Neuzelle

Gemeinde in Deutschland

Neuzelle (niedersorbisch Nowa Cala)[2] ist eine amtsangehörige Gemeinde im Südosten von Brandenburg im Landkreis Oder-Spree, ein staatlich anerkannter Erholungsort und vor allem durch das Kloster Neuzelle bekannt. Sie ist Sitz des Amtes Neuzelle.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Neuzelle
Neuzelle
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neuzelle hervorgehoben

Koordinaten: 52° 5′ N, 14° 38′ O

Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Oder-Spree
Amt: Neuzelle
Höhe: 43 m ü. NHN
Fläche: 135,91 km2
Einwohner: 4284 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 32 Einwohner je km2
Postleitzahl: 15898
Vorwahlen: 033652, 033656 (Henzendorf, Treppeln)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: LOS, BSK, EH, FW
Gemeindeschlüssel: 12 0 67 357
Gemeindegliederung: 12 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Bahnhofstraße 22
15898 Neuzelle
Website: www.neuzelle.de
Bürgermeister: Dietmar Baesler (FDP)
Lage der Gemeinde Neuzelle im Landkreis Oder-Spree
Bad SaarowBeeskowBerkenbrückBriesenBrieskow-FinkenheerdDiensdorf-RadlowEisenhüttenstadtErknerFriedlandFürstenwalde/SpreeGosen-Neu ZittauGroß LindowGrünheideGrunow-DammendorfJacobsdorfLangewahlLawitzBriesen (Mark)MixdorfMüllroseNeißemündeNeuzelleRagow-MerzRauenReichenwaldeRietz-NeuendorfSchlaubetalSchöneicheSiehdichumSpreenhagenSteinhöfelStorkowTaucheVogelsangWendisch RietzWiesenauWoltersdorfZiltendorfBrandenburgKarte
Über dieses Bild
Findling am Brauereiplatz: Erholungsort Neuzelle 2003

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde besteht nach ihrer Hauptsatzung[3] aus zwölf Ortsteilen:

Hinzu kommen die Wohnplätze Forsthaus Treppeln, Heidehof, Kolonie Bomsdorf, Kummro, Neumühle, Schlaubemühle, Schwerzkoer Mühle, Vorwerk Bomsdorf, Vorwerk Steinsdorf und Waldseehotel.[4]

GeschichteBearbeiten

OrtsnameBearbeiten

Der Name Neuzelle wurde vom Kloster Neuzelle übernommen. Dieser stammt von Nova Cella, lateinisch für neue Zelle, abgeleitet vom Mutterkloster Cella, später Altzella.[5]

Das Dorf hieß bis 1928 Schlaben, sorbisch Sławin, und hat eine slawische Namensherkunft.

Geschichte der OrtsteileBearbeiten

  • Bahro (niedersorbisch Barow) ist ein Gassendorf, das bis 1817 zum Kloster Neuzelle gehörte, hier wurden Wein, Hanf und Flachs angebaut. Im Ort kreuzen sich die Landesstraßen L 45 und L 452.[6]
  • Bomsdorf (Bónojce) ist ein altes Gutsdorf und gehörte als einziges Dorf im heutigen Amt nie zum Kloster Neuzelle, es war Stammsitz derer von Bomsdorff.[7]
  • Göhlen (Gólin) war bereits in der Bronzezeit besiedelt. Das heutige Dorf entstand im Mittelalter durch deutsche Bauern und wurde nach dem südlich davon gelegenen Göhlensee (von niedersorbisch jeleń = Hirsch) benannt.[8]
  • Henzendorf (Hendrichojce) wurde ebenfalls in der Bronzezeit besiedelt. Es ist von sorbischen Bewohnern angelegt worden und gehörte zum Besitz des Klosters Neuzelle. Ein großer Teil des Gebietes südlich des Dorfes war lange als Schießplatz der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland gesperrt.[9]
  • Kobbeln (Kobołnja) ist ein Angerdorf, das seit dem 15. Jahrhundert dem Kloster Neuzelle gehörte.
  • Möbiskruge war dem Kloster Neuzelle seit dessen Gründung zugeeignet.[10]
  • Der heutige Ortsteil Neuzelle entstand 1928 durch Zusammenlegung des Dorfes Schlaben mit dem Stiftsbezirk Neuzelle.
  • Schwerzko (Šwjerckow) an der Dorche ist ein Sackgassendorf.
  • Streichwitz (Stśěgojce) hatte nördlich des Ortes im Jahr 1739 einen Weinberg, wegen des meist sandigen Bodens wurde das Gebiet später aufgeforstet.[11]
  • Treppeln (Trjebule) liegt am Naturpark Schlaubetal und wurde am 19. Oktober 1357 zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Das Gebiet der heutigen Gemeinde gehörte seit 1817 zum Kreis Guben in der Provinz Brandenburg im Königreich Preußen. 1928 wurde das Dorf Schlabe mit dem Stiftsbezirk Neuzelle zum Marktflecken Neuzelle vereinigt. Es gehörte seit 1952 zum Kreis Eisenhüttenstadt-Land im Bezirk Frankfurt (Oder) in der DDR. Seit 1993 liegen die Orte im Landkreis Oder-Spree im Bundesland Brandenburg.

Die Gemeinde Neuzelle wurde zum 31. Dezember 2001 um zehn zuvor selbstständige Gemeinden vergrößert: Bahro, Bomsdorf, Göhlen, Henzendorf, Kobbeln, Möbiskruge, Schwerzko, Steinsdorf, Streichwitz und Treppeln.[12] Ossendorf kam am 26. Oktober 2003 hinzu.[13]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1875 2344
1890 2069
1910 2175
1925 2207
1933 2483
1939 2466
1946 2658
1950 2747
1964 2626
1971 2214
Jahr Einwohner
1981 2135
1985 2065
1989 2035
1990 2006
1991 1990
1992 1994
1993 1996
1994 1994
1995 1946
1996 1953
Jahr Einwohner
1997 1949
1998 2009
1999 2055
2000 2089
2001 4408
2002 4365
2003 4623
2004 4680
2005 4641
2006 4592
Jahr Einwohner
2007 4582
2008 4539
2009 4497
2010 4471
2011 4404
2012 4344
2013 4319
2014 4315
2015 4302
2016 4281
Jahr Einwohner
2017 4276
2018 4291
2019 4284

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl:[14][15][16] Stand 31. Dezember (ab 1991), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

ReligionBearbeiten

Neuzelle verfügt über eine katholische und eine evangelische Kirchengemeinde.[17]

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2019
Wahlbeteiligung: 67,9 %
 %
30
20
10
0
27,8 %
25,4 %
18,5 %
12,7 %
8,6 %
6,9 %
FWGNa
OTBb
BVNF
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 30
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-6,8 %p
+25,4 %p
+2,9 %p
+12,7 %p
-6,9 %p
-3,7 %p
FWGNa
OTBb
BVNF
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
a Freie Wählergruppe Neuzelle
b Ortsteilbündnis 12
e Bürgervereinigung Neuzeller Forum

GemeindevertretungBearbeiten

Die Gemeindevertretung besteht aus 16 Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Seit der Kommunalwahl 2019 verteilen sich die Sitze wie folgt:

Partei / Wählergruppe 2008[18] 2014[19] 2019[20]
Freie Wählergruppe Neuzelle 6 6 5
Ortsteilbündnis 12 4
FDP 4 2 3
AfD 2
CDU 2 2 1
Bürgervereinigung Neuzeller Forum 3 2 1
SPD 4 3
Einzelbewerber Manfred Holzhey 1
Einzelbewerberin Edeltraut Will 1

BürgermeisterBearbeiten

  • 1998–2003: Rainer Thumernicht[21]
  • 2003–2008: Klaus Schroth (SPD)[22]
  • seit 2008:0. Dietmar Baesler (FDP)[23]

Baesler wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 75,5 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren[24] gewählt.[25]

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 8. August 1993 genehmigt, die Blasonierung lautet „in Blau ein silbernes Kleeblattkreuz“.[26]

GemeindepartnerschaftBearbeiten

Partnergemeinde ist seit 1993 Langenberg in Nordrhein-Westfalen.[27]

Sehenswürdigkeiten und KulturBearbeiten

 
Klosterkirche
 
Klosterkirche

In der Liste der Baudenkmale in Neuzelle und in der Liste der Bodendenkmale in Neuzelle stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Veranstaltungen
 
Schwarzer Abt

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Eines der wichtigsten Unternehmen der Gemeinde ist die Klosterbrauerei Neuzelle. Sie wurde durch den „Schwarzen Abt“, ein Schwarzbier mit Zuckersirupzusatz, überregional bekannt.

VerkehrBearbeiten

Durch Neuzelle verläuft die Bundesstraße 112, die Eisenhüttenstadt mit Guben verbindet. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Frankfurt (Oder)-Mitte an der Bundesautobahn 12 Frankfurt (Oder)–Berlin.

Der Bahnhof Neuzelle an der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn wird von der Regionalbahnlinie RB 11 Frankfurt (Oder)Cottbus bedient.

BildungBearbeiten

Es gibt sechs Kitas[31], zwei Grundschulen, eine kombinierte Oberschule/Gymnasium[32] sowie elf Freiwillige Feuerwehren[33] und eine Revierpolizei.[34]

SportBearbeiten

Der Möbiskruger Sportverein wurde 1967 unter dem Namen BSG Traktor Möbiskruge gegründet.[35] Der Neuzeller SV 1922 spielt in der Saison 2016/2017 in der Kreisliga Süd Ostbrandenburg.[36] Die Schützengilde Neuzelle wurde ursprünglich 1842 und 1991 wieder gegründet.[37] In Treppeln gibt es einen Reit- und Dressurstall mit 20 Pferden.[30]

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Mit Neuzelle verbundene PersönlichkeitenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Neuzelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2019 (XLSX-Datei; 223 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Wendischer Liederkranz. Lausitzer Rundschau, abgerufen am 12. Februar 2013.
  3. Hauptsatzung der Gemeinde Neuzelle
  4. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Neuzelle
  5. Neuzelle. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  6. Bahro. neuzelle.de, abgerufen am 13. Februar 2013.
  7. Bomsdorf. neuzelle.de, abgerufen am 13. Februar 2013.
  8. Göhlen. neuzelle.de, abgerufen am 13. Februar 2013.
  9. Henzendorf. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  10. Möbiskruge. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  11. Streichwitz. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  12. Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001. destatis.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  13. Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003. destatis.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  14. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oder-Spree. S. 22–25
  15. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  16. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  17. Kirchen. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  18. Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. (PDF; 2,4 MB) statistik-berlin-brandenburg.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  19. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  20. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
  21. Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Oder-Spree (Memento vom 12. April 2018 im Internet Archive)
  22. Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 29
  23. Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen, S. 10
  24. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
  25. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019
  26. Wappen Gemeinde Neuzelle. service.brandenburg.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  27. Partnergemeinde Neuzelle in Brandenburg. langenberg.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  28. Schwerzko. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  29. Kobbeln. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  30. a b Treppeln. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  31. Kitas. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  32. Schulen. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  33. Feuerwehr. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  34. Revierpolizei. neuzelle.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  35. Wir über uns. msv67.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  36. Historie. neuzeller-sv.de, abgerufen am 15. Februar 2013.
  37. Vereinsgeschichte. schuetzengilde-neuzelle.de, archiviert vom Original am 6. Juni 2016; abgerufen am 15. Februar 2013.