhausen gehörte zum „Großbieberauer Reiswagen“, dem auch noch die Orte Groß-Bieberau, Rodau, Wersau, Waldhausen (heute Wüstung)[7] und Neurod angehörten. Die gesamte Cent Ober-Ramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.[8]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Niedernhausen:

»Niedernhausen (L. Bez. Reinheim) luth, Filialdorf; liegt am Fuße des Lichtenberger Bergs an dem Fischbach und 114 St. von Reinheim. Man findet 54 Häuser, 421 Einw., die bis auf 1 Reform. lutherisch sind, und 1 Mahl- und Schneidemühle. – Im Jahr 1398 wurde Eberhard, Graf von Katzenellenbogen vom Pfalzgrafen Ruprecht mit diesem Dorfe belehnt. Die Kalben von Reinheim hatten hier ein Hubengericht, welches ein Spanheimisches Lehen gewesen war.«[9]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Niedernhausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][10][11]

1436 wurde eine St. Jost-Kapelle am südöstlichen Ortsrand (im Wald) erbaut, 1818 wurden deren Überreste abgebrochen. 1890 wurde die heutige evangelische Pfarrkirche im neogotischen Stil erbaut, die „Johannes der Täufer“-Kirche.[1] Das alte Schulhaus wurde 1841 errichtet. Es ist heute Sitz der Gemeindeverwaltung.

Bis 1839 lagen die Orte Niedernhausen, Billings, Messbach und Nonrod in der gemeinsamen Mark Waldhausen. In demselben Jahr wurde sie in vier Gemarkungen aufgeteilt nach der Zahl der Ortsbürger am Stichtag 16. Juni 1823.

Niedernhausen war fortan eine eigenständige Gemeinde bis zum freiwilligen Zusammenschluss mit den Gemeinden Steinau, Lichtenberg, Nonrod, Billings und Meßbach zur Gemeinde Fischbachtal am 31. Dezember 1971 im Rahmen der Gebietsreform in Hessen.[13][14] Für jede der früheren Gemeinden wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.[15] Die Gemeindeverwaltung erhielt ihres Sitz im Ortsteil Niedernhausen.

Historische OrtsnamenBearbeiten

In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Husen under Lichtenberg (1347)
  • Zweynhusen gelegen under Lichtenberg (1384) (Niedern- und Obernhausen)[16][17]
  • Husen, gelegen under Lichtenberg (1388)
  • Haußen under Lichtenperg (1545)
  • Husen inferior (16. Jahrhundert)
  • Hawsen under Liechtenbergk (1568)
  • Haußen under Lichtenberg (1670)
  • Wald-Hausen; jetzt Niedernhausen (1783)

EinwohnerentwicklungBearbeiten

• 1806: 266 Einwohner, 36 Häuser[12]
• 1829: 421 Einwohner, 54 Häuser[9]
• 1867: 528 Einwohner, 70 Häuser[18]
Niedernhausen: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2011
Jahr  Einwohner
1829
  
421
1834
  
471
1840
  
506
1846
  
555
1852
  
486
1858
  
451
1864
  
511
1871
  
513
1875
  
543
1885
  
533
1895
  
507
1905
  
459
1910
  
468
1925
  
499
1939
  
511
1946
  
792
1950
  
740
1956
  
640
1961
  
709
1967
  
831
1970
  
871
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.311
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[19]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

• 1829: 420 lutheranische (= 99,76 %), einen reformierten (= 0,24 %)Einwohner[9]
• 1961: evangelische (= 85,33 %), 96 katholische (= 13,54 %) Einwohner[1]

PolitikBearbeiten

Für Niedernhausen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Niedernhausen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[15] Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2016 gehören ihm zwei Mitglieder der SPD, ein Mitglied der CDU, ein Mitglied der FWF[20] und ein Mitglied dem Bündnis 90/Die Grünen an. Ortsvorsteherin ist Petra Messerschmidt (SPD).[21]

Wappen und FlaggeBearbeiten

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Auf blauem Schild eine silberne Kapelle mit roter Tür und roten Fenstern.“[22]

Das Wappen in seiner heutigen Form wurde durch den Heraldiker Heinz Ritt gestalted und der Gemeinde Niedernhausen im damaligen Landkreis Dieburg am 6. Februar 1964 verliehen.

Wappenbegründung: Das Wappen zeigt eine stilisierte Form der ehemaligen St. Jost-Kapelle, die früher im Wald östlich von Niedernhausen stand. Diese wurde aus einem Gerichtssiegel der Mark Waldhausen übernommen.

FlaggeBearbeiten

Die Flagge wurde am gemeinsam mit dem Wappen am 6. Februar 1964 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Flaggenbeschreibung: „Auf der breiten weißen Mittelbahn des rot-weiß-rot-gestreiften Flaggentuchs aufgelegt das Gemeindewappen.“

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

KulturdenkmälerBearbeiten

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Fischbachtal-Niedernhausen

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Für den überörtlichen Verkehr wird Niedernhausen durch die Landesstraße L 3102 erschlossen, die nördlich des Ortes vor Groß-Bieberau von der L 3106 abzweigt, sich in der Ortsdurchfahrt Darmstädter Straße und Lindenstraße nennt und den oberen Teil des Fischbachtals begleitet. Von dieser Straße zweigen zwei Kreisstraßen nach Süden ab: in der Ortsmitte die Nonroder Straße als K 73 und südlich der Ortslage die K 72 nach Meßbach.

Am nordwestlichen Waldrand liegt ein Campingplatz. Dort befindet sich auch das gemeindeeigene Naturschwimmbad „Odenwaldidyll“, dieses ist verpachtet.

Im Ort gibt es die Heuneburg-Grundschule, ein Bürgerhaus und einen Kindergarten.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Niedernhausen (Fischbachtal) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Niedernhausen, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 28. Mai 2018.
  2. Fischbachtal in Zahlen. In: Webauftritt. Gemeinde Fischbachtal, abgerufen im November 2019.
  3. Gertrud Berg-Oldendorf: Dorfgeschichten aus dem Fischbachtal. Selbstverlag, Fischbachtal 1985, ISBN 3980124606, S. 72
  4. Darmstädter Echo, Donnerstag, 18. September 2014, S. 23
  5. Darmstädter Echo: „Die Haiser Kerb is do“ (Memento vom 17. Juni 2016 im Internet Archive), Stand: 13. September 2012
  6. Erwähnung in Ökumenischer Pilgerweg St. Jost im Fischbachtal. Webauftritt. Ev.-luth. Kirchengemeinde Niedernhausen, abgerufen im November 2019.
  7. Waldhausen, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. September 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  8. Ferdinand Dieffenbach: Das Großherzogthum Hessen in Vergangenheit und Gegenwart. Literarische Anstalt, Darmstadt 1877, S. 254 (online bei Google Books).
  9. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 169 (Online bei google books).
  10. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  11. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  12. a b Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen).
  13. Der Hessische Minister des Inneren: Gemeindegebietsreform Hessen; Zusammenschlüsse und Eingliederung von Gemeinden vom 29. Dezember 1971. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 3, S. 84 ff., Punkt 94, Abs. 71 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,0 MB]).
  14. Karl-Heinz Gerstemeier, Karl Reinhard Hinkel: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Hrsg.: Hessischer Minister des Inneren. Bernecker, Melsungen 1977, DNB 770396321, OCLC 180532844, S. 228.
  15. a b Hauptsatzung. (PDF; 237 kB) §; 5. In: Webauftritt. Gemeinde Fischbachtal, abgerufen im Juli 2019.
  16. Karl E. Demandt: Regesten der Grafen von Katzenelnbogen. Nr. 1777, 22. Mai 1384.
  17. Die Regesten der Mainzer Erzbischöfe. StA Wü, MIB 10 fol. 223 v (02) und 224.
  18. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 64 (Online bei google books).
  19. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  20. Freie Wählergemeinschaft Fischbachtal. Webauftritt. In: fwf-fischbachtal.de. Abgerufen im November 2019.
  21. Ortsbeiräte. In: Webauftritt. Gemeinde Fischbachtal, abgerufen im November 2019.
  22. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens und einer Flagge der Gemeinde Niedernhausen, Landkreis Dieburg (Punkt 228) vom 6. Februar 1964. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1964 Nr. 8, S. 254 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,9 MB]).
  23. Darmstädter Echo, Donnerstag, 17. September 2015, S. 21