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Neffenregen

Mittelalterlicher Volksglaube
Blattläuse

Als Neffenregen bezeichnete man einen mittelalterlichen Volksglauben, der gehäuftes Auftreten von Blattläusen an Nutzpflanzen durch sommerlichen Regen beschrieb.

VolksglaubeBearbeiten

Als Neffen wurden im Mittelalter in einigen Regionen, zum Beispiel im Meißner Raum oder in Thüringen, die Blattläuse (Aphidoidea) bezeichnet. Nicht gesichert ist dabei die Vermutung, dass sich die Bezeichnung Neffe etymologisch aus der lateinischen Bezeichnung Aphis (für Blattlaus) entwickelt hat.[1]

Die Menschen beobachteten, dass nach Regenfällen, vor allem bei warmen Temperaturen, Nutzpflanzen wie Kohl, Holunder und Hopfen, aber auch andere Pflanzen wie zum Beispiel Rosen gehäuft von Blattläusen befallen wurden. Sie schlossen daraus, dass die Schädlinge mit dem Regen auf die Erde kamen, andere Theorien besagten sogar, dass die Läuse aus den Regentropfen entstanden. Spätestens seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurden diese Theorien von Naturwissenschaftlern widerlegt und als Volksglaube betrachtet, das vermehrte Schädlingsaufkommen wurde zum einen auf den Temperaturwechsel durch den Regen, zum anderen auf das Auftreten von Honigtau zurückgeführt. Der Honigtau wurde zur damaligen Zeit noch nicht als reines Ausscheidungsprodukt der Insekten erkannt, vielmehr wurde er als Ursache für das massenhafte Auftreten der Blattläuse angesehen.

Die Bezeichnung Neffenregen hielt sich vereinzelt noch bis ins 19. Jahrhundert hinein. So wird zum Beispiel in den Heidelberger klinischen Annalen im Jahr 1834 von den gesundheitsschädlichen Auswirkungen des sommerlichen Neffenregens auf Menschen und Tiere berichtet.[2]

LiteraturBearbeiten

  • Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie. Band 102, S. 46 (online).
  • Non-Entia Physica, das ist die Erzeugung der Scorpionen aus dem zerquetschten Basilico und der sogenannte Neffen-Regen sind Unwahrheiten. In: Sammlung der Natur- und Medicin- wie auch hierzu gehörigen Kunst- und Literatur-Geschichten. Verlegt durch David Richter, Leipzig und Bautzen 1726, S. 452 ff. (Google Books).
  • Georg Ernst Stahl: Einleitung zu der neuen Meteroscopie oder Witterungs-Deutung. Verlag Waysenhaus, 1716, S. 58 f. (Google Books).
  • Daniel Schneider: Allgemeines Biblisches Lexicon. Band 3. Verlag Knoch, 1731, S. 661 (Google Books).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Joseph Marx Liechtenstern: Allgemeines deutsches Sach-Wörterbuch aller menschlichen Kenntnisse und Fertigkeiten. Band 6. Verlegt von F.W. Goedsche, Meißen 1836, S. 492 (Google Books).
  2. Heidelberger klinische Annalen. Band 10. Akademische Buchhandlung, Heidelberg 1834, S. 142 ff. (Google Books).