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Nichts zu verlieren

Film von Wolfgang Murnberger (2018)

Nichts zu verlieren ist eine deutsche Tragikomödie von Wolfgang Murnberger aus dem Jahr 2018, die in Kooperation zwischen dem Bayerischen Rundfunk und dem ORF entstand. Die Premiere erfolgte am 30. Juni 2018 im Rahmen des Filmfests München.[1]

Filmdaten
OriginaltitelNichts zu verlieren
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2018
Länge89 Minuten
Stab
RegieWolfgang Murnberger
DrehbuchRuth Toma
ProduktionCaroline Daube
Thomas Blieninger
Robert Marciniak
MusikAlexander Maschke
Dominik Giesriegl
KameraPeter von Haller
SchnittBettina Mazakarini
Besetzung

HandlungBearbeiten

Richy und Tom, Wiener Kleinkriminelle, fliehen nach einem Einbruch in München und einem Streit mit ihrem Kumpan Charly in einem Auto. Als dieses mit Motorschaden liegen bleibt, entführen sie eine kleine Reisegruppe in einem alten Reisebus. Doch dabei handelt es sich nicht um eine gewöhnliche Reisegruppe, sondern um eine Trauerreisegruppe, die versucht, ihre Traumata zu lindern. Doch nicht nur die Reisenden, auch die Reiseleiterin will mit dieser Reise in die Berge ihre mögliche Trennung von ihrem Mann und Firmenchef Anders verarbeiten. Sie ist daher emotional selber angeschlagen, kann dies aber professionell hinter ihrer Arbeit verstecken, schließlich ist sie eine ausgebildete Trauertherapeutin.

Charly, der sich um seinen Anteil an der Beute betrogen sieht, verfolgt seine Komplizen. Auch Anders erfährt im Reisebüro, dass etwas mit der Tour nicht so läuft, wie geplant, schreibt es aber der Trotzreaktion seiner Frau zu. Mit einem Firmenwagen nimmt auch er die Verfolgung auf, wobei sich an einer Tankstelle Charly in dessen Auto versteckt. Im Reisebus wird mittlerweile allen klar, dass Richy, der ältere der beiden Kidnapper, verletzt ist und stark blutet. Reiseleiterin Irma nutzt seinen Schwächeanfall, um ihrem Mann Peter eine Nachricht zu schicken. Obwohl alle Handys eingesammelt wurden, hatte sie ein zweites dabei, was Richy aber jetzt bemerkt. Er weist Tom an, es auf einen Traktorhänger zu werfen, der gerade vorüberfährt. Da Peter dem Handysignal folgt, verliert er den direkten Anschluss an die Gruppe und findet den Bus erst nach längerer Fahrt wieder.

In Rückblenden erfährt der Zuschauer die Schicksale der Mitglieder der Trauergruppe. Christa war ihr Leben lang Sprechstundenhilfe in der Praxis ihres Mannes, der vor einem Jahr gestorben ist. Nun versucht sie ihr Leben neu zu organisieren, was ihr noch immer nicht gelungen ist.

Hilde ist seit 6 Monaten Witwe und leidet darunter, dass ihr Ex-Mann ihr nicht einmal nach seinem Tod „gehört“, denn seine neue Frau hatte ihr nicht nur ihren Mann ausgespannt, sondern ihr auch verboten an seinem Grab zu trauern. Zu allem Überfluss hatte er sich gerade entschieden, sich wieder von dieser zu trennen und zu Hilde zurückzukehren. Vom Leben enttäuscht, wütend und verbittert, kann sie nun kaum noch etwas erschüttern. Sie ist diejenige, die den Entführern den meisten Widerstand entgegenbringt.

Harry trauert um seinen Hund Emely, traut sich dies den anderen aber nicht zu sagen, sondern erfindet Geschichten über sich und seine „Frau“.

Helmut betrauert seine Frau, die er vor sieben Monaten verloren hat und hofft, über diese Trauereisen eine neue Frau zu finden.

Miriam hat vor 8 Monaten bei einem Motorradunfall ihren Mann verloren und ist noch immer grenzenlos traurig darüber. Tom tut die junge Frau leid und er versucht sie während der Fahrt zu trösten. Insgesamt kommen die Entführer immer mehr mit den Reisenden ins Gespräch und es entsteht eine gewisse Ebene des Verständnisses füreinander. Das führt sogar so weit, dass Richy es zulässt, dass Irma für die Gruppe einen Punkt ihres Therapieprogramms abarbeitet. Richy bemerkt dabei, dass Irma etwas bedrückt. Schließlich öffnet auch sie sich und erzählt unter Tränen, sie habe vor Kurzem zum zweiten Mal ein Baby verloren und ihr Mann hätte lediglich darüber getrauert, dass ihre Brüste wieder abgeschwollen seien.

Je länger die Fahrt dauert, desto schlechter geht es Richy. Er verfasst sein Testament zu Gunsten seines Bruders Tom. Alle Betroffenen machen sich große Sorgen um ihren Entführer, sodass der Bus mit Toms Genehmigung anhält und Christa einen Notarzt anruft. Ihre Verfolger beobachten den Stopp und Charly bedroht Peter mit einer Pistole. Beide nähern sich dem Bus und nun fordert Charly die Tasche mit dem Geld. Da Tom seinen sterbenden Bruder in den Armen hält, holt Harry die Tasche der Entführer aus dem Bus. Charly setzt sich daraufhin mit der Beute ab. Bevor Notarzt und Polizei eintreffen, klärt Hilde ihre Situation. Da nur zwei Entführer gesucht werden, sollten sie sich einig sein, dass der eine gerade gestorben und der andere mit der der Beute auf der Flucht sei. Da Tom nur den Fluchtwagen gefahren hatte, hätte er ja eigentlich niemandem geschadet. Während Tom zu Fuß in den Wald flüchtet, wird Charly von der Polizei gestoppt, doch die Reisetasche enthält keine Beute ....

Vier Wochen später holt die Reisegruppe ihre vorgesehene Reise in die Berge nach und diesmal ist auch Tom dabei, der nicht nur den Verlust seines Bruders verarbeiten will, sondern sich auch mit Miriam angefreundet hat.

ProduktionsnotizenBearbeiten

Die Dreharbeiten fanden vom 25. Juli 2017 bis zum 23. August 2017 in München und Umgebung sowie im Berchtesgadener Land statt, die Fernseh-Erstausstrahlung erfolgte am 29. August 2018 im Rahmen des FilmMittwoch im Ersten.[2]

RezeptionBearbeiten

KritikenBearbeiten

Tilmann P. Gangloff von tittelbach.tv befand: Den Filmemachern gelingt „das Kunststück, eine im Grunde traurige Geschichte konsequent als Komödie zu erzählen. Im Verlauf der Fahrt gewähren alle Teilnehmer inklusive der Gangster tiefe Einblicke in ihr Seelenleben. Der Film erzählt eine Geschichte mit hohem Identifikations-Potenzial, schließlich hat so gut wie jeder schon mal einen geliebten Menschen verloren, und in der Tat gibt es Augenblicke, die zu Herzen gehen. Trotzdem wird ‚Nichts zu verlieren‘ auch dank der relaxten Musik nie zum Befindlichkeitsdrama. Dafür sorgt nicht zuletzt Georg Friedrich, der als Wortführer der Kriminellen die mit Abstand bissigsten Dialoge hat.“[3]

Bei Quotenmeter.de wertete Sidney Schering: Man erkennt im Laufe des Films „den schleichenden Prozess mit einer inszenatorischen Ruhe und Selbstverständlichkeit, durch die das Schauspiel und die Dialoge, und somit die Figurenentwicklung in den Vordergrund treten – und nicht das Handlungskonstrukt. Das wird gewieft durch einen Subplot um einen dritten Ganoven aufgelockert, das dem Halbbrüder-Duo hinterherjagt. Schade nur, dass die schwerfällig-traurige Filmmusik, selbst wenn sie nur spärlich eingesetzt wird, diese smarte, einfühlsame Dramedy zuweilen erdrückt.“[4]

Matthias Hannemann von der FAZ meinte: „Viele Gags sind […] erstaunlich seicht, so schwierig es ist, bei diesem Thema die Balance zu finden. Dem Zuschauer die Reiseteilnehmer emotional näherzubringen – das fällt der Produktion schwer. Einzig Miriam, die Untröstliche […], gewinnt allmählich an Kontur. […] Insgesamt wäre wohl mehr drin gewesen, doch der thematisch schlüssige, sogar originelle Abgang des Films wiegt es nicht auf. Aber er tröstet.“[5]

Bei der Frankfurter Rundschau stand: „Dieser Film ist eine wahre Freude für alle Zuschauer, die überzeugt sind, jede Geschichte schon zu kennen. Es mag gewisse Parallelen zu den Verfilmungen von Monika Peetz’ Romanen über die Dienstagsfrauen geben, aber Ruth Toma bereichert die Rahmenhandlung […] um eine ganz entscheidende Komponente: die der Kriminellen.“ Diese „kleine Abweichung vom Schema genügt, um das Subgenre gegen den Strich zu bürsten, weil die typische Selbstfindungsthematik nun in ganz anderem Licht erscheint.“[6]

AuszeichnungenBearbeiten

Deutsches Fernsehkrimi-Festival 2019

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Neuer Murnberger: Das Erste hat im Sommer «Nichts zu verlieren». In: quotenmeter.de. 28. Mai 2018, abgerufen am 28. Mai 2018.
  2. Tragikomödie „Nichts zu verlieren“ von Wolfgang Murnberger. In: br.de. Bayerischer Rundfunk, 1. August 2017, abgerufen am 30. Juni 2018.
  3. Tilmann P. Gangloff: Georg Friedrich, Lisa Wagner, Toma, Murnberger. Es geht (k)eine Träne auf Reisen Filmkritik bei tittelbach.tv, abgerufen am 10. November 2018.
  4. Sidney Schering: Filmkritik bei Quotenmeter.de, abgerufen am 10. November 2018.
  5. Matthias Hannemann: Es fährt ein Bus nach Nirgendwo bei faz.net, abgerufen am 10. November 2018.
  6. Tote fahren gratis bei fr.de, abgerufen am 10. November 2018.
  7. Die Nominierungen für den Deutschen Fernsehkrimipreis 2019. In: fernsehkrimifestival.de. Abgerufen am 2. Februar 2019.