Nalia Radio and Television

Nalia Radio and Television, kurz NRT (regional NRT TV; ehemals Nalia TV) ist ein kurdischer Nachrichtensender mit Sitz in Sulaimaniyya. Er ist der erste unabhängige Fernsehsender in der Autonomen Region Kurdistan. NRT wurde 2010 von freiberuflichen Journalisten gegründet und gehört zu der Nalia Media Corporation.[1]

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NRT
Senderlogo
Fernsehsender (Privatrechtlich)
Programmtyp Spartenprogramm (Nachrichten)
Empfang Satellit, Satellitenradio
Bildauflösung 1080i (HDTV)
Sendestart 17.02.2011
Sprache Kurdisch, Arabisch
Sitz Sulaimaniyya, Kurdistan, Irak
Eigentümer Nalia Group
Geschäftsführer Shaswar Abdulwahid
Liste von Fernsehsendern
Website

GeschichteBearbeiten

Der Nachrichtensender NRT startete unter dem Namen Nalia TV[2] am 17. Februar 2011 als erster unabhängiger, kurdischer Nachrichtensender in der Autonomen Region Kurdistan seinen Betrieb.[3] Nach drei Tagen Sendebetrieb wurde die NRT-Niederlassung in Sulaimaniyya (kurdisch Slemanî) von etwa fünfzig bewaffneten, unbekannten Personen angegriffen. Der Angriff fand während der Demonstrationen gegen die Barzani-Regierung statt und wird mit diesen in Verbindung gebracht.[4] NRT war zu dieser Zeit der einzige darüber berichtende Nachrichtensender. Bei diesem Angriff wurde das Fernsehstudio niedergebrannt und ein Sicherheitsmann verletzt.[5] Eine Aufklärung des Falles gab es nicht.

Bei einem weiteren Angriff von Unbekannten auf eine Sendestation von NRT wurde am 27. Oktober 2013 der Geschäftsführer, Shaswar Abdulwahid, durch ein Drive-by-Shooting angeschossen und schwer verletzt. Er überlebte den Angriff und versprach, den Sendebetrieb fortzuführen.[6][7]

Seit August 2014 führt NRT eine Partnerschaft mit dem Auslandssender Voice of America. Dazu wurde das Programm Kurd Connection durch die beiden Sender hervorgebracht. Die Sendung, die sonntags ausgestrahlt und von VOA Kurdish (kurdisch Dengê Amerîka ‚Stimme Amerikas‘)[8] betreut wird, soll dazu dienen, die Reaktionen amerikanischer Politik auf Geschehnisse im Irak wiederzugeben.[9]

Am 10. Oktober 2015 wurde NRT von Sicherheitskräften der Asayîş zur Schließung seiner Büros in Erbil und Duhok gezwungen. NRT berichtete zu dieser Zeit über die Proteste der Bürger in Sulaimaniyya. Sie demonstrierten für die ausstehenden Gehaltszahlungen von Beamten, die mehrere Monate von der Regionalregierung Kurdistans nicht gezahlt wurden. Bei diesen Protesten starben laut Human Rights Watch fünf Menschen. Die Mitarbeiter von NRT wurden durch Sicherheitskräfte, die der Demokratische Partei Kurdistans (DPK) nahe stehen sollen, dazu gedrängt, ihre Arbeitsplätze zu verlassen. Einige von ihnen seien laut Ramen Gareb, dem Vorsitzenden der Nichtregierungsorganisation Metro Center, nach Sulaimaniyya verschleppt worden. Die Begründung für die Schließung der Büros sei laut Kawa Abdulkader, dem Büro-Leiter von NRT in Erbil, die Verstärkung der politischen Krise und die Unterstützung der Opposition. Zeitgleich wurden auch Büros von KNN TV und der Radiosender Gorran geschlossen. Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, kritisierte in diesem Zusammenhang die Übergriffe an Journalisten: „Die Behörden in allen Teilen Iraks haben die Pflicht, Journalisten vor Übergriffen zu schützen, wer auch immer die Urheber sind.“ Am 13. Oktober 2015 durfte NRT den Sendebetrieb wieder aufnehmen.[10][11][12]

Zu einer erneuten Schließung eines Büros kam es am 26. Januar 2019 in Dohuk. Die Sperrung folgte, nachdem der Fernsehsender über einen Ansturm von Bewohner der Stadt Sheladize auf eine türkische Militärbasis im Nordirak berichtet hatte. Zuvor starben bei einer türkischen Militäroffensive, die laut der Regierung der Arbeiterpartei Kurdistan (PKK) gelten sollte, vier kurdische Zivilisten aus Sheladize.[13] Dies löste einen Protest in der Bevölkerung aus. Bei diesem Protest wurde die dort befindliche Militärbasis in Brand gesteckt und es kam zu Ausschreitungen zwischen den Stadtbewohnern und den Soldaten.[14] Während dieser Ausschreitungen starben zwei Zivilisten und fünfzehn weitere wurden verletzt.[15] Die türkischen Soldaten räumten die Militärbasis. NRT verfolgte die Geschehnisse per Liveübertragung und sendete über Internet und Fernsehen. Als die Proteste durch Peschmerga-Einheiten beendet wurden, berichtete NRT in Dohuk weiter und interviewte einige Beteiligte. Danach wurde das Team des Fernsehsenders, das im Einsatz war, von Sicherheitskräften der Regionalregierung für mehrere Stunden festgehalten und dessen Ausstattung beschlagnahmt.[16] Bei einer Pressekonferenz in Erbil sah der Premierminister von Irakisch-Kurdistan, Nêçîrvan Barzanî, die Präsenz der Arbeiterpartei Kurdistan im Nordirak als Hauptursache für die tödlichen Ereignisse.[17] Die Zentralregierung in Baghdad hingegen verurteilte die türkischen Interventionen im Nordirak und bestellte den türkischen Botschafter ein. Sie kritisierte, dass die Türkei die Souveränität des Iraks damit verletze.[18][19] Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ)[20], die Internationale Journalisten-Föderation (IFJ)[21] und Reporter ohne Grenzen verurteilten den Umgang der Regionalregierung von Kurdistan mit den Journalisten von NRT. Die Informationsfreiheit in Kurdistan solle von den Behörden und Sicherheitskräften respektiert werden, teilte die IFJ in ihrer Pressemeldung mit.[21] Die CPJ forderte von der regierenden Demokratischen Partei Kurdistans die Rückgabe der beschlagnahmten Ausstattung des Fernsehteams und die Wiedereröffnung des NRT-Büros in Dohuk. Zudem müsste es den Journalisten erlaubt sein, ihrer Arbeit frei nachzugehen.[20]

EmpfangBearbeiten

NRT kann über Satellit von NileSat auf 7.0° West, bei einer vertikalen Polarisation und einer Frequenz von 12521, mit Symbolrate 27500 digital empfangen werden.[22] Das Signal wird im High Definition Videoformat gesendet und kann auch über einen Livestream dementsprechend geschaut werden.[23]

WeblinksBearbeiten

Commons: NRT – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. About (NRT English). In: www.nrttv.com. Nalia Media Corporation, abgerufen am 4. Dezember 2015 (englisch, „Über“-Seite des Fernsehsenders).
  2. David Romano, Mehmet Gurses: Conflict, Democratization, and the Kurds in the Middle East: Turkey, Iran, Iraq, and Syria. Springer, 2014, ISBN 978-1-137-40999-7 (google.de [abgerufen am 29. Januar 2019]).
  3. Independent Kurdish Nalia NRT TV burnt down while carrying reports on Sulaimaniyah events. In: ekurd.net. Ekurd Daily, 20. Februar 2011, abgerufen am 4. Dezember 2015 (englisch).
  4. Anti-government protests in Sulaimaniyah, Iraqi Kurdistan, 2 killed, 47 wounded. In: ekurd.net. 17. Februar 2011, abgerufen am 4. Dezember 2015.
  5. Gunmen torch Iraqi TV station that showed protest. In: USATODAY.COM. USA Today, 20. Februar 2011, abgerufen am 4. Dezember 2015.
  6. Thomas Hill, Alex Munoz: Finding Peace in Iraq. Band 2. Lulu.com, 2014, ISBN 978-1-312-64494-6, S. 92 (google.com [abgerufen am 4. Dezember 2015]).
  7. Thomas Hill, Alex Munoz: Finding Peace in Iraq Vol 2. 2014, ISBN 978-1-312-64494-6 (google.de [abgerufen am 29. Januar 2019]).
  8. Dengê Amerîka. In: Voice of America. Abgerufen am 7. Dezember 2015 (kurdisch, Webseite von VOA).
  9. VOA Partners with NRT TV in Iraqi Kurdistan. In: VOA. Abgerufen am 7. Dezember 2015.
  10. Iraqi Kurdish authorities shut down NRT, KNN TV offices in Erbil, Duhok. In: Kurd Net - Ekurd.net Daily News. Abgerufen am 4. Dezember 2015 (amerikanisches Englisch).
  11. Razzien und Angriffe kurdischer Sicherheitskräfte gegen Journalisten im Nordirak. In: finanzen.net. 19. Oktober 2015, abgerufen am 4. Dezember 2015.
  12. Human Rights Watch | 350 Fifth Avenue, 34th Floor | New York, NY 10118-3299 USA | t 1.212.290.4700: Iraqi Kurdistan: Ruling Party Forces Fire on Protesters. 21. Oktober 2015, abgerufen am 28. Januar 2019 (englisch).
  13. One dead after protesters storm Turkish military camp in north... In: Reuters. 27. Januar 2019 (reuters.com [abgerufen am 28. Januar 2019]).
  14. Protesters storm Turkish military camp in Iraq's Kurdish region. Abgerufen am 28. Januar 2019.
  15. Deutsche Welle (www.dw.com): Kurdish protesters storm Turkish military base in Iraq | DW | 27.01.2019. Abgerufen am 28. Januar 2019 (britisches Englisch).
  16. Nalia Corporation: All members of NRT team released after being arrested while covering Duhok protest. Abgerufen am 28. Januar 2019.
  17. Nalia Corporation: PKK presence reason for civilians’ deaths in Turkish airstrikes, says KRG PM. Abgerufen am 28. Januar 2019.
  18. Inga Rogg: Kurden stürmen türkische Militärbasis im Nordirak. 27. Januar 2019, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 28. Januar 2019]).
  19. Mohammed Ebraheem: Iraq summons Turkish envoy over bombardment of Kurdish town. 27. Januar 2019, abgerufen am 28. Januar 2019 (englisch).
  20. a b Committee to Protect Journalists 330 7th Avenue, 11th Floor New York, Ny 10001: Security forces detain TV crews and shut down broadcaster's office in Iraqi Kurdistan. Abgerufen am 29. Januar 2019 (englisch).
  21. a b Iraq: 7 journalists attacked by Kurdish security forces. In: ifj.org. Internationale Journalisten-Föderation, 29. Januar 2019, abgerufen am 29. Januar 2019 (englisch).
  22. NRT Frequenz - بەم شێوەیە فرکوێنسییە نوێیەکەى NRT لە رسیڤەرەکانتاندا سەیڤبکەن. In: nrttv.com. Nalia Media Corporation, abgerufen am 7. Dezember 2015 (kurdisch, NRT Frequenz zum digitalen Empfang über Satellit).
  23. NRT Live Stream. In: nrttv.com. Abgerufen am 7. Dezember 2015.