Naturalis

niederländisches Naturkundemuseum und Forschungsinstitut in Leiden

Das Naturalis Biodiversity Center ist seit der Fertigstellung des Neubaus im Jahre 1998 der Name für das Nationaal Natuurhistorisch Museum (Nationales Naturgeschichtliches Museum) in Leiden. Es ist ein Naturkundemuseum, in dem verschiedene Formen der Naturerziehung praktiziert werden.

Naturalis
Naturalis-Leiden-2019-1.jpg
Naturalis, 19. September 2019
Daten
Ort Darwinweg 2[1], 2333 CR Leiden, Niederlande Welt-IconKoordinaten: 52° 9′ 53″ N, 4° 28′ 24″ O
Art
Eröffnung 9. August 1820
Besucheranzahl (jährlich) 339.550 (2015)[2]
Website

Naturalis hat unter anderem eine Online-Übersicht über die niederländische Biodiversität koordiniert.

GeschichteBearbeiten

Die Vorläufer waren das Rijksmuseum van Natuurlijke Historie (Reichsmuseum für Naturgeschichte) und das Rijksmuseum voor Geologie en Mineralogie (Reichsmuseum für Geologie und Mineralogie). Das Rijksmuseum van Natuurlijke Historie wurde 1820 auf königlichem Beschluss und auf Veranlassung Coenraad Temmincks errichtet. Hier wurden bereits bestehende Sammlungen zusammengefügt. Zu diesem Museum hatte die Öffentlichkeit nur einen stark begrenzten Zugang, in manchen Zeiten sogar gar nicht. Erster Direktor war Coenraad Jacob Temminck, er berief 1821 Heinrich Boie als Konservator und ab 1825 ebenfalls Hermann Schlegel. Nach Boies Tod 1827 in Indonesien wurde Schlegel 1828 offiziell zum Konservator am Museum ernannt. Mit Temmincks Ableben 1858 wurde Schlegel sein Nachfolger als Direktor, er übte dieses Amt bis zu seinem Tod 1884 aus.[3]

Nach dem Zusammenschluss mit den Sammlungen des Zoölogisch Museum Amsterdam (ZMA) und dem Nationaal Herbarium Nederland 2011/2012 ist die Anzahl der Objekte auf etwa 37 Millionen angestiegen.[4]

Neuer MuseumsbauBearbeiten

1986 wurde beschlossen, dass das Rijksmuseum van Natuurlijke Historie ein öffentliches Museum werden sollte. Hierfür wurde ein ausgedehnter Neubau notwendig. Die Kosten für das Museumsprojekt – rund 60 Millionen Euro – waren die höchsten für ein Museum seit dem Bau des Rijksmuseum Amsterdam.

Das neue Museum wurde an ein ehemaliges Pesthaus aus dem 17. Jahrhundert angebaut, das seit 1954 als Unterkunft für das Legermuseum (ein Armeemuseum), das 1984 nach Delft umzog, diente. Das Pesthaus, das die Eingangshalle bildet und wo sich die Kasse, die Garderobe, ein Museumsladen und ein Café befindet, ist über eine 80 Meter lange Fußbrücke mit dem Neubau verbunden, wo die Sammlungsabteilungen und die Bibliothek untergebracht sind. Das Museum hat außerdem ein umfangreiches pädagogisches Programm. Das Museum befindet sich im Darwinweg 2 in Leiden. Die Museumsbibliothek, die eine sehr große Sammlung von Büchern und illustrierten Biologie- und Geologiemagazinen besitzt, ist frei zugänglich.

SammlungBearbeiten

Die Sammlung besteht aus über 40 Millionen[5] zoologischen, botanischen und geologischen Sammelstücken, darunter:

  • 12.000 Gallen
  • 6.000 Schleimpilze
  • 121.000 Holzproben
  • 140.000 Bücher
  • 14.000 wissenschaftliche Zeitschriftentitel
  • 57.000 Drucke und Zeichnungen
  • 13.000 Karten
  • 91.500 Mikrofiche
  • 310.000 Fotografien, Dias und Glasnegative
  • 10.000 Objekte in der pädagogischen Sammlung

Der größte Teil der Sammlungen ist in einem 60 Meter hohen Turm, einem Wahrzeichen von Leiden, untergebracht, der im April 1998 eröffnet wurde. Einige Teile der Sammlungen werden in einem Depot im ehemaligen Museumsgebäude am Raamsteeg im Stadtzentrum von Leiden aufbewahrt.

AusstellungenBearbeiten

Neben seinen zeitlich begrenzten Ausstellungen besitzt das Museum mehrere permanente Ausstellungen:

  • Natur-Theater (Tiere, Pflanzen, Pilze, einzellige Organismen, Bakterien, Steine und Mineralien, eine Impression der Natur in all ihren verschiedenen Formen).
  • Urzeit-Parade (Anhand von Fossilien wird die Erdgeschichte und die Entwicklung des Lebens dargestellt)
  • Leben (hier wird gezeigt, wie Pflanzen und Tiere leben und auf der Erde überleben).
  • Innerhalb der Erde (für Kinder und ihre Eltern, auf spielhafte Weise lernen Kinder, wie die Natur funktioniert).
  • Biotechnologie (Spiele und Filme zeigen dem Besucher, wie maßgeblich die DNA in allen Lebensabläufen ist).
  • Schatzkammer (spezielles Sicherheitspersonal und Tresore schützen die kostbaren Edelsteine, einschließlich einer Sammlung, die einmal dem holländischen König Wilhelm I. gehörte, sowie die Präparate von Tierarten, die in den letzten Jahrhunderten ausgestorben sind).

WeblinksBearbeiten

Commons: Naturalis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kontakt, Naturalis. Abgerufen am 20. August 2020.
  2. Maaike Lek: Naturalis ontvangt voor derde jaar op rij recordaantal bezoekers", Sleutelstad.nl, 2016. Abgerufen am 20. August 2020
  3. Gustaaf Schlegel: Hermann Schlegel. Lebensbild eines Naturforschers. Hrsg.: Hugo Köhler. Verlag von Oskar Bonde. Altenburg 1886
  4. Naturalis-Webseite "Collections" (Memento vom 9. April 2013 im Internet Archive), abgerufen im Internet Archive am 20. Oktober 2019
  5. Kurze Beschreibung zur Sammlung, abgerufen am 20. August 2020