Neue Bult

Galopprennbahn nordöstlich von Hannover

Die Neue Bult ist eine 1973 eröffnete Galopprennbahn im Stadtgebiet von Langenhagen. Auch das in den 1970er- und 1980er-Jahren entstandene Wohngebiet südlich der Straße An der neuen Bult wird in Anlehnung an die Galopprennbahn Neue Bult genannt. Das Wohngebiet wird im Westen durch die Theodor-Heuss-Straße und im Osten durch die Kolberger Straße begrenzt.

Hannoverscher Rennverein
(HRV)
Gründung 8. Juli 1867
Sitz Langenhagen
Zweck Förderung des Pferderennsports
Vorsitz Gregor Baum (Präsident)
Michael Schwalba (Vizepräsident)
Marie Riesenkampff
Website neuebult.de

Betreiber der Rennbahn ist der 1867 gegründete Hannoversche Rennverein, der älteste Sportverein Hannovers. Der Verein hat seinen Sitz an seiner Galopprennbahn in Langenhagen.

GeschichteBearbeiten

Gründung des Hannoverschen Rennvereins 1867 und seine Rennbahnen bis 1970Bearbeiten

Nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen wurde die preußische Militär-Reit-Schule im Oktober 1866 nach Hannover verlegt.[1] Im Folgejahr gründete sich der „Verein zur Förderung der Hannoverschen Landes-Pferdezucht“. Der Verein organisierte anfänglich Jagd- und Hindernisrennen auf der Vahrenwalder Heide, zunächst jedoch nur für Reiter des Militärs. Ab 1868 stand dann für öffentliche Galopprennen ein Gelände mit Zuschauertribüne auf der Kleinen Bult zur Verfügung, dem Gebiet zwischen der (erst später erbauten) Stadthalle und der Eisenbahnstrecke nach Braunschweig.[2]

Von 1881 bis 1909 veranstaltete der Verein das Deutsche St. Leger, das nach der letztmaligen Nutzung des Reitgeländes auf der Kleinen Bult 1905 ab dem Folgejahr 1906 auf der neuen Rennbahn auf der Großen Bult (heute: Alte Bult) in Bischofshol ausgetragen wurde. Die neue Rennbahn war speziell für Flach- und Hindernisrennen ausgelegt, vom Stadtbauamt geplant und zu fast 100 Prozent von der Stadt Hannover finanziert worden. Ein geringer Anteil wurde durch den Rennverein, der sich seinerzeit auf Halbblut-Rennen spezialisierte, als Pächter des Geländes aufgebracht.[2]

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Renngelände auf der Großen Bult 1943 bei den Luftangriffen auf Hannover durch Fliegerbomben zerstört.[2]

Mit Genehmigung der Britischen Militärbehörden konnte der Verein im Oktober 1946 den Rennbetrieb wieder aufnehmen.[2]

1969 kündigte die Stadt Hannover dem Verein den Pachtvertrag über das Gelände auf der Großen Bult, da sich dort die Computer-Firma IBM ansiedeln wollte; ein entsprechender Neubau vor Ort wurde allerdings nie realisiert. Das letzte Rennen auf der Großen Bult wurde am 15. August 1970 ausgetragen, anschließend wurden die dortigen baulichen Anlagen abgerissen.[2]

Ab 1973 die Neue BultBearbeiten

 
Eingang
 
Absattelring und Tribüne

Die Stadt Hannover stellte dem Rennverein nun das Gelände auf der Neuen Bult in Langenhagen zur Verfügung, wo – nach der Fertigstellung der baulichen Anlagen – die Jockeys erstmals im Mai 1973 wieder an den Start gingen.[2] Die Neue Bult ist die bislang letzte in Deutschland erbaute Pferderennbahn.

1978 organisierte der Hannoversche Rennverein insgesamt 16 Renntage und machte dabei einen Wett-Umsatz von knapp 6 Millionen DM, im Ergebnis die bis dahin erfolgreichste Saison.[3]

Anlagen und BetriebBearbeiten

Die 1800 Meter lange Flachbahn wird von einer Tribüne mit rund 2000 Sitzplätzen gesäumt. Daneben gibt es eine Trainingsanlage mit Reithalle, 200 Pferdeboxen und einer Sandbahn. Westlich der Rennbahn befindet sich ein Großparkplatz.

Die Neue Bult ist im Sportleben der Region Hannover und darüber hinaus fest verankert. Sie ist eine der publikumsstärksten Rennbahnen Deutschlands. Renntage mit 20.000 Besuchern sind keine Seltenheit. 2014 zählte der Hannoversche Rennverein rund 78.600 Besucher an sieben Renntagen mit einem Wettumsatz von 1,5 Millionen Euro, etwas weniger als noch 2013.[4]

ThemenrenntageBearbeiten

Der Hannoversche Rennverein versucht seit einigen Jahren mit einigem Erfolg galoppsportfernes Publikum zu gewinnen. Mit niedrigen Eintrittspreisen – Kinder bis zum 14. Lebensjahr haben freien Eintritt –, Hüpfburgen, Pony-Reiten usw. positioniert man sich als kinderfreundliche Familienrennbahn, während man den Sponsoren in der Garden Lounge die Gelegenheit bietet, seine Gäste in einem exklusiven Ambiente zu empfangen. Darüber hinaus gibt es an den meisten Renntagen ein umfangreiches Rahmenprogramm, das einem speziellen Thema gewidmet ist. So steht am Ascot-Renntag dem englischen Vorbild folgend die Damenmode mit ungewöhnlichen Hutkreationen im Vordergrund. Am Hannover 96-Renntag stehen Trainer und einige Spieler dem Publikum für Autogramme und Interviews zur Verfügung. Am Oktoberfest-Renntag dominiert hingegen die bayerische Tracht die Rennbahn. Am Renntag der Landwirtschaft präsentieren sich die landwirtschaftsnahen Berufe. Der VGH-Renntag ist dem treuesten Sponsor der Rennbahn gewidmet, der an allen Renntagen auch für ein kostenloses, gedrucktes Rennprogramm sorgt, und am abschließenden Renntag der Gestüte feiert sich schließlich die gesamte deutsche Vollblutzucht selbst.

ZuschauerBearbeiten

Denkmäler auf der Neuen BultBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • 125 Jahre Hannoverscher Rennverein e.V. 1867-1992. Jubiläumsfestschrift. Selbstverlag, Hannover 1992.

WeblinksBearbeiten

Commons: Langenhagen, Denkmäler, Pferderennbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Helmut Knocke: Kavallerieschule. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 343.
  2. a b c d e f Karl-Heinz Grotjahn: Hannoverscher Rennverein e.V. In: Stadtlexikon Hannover, S. 265.
  3. Waldemar R. Röhrbein: 1978. In: Hannover Chronik, hier: S. 276; online über Google-Bücher.
  4. Carsten Schmidt: Qualität sichern. Hannoverscher Rennverein bleibt bodenständig. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ). 28. Oktober 2014, S. 21.

Koordinaten: 52° 26′ 51,2″ N, 9° 45′ 38″ O