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Neupetershain

Gemeinde im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, Brandenburg, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Neupetershain
Neupetershain
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neupetershain hervorgehoben

Koordinaten: 51° 36′ N, 14° 10′ O

Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Oberspreewald-Lausitz
Amt: Altdöbern
Höhe: 124 m ü. NHN
Fläche: 18,8 km2
Einwohner: 1191 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner je km2
Postleitzahl: 03103
Vorwahl: 035751
Kfz-Kennzeichen: OSL, CA, SFB
Gemeindeschlüssel: 12 0 66 228
Adresse der Amtsverwaltung: Marktstraße 1
03229 Altdöbern
Website: www.neupetershain.de
Bürgermeisterin: Marita Theile
Lage der Gemeinde Neupetershain im Landkreis Oberspreewald-Lausitz
SachsenCottbusLandkreis Dahme-SpreewaldLandkreis Elbe-ElsterLandkreis Spree-NeißeLandkreis Teltow-FlämingAltdöbernBronkowCalauFrauendorf (Amt Ortrand)GroßkmehlenGroßräschenGrünewaldGutebornHermsdorf (bei Ruhland)HohenbockaKroppenLauchhammerLindenau (Oberlausitz)Lübbenau/SpreewaldLuckaitztalNeupetershainNeu-SeelandOrtrandRuhlandSchipkauSchwarzbach (Lausitz)SchwarzheideSenftenbergTettau (Brandenburg)Vetschau/SpreewaldKarte
Über dieses Bild

Neupetershain, niedersorbisch Nowe Wiki, ist eine Gemeinde im Landkreis Oberspreewald-Lausitz im Land Brandenburg und Teil des Amtes Altdöbern. Sie gehört zum amtlichen Sorbischen Siedlungsgebiet.

GeografieBearbeiten

Neupetershain liegt in der Niederlausitz im Lausitzer Seenland sowie im Naturpark Niederlausitzer Landrücken. Umliegende Gemeinden sind Drebkau, Welzow, Altdöbern, Neu-Seeland und Großräschen.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gemeinde Neupetershain gehören der bewohnte Gemeindeteil Neupetershain-Nord (Wiki) und die Wohnplätze Geisendorf (Gižkojce), Greschmühle (Grěšowy Młyn) und Neu-Geisendorf (Nowe Gižkojce).[2]

Die Gemeinde besteht aus drei Ortslagen, dem ursprünglichen Dorf Petershain (heute Neupetershain Nord), der 1905 gegründeten Industriegemeinde Neupetershain und aus Neu Geisendorf. Letztere entstand durch die bergbaubedingte Devastierung und Umsiedlung des Dorfs Geisendorf.

GeschichteBearbeiten

Neupetershain-Nord (Petershain)Bearbeiten

EntstehungBearbeiten

Der Ursprung der Gemeinde liegt im Dorf Petershain (sorbisch Wiki), welches heute die Ortslage Neupetershain Nord bildet. Der sorbisch/wendische Ortsname Wiki ist mit Markt bzw. Getreidemarkt zu übersetzen. In der Meißener Bistumsmatrikel des Jahres 1346 wurde eine Mutterkirche in Petershain, innerhalb des Sedes Spremberg genannt. Dieser Eintrag stellt die Ersterwähnung des Orts dar. Die Besiedelung erfolgte im Zusammenhang der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung.

DorfkircheBearbeiten

Die Anfänge des heutigen Kirchenbaus reichen bis in das Spätmittelalter zurück. Im Laufe der Zeit erfolgten immer wieder Umbauten und Erweiterungen. Der vorläufig letzte große Eingriff in das äußere Erscheinungsbild begann 1724/25. 1830 warf ein Sturm die Spitze auf das Kirchendach und 1935 brannte der Turm aus.

Bereits 1815 wurde eine Orgel erwähnt. Heute erklingt zu Gottesdiensten und anderen Anlässen eine Orgel der Firma Heinze aus Sorau aus dem Jahre 1905.

Im Altarraum ist ein prunkvolles Epitaph aus dem Jahre 1750 sehenswert. Aus vorreformatorischer Zeit haben sich 2 Holzbildwerke (ein Evangelist und Maria mit Anna), wahrscheinlich Reste eines früheren Altars, erhalten. Des Weiteren gibt es ein Taufbecken aus dem Jahre 1653 und eine Bibel aus dem Jahre 1702.

NeupetershainBearbeiten

Man kann davon ausgehen, dass der Ort Neupetershain ohne die 1870 erfolgte Eisenbahnanbindung der Bahnstrecke Großenhain–Cottbus wohl kaum entstanden wäre. Nach dem Entschluss, zwischen Großenhain, Senftenberg und Cottbus eine Eisenbahnverbindung zu bauen, wurden in gleichmäßigen Abständen Bahnhöfe für die jeweils umliegenden Dörfer vorgesehen. So kam es, dass zwei Kilometer entfernt vom ursprünglichen Petershain der Bahnhof mitten im Walde errichtet wurde. Am Mittwoch, den 20. April 1870, wurde die Eisenbahnlinie mit der Bahnstation Petershain eröffnet. Im Calauer Amtsblatt vom 4. September 1904 wurde der Beschluss des Kreisausschusses Calau vom 8. Juni 1904 veröffentlicht: In Erwägung, dass zufolge des raschen Emporblühens zahlreicher Ansiedlungen – Fabriken, Hüttenwerke und Wohngebäude – am Bahnhof Petershain in einer erheblichen Entfernung vom Orte Petershain ein neuer und mit dem Orte Petershain in nur sehr geringer Beziehung stehender Komplex von Wohn- und Arbeitsstätten entstanden ist, in welchem bereits 214 Haushaltungen mit 1085 Seelen sich niedergelassen haben, …beschließt der Kreisausschuss: Die neue Gemeinde mit dem Namen „Neu Petershain“ soll mit dem 1. April 1905 als entstanden gelten. Die ersten betrieblichen Niederlassungen am Bahnhof erfolgten 1891 mit dem Bau einer Dampfziegelei durch den Gutsherren von Petershain. Die Firma Niederlausitzer Glashüttenwerke wurde 1896 durch den Inhaber Adolf Müller, Maximilian Hoffmann und Anton Held gegründet. Letztere waren es auch, die die ersten Mehrfamilienhäuser bauen ließen. Der Bau weiterer Glashütten war in Vorbereitung. Von 1957 bis 1960 wurde die katholische Kirche St. Elisabeth und Hl. Geist erbaut, sie war nach der heiligen Elisabeth von Thüringen und dem Heiligen Geist benannt und wurde am 11. September 2016 durch Bischof Wolfgang Ipolt profaniert.[3][4]

Neu GeisendorfBearbeiten

Die Ortslage entstand als Neugründung des abgerissenen Dorfs Geisendorf (sorbisch Gižkojce). Dieses Dorf befand sich östlich von Neupetershain und musste dem vorrückenden Tagebau Welzow-Süd weichen. Während das Gutsgebäude am alten Standort verblieb, restauriert wurde und als Kultur- und Begegnungszentrum des Vattenfall-Konzerns überregionale Bedeutung erlangt hat, wurden die Dorfbewohner nach Neupetershain umgesiedelt. 2001 wurde auf einer Ackerfläche am Nordrand der Ortslage von Neupetershain eine vollkommen neu errichtete Siedlung von den Geisendorfern bezogen. In diesem Zusammenhang erfolgte auch die Umgestaltung eines dort befindlichen ehemaligen Wasserturms zu einem Bürgertreff.

VerwaltungsgeschichteBearbeiten

Neupetershain gehörte seit 1816 zum Kreis Calau in der preußischen Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Calau im DDR-Bezirk Cottbus. Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Oberspreewald-Lausitz.

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1875 383
1890 425
1910 2 404
1925 2 678
1933 3 085
1939 3 238
1946 3 657
1950 3 822
Jahr Einwohner
1964 3 060
1971 2 843
1981 2 401
1985 2 266
1989 2 176
1990 2 105
1991 2 019
1992 2 000
1993 1 990
1994 1 961
Jahr Einwohner
1995 1 940
1996 1 874
1997 1 849
1998 1 846
1999 1 851
2000 1 827
2001 1 797
2002 1 717
2003 1 670
2004 1 642
Jahr Einwohner
2005 1 613
2006 1 553
2007 1 515
2008 1 473
2009 1 464
2010 1 433
2011 1 372
2012 1 314
2013 1 277
2014 1 246
Jahr Einwohner
2015 1 254
2016 1 229
2017 1 196
2018 1 191

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl[5][6][7]: Stand 31. Dezember (ab 1991), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

PolitikBearbeiten

 
Rathaus Neupetershain

GemeindevertretungBearbeiten

Die Gemeindevertretung von Neupetershain besteht aus 10 Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 ergab folgende Sitzverteilung:[8]

Partei / Wählergruppe Sitze
Wählergruppe "JA" Neupetershain 7
SPD 3

BürgermeisterBearbeiten

  • 1998–2000: Manfred Schallhorn (CDU)[9]
  • 2000–2016: Wolfgang Müller (Wählergruppe "JA" Neupetershain)[10]
  • seit 2016: Marita Theile (Wählergruppe "JA" Neupetershain)[10]

Theile wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 90,4 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren[11] gewählt.[12]

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 17. Mai 2006 genehmigt.

Blasonierung: „Gespalten und schräglinksgeteilt von Rot und Gold; alles in verwechselten Farben: oben zwei schräglinke Glasmacherpfeifen, überdeckt im vorderen Feld von einem silbernen Glaskelch, unten eine schräglinke Sichel, deren silberne, nach oben zeigende Schneide eine Kornähre im hinteren Feld überdeckt.“[13]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

In der Liste der Baudenkmale in Neupetershain und in der Liste der Bodendenkmale in Neupetershain stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmale.

VerkehrBearbeiten

Neupetershain liegt an der Bundesstraße 169 zwischen Senftenberg und Cottbus.

 
Haltepunkt Neupetershain

Der Haltepunkt Neupetershain liegt an der Bahnstrecke Großenhain–Cottbus. Es verkehren Züge der Regionalexpresslinie RE 18 CottbusDresden und der Regionalbahnlinie RB 49 Falkenberg (Elster)Cottbus.

Von Neupetershain zweigte früher die Bahnstrecke Neupetershain–Hoyerswerda ab. Der Personenverkehr wurde 1961 eingestellt.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Eduard Wittmann (1845–1924), erster Bürgermeister des Ortes. Eine Straße des Ortes trägt seinen Namen.
  • Adolf Müller (1856–1924), kam als Glashüttenbesitzer aus Weißwasser und arbeitete als Kompagnon von M. Hoffmann beim Aufbau der Glashütten
  • Adolph von Rechenberg (1857–?), leitete als Bergwerksbesitzer die Grube und Brikettfabrik Mariannenglück sowie das Geisendorf-Kauscher Werk und errichtete die Brikettfabrik „Volldampf“ in Merkur mit dem Tagebau Görigk Er baute 1895 die erste Villa im Ort mit dem weithin sichtbaren Sinnspruch „IM HEIM DIE WELT“.
  • Wilhelm Weise (1859–1914), war der erste Arzt des Ortes mit hohem Ansehen in der Bevölkerung. Eine Straße des Ortes trägt seinen Namen. In seiner Villa wohnte später die Schriftstellerin Budniok.
  • Anton Held (1862–1938), Glashüttenbesitzer, nach dem Ausscheiden von Hoffmann aus dem Betrieb Müller, Hoffmann & Co. im Jahre 1912 wurde der Betriebsname in Müller & Held geändert.
  • Robert Berger (1865–1940), organisierte ab 1899 den ersten großen Fuhrbetrieb zunächst mit Pferdefuhrwerken. Mehrere Söhne haben sein Unternehmen in späteren Jahren in den verschiedenen Transportbranchen mit hochwertigen Fahrzeugen weitergeführt.
  • Josef Rolke (1865–1945), übernahm 1911 die kleine Metallwarenfabrik der Firma Blymer und Behls. Seine Firma spezialisierte sich auf Maschinen für die Glasindustrie, die teilweise durch eigene Patente geschützt waren.
  • Martin Putzler (1866–1938), baute mit anderen Partnern seine Tafelglashütte für die Herstellung von mundgeblasenem Glas. Er ließ für seine Belegschaft mehrere Häuser bauen.
  • Maximilian Hoffmann (1871–1950), hatte wesentlichen Einfluss auf die Entstehung des Ortes, war an der Gründung aller Glashütten in Neupetershain beteiligt und kümmerte sich außerordentlich um die sozialen Belange der Einwohner
  • Richard Koppelt (1871–1950), übernahm mit seinem kleinen Betrieb für alle umliegenden Glashütten die Schmiede-, Schlosser- und Maschinenbauarbeiten
  • Max Müller (1878–1949), wichtigster Bauunternehmer in der Gründerzeit des Ortes, betrieb eine Baumaterialienhandlung und ein Sägewerk
  • Fritz Müller (1880–1930), organisierte den Glasexport unter dem Slogan Berlin-Hamburg-Neupetershain für die Glashüttenwerke „Müller & Held“. In sein Herrenhaus zogen 1933 die Ordensschwestern „Mägde Mariens von der unbefleckten Empfängnis“ aus Poremba ein.
  • Hinrich Asendorf (1883–1929), leitete die erste Gasfabrik des Ortes ab 1907 und organisierte den Bau der Straßenbeleuchtung
  • Werner Müller (1903–1948), Sohn von Max Müller, Architekt des örtlichen Wasserturmes
  • Dorothea Renata Budniok (1919–1989), Schriftstellerin. Bedeutende Bücher waren die historischen Romane „Verschwörung am Vesuv“ (1970) und „Aufstand in Sizilien“ (1979), die Jugendbücher „Verschollen auf der Langusteninsel“ (1971) und „Das Mädchen von Perpignan“ (1973) sowie der Kriminalroman „Aber die Steine schweigen nicht“ (1980).
  • Margarete Müller (1921–2011), Politikerin (SED), in Petershain geboren

LiteraturBearbeiten

  • Udo Kittan – Neupetershain, Aus der Dorfgeschichte von Petershain in 16 Blättern, Eigenverlag (Geschichte des ursprünglichen Dorfs Petershain, gegliederte in verschiedene Themenbereiche).
  • Joachim Schneider – Welzow/Dresden, Neupetershainer Blätter in über 50 Seiten, Eigenverlag (Wichtige Ereignisse, bedeutende Persönlichkeiten und Gebäude von Neupetershain).
  • Horst Kittan, Die Russen kommen – Eine Dorf- und Familiengeschichte, Regia-Verlag 2009 (Kindheitserinnerungen des Autors während des Zweiten Weltkrieges) ISBN 978-3-86929-009-6.
  • Geisendorf-Report, Zur Geschichte eines Dorfes im Lausitzer Braunkohlenrevier, Herausgegeben von der Braunkohle-Aktiengesellschaft, Redaktion und Text: Klaus Trende, ALFA-Verlag, Cottbus 2002, ISBN 3-935513-04-6.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2018 (XLSX-Datei; 223 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Neupetershain
  3. Kirche auf Internetpräsenz der Pfarrei Großräschen
  4. Tag des Herrn (Zeitung), Ausgabe 41/2016 vom 9. Oktober 2016, S. 12
  5. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberspreewald-Lausitz. S. 22–25
  6. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  7. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  8. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
  9. Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Oberspreewald-Lausitz (Memento des Originals vom 19. April 2018 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wahlen.brandenburg.de
  10. a b Marita Theile tritt Nachfolge von Wolfgang Müller an. auf www.amt-altdoebern.de
  11. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
  12. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019
  13. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg