Neumark (Vogtland)

Gemeinde im Vogtlandkreis, Sachsen, Deutschland

Die sächsische Gemeinde Neumark befindet sich im Vogtlandkreis.

Wappen Deutschlandkarte
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Neumark (Vogtland)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neumark hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 50° 39′ N, 12° 21′ OKoordinaten: 50° 39′ N, 12° 21′ O
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Vogtlandkreis
Höhe: 373 m ü. NHN
Fläche: 17,31 km2
Einwohner: 2915 (31. Dez. 2022)[1]
Bevölkerungsdichte: 168 Einwohner je km2
Postleitzahl: 08496
Vorwahl: 037600
Kfz-Kennzeichen: V, AE, OVL, PL, RC
Gemeindeschlüssel: 14 5 23 280
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Markt 3
08496 Neumark
Website: www.neumark-vogtland.de
Bürgermeister: Sven Köpp (FDP)
Lage der Gemeinde Neumark im Vogtlandkreis
KarteTschechienBayernThüringenErzgebirgskreisLandkreis ZwickauAdorf/Vogtl.Auerbach/Vogtl.Bad BrambachBad ElsterBergen (Vogtland)BösenbrunnEichigtEllefeldElsterbergFalkenstein/Vogtl.Grünbach (Sachsen)HeinsdorfergrundKlingenthalLengenfeld (Vogtland)Limbach (Vogtland)MarkneukirchenMühlentalMuldenhammerNetzschkauNeuensalzNeumark (Vogtland)Neustadt/Vogtl.Oelsnitz/Vogtl.Pausa-MühltroffPlauenPöhlReichenbach im VogtlandWeischlitzRodewischRosenbach/Vogtl.Schöneck/Vogtl.Steinberg (Vogtland)Triebel/Vogtl.TheumaTirpersdorfTreuenWerda
Karte

Geografie Bearbeiten

Geografische Lage Bearbeiten

Neumark liegt nordöstlich der Großen Kreisstadt Plauen in einem offenen Landschaftsgebiet des mittelvogtländischen Kuppenlandes, umgeben von sanften Tälern und zahlreich bewaldeten Hügeln in einer Höhenlage von 373 m. In nur 15 Kilometern Entfernung befindet sich die alte Bergarbeiterstadt Zwickau. In der unmittelbaren Umgebung fließen zahlreiche Bäche und Flüsse. Nicht weit von Neumark befinden sich die Pleißenquelle sowie Weiße Elster, Zwickauer Mulde und Göltzsch. Im Ort selbst vereinen sich der Oberneumarker- und der Schönbacher Bach.

Ausdehnung des Gemeindegebiets Bearbeiten

Von der Topografie her gesehen ist Neumark ein „Grenzort“. Die Gemeinde liegt am Übergang der Naturräume Vogtland (Mittelvogtländisches Kuppenland), Thüringer Schiefergebirge (Ostthüringisch-Vogtländische Hochflächen) und Erzgebirgsbecken (Oberes Pleißeland). Ein Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird für die Forstwirtschaft verwendet und der restliche Teil dient der Acker- und Grünlandwirtschaft.

Neumark liegt an der Nordostgrenze des sächsischen Teils des historischen Vogtlands. Im Nordwesten grenzt der thüringische Landkreis Greiz an, im Norden und Osten der sächsische Landkreis Zwickau.

Nachbargemeinden Bearbeiten

Nachbargemeinden Neumarks
Thüringen  Gemeinde Mohlsdorf-Teichwolframsdorf im Landkreis Greiz Gemeinde Fraureuth im Landkreis Zwickau
  Gemeinde Lichtentanne im Landkreis Zwickau
Stadt Reichenbach im Vogtlandkreis Gemeinde Heinsdorfergrund im Vogtlandkreis

Gemeindegliederung Bearbeiten

Die Gemeinde gliedert sich in Neumark (mit Oberneumark und Unterneumark), Reuth und Schönbach.

Klima Bearbeiten

Die Vegetationsperiode vor Ort beträgt 200 bis 210 Tage bei einer Jahresmitteltemperatur von 9 °C. Die Hauptwindrichtung ist West.

Geologie Bearbeiten

Der Ort befindet sich auf einem aus Granit, Grauwacke, Tonschiefer und Diabasen bestehenden Untergrund, der mit fruchtbarer Braunerde bedeckt ist und den Anbau von Kartoffeln, Mais, Weizen sowie anderen anspruchsvollen Kulturen ermöglicht. Zahlreiche stillgelegte Steinbrüche in der Region um Neumark deuten noch heute darauf hin, dass der Grünstein Diabas intensiv abgebaut wurde.

Geschichte Bearbeiten

 
Blick auf den historischen Neumarker Markt mit Kirche im Hintergrund
 
Neumarker Kirche

Neumark wurde 1225 erstmals als novum forum (= Neuer Markt) urkundlich erwähnt. Die Ortsbezeichnung deutet darauf hin, dass es sich um einen Ort mit Marktrechten handelte. Die ersten Siedler kamen aus Franken, Thüringen und Bayern. Sie rodeten den vorhandenen Wald und gewannen dadurch Acker- und Weideland. Die ursprüngliche Siedlungsform der langgestreckten und ehemals selbstständigen Dörfer Unter- und Oberneumark entsprachen einem Waldhufendorf. Im Ort gab es eine Burg. Diese wurde jedoch während des Vogtländischen Krieges durch Truppen Kaiser Karl IV. zerstört. Vom Zwickauer Kaufmann Martin Römer wurde nach 1478 ein neues Schloss in spätgotischen Formen errichtet.

Neumark bemühte sich schon in früher Zeit darum, eine Stadt zu werden, wie man an einem Gemeinde- und Marktbrief aus dem Jahr 1530 erkennen kann, der Neumark Marktgerechtigkeit bescheinigt. Die Herren von Römer setzten sich für eine Erneuerung des Marktrechtes ein, wie einer kurfürstlichen Urkunde aus dem Jahr 1669 entnommen werden kann. Die Familie von Römer hatte einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Gemeinde. Unter anderem stiftete sie der Neumarker Kirche den Altar, das Abendmahlgeschirr und drei Buntglasfenster. Sidonie von Römer zahlte für die Rittergutskinder das Schulgeld und 1886 beteiligte sich die Familie von Römer finanziell am Bau des Bahnhofstunnels. Mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz ab 1846 gewann die Textilindustrie in Neumark zunehmend an Bedeutung. Vor 1900 gab es bereits fünf Textilfabriken, die etwa 1000 Arbeitskräfte beschäftigten.

Die Grundherrschaft über Neumark übte bis ins 19. Jahrhundert das Rittergut Neumark der Familie Römer aus. Neumark gehörte wie seine heutigen Ortsteile zunächst zur „Pflege Schönfels“,[2] die im 16. Jahrhundert im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Zwickau[3] im Erzgebirgischen Kreis aufging. 1856 wurde Neumark dem Gerichtsamt Reichenbach und 1875 der Amtshauptmannschaft Plauen angegliedert.[4] Im Jahr 1920 wurde Neumark der Amtshauptmannschaft Werdau zugeordnet. Durch die Auflösung des Verwaltungsbezirks kamen der Ort und seine heutigen Ortsteile im Jahr 1933 an die Amtshauptmannschaft Zwickau, die ab 1939 Landkreis Zwickau genannt wurde.

Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam die Gemeinde Neumark im Jahr 1952 zum Kreis Reichenbach im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Reichenbach fortgeführt wurde und 1996 im Vogtlandkreis aufging.

Eingemeindungen Bearbeiten

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Oberneumark 1. Juli 1950
Reuth 1. Januar 1994
Schönbach 1. Januar 1994
Unterneumark 1. Oktober 1937 mit Gemeindeteil Erlmühle

Einwohnerentwicklung Bearbeiten

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1834: 0597
  • 1871: 0993
  • 1890: 1266
  • 1910: 1539
  • 1925: 1665
  • 1939: 2244
  • 1946: 3015
  • 1950: 3106
  • 1964: 3015
  • 1971: 2764
  • 1998: 3386
  • 1999: 3399
  • 2000: 3357
  • 2001: 3323
  • 2002: 3300
  • 2003: 3291
  • 2004: 3314
  • 2007: 3253
  • 2008: 3244
  • 2012: 3013
  • 2013: 3002
  • 2015: 2988

1551 lebten in Neumark 24 besessene Mann, 34 Inwohner und 6 Häusler. 1764 waren es 23 besessene Mann und 26 Häusler. 1925 lebten im Ort 1554 Lutheraner, 23 Katholiken, ein Reformierter und 89 andersgläubige.

Datenquelle bis 1964: HOV[5]; ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen

Gedenkstätten Bearbeiten

Eine Grabstätte mit Gedenkstein auf dem Ortsfriedhof erinnert an sieben unbekannte KZ-Häftlinge, die im Januar 1945 bei einem Evakuierungstransport aus dem KZ Auschwitz erfroren aus dem Zug geworfen und hier bestattet wurden.

Politik Bearbeiten

Gemeinderat Bearbeiten

     
Insgesamt 14 Sitze

Seit der Gemeinderatswahl am 26. Mai 2019 verteilen sich die 14 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 4 Sitze
  • FDP: 4 Sitze
  • SPD: 1 Sitz
  • Pro Neumark, Reuth, Schönbach: 1 Sitz
  • Unabhängige Wähler: 4 Sitze

Bürgermeister Bearbeiten

 
Das Gemeindesiegel von Neumark

Der Bürgermeister ist Sven Köpp (FDP).[6]

letzte Bürgermeisterwahlen
Wahl Bürgermeister Vorschlag Wahlergebnis (in %)
2019 Sven Köpp FDP 38,3
2015 Ralf Fester Fester 54,4
2008 FDP 96,8
2001 F.D.P. 91,2

Städtepartnerschaften Bearbeiten

  • seit 1990 mit Roetgen in der Städteregion Aachen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bearbeiten

 
Rathaus

Der älteste Teil des Ortes ist der zentrale Markt. Dieser ist von alten Bauerngehöften umgeben, einige davon sind in eindrucksvollem Fachwerk gebaut. Von hier gelangt man über einen Durchgang zum Kirchplatz sowie zum Pfarrhaus und der Kirche von Neumark. Direkt am Markt befindet sich auch das Rathaus und die Gemeindeverwaltung. Zu den Sehenswürdigkeiten von Neumark gehören auch das Schulmuseum in der Grundschule (Oberneumarker Straße) sowie die Heimatstube von 1620.

 
Rittergut Neumark

In nur wenigen Gehminuten Entfernung erreicht man auch das Rittergut mit seiner großen Gutshofanlage und dem oberhalb davon auf einem Hügel gelegenen Schloss Neumark, das von einem im englischen Stil im Jahr 1872 angelegten Park umgeben wird. Das Rittergut befand sich ursprünglich im Besitz eines Rittergeschlechts von Neumark und kam 1478 an die Zwickauer Familie Römer, die 1470 geadelt worden war. Der Erwerber, Martin Römer, hatte den Silberbergbau in Schneeberg begründet und sich damit ein großes Vermögen erworben. Er ließ die alte Neumarker Burg durch ein Schloss in spätgotischen Formen ersetzen. Als Zwickauer Amtshauptmann errichtete er auch in seiner Heimatstadt bedeutende Bauwerke und betätigte sich als Mäzen. 1500 kam das Gut an Markward von Hermannsgrün und 1544 an die von Wolframsdorf. 1633 wurde es an Moritz Haubold von Schönberg verkauft, bis es 1649 erneut von der Familie von Römer erworben wurde, die es dann bis zur Enteignung im Rahmen der Bodenreform besaß. Ab 1990 wurden der Gutshof, Teile der Ländereien und zuletzt auch das Schloss von Benno von Römer zurückerworben.

Naturschutz Bearbeiten

Wirtschaft und Infrastruktur Bearbeiten

Ansässige Unternehmen Bearbeiten

 
Betriebsgebäude der Firma BayWa

Am Ortsausgang befindet sich ein markantes Gebäude des Unternehmens BayWa, das 1970 als Kraftfuttermischwerk (Futtermittel & Silage) entstand. Im Gewerbegebiet gibt es einen Standort von SGB-SMIT, ein Paketzentrum der Deutschen Post sowie mehrere kleinere Betriebe. Außerdem befindet sich in Neumark ein Wartungs- und Reparaturzentrum der Regentalwerke der Länderbahn, in dem unter anderem Züge der Vogtlandbahn gewartet werden.

Verkehr Bearbeiten

 
Der Bahnhof Neumark (Sachs) (2008)

Neumark liegt an der Bundesstraße 173.

Die Bahnstation Neumark (Sachs) an der Bahnstrecke Leipzig–Hof wird von der Vogtlandbahn bedient. Neumark liegt in der Nähe des Bogendreiecks Werdau, wodurch die Sachsen-Franken-Magistrale und die Bahnstrecke Leipzig–Hof verbunden werden. Die nächsten größeren Bahnhöfe sind in Werdau und Reichenbach im Vogtland.

Bis 1997 bestand eine Reisezugverbindung von Neumark nach Greiz (Bahnstrecke Neumark–Greiz).

Neumark ist mit der StadtBus-Linie 82 des Verkehrsverbunds Vogtland im Stundentakt mit Reichenbach verbunden. Diese Linie nimmt am Rendezvous-Knoten auf dem Postplatz in Reichenbach teil und bietet dort kurze Anschlüsse. Außerdem verkehrt die Linie 181 der Regionalverkehr Westsachsen GmbH zwischen Zwickau und Reichenbach über Neumark.

Persönlichkeiten Bearbeiten

 
Stenograf Ernst Ahnert (um 1907)

Literatur Bearbeiten

  • Erich Börner: Neumark – Geschichte eines Städtleins. Hrsg. von Erich Börner. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1991, ISBN 3-89264-599-X.
  • Richard Steche: Neumark. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 11. Heft: Amtshauptmannschaft Plauen. C. C. Meinhold, Dresden 1888, S. 44.

Weblinks Bearbeiten

Commons: Neumark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Neumark im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Bevölkerung der Gemeinden Sachsens am 31. Dezember 2022 – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011 (Gebietsstand 01.01.2023). Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 21. Juni 2023. (Hilfe dazu).
  2. Geschichte Neumark. Webseite der Gemeinde Neumark, abgerufen am 16. März 2022.
  3. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Gumnior, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 64 f.
  4. Die Amtshauptmannschaft Plauen im Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de, Uli Schubert, abgerufen am 16. März 2022.
  5. Neumark – HOV | ISGV. Abgerufen am 6. April 2024.
  6. Gemeinderatswahl 2019. Reichenbach im Vogtland, Stadt. In: wahlen.sachsen.de, abgerufen am 16. März 2022.