Naajaat

Siedlung in Grönland

Naajaat [naːˈjaːtˢʰ] (nach alter Rechtschreibung Naujât) ist eine grönländische Siedlung im Distrikt Upernavik in der Avannaata Kommunia.

Naajaat (junge Möwen)
Naujât
Naajaat (2007)
Naajaat (2007)
Kommune Avannaata Kommunia
Distrikt Upernavik
Einwohner 41
(1. Januar 2022)
Zeitzone UTC-3
Geographische Lage 73° 9′ 0″ N, 55° 49′ 0″ WKoordinaten: 73° 9′ 0″ N, 55° 49′ 0″ W
Naajaat (Grönland)

LageBearbeiten

Naajaat liegt auf der Insel Naajat in einer kleinen Inselgruppe, die zudem noch aus den größeren Inseln Kangilleq und Sanningasorsuaq besteht. Der nächste Ort ist Innaarsuit, das neun Kilometer nordwestlich liegt. Bis zum Distrikthauptort Upernavik sind es 41 km nach Süden.[1]

GeschichteBearbeiten

Naajaat war zu Beginn der Kolonialzeit bewohnt. 1798 lebten 45 Menschen am Wohnplatz, der damit zu den größten Orten des Distrikts gehörte. 1806 lebten in Naajaat 30 Menschen in einem Haus. 1850 war der Ort verlassen.[2][3]

Naajaat wurde Anfang des 20. Jahrhunderts neu besiedelt. 1911 wurde Naajaat Teil der Gemeinde Qassersuaq. 1918 hatte der Wohnplatz 14 Einwohner in drei Häusern. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich bald und lag zwischen 1940 und 1970 recht konstant bei 25 bis 30 Einwohnern, bevor sie sich ein weiteres Mal verdoppelte.[4]

1950 wurde Naajaat Teil der neuen Gemeinde Upernavik. Der Ort hat nie offiziell den Dorfstatus erhalten. In den 1960er Jahren gab es einen Leser, der acht Kinder in seinem Haus unterrichtete. Die Bevölkerung lebte nahezu ausschließlich von der Robbenjagd und musste zum Handeln nach Tussaaq reisen.[5] Bei der Verwaltungsreform 2009 fiel Naajaat an die Qaasuitsup Kommunia. Seit 2018 gehört der Ort zur Avannaata Kommunia.

WirtschaftBearbeiten

Ein Großteil der Bewohner lebt vom Fischfang. Die Gegend ist reich an Schwarzem Heilbutt, aber die Fischer müssen ihren Fang in Innaarsuit verkaufen, da es in Naajaat keine Fischfabrik gibt. Der Tourismus dient als weitere Einnahmequelle.[6]

Infrastruktur und VersorgungBearbeiten

Naajaat hat wenig Infrastruktur. Es gibt keinen Hafen und die Fischerboote liegen direkt am Ufer. Ein Heliport ist auch nicht vorhanden und innerhalb des Ortes gibt es keine Wege, sodass alle Häuser frei stehen. Der Verkehr in die Umgebung erfolgt per Hundeschlitten und Schneemobil.

Nukissiorfiit versorgt die Bewohner über eine Dieselkraftwerk mit Strom. TELE Greenland bindet sie telekommunikativ an. Der Müll aus Naajaat wird deponiert, aber eine Verbrennungsanlage existiert nicht.[6]

BebauungBearbeiten

Die Niisip Atuarfia wurde 1972 errichtet und unterrichtet etwa ein halbes Dutzend Schüler. Das Schulgebäude fungiert auch als Kirche und Versammlungsgebäude. Naajaat hat zudem eine Bibliothek. Es gibt keinen Laden in Naajaat und die Güterversorgung läuft über Innaarsuit.[6]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Naajaat gehört zu den kleineren Orten der Region. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich zwischen Ende der 1970er Jahre und Mitte der 2000er Jahre, aber ist seitdem wieder leicht gesunken.[7]

PanoramaBearbeiten

 
Naajaat (2007)

WeblinksBearbeiten

Commons: Naajaat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen. Bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq.
  2. Hans Jensen Bryder: Beskrivelse af Distrikterne i Nordgrønland: Upernivik Distrikt. De enkelte Bopladser i Upernivik Distrikt. Bopladsen Naujait. In: Georg Carl Amdrup, Louis Bobé, Adolf Severin Jensen, Hans Peder Steensby (Hrsg.): Grønland i tohundredeaaret for Hans Egedes landing (= Meddelelser om Grønland. Band 60–61). Band 1. C. A. Reitzel Boghandel, Kopenhagen 1921, S. 496 (Digitalisat im Internet Archive).
  3. Hother Ostermann: Beskrivelse af Distrikterne i Nordgrønland: Upernivik Distrikt. Historie. In: Georg Carl Amdrup, Louis Bobé, Adolf Severin Jensen, Hans Peder Steensby (Hrsg.): Grønland i tohundredeaaret for Hans Egedes landing (= Meddelelser om Grønland. Band 60–61). Band 1. C. A. Reitzel Boghandel, Kopenhagen 1921, S. 508 ff. (Digitalisat im Internet Archive).
  4. Jens Christian Madsen: Udsteder og bopladser i Grønland 1901–2000. Atuagkat, 2009, ISBN 978-87-90133-76-4, S. 184 f.
  5. Pie Barfod: Naujât. In: Niels Nielsen, Peter Skautrup, Christian Vibe (Hrsg.): Grønland (= Trap Danmark. Femte Udgave. Band XIV). G. E. C. Gads Forlag, 1970, ISBN 87-12-88316-6, S. 594–595.
  6. a b c Naajaat. Kommunalplan der Avannaata Kommunia (2018–2030).
  7. Einwohnerzahl Naajaat 1977–2022. bank.stat.gl (Grönländisches Statistikamt).