Namlos

Gemeinde in Österreich
Namlos
Wappen Österreichkarte
Wappen von Namlos
Namlos (Österreich)
Namlos
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Reutte
Kfz-Kennzeichen: RE
Fläche: 28,76 km²
Koordinaten: 47° 21′ N, 10° 39′ OKoordinaten: 47° 21′ 23″ N, 10° 39′ 28″ O
Höhe: 1225 m ü. A.
Einwohner: 73 (1. Jän. 2020)
Bevölkerungsdichte: 2,5 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6623
Vorwahl: 05674
Gemeindekennziffer: 7 08 23
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Namlos 24
6623 Namlos
Politik
Bürgermeister: Walter Zobl (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2016)
(9 Mitglieder)

6 Gemeindeliste, 3 Bürgerliste Namlos-Kelmen - BNK

Lage von Namlos im Bezirk Reutte
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Über dieses Bild
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Namlos von Südwesten
Namlos von Südwesten
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Namlos ist eine Gemeinde mit 73 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2020) im Bezirk Reutte in Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Reutte.

GeografieBearbeiten

Die Kleingemeinde liegt im Namloser Tal, einem Seitental des Lechtals auf 1225 m ü. A. Der Ort ist beidseitig vom Lechtal über Stanzach (10 km) und vom Zwischentoren über Berwang (13 km) zu erreichen.

Auf dem Gemeindegebiet befinden sich zwei gerodete Freiflächen, die voneinander getrennt auf der Talsohle liegen. In der westlichen Rodung befindet sich der Hauptort und Amtssitz Namlos. Der Weiler Kelmen liegt ca. 3 km östlich davon. Er verbindet das Namloser Tal mit dem Rotlechtal. Im Gebirge oberhalb von Kelmen entspringt der Namloser Bach, der das Tal entwässert. Das Namloser Tal mündet bei Stanzach in das Lechtal.

NachbargemeindenBearbeiten

Berwang, Imst, Reutte, Stanzach, Tarrenz

GemeindegliederungBearbeiten

Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (Einwohner Stand 1. Jänner 2020[1]):

  • Kelmen (28)
  • Namlos (45)

GeschichteBearbeiten

In der Antike wurde das Namloser Tal als Jagdrevier genutzt, wie einige Funde beweisen.

Im Früh-/Hochmittelalter zogen einige Bauern von Imst ins Namloser Tal und führten Rodungen durch, um Schwaighöfe für den Sommer zu errichten. Der Ort wurde 1286 erstmals urkundlich erwähnt. Bis Ende des 13. Jh. gehörten die Almen zu Imst. Im Gegensatz zum übrigen Außerfern zogen früher die Männer aus Namlos im Winter in die Fremde. Die Toten wurden über das „Steinjöchl“ nach Dormitz gebracht.

Die Ortsseelsorge übernahm ursprünglich die Pfarre Imst. 1457 kam Namlos zur Pfarre Berwang. Im Jahre 1680 bekam Namlos einen eigenen Kaplan. Heute ist Namlos eine Kaplanei des Dekanats Breitenwang.

Namloser BebenBearbeiten

Am 8. Oktober 1930 lag Namlos im Epizentrum eines Erdbebens, das als „Namloser Beben“ bekannt ist. 16 Erdstöße bis zur Stärke 7,5 der zwölfteiligen Mercalli-Cancani-Sieberg-Skala bzw. 5,3 der Richterskala erschütterten das Dorf. Von 47 Kaminen stürzten damals 31 ein. Der Ausgangspunkt des Bebens wird unter der nahe gelegenen Knittelkarspitze vermutet.[2]

OrtsnameBearbeiten

Der Ortsname „Namlos“ leitet sich vermutlich von einem Erstsiedler namens Amel ab (Kurzform zu Amelfrid oder Amalung). Zuerst wurde an den Namen die Genitivendung -es angehängt (1427: „in Amles“). Dann kam das N der Präposition in durch falsche Silbentrennung an den Namen. So trug der Ort einige Zeit lang den Namen „Namles“, ehe er von den Amtsstuben zu „Namlos“ verhochdeutscht wurde.[3]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Trotz seiner geringen Größe ist das kleine Bergdorf in einigen Hinsichten sehr aktiv. Beispiele hierfür sind die eigenständige Freiwillige Feuerwehr, die Bergwacht, die Eigenjagd, die Agrargemeinschaft und die Musikkapelle Namlos. Anfang August wird alljährlich ein Dorffest veranstaltet.

Die Volks- bzw. Hauptschule gibt es seit 2013 nicht mehr.[4]

WirtschaftBearbeiten

Der Ort ist seit einigen Jahren von der Abwanderung bedroht. Immer mehr Bewohner zieht es in den nahegelegenen Ballungsraum des Bezirkshauptortes Reutte. Grund hierfür ist vor allem das weitaus größere Arbeitsplatzangebot. Die Viehzucht nimmt bei weitem nicht mehr einen so hohen Stellenwert ein wie noch vor einigen Jahren. So zählt das gesamte Braunvieh der Bauern in Namlos nur noch knapp 10 Stück.

TourismusBearbeiten

Seit bereits vielen Jahren ist die Haupteinnahmequelle des Ortes der Tourismus. Es gibt zwei Gasthäuser in Namlos (Gasthof Kreuz und Gasthof Namloserhof) und ein Gasthaus im Ortsteil Kelmen (Gasthof Wetterspitze). Hinzu kommen noch kleinere Vermieter und Pensionen, deren Angebot sich auf Zimmer und Ferienwohnungen beschränkt.

Im Sommer finden Touristen vor allem wegen des großen Wanderangebotes nach Namlos. Beliebte Wanderziele sind die Namloser Wetterspitze, die Knittelkarspitze, die Engelspitze, die Anhalter Hütte, der Dreiensee und das nahegelegene Almdorf Fallerschein. Sportler, Biker, Tagesgäste, Familien und zahlreiche weitere Personengruppen schätzen den Aufenthalt im Namloser Tal. Es punktet durch ruhige Abgeschiedenheit und Naturbelassenheit.

Die Namloser Straße (L21) ist eine allseits bekannte und beliebte Motorradstrecke.

Im Winter bietet vor allem das nahegelegene, ca. 13 km entfernte Berwanger Skigebiet touristische Angebote.

WeblinksBearbeiten

Commons: Namlos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2020 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2020), (CSV)
  2. Werner Heißel: Zur Tektonik der Nordtiroler Kalkalpen, Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien, 50. Band, 1957, Seite 104
  3. Peter Anreiter, Christian Chapman, Gerhard Rampl: Die Gemeindenamen Tirols: Herkunft und Bedeutung (= Veröffentlichungen des Tiroler Landesarchives). Wagner, Innsbruck 2009, ISBN 3-7030-0449-5, S. 408, 519.
  4. Ein Hauch von Wehmut über Namlos (Memento vom 7. Oktober 2015 im Internet Archive)