Niedermünsterkirche

Bauwerk in Deutschland

Die zuerst um 700 errichtete Niedermünsterkirche in Regensburg war die Kirche des ehemaligen Kanonissenstiftes der Reichsabtei Niedermünster und dient heute als Dompfarrkirche.

Niedermünsterkirche

Gebäude und GeschichteBearbeiten

Auf dem Gebiet der Niedermünsterkirche lagen zunächst im zweiten und dritten Jahrhundert Militärgebäude. Seit dem sechsten Jahrhundert gehörte das Areal den bayerischen Stammesherzögen, die es als Residenz nutzten.[1] Eine erste Saalkirche von 10 mal 23 Metern wurde um 700 errichtet. In ihr wurde innen an der Nordwand der Wanderbischof Erhard bestattet. Teile der Grundmauern sind noch erhalten. Bei dieser Kirche könnte es sich um die erste Bischofskirche von Regensburg handeln. Dies ist auch deswegen plausibel, weil die frühen Wanderbischöfe am herzöglichen Hof wirkten. In der Kirche wurden daher auch die Bischöfe Erhard und Albert von Cashel beigesetzt.[2]

Im späten 8. Jahrhundert entstand ein etwas größerer, 12 mal 27 Meter messender einschiffiger Nachfolgerbau, der vermutlich als Kirche eines neugegründeten Stiftes errichtet wurde. Es wurde vermutlich von Herzog Tassilo III. von Bayern (reg. 748–788) gegründet. Das Niedermünsterstift zählt damit zu den ältesten Klöstern in Bayern.[3]

Kurz vor 955 wurde die Saalkirche durch eine deutlich größere dreischiffige Basilika mit Querhaus und drei Apsiden ersetzt. Sie maß 21 mal 48 Meter und teilte mit dem ersten Kirchenbau die Nordmauer. In diesem Neubau wurde 955 Herzog Heinrich I. von Bayern und 985 seine Gemahlin Judith beigesetzt. Niedermünster war als Grablege des Herzogshauses konzipiert, auch Gisela von Burgund, die Gemahlin von Heinrich dem Zänker wurde hier neben zwei weiteren, nicht näher bekannten Mitgliedern des Herzogshauses bestattet. Am 20. November 1002 erhob König Heinrich II., der frühere bayerische Herzog Heinrich IV., Niedermünster zum Reichsstift, das nicht mehr unter der Gewalt der Regensburger Bischöfe stand. Allerdings ging mit dessen Königswahl seine Präsenz in Regensburg zu Ende und er wandte sich dem Bistum Bamberg zu und wählte den Bamberger Dom als Begräbnisstätte für sich und seine Gemahlin Kunigunde.[4] Zwischen 1060 und 1070 wurde an die Kirche eine romanische Vorhalle angebaut. In der Barockzeit wurde dieser ein erstes Stockwerk hinzugefügt, das heute die bischöfliche Hauskapelle enthält.[5]

1152 beschädigte ein Brand die Niedermünsterkirche.[6] Ab etwa 1146 wurde die Niedermünsterkirche im romanischen Stil neu errichtet. Dieser Bau ist heute noch weitgehend erhalten. Der Brand hatte hauptsächlich den Südturm beschädigt, der von 1200 bis 1220 im oberen Teil neu errichtet wurde.[7] Nach einem weiteren Brand 1280 wurde die Kirche abermals erneuert, ohne dabei in die grundlegende Architektur einzugreifen.[8]

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Kirche modernisiert und mit bedeutenden Kunstwerken ausgestattet u. a. einem monumentalen Bronzekruzifix und der trauernden Magdalena von Georg Petel. Der Dachstuhl in der heutigen Form stammt aus der Barockzeit. Nach der Säkularisation ging die Kirche ins Eigentum Bayerns über und wird seit 1821 anstelle der Kirche St. Ulrich als Dompfarrkirche genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kreuzgang der Niedermünsterkirche durch Bomben schwer beschädigt.[9]

Bei Ausgrabungen in den Jahren 1963 bis 1968 wurden Fundamente römischer Militärgebäude und der Vorgängerbauten der heutigen Kirche ab etwa 700 freigelegt.[10] Diese sind nur mit Führung zu besichtigen. Die Funde und virtuelle Rekonstruktionen werden in der Ausstellung document niedermünster der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Nach Sturmschäden im Jahr 2004 wurden ab 2007 umfangreiche Renovierungsarbeiten an der Bedachung von Turm und Längsschiff vorgenommen.[11] Die Niedermünsterkirche gehört heute zur Dompfarrei. Bis zum 13. Jahrhundert war der Dom gleichzeitig auch Pfarrkirche, zwischen 1230 und 1824 die Kirche St. Ulrich. Seit 1824 ist die Niedermünsterkirche Dompfarrkirche.[12]

Die Niedermünsterkirche als letzte RuhestätteBearbeiten

Folgende Personen wurden im Niedermünster beigesetzt: der heilige Erhard, der selige Albert von Cashel, Heinrich I. von Bayern, seine Frau Judith von Bayern und deren Schwiegertochter Gisela von Burgund, Ehefrau von Heinrich II. der Zänker.

AusstattungBearbeiten

Die Niedermünsterkirche wird durch ein Außenportal betreten, das zunächst in die Vorhalle führt. Dieses Außenportal ist reich ausgeschmückt und steht damit in einem gewissen Gegensatz zur ansonsten sehr schlichten Fassade. Gekrönt ist das Portal von einer Darstellung Mariens als „Patrona Bavariae“. Der Innenraum ist außergewöhnlich schlicht gehalten. Die ursprüngliche flache Holzdecke wurde später durch Gewölbe ersetzt. Ältere Dekorationsphasen stellen Grau-in-Grau-Malereien dar (Grisaillen). Um 1730 entstand darüber Rahmenstuck. Rechts unter der Orgelempore steht die Tumba für Herzogin Judith, die als Stifterin des Niedermünster Damenstifts gilt. An der linken Seite findet sich der römische Sarkophag mit den bei Ausgrabungen zwischen 1963 und 1968 gefundenen Gebeinen der Judith. Im nördlichen Seitenschiff finden sich Heiligengräber, die mit einem Ziborium überbaut sind. Hier ruhen Bischof Erhard und Albert von Cashel.[13]

Der Hochaltar wurde um 1763 nach einem Entwurf von Jakob Mösl errichtet. Er ist aus grauem und rotem Salzburger Marmor gearbeitet und wurde von Lorenz Wieser ausgeführt. Das ursprüngliche Altarbild stammte von Johann B. Durach und zeigte die Himmelfahrt Mariens mit den 12 Aposteln. Es ist verschollen. Der Volksaltar wurde von 1998 von Friedrich Koller geschaffen.[14]

LiteraturBearbeiten

  • Peter Morsbach: Dompfarrkirche Niedermünster Regensburg (= Schnell Kunstführer 50), 1993 (2. Auflage).
  • Eleonore Wintergerst: Das Niedermünster in Regensburg. Die Entwicklung vom Damenstift im frühen und hohen Mittelalter, In: Denkmalpflege in Regensburg 4 (1993/94), S. 62–68.
  • Silvia Codreanu-Windauer: Die frühe Kirche in der Diözese Regensburg: Betrachtungen zu den archäologischen und schriftlichen Quellen bis zum Ende des 8. Jahrhunderts In: 1250 Jahre Kunst und Kultur im Bistum Regensburg. München, Zürich 1989, S. 9–45, hier Katalog Nr. 14.

WeblinksBearbeiten

Commons: Stift Niedermünster (Regensburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Peter Morsbach, Werner Schrüfer: Dompfarrkirche Niedermünster Regensburg. Schnell und Steiner, Regensburg 2003. ISBN 978-3-7954-1529-7; S. 2.
  2. Peter Morsbach, Werner Schrüfer: Dompfarrkirche Niedermünster Regensburg. Regensburg 2003; S. 2–3.
  3. Peter Morsbach, Werner Schrüfer: Dompfarrkirche Niedermünster Regensburg. Regensburg 2003; S. 3.
  4. Peter Schmid: Von der Herzogskirche zum kaiserlichen Reichsstift. In Ratisbona sacra: Das Bistum Regensburg im Mittelalter. Ausstellung anläßlich des 1250jährigen Jubiläums der kanonischen Errichtung des Bistums Regensburg durch Bonifatius, 739–1989; Diözesanmuseum Obermünster, Regensburg, 2. Juni bis 1. Okt. 1989 das Bistum Regensburg im Mittelalter. Schnell & Steiner, München 1989, S. 143–144. ISBN 3795406471.
  5. Peter Morsbach, Werner Schrüfer: Dompfarrkirche Niedermünster Regensburg. Regensburg 2003; S. 5.
  6. Felix Mader: Die Kunstdenkmäler der Oberpfalz. XXII. Stadt Regensburg. II. Die Kirchen der Stadt (Mit Ausnahme von Dom und St. Emmeram).München 1933, S. 211.
  7. Peter Morsbach, Werner Schrüfer: Dompfarrkirche Niedermünster Regensburg. Regensburg 2003; S. 5.
  8. Felix Mader: Die Kunstdenkmäler der Oberpfalz. XXII. Stadt Regensburg. II. Die Kirchen der Stadt (Mit Ausnahme von Dom und St. Emmeram).München 1933, S. 211.
  9. https://www.bavariathek.bayern/wiederaufbau/orte/detail/regensburg/38
  10. Zu diesen Ausgrabungen siehe Michaela Konrad: Die Ausgrabungen unter dem Niedermünster zu Regensburg. Bislang 3 Bände, C. H. Beck, München 2005 ff. Eine Zusammenfassung der Grabungen bietet Michaela Konrad: Vom römischen Militärlager zur mittelalterlichen Stiftskirche. Archäologie unter dem Niedermünster zu Regensburg. In: AkademieAktuell. Ausgabe 3/2006, S. 38–44 (PDF).
  11. Renovierungsarbeiten an der Niedermünsterkirche sollen vor dem Wintereinbruch enden, online seit dem 7. November 2007 unter bistum-regensburg.de
  12. Peter Morsbach, Werner Schrüfer: Dompfarrkirche Niedermünster Regensburg. Regensburg 2003; S. 4.
  13. Peter Morsbach, Werner Schrüfer: Dompfarrkirche Niedermünster Regensburg. Regensburg 2003; S. 6–11.
  14. Peter Morsbach, Werner Schrüfer: Dompfarrkirche Niedermünster Regensburg. Regensburg 2003; S. 22, 25.

Koordinaten: 49° 1′ 10,3″ N, 12° 6′ 2,8″ O