Hauptmenü öffnen

Naunheim ist ein Stadtteil der mittelhessischen Kreisstadt Wetzlar. Er liegt östlich der Wetzlarer Kernstadt im Lahntal nördlich der Lahn und wird im Osten durch die Bundesautobahn 45 begrenzt. Naunheim verfügt über einen alten Ortskern.

Naunheim
Stadt Wetzlar
Wappen von Naunheim
Koordinaten: 50° 35′ 2″ N, 8° 31′ 27″ O
Höhe: 88 m ü. NN
Fläche: 7,87 km²[1]
Einwohner: 3886 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 494 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Eingemeindet nach: Lahn
Postleitzahl: 35584
Vorwahl: 06441
Karte
Lage von Naunheim in Wetzlar
Lahn und Naunheimer Mühle

GeschichteBearbeiten

Naunheim wurde erstmals im Jahre 784 als fränkische Siedlung Niuuenheim erwähnt. Der Ort bildete zusammen mit Waldgirmes und zwischenzeitlich auch Blasbach einen Gerichtsbezirk und gehörte den Grafen von Solms. Im Jahr 1372 erlangten die hessischen Landgrafen einen Mitbesitz am östlichen Teil der Solmser Grafschaft und somit auch an Naunheim. 1420 teilte sich das solmsische Adelsgeschlecht und das Dorf kam zur Linie Solms-Lich im Amt Königsberg. Von 1629 bis 1866 gehörte Naunheim zum Großherzogtum Hessen. Daraufhin wurde der Ort preußisch und dem Kreis Biedenkopf zugeordnet. Erst im Jahr 1932 kam es zum Landkreis Wetzlar.

Naunheim bis dahin eigenständige Gemeinde Naunheim wurde im im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgetzt am 1. Januar 1977 in die gebildete Stadt Lahn eingegliedert.[3] Nach deren Auflösung infolge heftiger Proteste der Bevölkerung am 1. August 1979, wurde Naunheim zu einem Stadtteil der Stadt Wetzlar.[4]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Naunheim lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[5][6]

Gerichte seit 1803Bearbeiten

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Naunheim das „Amt Königsberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. „Stadtgericht Gießen“ war daher von 1821 bis 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Naunheim zuständig war.

Nach der Abtretung des nordwestlichen Teil des Landkreis Gießen und mit ihm Naunheim an Preußen, infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde Naunheim vom Stadtgericht Gießen abgetrennt.[10] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[11] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach und die Zulegung Naunheim zu diesem Gericht. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[12] Aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetzes 1877 kam es mit Wirkung zum 1. Oktober 1879 zum Wechsel des Amtsgerichts in den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Marburg.[13] Mit Wirkung zum 1. Oktober 1902 wurden Naunheim vom Amtsgerichtsbezirk Gladenbach getrennt und dem Amtsgericht Wetzlar zugelegt.[14] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Limburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Naunheim: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2017
Jahr  Einwohner
1791
  
498
1834
  
690
1840
  
709
1846
  
719
1852
  
723
1858
  
756
1864
  
794
1871
  
847
1875
  
863
1885
  
942
1895
  
1.094
1905
  
1.228
1910
  
1.306
1925
  
1.519
1939
  
2.031
1946
  
2.593
1950
  
2.760
1956
  
3.045
1961
  
3.303
1967
  
3.621
1970
  
3.628
1990
  
3.815
1998
  
3.921
2005
  
3.931
2009
  
3.946
2012
  
3.765
2017
  
3.886
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [5]; nach 1977: Einwohnerzahlen Stadt Wetzlar[15]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[5]

• 1834: 933 evangelische und 9 andere Christen
• 1961: 2722 evangelische (= 82,41 %) und 505 (= 15,29 %) katholische Einwohner
• 2017: 1872 evangelische (= 49,6 %), 460 (= 12,2 %) katholische, 1440 konfessionslose und sonstige (= 38,3 %) Einwohner[16]

StaatsangehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Stadt Wetzlar[15]

• 2005: 3654 Deutsche, 275 Nichtdeutsche (7,5 %) davon 150 Frauen und 125 Männer
• 2012: 3528 Deutsche, 258 Nichtdeutsche (6,8 %) davon 141 Frauen und 117 Männer
• 2015: 3447 Deutsche, 339 Nichtdeutsche (8,9 %) davon 184 Frauen und 155 Männer
• 2017: 3346 Deutsche, 426 Nichtdeutsche (11,3 %) davon 224 Frauen und 202 Männer

PolitikBearbeiten

OrtsbeiratBearbeiten

Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2016 gab es für den Ortsbeirat Naunheim die folgenden Ergebnisse. Zum Vergleich die Wahlergebnisse der vorhergehenden Wahlperioden.[17][18]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 60,2 5 62,3 6 64,4 6
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 8,3 0 13,3 1 6,8 1
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 12,4 1 11,2 1 15,2 1
FW Freie Wähler 12,2 1 10,2 1 10,6 1
FDP Freie Demokratische Partei 3,0 1 3,0 0 2,9 0
Gesamt 100,0 9 100,0 9 100,0 9
Wahlbeteiligung in % 50,3 46,3
Gemeindewahl in Naunheim 2011
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
62,3 %
13,3 %
11,2 %
10,2 %
3,0 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-2,1 %p
+6,5 %p
-4,0 %p
-0,4 %p
+0,1 %p

OrtsvorsteherBearbeiten

Ortsvorsteherin ist Andrea Volk (SPD).[17]

BauwerkeBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Naunheim ist aus der Wetzlarer Kernstadt über die L3285 (in Wetzlar als Dammstraße, in Naunheim als Naunheimer Straße geführt) zu erreichen, welche an Naunheim vorbei nach Lahnau führt. Naunheim wird durch die Stadtbuslinie 24, Wetzlar - Gießen, der ESE Verkehrsgesellschaft GmbH sowie durch die Überlandlinie 240 des Verkehrsverbundes Lahn-Dill (VLD) angefahren.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Naunheim verfügt über eine Freiwillige Feuerwehr. Sie ist mit zwei Löschgruppenfahrzeugen (LF 10/6 und LF 8) und einem Mannschaftstransportfahrzeug ausgerüstet[19]. Des Weiteren hat der Stadtteil eine eigene Rettungswache der Malteser. Auf der Wache wird ein Rettungswagen im 24-Stunden-Dienst sowie ein zweites Fahrzeug zur Abdeckung von Spitzenauslastungen im Tagesbereich vorgehalten.

Auch existieren in Naunheim ein Stadtteilbüro der Stadt Wetzlar, welches sich zusammen mit der örtlichen Bibliothek im Gebäude der alten Schule befindet, eine Grundschule und zwei Kindergärten. Ebenfalls wird von der Kirchengemeinde neben dem örtlichen Gotteshaus auch das Gemeindezentrum unterhalten, in dem mehrere gemeinnützige Gruppen ihre Treffen abhalten.

Industrie und HandelBearbeiten

Der Stadtteil verfügt über Geschäfte des täglichen Bedarfs.

Außerdem befinden sich jeweils eine Filiale der Sparkasse Wetzlar sowie der Volksbank Mittelhessen im Ort.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gemarkungsfläche (Memento vom 26. März 2018 im Internet Archive) (PDF; 111 kB) In: Webauftritt der Stadt Wetzlar, abgerufen im März 2018.
  2. Einwohnerzahlen 31. 12. 2017. (Memento vom 27. März 2018 im Internet Archive) In: Webauftritt der Stadt Wetzlar, abgerufen im März 2018. (PDF 118 KB)
  3. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 1 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  4. Geschichte von Naunheim. In: Webauftritt. Stadt Wetzlar, abgerufen im Januar 2019.
  5. a b c Naunheim, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. August 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 203, 266 (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 8 (online bei Google Books).
  9. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 420 (online bei Google Books).
  10. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407)
  11. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)
  12. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220)
  13. Verordnung, betreffend die Errichtung der Amtsgerichte vom 26. Juli 1878 (PrGS 1878, S. 275–283)
  14. Gesetz, betreffend die Abänderung von Amtsgerichtsbezirken vom 22. Juni 1902 (PrGS 1902, S. 227–228)
  15. a b Webauftritt der Stadt Wetzlar (aus webarchiv): 2005; 2006; 2009; 2012; 2015; 2017 Abgerufen im Januar 2019.
  16. Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit 2017. In: Webauftritt. Stadt Wetzlar, archiviert vom Original; abgerufen im Januar 2019.
  17. a b Ortsbeirat Naunheim, Stadt Wetzlar. Abgerufen am 14. Februar 2017.
  18. Ergebnis Ortsbeiratswahl Naunheim 2016
  19. Feuerwehr Naunheim: Fuhrpark (Memento vom 19. September 2008 im Internet Archive)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Wetzlar-Naunheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien