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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Niederfinow führt kein Wappen
Niederfinow
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Niederfinow hervorgehoben

Koordinaten: 52° 50′ N, 13° 56′ O

Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Barnim
Amt: Britz-Chorin-Oderberg
Höhe: 6 m ü. NHN
Fläche: 13,29 km2
Einwohner: 595 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 45 Einwohner je km2
Postleitzahl: 16248
Vorwahl: 033362
Kfz-Kennzeichen: BAR, BER, EW
Gemeindeschlüssel: 12 0 60 172
Adresse der Amtsverwaltung: Eisenwerkstraße 11
16230 Britz
Bürgermeisterin: Peggy Fürst
Lage der Gemeinde Niederfinow im Landkreis Barnim
AhrensfeldeAlthüttendorfBernau bei BerlinBiesenthalBreydinBritz (bei Eberswalde)ChorinEberswaldeFriedrichswaldeHohenfinowJoachimsthalLiepeLunow-StolzenhagenMarienwerderMelchowNiederfinowOderbergPanketalParsteinseeRüdnitzSchorfheideSydower FließWandlitzWerneuchenZiethenBrandenburgKarte
Über dieses Bild

Niederfinow [niːdɐ̯ˈfiːnoː] ist eine amtsangehörige Gemeinde im Landkreis Barnim des Landes Brandenburg. Sie wird vom Amt Britz-Chorin-Oderberg verwaltet. Überregional bekannt ist die Gemeinde durch das Schiffshebewerk Niederfinow.

GeographieBearbeiten

Niederfinow ist Teil der historischen Landschaft Uckermark. Nördlich grenzt das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin mit dem Totalreservat Plagefenn an Niederfinow. Der Ort liegt am nördlichen Rand des Eberswalder Urstromtals und erstreckt sich über etwa 5 km entlang der Hebewerkstraße.

Der Ort liegt unterhalb der Diluvialplatte im Eberswalder Urstromtal, welches in der jüngsten Eiszeit, der Weichseleiszeit entstanden ist. Durch den Ort verlaufen der Finowkanal und die Alte Finow.

Als Baugrund ist überwiegend Sand und Kiessand anzutreffen, der Grundwasserspiegel ist sehr niedrig. Niederfinow erstreckt sich über 5 km in Ost-West- und 1,5 km in Nord-Süd-Richtung.

GemeindegliederungBearbeiten

Niederfinow verfügt über keine Ortsteile und bewohnten Gemeindeteile. Zur Gemeinde gehört der Wohnplatz Stecherschleuse.[2]

GeschichteBearbeiten

FrühzeitBearbeiten

Nach der Weichseleiszeit wanderten Menschen in das Gebiet um Hohenfinow ein. In der Nähe von Liebenstein (heute Ortsteil von Hohenfinow) wurden bronzezeitliche Scherben gefunden. Zwischen Hohenfinow und Amalienhof, an der Abbruchkante des Urstromtals wird ein vorzeitliches Gräberfeld vermutet. Die Steinkisten wurden zwar im 18. Jahrhundert zerstört, es wurden aber einzelne Waffenreste gefunden. So wurde in der Nähe von Karlswerk ein Schwert aus der jüngeren Bronzezeit im Moor gefunden.

Burg FinowBearbeiten

 
Blick vom Struwenberg nach Niederfinow

Der Ort ist slawischen Ursprungs. Die Region wurde um 1200 von den Askaniern erobert. Nach dem Bau der etwa 10 km entfernten Burg Oderberg (damals niederdeutsch „Aderburg“) im Jahr 1213 wurde an der strategisch wichtigen Stelle oberhalb der Finow die Burg Finow gegründet. 1904 wurde bei Ausgrabungen am Hohenfinower Schloss in 2,50 m Tiefe ein mecklenburgischer Stierkopfbrakteat gefunden, der um 1220 geprägt wurde. Dieses Jahr wird als Baujahr der Burg vermutet.

Die Burg hatte die Aufgabe, die Furt der Finow (heute Hubbrücke von Niederfinow) zu schützen. Die nächsten Furten waren jeweils zehn Kilometer westlich und östlich bei den damals noch nicht gegründeten Städten Eberswalde und Bad Freienwalde (Oder) gelegen. Die im Norden und Osten gelegenen Slawen sollten abgeschreckt werden, die Burg bot Schutz für die rundum gelegenen landwirtschaftlich genutzten Gebiete.

Namen des OrtesBearbeiten

Der Name Finow stammt aus vorslawischer Zeit. Das mittelniederdeutsche Wort fino(u)we bedeutet vermutlich Wurzel. Es setzt sich aus den indogermanischen pen = Schlamm, Sumpf, Wasser, feucht und uei, ui = drehen, biegen, winden zusammen, die mit dem westgermanischen Suffix -n bzw. dem slawischen -ov kombiniert wurden. Finow bedeutet also frei übertragen sich windender Fluss mit Sümpfen.[3] Zur Zeit der Besiedlung der Gegend um Hohen- und Niederfinow durch die Slawen war die Anhöhe südlich des Flusses Finow strategisch bedeutend. Die Furt bei Neustadt (heute Eberswalde) war durch die topografischen Gegebenheiten weniger übersichtlich, die heutige Kreisstadt gewann erst 1317 durch eine Bestimmung von Markgraf Waldemar an Bedeutung. Waldemar verfügte, dass die Handelsstraße von Frankfurt (Oder) und Berlin nach Stettin nicht mehr über Hohenfinow/Niederfinow zu verlaufen habe, sondern über Neustadt-Eberswalde. Dazu ließ er eine Brücke über die Ragöse bauen. Die Errichtung der Burg Finow sowie des Ortes Hohenfinow als damals wichtigste Siedlung am 35 Kilometer langen Fluss begründet die Namensgebung. Etwa zeitgleich mit Niederfinow entstand wenige Kilometer südlich Hohenfinow, das wegen der Zollstelle für Land- und Wasserzoll am Fluss via Vienouie genannt wurde.[4]

Später entstanden weitere Orte, die den Fluss im Namen führen: Finow und Finowfurt.

Der Ort hat mehrmals in der Geschichte seinen Namen gewechselt, die ursprüngliche Bedeutung blieb jedoch erhalten.

  • 1258 Vinow
  • 1267 in molendino Vinaie inferioris (Mühle Niederfinow)
  • 1288 Datum Vinow (gegeben zu Finow)
  • 1308 Civitas Vinow (Stadt Finow)
  • 1334 oppidum Niederfinow (Städtchen Niederfinow)
  • 1350 nedder Vinow
  • 1421 Stedeken genomet nedder vynow
  • 1482 Stedeken vino
  • 1542 Städtlein Niedervinow
  • 1688 Neder Vinn an der Wein Ranke
  • 1718 Nieder Vinow und Niedervienow
  • ab 1769 Niederfinow bzw. Nieder Fihnow[5].
  • 1805 Flecken Nieder-Finow

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Niederfinow gehörte seit 1817 zum Kreis Angermünde in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Eberswalde im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Barnim.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1875 1 336
1890 1 551
1910 1 625
1925 1 386
1933 1 585
1939 1 564
1946 1 517
1950 1 484
Jahr Einwohner
1964 1 176
1971 1 099
1981 849
1985 795
1989 704
1990 673
1991 670
1992 681
1993 639
1994 642
Jahr Einwohner
1995 634
1996 646
1997 681
1998 706
1999 703
2000 701
2001 682
2002 674
2003 663
2004 645
Jahr Einwohner
2005 647
2006 654
2007 638
2008 610
2009 612
2010 632
2011 595
2012 611
2013 628
2014 610
Jahr Einwohner
2015 619
2016 599
2017 605
2018 595

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl[6][7][8]: Stand 31. Dezember (ab 1991), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Die Gemeindevertretung von Niederfinow besteht aus acht Mitgliedern sowie der ehrenamtlichen Bürgermeisterin bei folgender Sitzverteilung:

Partei / Wählergruppe Sitze
Für unser Niederfinow 6
SPD 1
Einzelbewerber Siegfried Kunert 1

(Stand: Kommunalwahl am 26. Mai 2019)[9]

BürgermeisterBearbeiten

  • 2003–2008: Siegfried Schiefelbein[10]
  • 2008–2014: Hartmut Teichmann[11]
  • 2014: Kerstin Bergmann[12]
  • 2015–2016: Ute Peters-Pasztor[13]
  • 2017–2019: Günther Gollner[14]
  • seit 2019: Peggy Fürst

Fürst wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 88,5 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[15] gewählt.[16]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

In der Liste der Baudenkmale in Niederfinow und in der Liste der Bodendenkmale in Niederfinow sind die Kulturdenkmale der Gemeinde aufgeführt.

BauwerkeBearbeiten

Unter Denkmalschutz stehen

GeschichtsdenkmaleBearbeiten

  • Gedenkstein auf dem Friedhof Choriner Straße/Hebewerkstraße für die Opfer des Faschismus (1956)
  • Gedenkstein 750 Jahre Niederfinow an der Kreuzung im Ort (2008)

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Ansässige UnternehmenBearbeiten

Neben dem vom Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde betriebenen Schiffshebewerk befindet sich in Niederfinow die Schleuse Stecher (km 84,39 des Finowkanals). Um das Schiffshebewerk herum gibt es mehrere gastronomische Einrichtungen und ein Hotel, im Ortsteil Stecherschleuse befindet sich ein Zeltplatz. Neben Landwirtschaftsbetrieben gibt es auch Firmen der Nahrungsmittelherstellung. Weiterhin sind einige Unternehmen in der Dienstleistungsbranche tätig.

VerkehrBearbeiten

 
Bahnhof Niederfinow 1901
 
Zug der ODEG am Bahnhof Niederfinow 2008

Niederfinow liegt an der Landesstraße L 29 zwischen Oderberg und Hohenfinow.

Der Bahnhof Niederfinow liegt an der Bahnstrecke Eberswalde–Frankfurt (Oder) im Nachbarort Hohenfinow. Er wird von der Regionalbahnlinie RB 60 EberswaldeFrankfurt (Oder) durch die Niederbarnimer Eisenbahn bedient.

Die Barnimer Busgesellschaft fährt Niederfinow mit der Linie 916 (Eberswalde–Oderberg) an.

An Niederfinow vorbei verläuft der Oder-Havel-Kanal. Um einen Höhenunterschied von 36 Metern zu überwinden, wurden hier einst vier Schleusen betrieben, die aber bald an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt waren. So wurde das Schiffshebewerk Niederfinow errichtet, das die Schleusen ersetzte. Am 21. März 1934 wurde es eröffnet. Der Finowkanal führt ebenfalls durch Niederfinow und erfreut sich großer touristischer Beliebtheit.

Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Zugelassene PKW (zum 1.1.)[17] 377 372 371 375 379 380 379 386 392
PKW je 1.000 Einwohner (31.12. des Vorjahres) 591 610 606 593 629 614 604 633 633
Vergleichswert Land Brandenburg 510 514 521 528 542 546 548 551 551

Freizeit- und SportanlagenBearbeiten

Der Sportplatz Niederfinow befindet sich hinter dem Bahnhof im Ort Hohenfinow. In der Choriner Straße ist eine Turnhalle zu finden.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Siegfried Schiefelbein: Niederfinow – ein Ort mit schwebenden Schiffen. Kloster Chorin, Chorin 2008, ISBN 978-3-936932-19-5
  • Chorin und Umgebung. Schiffshebewerk Niederfinow. Plagefenn. (Tourist-Wanderheft 29). Tourist Verlag, Berlin/Leipzig 1978

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2018 (XLSX-Datei; 223 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Niederfinow
  3. Gerhard Schlimpert: Die Ortsnamen des Barnim – Brandenburgisches Namenbuch Bd. 5, Böhlau, Weimar 1984, S. 135
  4. Siegfried Schiefelbein: Niederfinow- ein Ort mit schwebenden Schiffen. 1258–1267–2008. Kloster Chorin, Chorin 2008, ISBN 978-3-936932-19-5
  5. Karte des OberUndUnterbarnimischen Creises Anno 1769
  6. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Barnim. S. 18–21
  7. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  8. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  9. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
  10. Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 22
  11. Traumergebnis: 100 Prozent für Teichmann. In: Märkische Oderzeitung, 23. Oktober 2008
  12. Amtsblatt für das Amt Britz-Chorin-Oderberg. Ausgabe 8/2014, S. 5
  13. Ute Peters-Pasztor neue Bürgermeisterin In: Märkische Oderzeitung, 4. Februar 2015
  14. Amtsblatt für das Amt Britz-Chorin-Oderberg, Ausgabe 2/2017, S. 10
  15. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
  16. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019
  17. Kraftfahrt-Bundesamt Statistik Fz3 (Memento des Originals vom 5. Dezember 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kba.de