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Mysłowice [mɨswɔˈvʲiʦe] (deutsch Myslowitz) ist eine kreisfreie Stadt an der Przemsa in der polnischen Woiwodschaft Schlesien. Sie liegt etwa 9 km östlich von Katowice am Zusammenfluss der Weißen und der Schwarzen Przemsa am so genannten Dreikaisereck und zählt rund 75.000 Einwohner.

Mysłowice
Wappen von Mysłowice
Mysłowice (Polen)
Mysłowice
Mysłowice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Schlesien
Powiat: Kreisfreie Stadt
Fläche: 65,57 km²
Geographische Lage: 50° 15′ N, 19° 8′ OKoordinaten: 50° 14′ 43″ N, 19° 7′ 50″ O
Einwohner: 74.592
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 41-400 bis 41-412
Telefonvorwahl: (+48) 32
Kfz-Kennzeichen: SM
Wirtschaft und Verkehr
Straße: ChorzówJaworzno
Schienenweg: Jaworzno Szczakowa–Mysłowice
Nächster int. Flughafen: Flughafen Katowice
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 65,57 km²
Einwohner: 74.592
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 1138 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2470011
Verwaltung (Stand: 2007)
Stadtpräsident: Edward Lasok
Adresse: ul. Powstańców
41-400 Mysłowice
Webpräsenz: www.myslowice.pl



Inhaltsverzeichnis

StadtgliederungBearbeiten

Die Ostgrenze des Stadtgebiets ist die Przemsa, die Oberschlesien von Kleinpolen trennt. Die Stadt Mysłowice gliedert sich in folgende Stadtteile:

  • Bończyk
  • Brzezinka (Birkental)
  • Brzęczkowice (Brzenskowitz)
  • Ćmok (Czmok)
  • Dziećkowice (Dzietzkowitz)
  • Janów Miejski (Janow)
  • Kosztowy (Kosztow)
  • Krasowy (Krassow)
  • Larysz (Heidowisna)
  • Ławki (Lawek)
  • Morgi (Morgen)
  • Piasek (Piossek)
  • Słupna (Slupna)
  • Stare Miasto (Altstadt)
  • Śródmieście (Innenstadt)
  • Wesoła (Wessolla)

GeschichteBearbeiten

 
Das Dreikaisereck auf einer Postkarte von 1902
 
Herz-Jesu-Kirche – 1888–1891 erbaut.
 
Der Wilhelmsplatz/Pl. Wolności in den 1930er Jahren

Die erste urkundliche Erwähnung entstammt dem Jahre 1360. Damals gehörte die Stadt dem Herzogtum Ratibor im Königreich Böhmen an. Durch ihre Lage an der Przemsa war sie über Jahrhunderte Grenzstadt zum Königreich Polen hin. Später wurde Myslowitz Sitz der Standesherrschaft Myslowitz-Kattowitz, deren Besitzer unter anderem die Familie von Tiele-Winckler war. Die Herrschaft war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im Besitz einiger Privilegien, zu denen auch die Bergbaurechte gehörten.

Im Jahre 1742 wurde mit dem größten Teil Schlesiens auch Myslowitz preußisch. Nachdem Russland auf dem Kongress 1815 Kongresspolen erhalten und Österreich 1846 den Freistaat Krakau annektiert hatte, trafen bis 1918 bei Myslowitz die Grenzen Preußens, Österreichs und Russlands zusammen. Nach der deutschen Reichsgründung 1871 wurde der Punkt Dreikaisereck genannt.

Infolge der preußischen Städtereform wurde der Ort im Jahre 1808 (mit rund 400 Einwohnern) als Marktflecken eingeordnet. Die Wohnhäuser der Stadt und das Rathaus waren aus Schrotholz erbaut. Einen Aufschwung brachte die Gründung der Steinkohlegruben Gute Amalie und Gute Erwartung sowie des Zinkwerks Amalienhütte 1825, aber auch der Grenzhandel mit Österreich-Polen über die Przemsa-Holzbrücke. 1853 wurde südlich der eigentlichen Stadt der Neue Ring angelegt. Die Stadtrechte wurden dann im Jahre 1862 erneut verliehen. Bis 1818 gehörte der Ort dem Pleßer Kreise an und kam darauf zum Landkreis Beuthen, 1873 schließlich zum Landkreis Kattowitz.

Im Jahre 1847 wurde in Myslowitz der Übergangsbahnhof der Krakau-Oberschlesischen Eisenbahn (von Krakau) und der Oberschlesischen Eisenbahn (von Breslau) in Betrieb genommen. Im Jahre 1914 hatte die Stadt auf einer Fläche von 8,8 km² 18.800 Einwohner. Obwohl in den 1860ern nur ein Viertel der Bevölkerung deutschsprachig[2] und die Mehrheit um 1905 noch polnischsprachig war,[3] stimmten 1921 in der von Aufständen begleiteten Volksabstimmung in Oberschlesien 5827 Stimmberechtigte, das waren 56,3 % der gültigen Stimmen, für einen Verbleib bei Deutschland.[4] Trotz dieses Ergebnisses wurde die Stadt 1922 Polen, bzw. der Autonomen Woiwodschaft Schlesien zugesprochen.

Beim Überfall auf Polen im September 1939 wurde Mysłowice von der Wehrmacht besetzt und wieder dem Deutschen Reich angeschlossen. Kurz darauf wurde die Myslowitzer Synagoge zerstört. Zwischen 1943 und 1945 befand sich in Fürstengrube (heute Stadtteil Wesoła) das KZ Fürstengrube als Außenlager des KZ Auschwitz. Die Insassen wurden am 19. Januar 1945 mit dem KZ Fürstengrube-Todesmarsch vor der heranrückenden Roten Armee evakuiert.

Die Eingemeindungen des Jahres 1975, u. a. von Kosztowy, haben die Fläche auf 66 km² und die Einwohnerzahl auf 61.700 erhöht. Im Jahre 1977 wurden Imielin und Chełm Śląski eingemeindet, die allerdings im Jahre 1995 wieder eigenständig wurden.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Die Einwohnerzahlen von Mysłowice nach dem jeweiligen Gebietsstand (ohne Schloss Myslowitz):[5]

Jahr Einwohner
1775 312
1825 1205
1844 2540
1850 2759
1855 3755
1861 5328
1885 8322
Jahr Einwohner
1890 9392
1900 13.385
1905 15.845
1910 17.838
1995 79.766
2000 75.949
2005 75.183

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Pfarrkirche Mariä Geburt
 
Rathaus von Myslowice

Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört die Pfarrkirche Mariä Geburt (Narodzenia Najświętszej Marii Panny) aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde in den Jahren 1740 bis 1742 im Stil des Barock umgebaut. Ein weiterer, neugotischer Umbau folgte im Jahr 1901.

Die als die älteste Kirche der Stadt geltende Kreuzkirche (Św. Krzyża) wurde ursprünglich aus Holz gebaut. Sie wurde im Jahr 1807 zerstört und danach aus Stein im Stil des Klassizismus wiederaufgebaut.

Das Rathaus entstammt dem Jahr 1867.

MusikBearbeiten

Im Jahr 1992 wurde in Mysłowice die Rockband Myslovitz gegründet.

MuseenBearbeiten

  • Zentrales Polnisches Feuerwehrmuseum[6]

VerkehrBearbeiten

Im ÖPNV besteht eine Anbindung an das Netz der Oberschlesischen Straßenbahn.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jacob Lustig: Geschichte der Stadt Myslowitz in Ober-Schlesien. Myslowitz 1867 (E-Kopie)
  • Jürgen Joachimsthaler: „Drei Adler“. Myslowitz. Ein Vorspiel, in: Ad mundum poëtarum et doctorum cum Deo. Festschrift für Bonifacy Miązek zum 70. Geburtstag. Hrsg. v. Edward Białek, Jan Krucina, Eugeniusz Tomiczek. (= Beihefte zum Orbis Linguarum 39). ATUT, Wrocław 2005, S. 365–385
  • Arkadiusz Kuzio-Podrucki: Die Tiele-Wincklers. Eine Oberschlesische Kohle- und Stahlaristokratie. Tarnowskie Góry-Kiel 2007, ISBN 978-83-924291-5-9 (polnisch: Tiele-Wincklerowie. Arystokracja węgla i stali. Bytom 2006, ISBN 83-923733-0-8)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mysłowice – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

FußnotenBearbeiten

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Vgl. Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865
  3. atlassen.info
  4. Vgl. oberschlesien.de@1@2Vorlage:Toter Link/www.oberschlesien.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.; abger. am 6. Oktober 2008
  5. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1775, 1825, 1850, 1855, 1861: Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865 – 1844: Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845 – 1885: Meyers Konversationslexikon, 1885-1892 – 1890: Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. sch_kattowitz.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006). – 1900, 1905: Brockhaus, 1911 – 1910: gemeindeverzeichnis.de – 1995, 2000, 2005: GUS (Memento des Originals vom 16. Februar 2008 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stat.gov.pl
  6. Certification of Fire Brigades Museums (Memento des Originals vom 13. Juli 2009 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ctif.org der CTIF abgerufen am 2. Oktober 2009
  7. Älteste Schweizerin Rosa Rein kurz vor 113. Geburtstag gestorben, Aargauer Zeitung vom 14. Februar 2010